Zwischen Wahrheit und Traum
Friederike hat sich in eine warme Wolldecke gehüllt und genießt die Stille in ihrer Altbauwohnung in München. Draußen tanzen Schneeflocken im gelben Schein der Straßenlaternen und legen sich langsam auf das Fenstersims, so als ob sie in einem leisen bayerischen Winterwalzer schweben würden. Noch vor wenigen Minuten kam sie von der letzten Anprobe ihres Brautkleides zurück ein Ereignis, dem sie seit Wochen mit Aufregung und Herzklopfen entgegengefiebert hat. In den Händen hält sie immer noch die Tüte mit den Accessoires: elegante Perlenohrringe, ein zartes Diadem und weitere Kleinigkeiten, die ihr Hochzeitsoutfit komplettieren sollen. Während sie sich in den Sessel sinken lässt, füllen Gedanken an die große Feier ihren Kopf wie sie in dem Kleid aussehen wird, wie das Licht auf ihrem Schmuck spielt, wie die Gäste sie bewundernd betrachten.
Als plötzlich die Türglocke schrillt, zuckt Friederike zusammen und zieht die Decke enger um sich. Es ist zehn vor sieben. Wer könnte jetzt noch kommen? Vielleicht ist es ein Paketbote, der versehentlich ein bestelltes Päckchen vergessen hat, oder Frau Schröder aus dem dritten Stock, deren Heizung schon wieder spinnt?
Sie geht zur Wohnungstür, späht vorsichtig durch den Türspion. Es steht ein Mann im Hausflur groß, das Gesicht erkennt sie aber nicht. Friederike öffnet daher nicht sofort.
Wer ist da? fragt sie und bemüht sich um einen ruhigen Tonfall.
Ich bins. Felix. Ich muss dringend mit dir reden.
Felix. Ihr Herz setzt einen Moment lang aus. Nicht, dass sie scharf darauf wäre, mit ihm gerade jetzt zu sprechen Aber vielleicht ist bei Johanna etwas passiert? Mit gemischten Gefühlen schiebt sie den Riegel zurück und öffnet vorsichtig einen Spalt. Draußen steht Felix, Schnee auf seinem Mantel, der von den Schultern tropft und schon feuchte Spuren auf dem Parkett hinterlässt. Bleich im Gesicht, die Augen seltsam fiebrig sie hat ihn noch nie so erlebt. Für einen Moment fragt sich Friederike, ob sie besser die Tür nicht doch lieber zugehalten hätte.
Komm rein, sagt sie dann, lässt ihn vorbei und versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Einfach vor der Tür stehen lassen? Das wäre albern. Du bist ja ganz durchnässt.
Felix betritt die Wohnung, zieht nicht mal die Schuhe aus und hinterlässt Schneereste auf dem hellen Eichenboden. Sein Blick schweift geistesabwesend in den Raum. Friederike merkt, wie eine unangenehme Spannung in ihrer Brust wächst.
Friederike, beginnt er und hält die Handschuhe noch in der Hand gekrallt, ich halt das nicht mehr aus. Ich ich liebe dich.
Friederike versteinert förmlich, unfähig zu reagieren.
Felix, du sie beginnt zu sprechen, doch ihr die Stimme versagt.
Er überschreitet die Distanz zwischen ihnen und schaut sie eindringlich an. Als wolle er nicht Gefahr laufen, diese eine Gelegenheit zu verpassen.
Ich weiß, du heiratest bald. Und das hier klingt bescheuert. Aber ich kann nicht länger schweigen! Seit Monaten versuche ich, dich zu vergessen, weiterzumachen. Es geht nicht. Ich hätte es dir früher sagen müssen. Mit Johanna Mit ihr habe ich mich nur verabredet, weil du ihre Freundin bist. Ich wollte näher an dich heran, dich öfter sehen. Aber geliebt habe ich sie nie. Niemals!
Es ist, als würde alles in Friederike gefrieren. Das soll alles ein Spiel gewesen sein? Nur, weil er sie nicht vergessen konnte? Arme Johanna, sie war doch wirklich verliebt!
