Das unvollendete Buch – Die Geschichte eines nie zu Ende gelesenen Romans

Das ungelese Buch

So, Johanna, ich geh jetzt! Du brauchst mich nicht rauszubegleiten, es wird spät! Leg mir bitte für morgen das blaue Hemd und die Anzughose bereit, nicht vergessen, ja? Und aus der Reinigung muss das Zeug auch noch geholt werden!, rief Wilhelm aus dem Flur, schlüpfte eilig in seinen Trenchcoat, betrachtete sich prüfend im Flurspiegel, schnappte seinen Hut und verschwand, die Tür hinter sich zuwerfend.

Es krachte so, dass die Scheiben im halb geöffneten Fenster zitterten.

Zugluft!, dachte Johanna, drehte das Wasser in der Küche ab, trocknete sich die Hände an der Schürze und linste in den Flur. Wie immer: helle Dielen, die im Sonnenlicht strahlten, Fotos an den Wänden, Tapete in fröhlichen Streifen zwei breite, zwei schmale, pastellblau; Johannas Mantel an der Garderobe. Und

Johanna runzelte die Stirn.

Ein Päckchen! Wilhelm hatte das Päckchen vergessen, darin die Piroggen, die sie heute früh extra für ihn gebacken hatte mit Lauch und Ei, seiner Lieblingsfüllung. Heute würde Wilhelm auf die Baustelle fahren, da gibt es keine Möglichkeit ordentlich zu essen. Hausgemachtes ist schließlich immer das Beste!

Rasch zog Johanna die Schürze aus, strich ihre Haare glatt und lief in ihrem einfachen Hauskleid, dessen Rock einen kleinen Kaffeefleck zierte, mit dem noch warmen Bündel an die Brust gedrückt, zur Tür hinaus gut, dass sie an den Schlüssel gedacht hatte; sonst hätte sie nachher vor verschlossener Tür gestanden. Sie hastete die Treppe hinab, eine Hand fest am lackierten Metallgeländer, das sich sanft gewendelt nach unten schlängelte vierter Stock, dritter, zweiter…

Johanna hätte wie so manche Hausfrauen einfach das Fenster öffnen und ihrem Mann nachrufen können, bis er aus dem Haus trat, aber das erschien ihr unangemessen. Sie würde es persönlich übergeben, sich verabschieden, ihm die Wange hinhalten, Wilhelm würde sie mit seinen trockenen Lippen küssen und nicken, dass es nun Zeit sei…

Vom schnellen Laufen war sie außer Atem, stürmte in den Hinterhof, die Tür knallte gegen die Wand nicht schlecht für ihre neunundvierzig Jahre, in denen das Laufen schon schwerer fiel.

Sie spähte nach Wilhelms schlanker Gestalt im grauen Trenchcoat und hellem Hut.

Wilhelm liebte lange Mäntel, ließ sie offen flattern, damit sie im Wind spielten wie Flügel und trug immer einen Hut zu jeder Saison einen anderen. Johanna hielt die Hüte sauber, bürstete sie wie sie konnte, besorgte neue, wenn nötig. Ganz so pflegte sie ihn.

Ein Hut ist stilvoll!, bestand Wilhelm, wenn Sohn Maximilian, benannt nach seinem Großvater, über ihn lachte. Ihr Jungen versteht das nicht, ihr seid platt, alles Synthetik und Kunstleder!

Wo war Wilhelm nun?

Da war er, bog bereits zum Tor hinaus, tauchte ein in die Sonne und den Trubel der Straße. Johanna musste sich beeilen, sonst würde er in den Bus steigen und fortfahren…

Sie eilte über den Asphalt, winkte den älteren Nachbarinnen im Sonnenschein freundlich zu. Die Damen mit ihren Strickjacken beobachteten Johannas Spurt und nickten zustimmend ja, man freute sich über solche Fürsorge und ein glückliches Familienleben.

Was ist denn los?, rief Frau Gerda Johanna hinterher.

Das Essen! Wilhelm hats vergessen, dabei habe ich extra Piroggen gemacht!, rief Johanna zurück.

