Liebe, die stärker ist als wir

Liebe ist stärker als wir

Entschuldigen Sie… Vielleicht reicht es langsam mit dem Trinken?

Was…? Michael zuckte zusammen und hob den Blick zu der jungen Frau vor ihm.

Ich meine, Sie haben doch bestimmt genug getrunken. Außerdem hilft das sowieso nicht bei Ihren Problemen.

Und warum meinen Sie, dass ich überhaupt Probleme habe? Ich habe Ihnen doch nichts gesagt.

Das brauche ich auch nicht, lächelte die Frau. Man sieht es Ihnen doch sofort an. Wissen Sie was? Ich mache Ihnen lieber einen leckeren Kaffee. Dann können wir uns ein bisschen unterhalten.

Michael betrachtete die Frau aufmerksam, ohne recht zu wissen, was sie von ihm wollte. Dann zuckte er mit den Schultern. Soll sie doch machen, was sie will. Schlimmer kanns nicht werden.

*****

Michael trat hinaus und schaute sich um, suchte nach Frau Oberländer.

Er entdeckte sie am Hundezwinger, wollte erst nach ihr rufen, überlegte dann, dass er auch einfach hingehen könnte.

Michael stellte seinen Werkzeugkoffer ab und ging gezielt auf die Frau zu.
Frau Oberländer, hätten Sie kurz Zeit?

Ach, Sie sind es, Michael, fuhr die Leiterin auf dem Absatz herum. Na, haben Sie alles geschafft?

Fast. Ich dachte, ich werde heute fertig, aber ich habe mich etwas verschätzt. Ich muss morgen nochmal herkommen, wahrscheinlich schon früh. Bis zum Mittag bin ich sicher fertig. Dann rechnen wir ab, wie besprochen. Ist das in Ordnung?

Ich bin morgens im Haus, und bis Mittag habe ich eh keinen Termin, lächelte Frau Oberländer. Und wie stehts mit dem Geld? Wieviel bin ich Ihnen jetzt schuldig?

Genau wie verabredet, sagte Michael. Dass ich den Zeitplan nicht eingehalten habe, ist mein Fehler.

Na gut. Darf ich Sie hinausbegleiten?

Ich finde den Weg auch allein. Aber wenn Sie darauf bestehen… Ich hol nur eben meine Tasche.

Michael holte sie rasch und ging dann mit Frau Oberländer zu den eisernen Toren.

Michael war Elektriker und arbeitete nun schon den dritten Tag im Tierheim in Frankfurt alte Leitungen austauschen, neue Steckdosen, all das im Verwaltungsgebäude.

Es war eigentlich ein angenehmer Auftrag, drei Tage hatte er geplant doch jetzt würde es vier. Und ausgerechnet morgen stand etwas Besonderes an.

Morgen war der 14. Februar Valentinstag, und Michael hatte Großes vor: Er wollte seiner Freundin Anneliese einen Antrag machen.

Nicht nur ein Candle-Light-Dinner das würde er natürlich selbst kochen , nein…

…Er hatte vor, Anneliese um ihre Hand zu bitten.

Und obgleich es eigentlich keinen Grund zur Sorge gab, war ihm unruhig zumute.

Doch vielleicht ist das ja so, wenn man zum ersten Mal in seinem Leben einen Antrag macht.
Gerade deshalb hatte Michael sich heute auch nicht konzentrieren können mit all den Gedanken an das richtige Essen, die richtigen Worte, den richtigen Moment.

Die Frage war: Vor oder nach dem Essen?

Kennengelernt hatte er Anneliese vor etwa einem Jahr. Zunächst waren sie abends mal im Café gewesen, mal im Park, im Kino ganz klassisch.

Irgendwann hatte sie selbst vorgeschlagen, zusammenzuziehen. Michael kam ja aus einem kleinen Dorf in Bayern, eine eigene Wohnung in der Stadt hatte er nicht.

Wie so viele andere, hatte er eine Einzimmerwohnung nahe dem Stadtrand gemietet.

