Igel

Igel

Nicht schon wieder! Steffi las die Nachricht im Eltern-Chat der Kita und schleuderte genervt ihr Handy aufs Sofa.

Was ist los, Mama? fragte Klara, die gerade ihre Hausaufgaben beendet hatte und neugierig aufsah.

Ein Wettbewerb! Schon wieder! Ich hab die Nase echt voll! Wer braucht sowas, ehrlich? Und das Beste: Bis übermorgen muss es abgegeben werden. Ich hab morgen Spätdienst. Wann soll ich das denn noch machen?

Soll ichs machen? Klara schob das Mathebuch zur Seite. Mit den Hausaufgaben bin ich fast durch. Nur Mathe fehlt noch, aber das frag ich morgen eh Lea ab. Die Aufgabe ist so bescheuert, ich kapier da eh nix. Vielleicht kann sies mir erklären.

Nein, Kind, kümmer dich um deinen Kram. Es reicht langsam, das Schuljahr ist fast vorbei und deine Prüfungen stehen bevor.

Aber Wenn ichs nicht mache, ist Max wieder traurig. Weißt du noch, wie er letztes Mal geweint hat, als alle anderen Urkunden bekommen haben und seine Bastelei nicht mal beachtet wurde? Und dabei hat er alles allein gemacht

Und genau deshalb hat es niemand angeschaut! Steffi runzelte noch mehr die Stirn. Die meisten Eltern sind ja wahre Picassos. Und wenn sie malen lassen, sind das gleich halbe Dürers. Man sieht doch, dass es die Eltern machen, nicht die Kinder. Aber das ist noch nicht mal das, was mich am meisten nervt.

Was dann?

Na, dass die Erzieherinnen mir erzählen, das wären alles echte Kinderarbeiten. Du hättest die Sachen mal sehen sollen! Da scheitert sogar mancher Erwachsene dran

Mama, wieso sagt niemand was? Immer machen alle brav mit. Weißt du noch, bei mir damals in der ersten Klasse? Bis eine Mutter meinte, jetzt reichts, oder eben die Kinder machen alles selber.

Ach, war das damals, als Frau Heine nicht mehr eure Lehrerin sein wollte?

Genau! Klara lachte. Da waren alle zutiefst erleichtert! Und Frau Schäfer hat dann entschieden, dass ab sofort jeder seine Basteleien selbst macht. Und hat gleich Nina eine Zwei verpasst, weil sie ein Häkelspielzeug von ihrer Mutter mitbrachte. Erst hat Frau Schäfer nichts gesagt, sogar gelobt. Dann sollten am nächsten Tag alle Garn und Häkelnadel mitbringen. Erinnerst du dich?

Ach, deshalb bin ich damals noch abends durch die ganze Nachbarschaft gesaust! Klar erinnere ich mich.

Sie hat Nina dann hingesetzt und gebeten, einen Kreis zu häkeln. Natürlich konnte sie das nicht. Zack, eine Zwei. Erinnerst du dich echt nicht?

Doch, doch Das ist nur schon Ewigkeiten her.

Eigentlich sollten bei solchen Wettbewerben die Eltern ausgezeichnet werden, damit die Kinder nicht enttäuscht sind. Klara packte ihre Stifte in das Etui. Willst du einen Tee? Und ich lese Max eine Geschichte vor.

Also, ja! Steffi stand auf, umarmte ihre Tochter und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe. Mensch, bist du groß geworden! Ich komm mit dem Kopf kaum noch dran zum Küssen Ganz der Vater.

Lass bloß, Mama. Klara rutschte ein Stückchen weg. An ihn will ich nicht denken.

Müssen wir ja auch nicht! Mach mal den Tee, ich telefoniere kurz. Du hast mich auf eine richtig gute Idee gebracht.

Noch einmal drückte Steffi sie fest, dann schob sie ihre Tochter lachend Richtung Küche.

Na los, hopp!

