Scheint wohl nicht mein Schicksal zu sein
Junger Mann, Sie … Was machen Sie da? Haben Sie denn gar kein schlechtes Gewissen?! Das Mädchen sah mich entsetzt an und ich, total überrumpelt, wusste erst gar nicht, was ich antworten sollte.
Moment, Sie verstehen das völlig falsch … stammelte ich hilflos.
Doch sie hatte gar keinen Nerv, sich meine Erklärungen anzuhören. Sie trat auf mich zu, schnappte sich ihre Geldbörse und verpasste mir mit voller Wucht eine gepfefferte Ohrfeige.
*****
Seit dem gestrigen Abend und bis weit in den Morgen hatte ich mein Name ist Florian nichts anderes getan, als Kaffee zu trinken und im Chat mit jemandem namens Traumhafte_Veronika zu schreiben.
Ich war mit einem banalen Hallo! eingestiegen, sie hatte freundlich mit dem gleichen Gruß geantwortet, und ehe ich mich versah, entwickelte sich ein lockeres Gespräch.
Das Schreiben mit ihr fiel mir so unerwartet leicht, dass ich spätestens nach dem dritten Kaffee dachte: Mit dieser sympathischen, blauäugigen Blondine (ich hoffte, ihr Profilbild war echt) könnte sich wirklich etwas entwickeln. Ob Freundschaft oder mehr egal, Hauptsache, eine Verbindung.
Und sie machte auch tatsächlich Andeutungen, dass sie sich ein Treffen vorstellen konnte. Auf meine Frage: Wollen wir uns mal auf einen Kaffee treffen und uns persönlich kennenlernen? hatte sie mit einem augenzwinkernden Könnte sein
geantwortet. Danach wollte sie noch wissen, was ich beruflich mache …
… und ab da lief alles aus dem Ruder.
Warum musste ich ihr nur gleich sagen, was ich mache? Und dann auch noch das Foto aus dem Büro schicken … ärgerte ich mich.
Nicht auf Veronika war ich sauer, sondern auf mich selbst.
Andererseits … Sie hätte es so oder so irgendwann erfahren und was dann, Florian?
Aber auf manche Fragen braucht man gar keine Antwort, weil sie ohnehin klar ist.
Sie hätte mich spätestens dann abserviert. So wie jetzt.
Noch einmal las ich die Nachricht, in der stand, dass ein Systemadministrator, der seine Zeit im Büro absitzt, privat wohl nichts reißen wird. Da hätte ich ihr am liebsten noch ein paar nette Worte zurückgeschrieben.
Doch nach kurzem Überlegen beschloss ich, dass sie das nicht verdient hatte. Besser, sie denkt, ihre harschen Worte gehen mir völlig am Allerwertesten vorbei.
Also schickte ich ihr einfach nur einen lachenden Emoji Tränen der Freude waren es. Dann schlug ich den Laptop so heftig zu, dass es fast unter der Tastatur krachte. Für alle Systemadministratoren, die schon mal an der Ehrlichkeit gescheitert waren.
Was da geknarzt hatte, wollte ich gar nicht wissen man muss sein Schicksal ja auch nicht unnötig herausfordern
Seit beinahe drei Monaten surfte ich nun fast jede freie Minute durch Dating-Plattformen, immer in der Hoffnung, dort die Richtige zu treffen
Stattdessen wurde ich immer sicherer, dass ich meine Zeit vergeudete. Mit Traumhaften hatte ich die ganze Nacht verquatscht und das Resultat? Abfuhr.
Genauso wie bei den anderen, die offensichtlich der Überzeugung waren, nur Unternehmer und keinesfalls ein Fachmann, der Windows aufsetzt kämen für sie infrage.
Dabei beschränken sich meine Aufgaben wahrlich nicht nur auf Windows! Für all das andere bekomme ich übrigens ziemlich ordentliches Gehalt.
Aber was soll’s?
Ich schaltete das Retro-Radio ein, um mich abzulenken prompt trällerte Juliane Werding: Scheint wohl nicht mein Schicksal zu sein, scheint wohl nicht mein Schicksal zu sein …
Ich schaltete das Radio wieder aus, aber innerlich musste ich ihr zustimmen.
Warum gehe ich immer wieder auf diese Seiten? Zeitverschwendung.
Aber versuchen musste ich es ja. Mein bester Freund, Thomas, hatte es mir sogar empfohlen.