Anneliese war ebenfalls Zugereiste allerdings wohnte sie zentraler, mit zwei Zimmern. So schlug sie vor, dass er bei ihr einziehen könne.

Nicht nur, weil sie gern den Morgen in den Armen des Geliebten verbrachte, sondern auch aus rein praktischer Sicht geteilte Miete ist halbe Miete.

Ich bin dabei! gab Michael sofort begeistert zurück. Ich fange gleich morgen an, meine Sachen rüberzubringen.

Von dem Tag an lebten sie zusammen und es lief alles bestens. Jedenfalls fand Michael Anneliese vollkommen ausreichend. Hübsch, lebenslustig, die Beine lang wie es sich für eine ordentliche Münchenerin gehört.

Kochen konnte sie leidlich, aber das war nicht so wild schließlich konnte Michael selbst ganz gut zaubern.

Nicht bloß Spiegelei und Spätzle, sondern auch deftige Eintöpfe, Frikadellensuppe und sonntags sogar Schweinerouladen.

Das hatte ihm seine Mutter schon als Kind in der bayerischen Heimat beigebracht. Und wie sich jetzt zeigte, war das Gold wert.

Anneliese war immer wieder begeistert und prahlte auch bei ihren Freundinnen mit Michaels Kochkünsten.

Manchmal kamen diese sogar zu ihnen nach Hause, um sich selbst davon zu überzeugen.

Ach, Anneliese… seufzte eine Freundin. Ich beneide dich wirklich. Michael ist Gold wert! Aus den richtigen Händen gemacht. Nicht wie mein Florian… Nicht mal Würstchen kann er kochen. Sagt einfach Ich kann das nicht Ein Muttersöhnchen. Warum lebe ich überhaupt mit ihm zusammen? Aber Michael, der ist ein richtiger Mann. Nur eins verstehe ich nicht: Warum habt ihr eigentlich noch nicht geheiratet? Worauf wartest du?

Wieso ich? fragte Anneliese erstaunt. Er ist der Mann. Soll er doch fragen!

Sein eigener Mutter, Frau Hannelore, hatte Michael Anneliese noch nicht vorgestellt.

Die Gelegenheit war einfach noch nicht gekommen, auch wenn Michael oft am Telefon von ihr erzählte.

Und seine Mutter hatte sich, angesichts all des Lobes, schon sehr auf das Kennenlernen gefreut.

Das sollte bald passieren wenn Michael seinen Antrag machte, würden sie gemeinsam hinfahren.

Das Wichtigste war bloß: Anneliese sollte morgen abend Ja! sagen dann wäre Michael der glücklichste Mensch der Welt.

Heute…

…heute also beendete Michael fast die Arbeit im Tierheim und jetzt ging er mit Frau Oberländer Richtung Tor. Er wollte geradeaus gehen, doch die Leiterin lenkte ihn auf einen anderen Weg. Nicht ohne Grund.

Sie zeigte ihm ein paar defekte Lichtschalter und fragte, was ihre Reparatur kosten würde.

Oder sollen wir gleich neue einbauen? fragte sie vorsichtig.

Michael begutachtete die Schalter, die schon halb aus der Wand hingen, kratzte sich am Kopf. Nach kurzer Überlegung meinte er:

Ich würde gleich neue nehmen. Ich habe sogar Ersatz dabei. Die montiere ich morgen, geht das?

Natürlich, strahlte Frau Oberländer. Wieviel kostet das dann? Verzeihen Sie… ich frage nur, weil ich knapp bei Kasse bin. Alles geht für Tierarzt und Futter drauf.

Das geht aufs Haus, meinte Michael lächelnd. Die Schalter schenke ich dem Tierheim. Mach ich morgen fertig. Aber jetzt muss ich los, wird spät.

Natürlich, nickte Frau Oberländer.

Er drehte sich, um seine Tasche zu holen als er plötzlich erstarrte.