Mit Blick auf die kerzengerade Tochter fragte sich Steffi, was für ein seltsames Ding doch Gene sind Sie selbst war ein eher stämmiges, kurviges Blondchen und Max war ihr wie aus dem Gesicht geschnitten, hellblond und robust gebaut. Klara dagegen war wie eine grazile Skulptur: schmal, wie gemeißelt, voller Energie und Leben, mit perfekter Haltung, elegantem Hals und schmalen Handgelenken. Eben ganz wie ihr Vater. Und wie dessen Mutter Steffis Schwiegermutter, die mal Balletttänzerin gewesen war. Also, nicht Primaballerina, aber immerhin der zehnte Schwan am See. Man konnte ihr aber perfekte Körperhaltung und unglaublichen Ehrgeiz nicht absprechen und eine furchtbar streitlustige Art. Das Einzige, was Klara ihrem Vater und ihrer Oma nicht nachgemacht hatte, war das Temperament. Sie war warmherzig und hilfsbereit manchmal vielleicht zu sehr. Oft war sie diejenige, die einsprang, wenn Not am Mann war, und davon wurde sie manchmal ausgenutzt. Dennoch, Klara änderte sich nicht und fand immer Gelegenheiten, zu helfen.

Kranke Tiere gab es im Haushalt ständig Klara brachte regelmäßig irgendeinen Straßenkater, einen halbtoten Vogel oder einen ausgesetzten Hamster nach Hause. Sie pflegte sie gesund und vermittelte sie dann in gute Hände.

Nur ein Tier hat den Härtetest Wohnung überstanden: der alte, riesige Kater, den Klara letzten Winter aufgelesen hatte. Es war so eisig, dass in Schulen der Unterricht ausfiel. Klara blieb mit Max zu Hause, weil er krank war. Kaum war Steffi zum Dienst, stellte Klara fest, dass sie fürs Mittagessen keine Zwiebel mehr hatte. Der Laden war nur ein Haus weiter. Sie schärfte Max noch ein, auf dem Sofa zu bleiben und Cartoons zu gucken, und rannte los ansonsten war der Herd aus. Als sie zurück kam, schlidderte sie vor dem Hauseingang ausgerechnet und fiel hin. Da trafen sich ihre Augen mit den honiggelben eines riesigen, schwarzen Katers auf der Treppe. Er war völlig verfilzt, mit lichten Stellen im Fell, tränenden Augen und einer Miene so hoffnungslos, dass Klara gleich Mitleid bekam und trotz Abschürfungen fragte:

Ist dir kalt? Kommst du mit?

Der Kater schwieg und zog nur die Pfoten noch enger unter sich.

Sie versuchte, ihn hochzuheben, doch er war viel zu schwer. Also öffnete sie die Tür und lockte:

Komm rein, es ist echt eiskalt. Bei uns gibts Milch!

Er blickte sie so endgültig hoffnungslos an, dass Klara sich daneben auf die glitschigen Treppenstufen hockte.

Keine Angst. Bitte Komm doch. Mich brauchst du.

Er stierte sie an, hörte zu und stand dann auf, drückte seinen mächtigen Kopf in ihre Hand und folgte ihr.

Siehst du! jubelte Klara, rappelte sich hoch und humpelte ins Haus, der Rücken schmerzte, aber das war jetzt egal. Max ist zwar laut, aber ein Lieber.

Steffi hatte am nächsten Tag nur mit dem Kopf geschüttelt beim Anblick der abgerissenen Kreatur.

Klara, der hält bestimmt nicht mehr lange durch

Mama, wenigstens hat er es jetzt warm, oder?

Ich hab doch nichts gesagt. Er kann bleiben.

Kraft für Proteste hatte Steffi eh keine mehr. Sie lief wie auf Autopilot zur Arbeit, erledigte den Haushalt, kümmerte sich um die Kinder alles war wie Watte. Klebrig, zäh, undurchdringlich. Alles, außer Klara und Max. Die hielten sie irgendwie aufrecht.

Steffis Mann war nicht gleich ausgezogen. Über ein Jahr lebte er mit einer anderen Frau und ließ sich dann doch irgendwann gehen von sich aus wollte er nie verschwinden.

Ich sehe schon, du freust dich nicht wirklich über meine Anwesenheit. Aber die Kinder die wollen ihren Papa.