Ich hab meine Janine doch auch über so ein Portal kennengelernt! brüstete er sich. Und das so sehr, dass ich ihn beneiden musste.
und ich? Bin ich wirklich so viel schlechter? Wieso sollte ich nicht auch so eine tolle Frau kennenlernen?
Hat aber nicht sollen sein. Wer so eine Frau wie Janine findet, hat scheinbar den Sechser im Lotto und Thomas hatte eben Glück.
Und ich? Ich muss mich damit abfinden, dass Systemadministratoren aktuell nicht sehr gefragt sind. Oder eben, dass scheint wohl nicht mein Schicksal zu sein.
So, genug gejammert! gab ich mir einen Ruck. Vielleicht hätte es mit ihr ohnehin nicht funktioniert, und ich …
Ich warf einen Blick auf die Uhr. Halb acht. Weiterschlafen wäre jetzt genau das Richtige heute war schließlich Samstag und nichts Wichtiges geplant.
*****
Kaum lag ich im Bett und wollte mein Handy auf lautlos stellen, klingelte mein Telefon: Thomas.
Kaum an jemanden gedacht, schon ruft er an.
Flo, hey! Ich brauch dringend deine Hilfe!
Morgen, Thomas. Ich hab nicht geschlafen und wollte eigentlich jetzt endlich mal ein paar Stunden nachholen. Gehts nicht ein andermal?
Nein, wirklich, das hat Zeit, ist aber total wichtig. Es geht um unser Hausfrieden, Freundschaft und Harmonie!
Jetzt wird er wieder melodramatisch …
Ehrlich, Flo, das kann ich nur dir anvertrauen. Anderen vertraue ich nicht so. Es geht nicht um Leben und Tod, aber du würdest mir echt das Leben retten.
Wahnsinn, wie er das immer macht. Keine Sekunde plausibel und trotzdem fühle ich mich gleich wieder verpflichtet.
Andererseits: Thomas ist schließlich mein Chef und leitet unseren IT-Bereich. Ich bin sein engster Mitarbeiter.
Was gibts? Hat der zentrale Server wieder gestreikt? Muss die Datenbank neu aufgesetzt werden?
Nein, diesmal nicht dienstlich. Ich schau gleich vorbei erklär ich dann! Bleib einfach zu Hause, bitte.
Na gut.
Keine Minute später klingelte es an meiner Tür. Ich hatte keine Chance, mich auch nur eine Minute auszuruhen. Draußen stand Thomas selbst und neben ihm:
…Freddy.
Wieso hat er jetzt auch noch den Hund mitgeschleppt?
Das ging ja schnell! feixte ich. Standest doch bestimmt schon vor meinem Haus und hast gewartet, wanns mir endlich zu langweilig wird, oder?
Natürlich, grinste Thomas und streckte die Hand aus.
Ich dachte, er will mir die Hand geben. Tatsächlich drückte er mir Freddys Leine in die Hand.
Was …?
Pass auf, Flo: Meine Frau, Janine, hat letzte Woche beim Radiosender einen Reisegutschein nach Italien gewonnen. Alles bezahlt, fünf Sterne, Touren, das volle Programm für zwei! Sie will natürlich, dass ich mitfliege.
Und du findest die Idee nicht so toll? Ich wusste, wie sehr Thomas sich vorm Fliegen drückte.
Keine Spur. Ich meinte zu ihr: Nimm doch eine Freundin mit. Darauf sie: Nur mit dir! Und dann drohte sie zu scherzen, ganz in Italien zu bleiben, wenn ich nicht mit ihr fahre.
Harte Nummer, schmunzelte ich und betrachtete Freddy, der mich argwöhnisch ansah.
Er kennt mich gut, aber warum fixiert er mich so seltsam? Als hätte ich ihm einen Eid geschworen …
Jedenfalls: Ich hab zugesagt. Der Chef hat tatsächlich sofort Ja gesagt! Zwei Jahre lang war Urlaub Sparkurs, und jetzt? Ganz ohne Widerrede.
Kaum zu glauben, lachte ich. Der letzte richtige Urlaub ist ewig her.
Wahrscheinlich hat Janine ihn bestochen … Aber egal: Du übernimmst so lange die IT!
Krass!
Klar, damit hab ich dich schon glücklich gemacht, was? Thomas schlug mir auf die Schulter.
Juchhu. Jetzt bin ich Abteilungsleiter auf Bewährung.