Zum ersten Mal bemerkte er, dass aus einem der Gehege eine Katze die Pfoten nach ihm ausstreckte.
Aber nicht irgendeine Katze eine besonders schöne, nur merkwürdigerweise ohne Augen.

Gerade dieser Kontrast war es, der Michael tief traf.

Das ist Luise, seufzte Frau Oberländer schwer, als sie sah, was Michael fesselte.

Was ist mit ihren Augen passiert?

Er hockte sich hin, steckte vorsichtig einen Finger durch das Gitter und berührte die Katze.

Ein seltsames Gefühl überkam ihn als hätte ihn unsichtbarer Strom durchzuckt.

Kein 220 Volt, aber ganz real. In die leeren Augenhöhlen wagte er nicht zu sehen.

Stattdessen fragte er die Tierheimleiterin mit Blicken.

Sie sehen es ja selbst, wieder seufzte sie. Kein Augenlicht mehr. Luise hat eine üble Infektion überlebt. Zum Glück, aber jetzt bleibt das.

Michael wollte etwas sagen doch seine Gedanken waren durcheinander, es blieb still.

Bis heute hat sie noch nie zu jemandem die Pfoten ausgestreckt, fuhr Frau Oberländer fort. Sie war seit dem Erlebnis sehr verschlossen. Aber zu Ihnen fühlt sie sich irgendwie hingezogen.

Aber… Wie soll sie denn erkennen, dass ich es bin? fragte Michael ehrlich erstaunt, den Blick noch immer auf die besondere Katze gerichtet. Ich meine… Sie sieht doch nichts.

Sie fühlt Menschen. Luise ist besonders. Wenn auch hoffnungslos.

Wieso hoffnungslos?

Niemand wird sie mehr nehmen. Sie war schon einmal vermittelt. Damals war sie noch nicht blind. Ein Jahr später hat eine unserer Helferinnen sie auf der Straße gefunden. Sie wusste nicht, dass das dieselbe Katze war. Aber ich hab sie sofort erkannt. Ich hätte nie gedacht, dass so eine Schönheit auf die Straße gesetzt wird. Noch dazu wollte ihre frühere Besitzerin damals unbedingt diese Katze!

Wie krass… Sie wurde adoptiert, und dann wieder ausgesetzt?

Die Geschichte ist merkwürdig. Ich habe die Frau angerufen, doch sie behauptete, die Katze sei ihr längst entlaufen und sie wolle ein krankes Tier auch nicht mehr aufnehmen. Ich glaube sogar, sie hätte sie nicht mal gesund zurückgenommen. So kam Luise zurück ins Heim. Bei uns gibt es die Regel: Wer zurückgebracht wird, bleibt meist für immer. Besonders bei ihr. Niemand will eine blinde Katze.

Michael ging mit einem seltsamen Gefühl nach Hause.

Er hatte Luise sofort in sein Herz geschlossen und tat ihr zugleich so leid welch schweres Leben.

Den ganzen Weg dachte er nur an sie. Und auch beim Abendessen blieb er still.

Michael, alles in Ordnung? fragte Anneliese, die merkte, dass er kaum bei ihr war. Ich habe dich schon zwei Mal was gefragt, aber keine Antwort bekommen.

Entschuldige, Anni. Ich war in Gedanken.

Woran denkst du?

An die Arbeit… Ich muss morgen wieder ins Tierheim. Hab noch nicht alles fertig. Aber bis Mittag bin ich da durch.

Und abends?

Da hab ich eine Überraschung für dich. Und ehrlich gesagt hätte ich gern, dass wir einfach zuhause bleiben.

Zuhause? Ich dachte eigentlich, du lädst mich zum Essen aus… Weißt du nicht, was morgen ist?

Doch. Aber im Restaurant ist es nicht möglich, dich zu überraschen.

Na gut, winkte sie ab. Ich hoffe, deine Überraschung ist besser als ein Restaurantbesuch.

Du wirst begeistert sein. Verlass dich drauf.

