Suppe ist Essen für Arme – davon war Frau Kira überzeugt und verzog verächtlich das Gesicht, wenn Nachbar Herr Prochazka in der Gemeinschaftsküche über dem Kochtopf zauberte.

Suppe das ist doch nur etwas für arme Leute, so dachte Irmgard Schneider immer. Sie verzog das Gesicht voller Abneigung, wenn ihr Nachbar aus dem alten Mietshaus, der alte Herr Otto Weber, am Herd stand und in seinem großen Topf rührte. Herr Weber kochte seine Suppen mit Liebe. Sorgfältig schnitt er das Gemüse, das Fleisch und den Speck in feine Scheiben. Irmgard tippte sich nur an die Stirn, während Otto sogar mit den Zutaten sprach:

Koch schön vor dich hin, liebe Kartoffel! Und du, Kohl, enttäusch mich bloß nicht!

Die Suppen von Herrn Weber sahen immer aus wie aus dem Bilderbuch. Und er aß mit echtem Genuss schmatzte, schloss genüsslich die Augen und war rundum zufrieden.

Irmgard Schneider stolzierte vorbei, den Kopf hocherhoben und die Mundwinkel verächtlich verzogen. Mal trug sie einen ausgefallenen Salat herein, mal Hähnchen mit Ananas.

Was will man von so einem erwarten, denkt nur an seine billige Suppe! Weil er eben nichts anderes kennt. Ich hingegen, ich zaubere stets etwas Besonderes, und alle Gäste sind begeistert!, prahlte sie oft.

Am meisten liebte Herr Weber seine Erbsensuppe und er hatte ein Geheimrezept, denn sein Eintopf war wirklich außergewöhnlich gut!

Doch dann erkrankte Irmgard schwer. Tagelang kam sie kaum noch aus dem Bett.

Ihre Bekannte brachte feine Spezialitäten vorbei, doch sie konnte kaum noch essen. Ihre Haut war blass geworden, die Hände ganz dünn.

Herr Weber beobachtete das Geschehen mit sorgenvoller Miene aus seinen buschigen Brauen. Eines Tages stand er plötzlich mit einer kleinen Schüssel an Irmgards Tür.

Sie wollte ihn eigentlich fortschicken, aber sie hatte nicht die Kraft dazu. Otto setzte sich leise auf den Stuhl. Ein herrlicher Duft stieg aus der Schüssel auf, und zur eigenen Überraschung wünschte sich Irmgard plötzlich nichts sehnlicher als einen Löffel von genau dieser Suppe, über die sie sonst nur gespottet hatte.

Hör zu, Nachbarin. Ich füttere dich jetzt, sagte Otto freundlich. Ich weiß, dass du nichts von Suppen hältst. Aber gerade jetzt brauchst du sie. Die wärmen den Magen und tun dir gut! Ich habe eine Hühnersuppe mit etwas Minze gekocht du wirst sehen, wie schnell es dir besser geht. Sanft half er ihr auf, löffelte ihr die Suppe zu.

Von da an kam er jeden Tag. Mal brachte er eine deftige Linsensuppe, mal eine kräftige Gemüsesuppe, mal den berühmten Eintopf. Und siehe da Irmgard kam tatsächlich wieder auf die Beine!

Manche sagten, es habe an der Medizin gelegen. Doch die meisten glaubten fest: Es waren Ottos Suppen. Denn wie könnte der Mensch wohl ohne sie auskommen?

Seither kocht Irmgard Schneider fast täglich Suppe. Und sie nennt sie nie wieder Essen für Arme. Ihren besonderen Eintopf kann sie jetzt auch Herr Weber hat es ihr beigebracht.

So sitzen sie nun oft gemeinsam, schmatzen zufrieden und essen zu zweit ihren Suppenteller leer.

Denn manchmal erkennt man erst im Nachhinein, wie wertvoll das Einfache sein kann und dass Fürsorge und Bescheidenheit das Leben bereichern.

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Homy
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Suppe ist Essen für Arme – davon war Frau Kira überzeugt und verzog verächtlich das Gesicht, wenn Nachbar Herr Prochazka in der Gemeinschaftsküche über dem Kochtopf zauberte.
💶 Sie lachte über seine Armut, bis sie erfuhr, wer er wirklich ist!