Sie wohnten in getrennten Zimmern, das ging bei der großen Wohnung zum Glück. Klara hat nie etwas dazu gesagt, als Steffi zu ihr ins Zimmer zog. Sie begriff für ihr Alter sowieso erschreckend viel.

Steffi wusste, dass ihr Ex schon einen zweiten Sohn mit seiner neuen Partnerin hatte ein bisschen jünger als Max. Und die Neue, eine hochmodische, schlanke Blondine, begegnete ihr ab und zu. Klar, Steffi hätte nie im Leben mit ihr konkurrieren wollen sie war selbstironisch genug, das einzusehen.

Eines Tages, als sie zur Abwechslung beschloss, nach Feierabend nicht den Bus zu nehmen, sondern den Park zu Fuß zu durchqueren wie früher, als ihr alles noch leichter vorkam war der Herbst erstaunlich freundlich und mild. Das Rascheln der bunten Blätter, der kalte Wind, die spielenden Hunde. Plötzlich fiel ihr auf, wie ein großer, grauhaariger Mann seinem Hund zusah. Exakt so würde ihr Ex in zwanzig Jahren aussehen: groß, stämmig, Ex-Soldat, und statt ihrer eine andere Frau an seiner Seite.

Da sah Steffi ganz zufällig, wie ihr Ex durch den Park schlenderte mit der neuen Familie. Eine dieser Knall-Bumm-Begegnungen des Lebens, die alles in Sekunden klarmachen. Sie stand da und schaute zu, wie er mit dem kleinen Jungen Quatsch machte keine Rolle mehr für sie. Stillschweigend drehte sie sich einfach um und ging entschlossen Richtung Ausgang.

Noch am selben Abend packte sie seine Sachen und sagte nur leise:

Es reicht. Geh!

Er wollte nicht gehen, aber Klara erschienen im Türrahmen und wiederholte ruhig:

Geh!

Als die Tür ins Schloss fiel, rutschte Steffi kraftlos an der Wand runter. Klara lief erschrocken zu ihr.

Mama, alles gut?

Steffi schloss kurz die Augen, um zu sortieren, dann sagte sie:

Mach mal Tee, Klara. Ein Tee wäre jetzt gut

Die Kinder verkrafteten Papas Auszug ganz unterschiedlich. Max war noch klein und brauchte einfach seine Mama schließlich hatte der Vater sich bisher auch kaum gekümmert. Für Klara war es ein echter Schock. Sie wollte Steffi nicht noch trauriger machen und schwieg; nachts lag sie wach, malte sich Muster ins Dunkle und suchte irgendeinen Sinn in all dem. Mit der Zeit setzte ihr das so zu, dass sie nervös und dünnhäutig wurde sie weinte schnell. Ein Psychologe brachte nicht viel, erst Kuzi, der Kater, änderte etwas daran.

Die Kinder gaben ihm sofort den Spitznamen Kuzi. Sie wuchsen an diesem Monster, das Steffi manchmal im Halbschlaf in der Küche erschreckte plötzlich war er einfach da.

Was machst du wieder nachtaktiv hier rum? schimpfte sie, während er sich wortlos zu ihr setzte.

Menschliche Bedürfnisse, Kuscheln, das alles war Kuzi fremd. Er saß stumm bei ihr. Diese nächtlichen Sitzungen wurde Steffi zur Therapie. Sie redete leise, damit die Kinder nicht aufwachten erzählte dem Kater von ihren Ängsten, dem Gefühlschaos und darüber, dass bestimmte Träume nicht loszulassen sind. Nie zuckte Kuzi dabei fort. Er blinzelte nur mit honigfarbenen Augen und tat so, als verstehe er jedes Wort.

Als Steffi eines Tages bemerkte, dass Klara wieder ruhiger wurde, begriff sie: Sie war nicht die Einzige, die dem Kater ihr Herz ausschüttete. Und als sie beiläufig sagte:

Falls du daran denkst, ihn zu vermitteln ich bin dagegen. Er bleibt.

grinste Klara nur.