Frau Gerda nickte und lachte: Piroggen, das war schön und Liebe noch viel schöner. Ganz wunderbar!

Johanna erreichte das Tor, wollte rufen, aber erstarrte, ließ erschüttert die Schultern sinken, als wäre mit einem Mal alles Licht erloschen. Ihr wurde schwindelig, sie stützte sich an ein Fallrohr.

Wilhelm stand an der Bushaltestelle, den Arm freundschaftlich um eine junge, kurvenreiche Frau gelegt. Sie lachte, zuckte gespielt die Schultern, und Wilhelm lachte mit. Plötzlich wies sie ihn brüsk zurück, sah ihn verächtlich an. Wilhelm beugte sich flehentlich zu ihr hinab, wollte sogar ihre Hand küssen. Die Dame aber zog ihre gepflegte, rosige Hand zurück und Johanna glaubte fast, sie hätte ihm eine Ohrfeige verpasst. Wilhelm zog sich wütend und gekränkt zurück, wurde aber sofort wieder weich, streichelte beschwichtigend ihren Rücken, zog eine Praline aus der Tasche und bot sie an. Das Fräulein, (ja, Johanna nannte sie stumm eine Tante), lachte und öffnete den Mund: Na, lass mal herzeigen…

Johanna wurde schlecht. Himmel! Wilhelm, ein gesetzter Mann, fast ein Senior, und buhlt so schamlos um eine Fremde hat er denn jede Scham verloren?

Die Dame trug ein hübsches Sommerkleid, blau mit weißen Pünktchen; dazu ein passendes Haarband, eine kunstvolle Frisur, elegante Sandaletten.

Johanna wandte den Blick nicht von ihr und plötzlich wusste sie nicht mehr, was sie mit dem Päckchen, mit den dummen Piroggen und ihrem Leben überhaupt anfangen sollte…

Der Bus kam, die Leute drängten hinein, Wilhelm half seiner Pünktchen-Dame in den Bus, die Türen schlossen.

Als der Bus abfuhr, sah es so aus, als ob Wilhelm ihr einen letzten Blick zuwarf und Johanna schämte sich plötzlich für ihr Hauskleid, die abgetretenen Pantoffeln und das lächerliche Päckchen mit Piroggen.

Sie wandte sich abrupt ab und ging zurück durch den Hof, an den Nachbarinnen vorbei, deren bunte Sommerkleider aufblitzten. An der Blumenrabatte wäre Johanna fast Frau Gerda in die Arme gelaufen.

Was ist mit den Schüsseln? Zu spät?, fragte Frau Gerda und zeigte auf Johannas Päckchen. Sie sagte absichtlich Schüsseln, denn sie missbilligte ein wenig Johannas hingebungsvolles Bemühen, Wilhelm zu umsorgen.

Johanna zuckte abwesend mit den Schultern. Zu spät.

Schade. Dann werden sie schlecht. Ich schicke Manfred rüber. Du bist doch heute zu Hause?

Johanna machte eine unentschlossene Geste.

Na, umso besser. Manfred mag Piroggen, und ich backe nie welche der Teig, weißt du Mach’s gut!

Frau Gerda eilte plötzlich zum Traktor, der in den Hof fuhr, und schimpfte wütend auf den Fahrer, weil der wieder ihre Petunien gefährdete doch Johanna hörte schon nicht mehr hin.

Langsam schlurfte sie zurück ins Haus, tauchte ein in die kühle Stille. Das Echo ihrer kleinen Schritte hallte auf den Marmorstufen wider, ein Schluchzen mischte sich mit dem Knarren der Tür, dann war alles still.

Das war das Ende. Aus. Vorbei mit Familie, Behaglichkeit, Sicherheit, Vertrauen. Familie das Fundament, das die kleine Johanna irgendwann jemandem anvertraut hatte.