Fast mechanisch legt Friederike ihre Decke über die Stuhllehne. Die Luft fühlt sich plötzlich dicker an, das Atmen fällt schwer.
Felix setzt sie an und ringt um Klarheit in ihren Worten. Weißt du überhaupt, was du da sagst? Ich bin verlobt. Ich liebe meinen Verlobten. Die Hochzeit steht, wir planen unser gemeinsames Leben. Was ist mit Johanna?
Er nickt langsam, weicht ihrem Blick nicht aus. Schmerz, aber auch eine merkwürdige Entschlossenheit steht in seinen Augen als hätte er endlich eine Last abgeworfen.
Ich kann aber nicht mehr schweigen. Bald bist du für mich unerreichbar, wenn du verheiratet bist. Es war jetzt oder nie. Und Johanna sie hat mir nie wirklich etwas bedeutet. Das war alles nur für dich.
Friederike fühlt sich, als würde ihr der Boden unter den Füßen wegbrechen. Ihre Stimme klingt fremd, distanziert:
Du redest von Johanna, als ob sie gar nichts wäre! Wie kannst du nur?
Es ist die Wahrheit, erwidert er mit zitternder Stimme. Sie war nur der Versuch, dir näherzukommen. Ich dachte, irgendwann würdest du erkennen, wie gut wir zusammenpassen, wie aufmerksam und großzügig ich bin Ohne dich hat mein Leben keinen Sinn mehr.
Er geht auf ein Knie, kramt mit zitternden Fingern ein kleines Schmuckkästchen aus der Manteltasche. Im Lampenlicht funkelt ein feiner Ring.
Trenn dich von ihm. Sei mit mir. Ich mache dich glücklich, das verspreche ich.
Friederike starrt ihn fassungslos an. Vor ihrem inneren Auge tauchen Szenen auf Felix, wie er Johanna liebevoll im Arm hält, wie sie zusammen auf der letzten Gartenparty waren, wie er sie mit so viel Zärtlichkeit angeschaut hat. War das alles Lüge? Sie bekommt es nicht mehr zusammen.
Steh bitte auf, sagt sie leise.
Felix erhebt sich, in seinen Augen schimmert Hoffnung, die jedoch sekündlich schwächer wird.
Du glaubst mir nicht? Seine Stimme bricht beinahe vor Enttäuschung.
Ich glaube dir, ja und trotzdem ändert das gar nichts.
Sie macht einen kleinen Schritt zurück, braucht Distanz, um ihre Gedanken zu sammeln. Es fällt ihr sichtlich schwer, ruhig zu bleiben.
Du bist mein Freund, Felix. Aber ich liebe einen anderen Menschen. Ich will ihn heiraten. Ich bin mir sicher, dass er der Richtige ist.
Felix senkt den Blick, presst den Ring in die Hand.
Und wenn ich es früher gesagt hätte? Bevor du ihn getroffen hast?
Friederike zögert kurz, dann lächelt sie schwach.
Die Antwort wäre die gleiche. Es tut mir leid, Felix. Ich sehe dich nicht als Partner. Mehr kann und will ich nicht geben. Das ist die Wahrheit.
Felix rückt näher, ihr wird unwohl. In seiner Unnachgiebigkeit schwingt eine Verzweiflung mit, die ihr Angst macht. Insgeheim überlegt sie schon, wie sie zur Wohnungstür kommt, sollte er sich nicht beruhigen.
Warum? Du kannst es doch nicht leugnen ich habe an deinem Blick erkannt, dass da etwas zwischen uns war!
Friederike weicht ein Stück aus.
Zwischen uns ist nichts, Felix. Das, was du empfindest, ist Obsession, nicht Liebe. Du hast dir eine Geschichte zurechtgelegt, in der ich die Hauptrolle spiele. Aber deine Traumwelt entspricht nicht der Realität. Wir sollten dieses Gespräch besser hier beenden.
Felix ballt die Hände, nicht aus Wut, sondern aus Hilflosigkeit.