Aber, und jetzt kommts: Für Freddy hab ich niemanden. Mitnehmen kann ich ihn nicht … Pass bitte auf ihn auf, ja?
Mensch, Thomas … Du weißt doch, dass ich mit Hunden null Erfahrung hab. Da gibts doch Tierpensionen!
Vollkommen entspannt, grinste Thomas. Ich bring dir gleich noch Futter, seinen Napf und sein Lieblingskissen. Mit Freddy hast du keinen Stress kein Welpe mehr.
Wenn er sich da mal nicht irrt …
Morgens und abends raus das wars. Geld gibts keins du brauchst ja keinen. Aber ich zahl dir ein paar Freitage.
Beißt der? Frisst er Schuhe? Jault er viel?
Niemals! Freddy ist total brav. Er stibitzt höchstens manchmal … na ja, ich sag’s besser nicht …
Was?
Manchmal will er einfach weg, also auf eigene Faust durch die Stadt. Freiheit und so, verstehste?
Und ich darf dann hinterher ganz München absuchen?
Ach was, Thomas lachte. Der findet immer wieder von selbst nach Hause. Aber pass trotzdem ein bisschen auf.
Na schön. Aber wenn er mir die Bude verwüstet, zahlst du den Schaden!
Ehrenwort.
*****
Als ich aufwachte, dämmerte es schon draußen. Ich füllte den Napf mit Trockenfutter und stellte ihn vor Freddy, der die ganze Zeit im Flur gelegen hatte und mucksmäuschenstill war.
Na, Zeit fürs Abendessen, oder? Ich kraulte ihm den Kopf.
Freddy sah mich aus dunklen Hundeaugen nur an, blieb aber regungslos liegen.
Kein Hunger? Oder … ach so, richtig. Thomas meinte, du bist ein Hund mit Prinzipien: Erst Gassi, dann Futter. Na dann, los. Ich kann selbst etwas frische Luft gebrauchen und vielleicht seh ich mal ein glückliches Pärchen scheine ja selbst keins abzukriegen …
Plötzlich wurde Freddy munter, schnappte sich schwanzwedelnd die Leine und war schneller im Treppenhaus als ich.
*****
Eine Stunde lang schlenderten wir durch den Park. Freddy blieb stets bei mir, zog nur, wenn ich mal stehenblieb.
Eigentlich ein unkomplizierter Hund. Dachte ich jedenfalls.
Die Probleme kamen am nächsten Tag.
Vormittags war alles bestens, aber am späten Nachmittag, als ich Freddy wieder im Park ausführen wollte, passierte es: Ich tippte eine Nachricht an Thomas (Alles okay), fühlte an der Leine und sie war leer. Freddy hatte sich rausgewunden.
Super, das hat mir gerade noch gefehlt …
Ich suchte den Park ab aber was wusste ich schon, wo ein Hund alles hinlaufen kann? Nach einer halben Stunde lief mir ein Mädchen über den Weg.
Sie war außergewöhnlich hübsch, aber sah nachdenklich und irgendwie traurig aus.
Entschuldigung, haben Sie hier vielleicht einen Hund gesehen? Mittelgroß, braun-weiß, ohne Halsband?
Was? Sie bemerkte mich erst auf meinen zweiten Versuch.
Wie bezaubernd sie ist …, dachte ich kurz, dann wiederholte ich meine Frage.
Einen Hund? Nein, tut mir leid. Und ehe ich ihr weiter nachsehen konnte, war sie auch schon weg.
Ich wollte schon weiterziehen, da bemerkte ich, dass sie stehengeblieben war. Schnell ging ich zu ihr.
Geht es Ihnen gut? Sie wirken so nachdenklich. Kann ich helfen?
Ich bezweifle es … Ich hab meinen Geldbeutel verloren, mit Geld für Medikamente meiner Mutter. Haben Sie zufällig …?
Leider nein.
Trotzdem danke. Es ist schön, dass noch jemand Anteil nimmt.
Mehr fiel uns beiden nicht ein, und wir gingen weiter unsere Wege.
Ob sie später über unser Gespräch nachdachte, weiß ich nicht. Aber mir ging das Mädchen nicht mehr aus dem Kopf. Sie sah einfach echt aus, nicht wie die Models auf Dating-Seiten.
Freddy! rief ich quer durch den Park. Ich wollte Thomas schon die schlechte Nachricht tippen, als plötzlich ein Hund auftauchte.