Johanna plumpste unschön auf einen Hocker im Flur, aus dem Päckchen rollten ein paar Piroggen. Kater Felix kam schnurrend angepfotert, rieb sich an ihren Knöcheln, bettelte um Futter. Aber Johanna bemerkte es nicht. Sie stand gedanklich noch immer draußen am Fallrohr und starrte auf das gepunktete Kleid und seinen Inhalt und auf Wilhelm. Die Tränen strömten ihr in warmen, weiblichen Bahnen über das Gesicht. Und dieses flauschig-weiche Selbstmitleid endlich mal nicht gerade sitzen, nicht das ewige Bild der glücklichen Ehefrau, sondern sich gehen lassen, sich so richtig bemitleiden und das tat fast gut.

Wie lange sie so saß, wusste sie nicht. Irgendwann klapperte der Türgriff. Felix huschte erschrocken davon.

Die Tür quietschte, und der Kopf von Onkel Manfred, Gerdas Ehemann, lugte herein: ein massiger Mann mit breiten Wangen und dichten Locken, alles etwas zu viel für diese bürgerliche Wohnung. Aber Manfred war einer von uns ein kultivierter Mensch, wenn auch, wie Wilhelm meinte, etwas eigen.

Künstler, Johanna, ein wahrer Künstler und Galerist! Künstler sind sowieso alle ein wenig verrückt, sonst würden sie ihre Begabung verlieren…

Johanna wischte sich die Tränen aus den Augen, sah in Manfreds blaugraue, gutmütige Augen. Wäre er kein Künstler geworden, hätte er wohl Pastor werden können, schoss ihr durch den Kopf.

Herr Oswald? Sie?, fragte sie unsicher.

Wen denn sonst? Gerda meinte, du hast Piroggen übrig? Es gibt gerade keine Küche bei uns daheim, meine Frau erneuert die Möbel… Sie füttert mich kaum noch, ich lebe von Kantinenessen. Schrecklich…

Er schluckte theatralisch, trat mit seinen mächtigen Schultern ganz herein ins Lichtviereck.

Moment, ich zieh die nassen Schuhe aus bin in eine Pfütze… Und auch die Socken! schau mal!, sagte er und zeigte seine Füße. Socken, wie aus dem Kaufhaus um die Ecke. Am großen Zeh jedoch ein Loch.

Johanna nahm die Schuhe und brachte sie auf den Balkon zum Trocknen.

Sie könnten krank werden, wenn Sie nasse Füße behalten!, flüsterte sie.

Mein Körper, meine Sache!, neckte Manfred und wackelte schelmisch mit den Locken.

Johanna, noch immer wie benommen, ignorierte den Protest. Er bekam schließlich noch heißen Tee in die Hände gedrückt und ein paar Piroggen auf einem besonders schönen Teller.

Könntest du, Johanna, einen Tee machen? Und bitte frischen, nicht die alte Brühe! Ich bin Gast hier, nicht vergessen! Und reiche die Beerenkobalt-Tasse, du weißt, die liebe ich.

Wir haben neue Tassen, Wilhelm hat sie aus Hamburg mitgebracht, praktisch und schön, begann Johanna, bis Manfred mit der Faust auf den Tisch hieb.

Nein, Kobalt muss sein! Die hat deine Mutter mir immer gereicht, das ist Tradition. Und bring die Piroggen. Ach, und stopf meine Socke während des Essens, ja? Gerda interessiert das ja nicht, die macht nur Möbel Mir tut schon der Zeh weh!, kommandierte er verschmitzt.

Johanna, eigentlich eine angesehene Pädagogin, die aufgehört hatte zu unterrichten, um zu Hause für Mann und Familie da zu sein, betrachtete die hochgehaltene Socke und griff trotzdem wie selbstverständlich danach.

Als Manfred nach einer Weile wieder mit der Faust auf den Tisch hämmerte, nun voll Energie, donnerten Tassen, das Teeservice klirrte.

Sagen Sie, Frau Lehrerin, was lassen Sie mit sich machen? Sie sind doch die Dame des Hauses, und ich kommandiere Sie hier rum wie ein Schulmädchen! Gerda hat mir schon gesagt, Sie melden sich kaum noch. Früher warst du eine Königin, Johanna! Da haben selbst die Spatzen deinen Gang bewundert und heute? Lässt dich rumschubsen, jede kann mit dir wischen! Unfassbar!, rief er aus.