Im ersten Jahr bei Steffi wurde aus Kuzi ein ansehnlicher, gut genährter Kater. Auf Nachfrage nach ihrem Liebesleben redete Steffi alles mit Humor weg:

Ich hab meinen Traum-Mann längst gefunden! Er hört mir zu, verlangt selten Essen und trägt nie stinkende Socken. Was will man mehr?

An eine neue Partnerschaft dachte Steffi nicht eine Sekunde. Sie fühlte sich innerlich kaputt wie eine Puppe mit verbogenen Gliedern. Es gab nur ihre Kinder; die reichten.

Mit Klara hatte sie in Sachen Kindergarten nie Stress wegen Bastelwettbewerben. Die Jahre blieben ihr als eine einzige Abfolge aus Festen in Erinnerung ständig musste man neue Kleidchen und Haarspangen besorgen, kaum war ein Fest vorbei.

Mit Max sollte alles anders laufen. Die Erzieherinnen waren andere, und der Elternbeirat bestand aus Menschen mit einem Basteleifer, dass manche Eltern schon beim Wort Kleber einen Anfall kriegten.

Nachdem Steffi ihren Mann rausgeworfen hatte, proklamierte er sofort: Unterhalt gibts erst nach dem Urteil! Er wusste genau: Steffis Gehalt würde knapp, um alles zu stemmen. Dass sie zu ihm betteln kommen würde, war seine Hoffnung. Doch Steffi strich die Ausgaben zusammen und suchte sich noch einen Nebenjob. Ihre Zeit für die Kinder wurde weniger, so sehr sie sich auch mühte.

Zu Beginn wollte Max noch alles selbst machen: Basteleien für die Ausstellung im Kindergarten. Zuerst wanderte seine Eigenkreation nur in die letzte Ecke, dann musste Steffi sich beim Elternabend von den Erzieherinnen vor versammeltem Publikum anhören, dass sie ein schlechtes Vorbild sei. Gottseidank solidarisierten sich andere Eltern, und Steffi schwor sich, nie wieder freiwillig an einem Elternabend teilzunehmen.

Ruhig, ruhig! Frau Wagner, die Erzieherin, wedelte beschwichtigend mit den Händen. Unsere Kinder sind die Zukunft! Wer ihnen keine Zeit schenkt, verdient kein Lob als Eltern. Fünf Minuten Bastelzeit sind doch kein Staatsakt das ist Gemeinsamkeit!

Steffi schaltete innerlich ab. Im Kopf erschien ihr Kuzi, wie er mit stoischer Gelassenheit in der Küche saß. Sie würde heute heimkommen, Kinder mit Essen versorgen und dann mit Kuzi und Tee ihren Abend verbringen. Das war echtes Familienleben und dafür musste sie sich von niemandem rechtfertigen.

Als das Elternabend-Fiasko schon eine Woche her war, landete diesmal wieder eine Message im Gruppenchat: Bastelwettbewerb, Abgabe bis Donnerstag. Steffi sah rot. Schluss jetzt! Wenn schon Kinderwettbewerb, dann bitte von Kindern nicht von Hobby-Da-Vincis! Sie telefonierte herum, und ein paar Eltern waren sofort dabei, Steffis Plan zu unterstützen.

Das Fest eine Woche später war der perfekte Anlass, Nägel mit Köpfen zu machen. Steffi betrat den Kindergarten ganz entspannt: Falls es Ärger gibt Pech! Sie würde sich und Max nie wieder schlechtmachen lassen.

Wie gehabt stand Max eigener Igel ganz hinten auf dem Regalbrett. Steffi rückte ein paar Werke von Super-Eltern zur Seite, stellte Max Werk nach vorn.

Frau Wagner, warum machen Sie das? Die Erzieherin stutzte.

Damit sein Igel auch mal im Rampenlicht steht! Steffi platzierte die Namensschildchen und lächelte freundlich.

Frau Wagner war sichtlich angesäuert, wagte aber in Steffis Gegenwart nichts zu sagen. Max staunte, als er seinen Igel vorn stehen sah, und als ein paar Eltern lobhudelten, konnte er vor Stolz kaum atmen.