Wie immer räumte Michael nach dem Essen ab und spülte das Geschirr. Nachts dann…

…konnte er nicht aufhören, an Luise zu denken. Sie hatte ihn fest im Griff. Immer war da ihr Bild, ihre Pfoten, ihr leises Miauen.

So schlief er schließlich ein neben Anneliese, seiner vermeintlichen Zukünftigen.

*****

Am nächsten Tag beendete Michael endlich die Arbeiten im Tierheim, schraubte die neuen Lichtschalter an, bekam den Lohn, und ging dann noch einmal zu Luises Käfig. Kaum stand er davor, kam die Katze ganz laut und sicher voller Freude zum Gitter getapst, streckte ihm die Pfoten entgegen.

Woher weißt du eigentlich, dass ich es bin? lachte Michael überrascht.

Wieder berührte er sie, und wieder durchfuhr ihn dieses warme Prickeln.

Er strich über das weiche Fell, sprach mit ihr, lauschte ihrem leisen Schnurren und ehe er sich versah, war anderthalb Stunde vergangen.

Michael?! erklang Frau Oberländers Stimme. Sie sind immer noch hier?

Michael stand auf, sah sie an und lächelte verlegen.

Wir haben uns verquatscht, Luise und ich. Sie ist so liebevoll, so sanft. Ich versteh nicht, wie Menschen sie ablehnen konnten warum will keiner sie adoptieren?

Die Leute wollen perfekte Haustiere. Luise ist halt nicht makellos. Ihre Chancen sind praktisch null sie bleibt wohl für immer hier. Leider.

Nicht perfekt. Aber besonders.

Das sicher. Aber außer Ihnen merkt das niemand. Und Luise ignoriert sonst jeden Menschen. Sogar mich. Zu Ihnen fühlt sie etwas, Michael. Spüren Sie das?

Michael wurde nachdenklich. Niemals zuvor kam ihm Bob Marleys Worte so nah:

Wen kümmert Perfektion? Selbst der Mond ist voller Krater, das Meer ist schön, aber salzig und dunkel unter der Oberfläche, der Himmel unendlich, aber meist bewölkt. Schönheit ist nicht vollkommen, sondern etwas Besonderes.

So war auch Luise. Und wie jede andere Katze verdiente sie ein glückliches Leben. Nicht hier, sondern zuhause, bei einem Menschen, den sie liebt.

Wissen Sie was, Frau Oberländer… ich glaube, ich nehme Luise zu mir.

Wie bitte? Sie meinen das ernst?

Ja, ehrlich. Ich wohne mit meiner Freundin zusammen, muss das noch klären. Aber ich denke, sie ist nicht dagegen. Morgen sage ich Ihnen Bescheid.

Ich freue mich riesig, Michael, meinte Frau Oberländer fast mit Tränen in den Augen. Kaum zu glauben, dass jemand Luise aufnehmen möchte.

*****

Zu Hause bereitete Michael sofort das romantische Abendessen vor.

Seine Laune war blendend. Kein Wunder heute wollte er Anneliese einen Antrag machen. Und morgen kehrte er mit Luise heim. Michael war überzeugt, Anneliese würde die Katze mögen. Denn Luise war nicht irgendeine Katze. Sie war besonders. Und schön, auf ihre Weise.

Nicht schlecht! staunte Anneliese, als sie von der Arbeit kam. Wann hast du das denn alles geschafft, Michael?

Ich habs geschafft, lächelte Michael.

Ein richtig romantischer Abend?

Natürlich! Wasch dir die Hände und setz dich, ich habe noch eine Überraschung.

Du bist geheimnisvoll.

Während Anneliese ins Bad verschwand, holte Michael die kleine Schatulle mit dem Ring, drehte sie nervös in der Hand, öffnete, schloss sie, steckte sie zurück in die Tasche.

Alles lief nach Plan. Das gab ihm Sicherheit alles würde gelingen.

Aber dann passierte das Unerwartete: Sobald Michael erwähnte, die blinde Katze mitbringen zu wollen, lehnte Anneliese empört ab.