Freddy. Er kam schwanzwedelnd auf mich zugelaufen. Und: Er hatte etwas im Maul.
Aus ein paar Metern konnte ich es erst nicht erkennen, aber je näher er kam, desto klarer wurde es: ein rosa Geldbeutel mit kleinen Rautenmustern und einer goldenen Krone in der Mitte. Genauso hatte es das Mädchen beschrieben.
Zufälle gibt’s …! ich war plötzlich bester Dinge. Wollte ihr den Geldbeutel zurückgeben, Gelegenheit für einen Kaffee, wer weiß …
Ich öffnete das Portemonnaie und suchte nach einer Visitenkarte da stand das Mädchen vor mir.
Was machen Sie da? Schämen Sie sich nicht?! Ich war so perplex, dass ich nicht mal wusste, was ich antworten sollte.
Richtig misslich die Situation.
Sie verstehen das falsch … stotterte ich. Ich hab den gefunden, mein Hund hat Ihnen den gebracht! Ich wollte nur eine Nummer auftreiben, damit ich Sie erreichen kann …
Sie hörte nicht zu, griff sich ihren Geldbeutel und verpasste mir eine Ohrfeige.
Wofür? Ich hab doch nichts gemacht! Mein Hund hat das gefunden, ich hab nur … Sie können ihn gern sehen, er ist wirklich da!
So ein Lügner! Wer denkt sich denn bitte so etwas mit dem Hund aus?
Wie meinen …?
Na, wo ist denn Ihr Hund?
Ich sah mich um Freddy war natürlich gerade nicht zu sehen. Wieder abgehauen. Das Mädchen ließ mich stehen und verschwand, ich blieb sitzen und rieb mir die brennende Wange.
Super, wie dämlich kann man sich anstellen … Freddy! rief ich gereizt.
Prompt kroch Freddy aus dem Gebüsch und setzte sich brav neben mich: Bitte schön, Auftrag erledigt!
Leise wedelte er mit dem Schwanz.
*****
Die nächsten vier Tage ging ich morgens und abends mit Freddy genau in diesen Park. Ich hoffte, sie noch einmal zu treffen, um mich zu entschuldigen.
Doch sie tauchte nicht mehr auf.
Freddy war dafür im siebten Himmel so viel Gassi ist ein Hundeleben wert!
Erstaunlicherweise riss er sich kein einziges Mal los blieb immer gehorsam in meiner Nähe.
Am Freitag hatte ich dann doch Glück. Sie saß tatsächlich auf einer der Bänke.
Hallo …
Schon wieder Sie?! Was wollen Sie denn?
Ich wollte mich nur erklären. Es war wirklich alles nur ein Missverständnis.
Ich unterhalte mich nicht mit Dieben und Lügnern. Danke.
Aber ich hab doch nichts geklaut! Ich wollte Ihnen den Geldbeutel zurückgeben.
Zurückgeben? Ich musste ihn Ihnen ja regelrecht entreißen! Da ist alles Geld für Mutters Medikamente drin.
Ich brauche Ihr Geld doch gar nicht, ich verdiene anständig. Ich wollte nur Ihre Nummer finden. Im Ernst: Bitte glauben Sie mir, mein Hund hat den Geldbeutel gebracht.
Können wir jetzt mit der Hundegeschichte aufhören? Diese Ausreden sind einfach …
Aber warum denn? Da ist er! Ich zog an der Leine aber …
Freddy war weg.
Wieder war er wie auf Zauberhand verschwunden. Ich fluchte innerlich und musste, so peinlich es war, eingestehen, dass ich den Hund suchen musste. Es wurde schon dunkel.
Entschuldigen Sie, ich muss mich um meinen Hund kümmern … tut mir leid.
Sie war darüber offenbar ganz froh.
Hoffentlich sehen wir uns nie wieder!
*****
Für die Suche nach Freddy blieb mir nur wenig Tageslicht. Ich lief eine leere Allee entlang und horchte auf jeden kleinsten Ton. Während ich so durch die Dunkelheit stapfte, dachte ich:
Was für ein Hund … der entwischt immer im denkbar ungünstigsten Moment.
Und dann hörte ich Stimmen. Eine weibliche, die ich sofort erkannte. Es war sie. Die männlichen Stimmen, tief und unangenehm.