Du irrst dich, sagt er leise. So habe ich für niemanden empfunden. Es ist Liebe.
Friederike hält sich mit Mühe zusammen.
Und Johanna? Hast du daran gedacht, wie sehr du sie verletzt? Du hast mit ihren Gefühlen gespielt, um mir näher zu sein?
Ich weiß, dass ich Schuld habe, antwortet er tonlos. Aber ich hätte es wieder so gemacht. Ich bereue nichts.
Man baut kein Glück auf dem Leid anderer auf, sie blickt rasch zum Handy. Hoffentlich geschafft, es zu erreichen. Und du liebst kein reales Ich, sondern dein Idealbild von mir.
Sie schweigen einen Moment. Dann spricht sie mit ruhiger Bestimmtheit:
Du musst mit Johanna reden. Sie verdient die Wahrheit und eine Entschuldigung.
Felix steht unsicher da, knetet die Hände.
Warum sollte ich? Ich liebe nur dich. Johanna sagt mir nichts. Bei ihr ist ohnehin alles vorbei.
Sein Blick bleibt auf Friederike geheftet. Für einen Moment empfindet sie Mitleid.
Zwischen dir und mir wird nie etwas sein. Genauso wenig wie mit Johanna. Und keine Sorge, ich werde nicht schweigen.
Ein paar Sekunden sieht Felix sie an, sein Blick ist kalt, und dann sagt er:
Ich gehe. Aber ich gebe nicht auf. Vielleicht merkt du eines Tages, dass wir füreinander bestimmt sind.
Erwarte nichts, entgegnet Friederike. Sie meint, einen Hauch von Drohung zu hören. Lebe dein Leben. Finde eine Frau, die du wirklich kennst und lieben lernst. Und jetzt: Bitte geh.
Felix verlässt wortlos die Wohnung, jede Bewegung zeugt von seinem inneren Kampf. Am Hausflur bleibt er kurz stehen, wendet sich noch einmal um.
Danke, dass du ehrlich warst. Trotzdem: Das war nicht unser letztes Gespräch.
Die Tür fällt leise ins Schloss. Friederike steht eine ganze Weile reglos im Flur, während die Anspannung langsam nachlässt. Sie tritt vors Fenster und schaut auf die verschneite Leopoldstraße hinab. Felix schlurft durch Nacht und Schnee, die Schultern hängen gelassen, in den Taschen vergraben die Hände.
Friederike beobachtet, wie er in der Dunkelheit verschwindet, und spürt, wie ihre Gedanken umherschwirren. Sie weiß: Es reicht nicht, alles einfach laufen zu lassen. Wer weiß, was er Johanna noch erzählt? Sie sucht auf dem Handy ihren Kontakt.
Johanna, hi. Wir müssen reden. Es ist wichtig.
Leises Blättern ist durch den Hörer zu hören, Johannas Stimme klingt unsicher:
Was ist los? Du klingst so angespannt.
Friederike atmet durch; sie darf jetzt nicht dramatisieren, aber auch nicht zögern.
Felix war gerade bei mir. Er hat zugegeben, dass er nur mit dir zusammen war, um mir näherzukommen dass er nie etwas für dich empfunden hat.
Stille in der Leitung. Friederike sieht fast vor sich, wie Johanna dasitzt und ihren Tee umklammert.
Was heißt das? Ist das wirklich sein Ernst
Ich will dich nicht verletzen, aber ich muss ehrlich sein. Du bist meine beste Freundin. Er ist vollkommen außer Kontrolle. Es hat mir richtig Angst gemacht.
Ein weiterer Moment Schweigen. Dann:
Okay Johannas Stimme ist gefasst, aber hörbar verletzt. Was soll ich jetzt machen?
Ich weiß es nicht. Aber vermutlich kommt er noch zu dir. Ich mache mir Sorgen um dich bist du allein zu Hause?
Mach dir keine Sorgen. Danke, dass du so ehrlich bist.
Es tut mir leid, dass es so gelaufen ist, wirklich.
Lieber die Wahrheit, als in einer Lüge leben, kommt es leise aber gefasst zurück.
