Gestern hat mein Freund zu mir gesagt:

Gestern hat mein Freund zu mir gesagt:

Am Samstag kommen die Jungs vorbei. Könntest du vielleicht zu deinen Eltern fahren?

Ich halte in dem Moment meine Tasse fest umklammert und bin wie erstarrt.

Andreas, schon wieder?

Ja, klar. Einmal im Monat treffen wir uns, das weißt du doch, meint er.

Ich weiß das. Einmal im Monat kommen seine Freunde zu uns und spielen Brettspiele. Und jedes Mal bittet er mich, für diese Nacht unsere gemeinsame Wohnung zu verlassen. Wir wohnen seit zwei Jahren zusammen. Ich bin einunddreißig, er vierunddreißig. All seine Freunde sind zwischen dreißig und fünfunddreißig, sie haben alle Frauen oder Freundinnen. Aber aus irgendeinem Grund muss nur ich jedes Mal gehen, wenn sie sich treffen.

Ich fahre dann zu meiner Oma, zu meinen Eltern oder zu einer Freundin wie ein Kind, das zum Übernachten abgeschoben wird, damit die Erwachsenen ihren Spaß haben können. Und das ist erniedrigend.

Der erste Männerabend

Das Ganze fing vor eineinhalb Jahren an. Damals sind wir gerade erst zusammengezogen.

Andreas sagte:

Am Samstag kommen meine Freunde vorbei. Wir wollen Brettspiele spielen. Kannst du vielleicht irgendwo anders hingehen?

Ich war irritiert:

Warum denn? Das ist doch auch meine Wohnung.

Wir machen einen männerfreien Abend. Eine reine Männerrunde, damit wir unter uns sind.

Müssen die anderen Frauen auch gehen?

Nein. Aber die wohnen ja allein. Wir wohnen zusammen für dich wäre es dann bestimmt unangenehm.

Ich dachte: Na gut, lassen wir sie das erste Mal ihren Spaß haben. Also bin ich zu einer Freundin gefahren.

Andreas kam zufrieden nach Hause:

Danke, dass du gefahren bist. Es war richtig schön gestern.

Ein Monat später wieder:

Samstag kommen die Jungs vorbei. Kannst du zu deinen Eltern?

Also bin ich zu meinen Eltern gefahren.

Wieder ein Monat später zu meiner Oma.

Noch einen weiteren Monat wieder zur Freundin.

Und so ging es seit eineinhalb Jahren: Einmal im Monat verlasse ich mein eigenes Zuhause für den Männerabend.

Was mich stört

Neulich erfahre ich, dass die anderen Frauen ihre Wohnungen nicht verlassen müssen, wenn ihre Männer Freunde zu Besuch haben.

Ich frage Eva, die Freundin von Maximilian, Andreas Kumpel:

Eva, gehst du eigentlich irgendwohin, wenn sie Brettspiele spielen?

Sie schaut mich erstaunt an:

Nein, ich bleibe zu Hause und mache mein Ding, die Jungs spielen im Nebenzimmer.

Und er bittet dich nicht zu gehen?

Warum auch? Das ist doch meine Wohnung.

Ich habe noch mit zwei anderen Frauen gesprochen. Keine von ihnen verlässt ihr Zuhause, wenn die Männer sich treffen. Nur ich.

Ich frage Andreas:

Warum ist das bei uns anders? Warum muss ich jedes Mal die Wohnung verlassen?

Er überlegt kurz und sagt:

Naja Die anderen haben größere Wohnungen, zwei, drei Zimmer. Da kann die Freundin entspannt im anderen Raum sitzen. Wir haben ein Einzimmerapartment, da wäre es für dich doch unpraktisch.

Für mich ist das kein Problem. Ich kann mit Kopfhörern lesen.

Nein, fahr doch bitte. So ist es für alle entspannter.

Für alle. Nur nicht für mich. Es ist offenbar angenehmer, wenn ich nicht da bin.

Das Demütigende daran: mein Zuhause verlassen

Jedes Mal, wenn ich meine Sachen packe, fühle ich mich fremd im eigenen Zuhause. Ich zahle die Miete zur Hälfte, es ist genauso mein Heim, aber einmal im Monat soll ich den Männern Platz machen.

Ich fahre zu meiner Oma mit meiner Tasche und sie fragt:

Habt ihr euch wieder gestritten?

Nein, Oma. Andreas Freunde kommen vorbei.

Warum bist du dann nicht zu Hause?

Es ist mir unangenehm zu erklären, dass mein Freund mich bittet zu gehen, damit er es bequemer hat.

Wenn ich zu meinen Eltern fahre, wundert sich meine Mutter:

Du warst doch gestern erst hier. Schon wieder da?

Andreas hat Männerabend, sage ich ihr.

Meine Mutter schweigt, aber ihr Blick spricht Bände.

Doppelte Standards

Andreas sagt oft, ich sei pflegeleicht. Er habe Glück, weil andere Frauen viel mehr verlangen Restaurants, Geschenke, Reisen.

Andere Paare gehen zweimal die Woche essen, sagt er. Und du verlangst nichts, du bist verständnisvoll.