Johanna wollte erst schmollen, musste dann aber lächeln denn all das stimmte. Sie hatte sich wirklich verändert.

Ich bin eine Glucke, nicht?, fragte sie. Schweig, ich weiß es! Aber ich sorge eben gerne, beschütze, kümmere mich. Es liegt mir einfach

Zu viel Fürsorge, und das Männliche in Wilhelm ist verkümmert. Wir Männer sind Eroberer, keine Nesthocker! Wir brauchen Leidenschaft, nicht bloß warme Socken und Strickmützen!, dozierte Manfred. Seit Maximilian ausgezogen ist, hast du all deinen Muttertrieb auf Wilhelm gelegt. Kein Wunder, dass er sich für reizvollere Damen interessiert!

Johanna verstand das nicht oder wollte es nicht wahrhaben. Sie hatte doch alles fürs Familienglück geopfert. Für Wilhelm aufgehört zu unterrichten, keine lauten Schüler mehr im Haus, nicht mehr gesungen beim Putzen, Radio abgestellt und sogar die Malerei aufgegeben, weil Wilhelm plötzlich meinte, er ertrage den Geruch von Leinöl nicht mehr. Die Bilder verschwanden, die Pinsel ebenso.

Und weiter? Du bist völlig Hausmütterchen geworden!, sagte Johanna zu ihrem Spiegelbild.

Maniküre? Wozu, wenn gekocht werden muss!

Ein neues Kleid? Kein Anlass, Wilhelm will abends nur Ruhe

Neue Schuhe? Willst du dir mit den Absätzen die Beine ruinieren? Die Venen, schau mal!, spottete einst Wilhelm. Die Schuhe wanderten in den Schrank.

Freundinnen meldeten sich kaum, der Sohn besuchte sie nur selten und ließ sich mit Tupperdosen vollladen meldete sich danach kaum.

Das war alles. Das war das Ende.

Raff dich, Johanna! Neu anfangen, bevor du alt bist! Du bist noch im besten Alter! Wieder stolz werden sonst fährt Wilhelm immer weiter mit anderen Damen Bus!, lachte Manfred. Und deine Piroggen sind köstlich! Ach, wär ich achtzehn… ich würd dir hinterherlaufen!

Und er ging. Johanna blieb zurück

Wilhelm kam spät zurück, leicht beschwipst und zerknittert. Er roch nach fremdem Parfüm und Alkohol.

Die Besprechung hat sich gezogen, murmelte er und schob ihr die Aktentasche zu. Mach bitte Tee. Und Kartoffeln! Mit einem Schnäpschen. Was stehst du so? Ich sag doch

Johanna nahm die Tasche nicht, bat ihn, Platz zu machen, da sie ihren Koffer abstellen musste.

Wohin willst du? Was passiert hier überhaupt?, fragte Wilhelm, als er Johanna ansah: gepflegte Frisur, schicke Ohrringe, ein helles Sommerkleid, Sandaletten Wilhelm wurde blass.

Ich fahre auf Tagung. Und du musst schauen, wie du zurechtkommst mit oder ohne Träne!, hob sie nur die Schultern.

Aber Kartoffeln? Und das Hemd für morgen?, rief Wilhelm.

Johanna zuckte fast verlegen, wollte schon zur Wäsche gehen, winkte dann ab.

Mach selber. Oder deine Neue hilft dir dabei. Ich hab nichts dagegen dir scheint es ja zu gefallen. Leb wohl, Wilhelm. Meine Zeit ist gekommen!

Und sie war aus der Wohnung hinaus, einen Moment zögernd wegen der unbequemen Koffergriff dann klapperten die Absätze, das Kleid blitzte durchs Treppenhaus, unten ein kurzes Hupen: Das Taxi wartete. Stille.

Wilhelm rannte zur Treppe, beugte sich weit über das Geländer, wollte etwas hinterher rufen doch ein stechender Schmerz griff nach ihm, Tränen schossen in die Augen.

Jo ha nna …, krächzte er.

Wo warst du, Johanna? Jetzt würdest du mir den Rücken massieren, mich einschmieren, zudecken… und trösten!