Sie verabschieden sich. Friederike steht noch einen Moment am Fenster, beobachtet die tanzenden Schneeflocken im Licht der Laternen. Irgendwo da draußen versuchen jetzt zwei Menschen, ihre Gefühle und ihr weiterleben zu sortieren. Sie weiß: Es ist besser, einmal tief und ehrlich zu verletzen, als jahrelang schönzulügen.
***
Johanna sitzt unterdessen in ihrer kleinen Küche in Schwabing und starrt in ihre kalte Teetasse. Die Worte von Friederike hallen nach. Immer und immer wieder das nackte Eingeständnis nie geliebt. Ihr Herz schlägt schneller, dann dumpfer. Der behagliche Rückzugsort ihrer Gedanken ist in Trümmern.
Sie erinnert sich an das erste Date mit Felix wie höflich und charmant er war, wie er ihr die Tür aufgehalten, sie zum Lachen gebracht hat. An seine zurückhaltende, aber aufrichtig wirkende Art. Wie er ich liebe dich sagte und dabei so ehrlich wirkte. All das scheint auf einmal nichtig.
Ihre Hand legt sich an die Tasse. Noch immer ist der Tee kalt. In der Stille tickt die Küchenuhr an der Wand, Sekunden für Sekunden.
Was jetzt? Felix anrufen? Warten? Friederike bitten, herzukommen? Im Moment kann sie nur eins: Zeit gewinnen, Kraft suchen.
Da klingelt die Wohnungs- sprechanlage. Johanna friert für einen Moment, blickt durch den Türspion. Draußen steht Felix. Schneeflocken auf dem Mantel, das Gesicht elend, die Augen gerötet.
Sie öffnet.
Johanna, ich ich muss dir alles sagen. Ich
Brauchst du nicht, unterbricht sie ihn, bemüht, nicht unsicher zu klingen. Friederike hat mir schon alles erzählt. Es gibt nichts Neues für mich.
Felix sieht sie bestürzt an, sackt fast zusammen.
Sie hat dich angerufen ich wollte es dir selbst sagen.
Und was wolltest du mir sagen? Dass es ein Fehler war? Dass ich für dich nie mehr als Mittel zum Zweck war?
Nein Ich will dich um Verzeihung bitten. Wirklich. Mir ist klar, dass ich dich verletzt habe. Aber ich konnte nicht anders. Es tut mir wirklich leid.
Johanna sieht ihn an. Was spürt sie? Wut? Enttäuschung? Nein Verachtung. Für sein Spiel.
Du hättest ehrlich sein sollen, sagt sie kalt. Aber du bist lieber zu Friederike gegangen und hast sie angebettelt, ihren Verlobten zu verlassen.
Felix zuckt mit den Schultern.
Es war meine letzte Chance. Ich habe nicht nachgedacht.
Er zieht das kleine Schmuckkästchen hervor.
Nimm es bitte. Als kleines Zeichen. Vielleicht als Entschuldigung.
Johanna betrachtet den Ring, Goldenes Band, kleiner Brillant. Sie schüttelt fast unmerklich den Kopf.
Behalt ihn. Ich will nichts von dir.
Felix hält das Kästchen, senkt den Blick, dann nimmt er seine letzte Hoffnung.
Bitte, Johanna, ich würde alles tun, um es wiedergutzumachen.
Sie sieht ihn durchdringend an.
Man kann nur mit Menschen neu anfangen, denen man vertraut. Mir ist das nicht mehr möglich. Du hast alles zerstört. Selbst wenn du jetzt ehrlich bist es ist vorbei.
Ich verstehe, sagt Felix leise.
Im Moment, da er sich zur Tür dreht, klingelt es erneut.
Draußen steht Sebastian, Friederikes Verlobter: groß, dunkle Haare, durchtrainiert und mit einem reservierten Blick, der keine Fragen offenlässt.
Darf ich?
Johanna lässt Sebastian herein. Er richtet sich sofort an Felix:
Ich weiß, was du getan hast. Zu beiden von ihnen.