Ja, ich verlange nichts. Einmal im Monat gehen wir ins Café. In zwei Jahren haben wir nie gemeinsam Urlaub gemacht.

Andere Paare reisen alle sechs Monate, meint er weiter. Und du beschwerst dich nicht. Sehr lobenswert.

Ich beschwere mich nicht, weil ich weiß: Geld ist zwar da sein Gehalt ist nicht schlecht aber für mich ist es halt nicht drin.

Wenn ich einmal im Monat darum bitte, in unserer Wohnung bleiben zu dürfen, werde ich plötzlich zur anspruchsvollen Freundin.

Du kannst doch einmal im Monat zu deinen Eltern fahren, sagt er. Das ist doch kein Aufwand.

Kein Aufwand. Sachen packen, mein Zuhause verlassen, woanders übernachten, weil er einen männerfreien Tag haben will.

Ich verlange keine Restaurants, keinen Urlaub. Aber das Recht, in meiner Wohnung zu bleiben, ist offenbar schon zu viel.

Was seine Mutter sagt: die Stimme der Vernunft

Neulich erfuhr seine Mutter davon und meinte:

Warum fährst du eigentlich? Das ist doch auch dein Zuhause. Bleib da und lern doch endlich Andreas Freunde kennen.

Ich erklärte:

Die wollen einen Männerabend ohne Frauen. Da fühle ich mich fehl am Platz.

Sie schüttelte den Kopf:

Du bist seine Partnerin, du bist ein Teil seines Lebens und auch seiner Freunde. Wenn er dich vor ihnen versteckt, ist das schon ungewöhnlich.

Sie hat recht. Wir sind seit zwei Jahren zusammen, und ich kenne kaum seine Freunde. Ich sehe sie nur kurz, wenn sie reinkommen, kurz bevor ich gehe.

Aber ich habe Angst vor solchen Situationen. Es fällt mir schwer, neue Leute kennenzulernen. Es ist leichter, zu fahren, als dabei zu bleiben. Vielleicht habe ich auch Angst davor, was sie denken: Warum verlässt sie die Wohnung? Wird sie rausgeworfen?

Was ich herausgefunden habe: Er wird nicht eingeladen

Vor Kurzem habe ich noch etwas erfahren. Wenn Andreas absagt, weil er arbeiten muss oder krank ist, treffen sich die Freunde trotzdem nur ohne ihn. Und sie laden ihn nicht ein.

Warum haben sie sich ohne dich getroffen? frage ich.

Ich konnte nicht, also trafen sie sich einfach.

Aber dich haben sie nicht nochmal eingeladen?

Nein. Sie haben mich wohl vergessen.

Vergessen. Oder wollten es nicht.

Außerdem habe ich entdeckt, dass bei drei Hochzeiten von seinen Freunden er nie eingeladen war.

Wieso durfte er nicht zu Maxims Hochzeit? frage ich.

Keine Ahnung. Vielleicht war das Budget knapp.

Knappe Kasse? Oder einfach nicht so eng befreundet?

Er lädt seine Freunde jeden Monat ein, schmeißt mich für sie raus und sie laden ihn nicht einmal zu ihren Hochzeiten ein.

Was ich realisiert habe: Ich habe Angst, etwas einzufordern

Die letzte Woche habe ich darüber nachgedacht, warum ich keinen Restaurantbesuch oder Urlaub einfordere. Und warum ich akzeptiere, monatlich mein Zuhause zu verlassen.

Weil ich Angst habe. Angst, dass er geht, wenn ich Forderungen stelle.

Andreas lobt mich oft, weil ich pflegeleicht bin. Ich habe Angst, dieses Bild zu zerstören. Angst, als anspruchsvolle Zicke dazustehen.

Deshalb fahre ich. Damit er es bequem hat. Damit ich ihn nicht verliere.

Aber je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Ich verliere mich selbst.

Wo ich jetzt stehe: der Scheideweg

Am Samstag steht wieder ein Männerabend an. Andreas deutet schon vorsichtig an:

Du fährst doch zu deinen Eltern?

Ich schweige. Überlege: Fahren oder bleiben?

Wenn ich fahre, läuft alles weiter wie gewohnt. Ich gebe wieder nach, zeige, dass meine Grenzen unerheblich sind.

Wenn ich bleibe, gibt es Streit. Andreas wird sagen: Jetzt machst du alles kaputt, du bist so anspruchsvoll geworden.

Und ich weiß nicht, was schlimmer ist: mein Zuhause zu verlassen oder zu bleiben und mir Vorwürfe anhören zu müssen.

Eines weiß ich sicher: So kann es nicht weitergehen.

Frauen, hat euch mal jemand gebeten, für einen Männerabend euer Zuhause zu verlassen? Wie seid ihr damit umgegangen?

Männer, warum braucht ihr eigentlich männerfreie Abende und bittet eure Partnerinnen, ihre eigene Wohnung zu verlassen?

Frauen, kennt ihr das, wenn man euch für eure Anspruchslosigkeit lobt wohin führt das letztlich?

Männer, wenn eure Freunde euch nicht zu ihren Hochzeiten einladen, ihr sie aber regelmäßig zu euch einladet ist das dann echte Freundschaft?

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Homy
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