Na, Süße, hast du Lust, mit uns einen draufzumachen? Bißchen Spaß gegen die Kälte?
Entschuldigung, ich warte auf meine Freundin.
Die bringen wir mit! Komm her!
Jungs, lasst es gut sein. Ich kann auch laut werden!
Hilft doch eh nix. Jetzt wird’s lustig …
Bleibt weg von mir! rief sie nun panisch.
Ich zögerte keine Sekunde und lief auf sie zu.
Hey Jungs, habt ihr nichts Besseres zu tun? Warum bedrängt ihr sie? rief ich so bestimmt, wie ich konnte, auch wenn mir klar war, dass sie Kraftvorteil hatten.
Wer bist du denn? Willst du den Helden machen?
Klar! Und meine Dogge ist gleich auch da. Die versteht keinen Spaß, wenn es um ihre Besitzerin geht. Und wie ihr seht, habe ich die Leine noch in der Hand …
Die beiden blickten sich an, einer lachte hämisch. Dann knurrte es im Gebüsch.
Freddy schoss heraus ließ ein kräftiges Bellen hören. Die beiden Kerle zogen es vor, das Weite zu suchen.
Kurz darauf setzte Freddy sich brav neben mich.
Dank dir, Kumpel. Gut gemacht! Ich kraulte ihn.
Das ist also wirklich Ihr Hund? fragte sie.
Ja, der Hund meines besten Freundes. Ich passe solange auf ihn auf.
Dann haben Sie also die Wahrheit gesagt.
Natürlich. Freddy hat den Geldbeutel gefunden, ich wollte Ihnen nur helfen. Nur war er halt nie im richtigen Moment da.
Und wieso hat er sich eben im Gebüsch versteckt?
Ist eben clever, der Hund. Wenn er sich nicht zeigt, haben sie noch mehr Respekt.
Kluges Tier, musste sie lachen. Beißt er?
Quatsch. Sie dürfen ihn gerne kraulen. Ich heiße übrigens Florian.
Und ich Veronika.
Freut mich. Aber sagen Sie, Veronika, was machen Sie hier so spät?
Ich wollte auf meine Freundin warten … aber sie kommt nicht. Gehe ich eben nach Hause.
Wenn es Ihnen recht ist, begleiten wir Sie noch eben, Freddy und ich. Man kann ja nie wissen.
Warum nicht.
*****
Seit diesem Abend trafen wir uns jeden Tag Veronika, Freddy und ich. Später brachte ich sie heim irgendwann ohne Freddy, denn Thomas war wieder zurück und holte seinen Hund ab.
Es war ohne ihn etwas stiller, aber wir genossen die Zeit zu zweit.
Noch besser wurde es, als wir an einem Sonntag zusammen durch den Park gingen, diesmal ohne Freddy. Da sprang plötzlich ein kleiner Welpe aus dem Gebüsch und im Maul trug er einen braunen Geldbeutel. Bestimmt hatte er dem Anzugträger, der keuchend hinter uns herkam, das Portemonnaie geklaut.
Ich gab dem Herrn seinen Geldbeutel zurück und den Welpen …
durfte ich behalten. Veronika war sofort dafür.
Also, abgemacht von jetzt an wird aber nichts mehr geklaut! deutete ich dem Kleinen mit dem Finger.
Er leckte mir mit seiner kleinen kalten Nase die Hand als Zeichen der Einwilligung.
Von da an waren wir zu dritt unterwegs. Schon bald zogen wir sogar zusammen. Und alle drei fanden, was sie sich immer gewünscht hatten ein echtes, wenn auch leicht chaotisches Glück.
Denn kaum hatten wir uns darauf eingestellt, schallte es schon wieder durch den Park:
Du kleiner Gauner! Gib das sofort her!
Wieder war es unser Sherlock warum Sherlock? Weil er sich immer neue Streiche ausdenkt und das Abenteuer liebt.
Diesmal stahl er einen Hotdog. Und ich legte dem Geschädigten 5 Euro auf die Bank, damit er nicht ganz leer ausging.
Wollen wir laufen? grinste ich in Veronikas Richtung.
Auf jeden Fall! sie lachte.
Hand in Hand rannten wir los. Sherlock, unser Glück auf vier Beinen, sauste voraus, den Hotdog im Maul.
Manchmal bekommt man eben genau so ein Stück Glück: ein bisschen verrückt, haarig, aber hundert Prozent echt.