Sie machte eine riesige Szene.

Michael, bist du verrückt?! Es ist Valentinstag und dir fällt nichts anderes ein als so eine Katze?

Anni… stammelte Michael. Ich will das nur besprechen. Niemand außer mir würde sie nehmen. Aber ich kann sie nicht im Tierheim lassen. Luise ist fabelhaft, ich bin sicher, du würdest sie mögen. Möchtest du ein Foto sehen?

Er zeigte ihr auf dem Handy die Bilder, die er heute gemacht hatte.

Nein! Niemals! Und noch einmal: NIEMALS! Keine Katze und schon gar keine so hässliche kommt in meine Wohnung! Ich hasse Tiere seit ich denken kann. Katzen, Hunde, Hamster grauenvoll. Menschen gehören zu Menschen, nicht zu Tieren.

Aber…

Du hast mit deinem Gerede den ganzen Abend ruiniert. Ich dachte, wir trinken Wein bei Kerzenschein, reden über schöne Dinge, dann gehen wir ins Schlafzimmer… Und du kommst mit einer Katze! Also, schönen Abend noch. Ich geh zu meinen Freundinnen in die Bar. Und du kannst dir weiter Bilder deiner Horrorkatze ansehen!

Anneliese verließ den Tisch und zog sich ins Schlafzimmer zurück. Michael blieb mit der kleinen Ringschachtel in der Faust in der Küche stehen. So hatte er sich diesen Abend wirklich nicht vorgestellt…

*****

Michael saß an einer Theke in einer Bar und trank Korn. Eigentlich hasste er Alkohol, doch heute wollte er sich betrinken.

Und das war also der Antrag… dachte Michael verbittert und erinnerte sich an den Streit mit Anneliese.

Er wusste nicht, was er tun sollte. Er liebte Anneliese oder dachte es zumindest.

Aber Luise wollte er auch nicht im Heim zurücklassen. Zumal er Frau Oberländer versprochen hatte, Bescheid zu sagen. Und er ahnte, dass auch Luise auf ihn wartete.

Wie würde sie sich fühlen, wenn er sie verriet? Wieder so ein Verrat. Wie viele schon?

Falls Michael sich für die Katze entschied, müsste er sich von Anneliese trennen und eine neue Bleibe suchen. Sie würde niemals mit Katze wohnen und die Wohnung zahlten sie zur Hälfte.

Entschuldigung… Vielleicht ist Schluss mit Trinken? sprach die Barkeeperin ihn an.

Was? Michael zuckte zusammen und sah auf.

Ich meine, Sie haben doch sicher genug. Außerdem: Trinken löst keine Probleme.

Woher wissen Sie, dass ich Probleme habe?

Sie müssen nicht sprechen, lächelte sie. Ihr Gesicht sagt alles. Wissen Sie was? Ich mache Ihnen einen guten Kaffee.

Wenn Sie bestehen… murmelte Michael Was steht denn bei mir im Gesicht?

Na alles. Da muss ich kein Sherlock Holmes sein. Alle Männer sind heute mit ihren Partnerinnen unterwegs nur Sie sitzen allein an der Bar und trinken. Da ist klar: Krach mit der Liebsten?

Krach. Ich wollte heute sogar einen Antrag machen, hatte alles vorbereitet, den Ring…

Und sie hat abgelehnt?

Nicht mal das. Wir stritten uns wegen einer Katze.

Wegen einer Katze?!

Ja…

Ohne zu wissen warum, erzählte Michael der Fremden alles. Sie hörte aufmerksam zu.

Zum Schluss schenkte sie ihm eine kleine Herzenskarte, selbst beschrieben.

Was ist das? fragte Michael verwundert.

Ein Andenken. Von mir. Ich bin kein Wahrsager, aber ich glaub, alles wird gut. Sie sind ein guter Mensch.

Michael klappte die Karte auf. Dort stand: Liebe ist stärker als wir.