Felix versucht sich zu rechtfertigen, aber Sebastian unterbricht grob:
Kein Wort mehr von dir. Friederike hat mir alles erzählt. Für dich gibt es keinen Platz mehr in unserem Leben.
Sebastian tritt auf Felix zu. Instinktiv weicht Felix zurück, presst sich an die Wand.
Sebastian, bitte will Johanna dazwischen gehen. Sie hat Mitleid dummes Herz. Noch immer fühlt sie etwas für diesen Mann, der sie betrogen hat.
Aber Sebastian bleibt ruhig und bestimmt:
Es reicht jetzt. Manche verstehen es eben nur so.
Ein gezielter Schlag Felix landet auf dem Boden, Blut an der Lippe. Sebastian beugt sich zu ihm hinunter.
Wenn du je wieder Friederike oder Johanna kontaktierst, wirst du damit nicht durchkommen. Haben wir uns verstanden?
Felix steht langsam auf, wartet keine Erwiderung ab und verlässt die Wohnung.
Sebastian wendet sich entschuldigend an Johanna:
Es tut mir leid. Gewalt ist eigentlich keine Lösung, aber manchmal kann man nicht anders.
Johanna sieht ihn an, ringt um eine Antwort.
Danke, sagt sie leise. Für deine Ehrlichkeit und deinen Schutz.
Sebastian lächelt schwach.
Du bist stark, Johanna. Das packst du.
Sie nickt. Als Sebastian gegangen ist, lässt sie sich erschöpft auf den Stuhl sinken. Es ist vorbei. Die Trauer bleibt, aber auch eine seltsame Erleichterung als ob endlich der Nebel aus Enttäuschung und Lügen verschwindet und ein neuer, klarer Morgen beginnt.
***
Felix läuft draußen durch das nächtliche München. Schneeflocken schmelzen auf seinen Wangen, doch er spürt weder Kälte noch Schmerz. Seine Lippe brennt, aber die innere Leere ist stärker. Er weiß: Er hat alles verloren Johanna, Friederike, seine eigenen Träume.
Am nächsten Tag erscheint er mit sichtbaren Spuren der Nacht im Büro. Die Kollegen tuscheln, fragen aber nichts. Nach einer Woche reicht Felix das Versetzungsgesuch zur Filiale nach Hamburg ein. Er hält es in München nicht mehr aus.
Vor dem Abschied bringt er den Ring in das Juweliergeschäft zurück. Der Verkäufer zahlt ihm nach kurzem Blick aufs Kassenbuch 700 Euro in bar aus wortlos.
Er überweist das Geld an Johanna mit dem Betreff: “Es steht dir zu. Entschuldigung.”
Als das Taxi Richtung Hauptbahnhof rollt, sieht Felix ein letztes Mal die belebten Straßen Münchens im Schnee. Er weiß: Vor ihm liegt ein Neuanfang schwer, aber vielleicht irgendwann frei.
Zur gleichen Zeit sitzt Johanna in einem Café in der Innenstadt bei heißer Schokolade mit Friederike und Sebastian. Die Gespräche sind leise, aber heiter. Friederike berichtet von den Hochzeitsplänen, Sebastian hört aufmerksam zu. Johanna spürt allmählich, wie Hoffnung zurückkehrt.
Sie schaut nach draußen und sagt, fast beiläufig:
Ich bin nicht mehr wütend. Es ist schade, dass es so gelaufen ist. Aber das Leben geht weiter.
Friederike legt beruhigend eine Hand auf Johannas Arm.
Du hast etwas Besseres verdient als Lügen und Täuschung.
Johanna nickt, blickt erst zu Friederike, dann aus dem Fenster.
Das weiß ich. Und ich werde es auch finden.
Draußen tanzen die Schneeflocken weiter im Schein der Laternen und tauchen München in ein stilles, hoffnungsvolles Weiß. Inmitten der Kälte und Schatten spüren die drei das Leben geht weiter. Und manchmal, ganz still, beginnt etwas Neues genau dort, wo vorher alles vorbei war.