Später in der Nacht griff Wilhelm zum Telefon.

Franziska? Bist dus? Ja, ich weiß, man soll nicht anrufen, aber… der Rücken, ich liege flach! Könntest du…? Nein? … Ich kann nicht mal zur Küche! Aber wir sind doch Freunde… Was?

Das Piepen des Freizeichens war Antwort genug. Franziska unabhängig und stolz. Sie ist nicht wie Johanna. Überhaupt nicht.

Schließlich schleppte sich Wilhelm mit Mühe in die Küche. Er entdeckte die kalten Piroggen, stöhnte auf. Es war keine kleine Krise es war eine Katastrophe, die er selbst heraufbeschworen hatte.

Johanna kam erst am nächsten Nachmittag zurück, brachte einen Arzt und einen Strauß Rosen mit. Den hatte sie sich selbst gegönnt. Es roch nach ihrem Parfüm und ein wenig nach Zigarette. Sie rauchte manchmal, aus Kummer.

Einen Moment, Herr Doktor, bitte noch nicht spritzen, hob Johanna die Hand.

Wilhelm wimmerte, die Schmerzen quälten ihn.

Was ist denn jetzt?, fragte der Arzt.

Eine Frage noch. Was hast du ihr versprochen? Solche wie sie suchen sich niemanden ohne Grund. Du bist reif für die Rente, Wilhelm, beugte sie sich über sein verschwitztes Gesicht.

Ich bin noch kein Greis! Ich

Die Position und den Titel, ergänzte der Arzt. Also, was hast du ihr versprochen? Rede, sonst geh ich.

Die Leitung und die Promotion! Aber sie bekommt nichts! Nichts! Ich hab mich getäuscht, Johanna! Nur du zählst! Verzeih, bitte!

Sie bekommt, was du ihr versprochen hast. Du bist ein Mann, halte dein Wort. Und du Wilhelm du kündigst. Such dir was Neues. Nächste Woche arbeite ich wieder. Bügeleisen steht im Regal, Hemden sind in der Wäsche. Wenn’s dir nicht passt, dann trenne dich eben. Alles klar?

Wilhelm seufzte, tupfte sich den Schweiß ab, nickte ergeben. Die Schmerzen, ihre Haltung sie machten ihn klein. Manfred stand grinsend in der Tür, Frau Gerda würde sicher gleich folgen. Mehr Demütigung ging kaum.

Schon gut, spritzen Sie endlich! Sonst geb ich den Geist auf, hauchte er schwach.

Johanna nickte zufrieden. Der Arzt tat schließlich seine Pflicht

Franziska war glücklich. Überglücklich! Sie hatte auf den letzten Drücker doch noch den Doktortitel erhalten und eine sichere, warme Stelle bekommen alles dank Wilhelm.

Doch später ignorierte sie ihn. Sie grüßte nicht mehr. Wozu auch? Seine Frau hatte klar gesagt: Titel kann man aberkennen, Jobs kündigen! Franziska würde schon jemand Passenderen finden.

Wilhelm kündigte seine Stellung. Alle wunderten sich, es war ein guter Posten. Er schwieg. Nur einmal sagte er, er habe jemandem etwas versprochen. Mehr nicht.

Zum Abschied gab es ein großes Fest. Er tanzte mit Johanna Tango, schaute sie an wie niemand sonst nie so Franziska. Warum? Weil in Johanna einfach alles war. Sie ist wie die Luft, die Wilhelm immer geatmet hat. Erst im Vakuum merkte er, was er hatte. Es lag nicht am warmen Rücken oder Alltag. Johanna war noch immer das ungelesene Buch, geheimnisvoll und süß wie die bayerischen Erdbeeren, die er ihr einst am See fütterte.

Und vielleicht bleibt dieses Buch für immer ein wenig verschlossen mit Glück, dass es so ist.

Das Leben zeigt: Nicht jeder Leser passt zu jedem Buch. Manche Geschichten muss man wachsen lassen und lernen, sie wertzuschätzen.

Danke fürs Zuhören, liebe Leserinnen und Leser. Bis zum nächsten Mal!

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Homy
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