Was das bedeutete, verstand er an diesem Abend nicht. Aber er wusste: Der Antrag wird nicht mehr stattfinden.

Und er würde Anneliese verlassen. Denn Luise konnte und wollte er nicht verraten.

*****

Ein Monat später.

Michael hatte Wort gehalten, sich von Anneliese getrennt und war mit Luise zurück in seine alte Einzimmerwohnung nach Offenbach gezogen.

Die Gegend war nicht die beste, die Vermieterin froh über jeden Mieter und erst recht über Michael.

Sie hatte nichts gegen eine Katze.

Was für eine schöne Katze! staunte sie.

Ja, sie ist hübsch, lachte Michael. Eigentlich gibt es keine hässlichen Katzen.

Stimmt!

Mit Luise zu wohnen war leichter als gedacht. Michael hatte sich Sorgen gemacht doch die Katze kam bestens zurecht.

Sie sprang aufs Fensterbrett, und wenn Michael nach Hause kam, schaute sie wohl aus dem Fenster, sprang herunter und wartete an der Tür.

Michael verstand bis heute nicht, wie sie sehen konnte. Aber das war egal.

Wichtig war: Jetzt war sie nicht mehr allein. Sie war glücklich. Und er würde auch wieder sein eigenes Glück finden. Nicht das flauschige das hatte er schon sondern das menschliche.

Und tatsächlich hatte Luise ihm dazu verholfen.

Es passierte ungefähr einen Monat nach allem.

Ein Sonntag, Michael machte sauber. Luise war zufällig aktiv und warf die kleine Herzenskarte vom Tisch.

Michael bückte sich, öffnete sie und las: Liebe ist stärker als wir.

Es war tatsächlich wahr.

Er hatte sich für Luise entschieden, weil er sie mit ganzem Herzen liebte. Und dem Herzen kann man nicht befehlen.

Als er die Karte betrachtete, fiel ihm die Barkeeperin wieder ein eine ganz liebe, feine Frau. Sicher kein Model, verglichen mit Anneliese. Aber wunderschön. Und irgendwie auch traurig.

Er hatte damals nicht darauf geachtet, doch jetzt sah er es klar.

Ich sollte sie besuchen, murmelte er und steckte die Karte ein.

Miau! rief Luise freudig.

Am selben Abend, nach dem Essen, fuhr Michael in die Bar, in der er damals am Valentinstag gesessen hatte.

Er hoffte, die junge Frau würde heute da sein und tatsächlich: Sie war da.

Es war fast leer; sie polierte Gläser, schrieb etwas in ein Notizbuch.

Guten Abend, sagte Michael und setzte sich an die Theke.

Guten Abend, lächelte sie.

Er sah, wie ihre Augen aufleuchteten sie freute sich offenbar. Und war doch überrascht.

Wieder Kummer?

Ganz im Gegenteil, mir gehts gut. Ich wollte nur einen Kaffee und Danke sagen. Sie haben mir damals sehr geholfen.

Hab ich? Ich hab doch nur zugehört.

Ja. Aber das hat gereicht. Und, wenn es Ihnen gefällt ich würde Sie gern einladen. Einen Spaziergang machen, Sie nach Hause begleiten… Sie wissen schon, vielleicht ein bisschen reden.

Unerwartet, aber… warum nicht? lachte sie. Ich heiße übrigens Katrin.

Ich bin Michael.

Die ganze Nacht spazierten sie durch die Stadt, konnten kein Ende finden.

Aus Freundschaft wurde schnell mehr, und kurz danach…

…ja, jetzt lebte Michael also mit Katrin und Luise zusammen.

Luise und Katrin verstanden sich vom ersten Tag blendend. Ein richtiges Dreamteam.

Wie schön, einen Menschen zu lieben, der Tiere ebenso sehr liebt wie ich…, dachte Michael und sah den beiden zu.

Und er plante schon, Katrin einen Antrag zu machen. Er war ein bisschen nervös doch ganz sicher, diesmal klappt alles.

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Homy
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