Nach dem Gewimmel und Umziehen ging es zur Aufführung in den Musikraum. Steffi schob Max und sich nach unten der Rest erledigte sich von selbst.

Max trug sein Gedicht in Bestform vor (den Text hatte Klara mit ihm geübt) und tanzte sogar Walzer vielleicht ein Talent von Oma? Steffi schwor sich insgeheim, mal mit ihm Ballett auszuprobieren.

Frau Wagner rief die Wettbewerbsergebnisse aus. Die Eisernen bekamen Urkunden und Schokolade aus Gemeinschaftskasse Max und andere Eigenmacher waren nicht dabei.

Als Frau Wagner das Ende einläuten wollte, erhob Steffi sich und sagte:

Einen Moment! Wir Eltern möchten kurz etwas ergänzen.

Einige Eltern grinsten wissend, andere fragten sich, was kommt. Steffi nahm eine Papptafel und gemeinsam mit einer anderen Mutter eine Box hoch.

Zuerst: Vielen Dank an unsere Erzieherinnen für ihr Engagement und die Ideen! Herzlichen Applaus!

Die Zuhörer klatschten und Steffi fuhr fort:

Jetzt möchten wir alle Kinder feiern, die zwar nicht gewonnen haben, aber trotzdem tapfer mitgemacht und tolle Werke geschaffen haben. Sie sind genauso klasse!

Steffi begann Kinder aufzurufen, während die Box mit Schokolade und Urkunden kreiste.

Und das wars noch nicht. Jetzt kommen die eigentlichen Hauptgewinner: die Eltern mit den schönsten, äh, Kinderbasteleien speziell der Elternbeirat!

Der Elternbeirat bekam Extra-Urkunden und oversized Lollis, was für allgemeines Amüsement sorgte.

Nach dem Konzert fand die Bastelausstellung in leicht veränderter Form statt. Ein ganzes Regal war nun den Werken ohne elterliche Hilfe gewidmet, mit dem Schild: Ich alleine!, von Klara geschrieben.

Endlich schien das Thema durchgestanden, und Steffi packte Max und eilte heimlich nach Hause.

Mama?

Ja, mein Schatz? Steffi sah auf ihren glücklichen Sohn mit seiner Urkunde.

Wenn ich eine Urkunde bekommen habe, heißt das, mein Igel ist richtig toll?

Natürlich! Du hast alles selbst gemacht. Niemand hat geholfen.

Aber der Igel ist ein bisschen schief geworden.

Und? Genau deshalb ist er deiner.

Max ging ein Stück neben ihr her, dann sah er zurück zu seiner Mutter.

Mama, bist du stolz auf mich?

Steffi blieb abrupt stehen, Max stolperte fast vorbei. Sie ging in die Hocke, nahm sein Gesicht in beide Hände.

Ich bin so stolz auf dich! Vor allem, weil du selbstständig bist, weil du nicht gebettelt hast, dass andere etwas für dich machen. Weil du weißt, wie schwierig meine Zeit ist und mir hilfst. Ich habe zum Beispiel gesehen, dass du gestern das Geschirr abgewaschen hast und nicht Klara. Und weil du so bist, wie du bist, bist du schon jetzt ein echter Mann.

Was ist denn ein echter Mann?

Steffi überlegte.

Jemand, der seine Probleme anpackt, aber auch dankbar Hilfe annimmt. Für den es keine Mädchensachen oder Jungssachen gibt. Jemand, der anderen hilft. So wie du gestern. Klara konnte Hausaufgaben machen, während du gespült hast. Deshalb hat sie in Chemie eine Eins geschrieben. Du hast ihr Zeit geschenkt. Und das ist das Wichtigste im Leben: Zeit zu haben und sie sinnvoll zu nutzen.

Und wie?

Das erzähl ich dir beim Kuchen. Steffi stand auf und zog Max weiter.

Kuchen!?

Klar! Das ist heute wohl ein Fest wert, oder?

Logo!

Abends saß Steffi mit Lieblingstee und sah ihren fröhlichen Kindern zu Kuzi schnurrte leise im Kücheneck. Sie dachte daran, wie leicht es eigentlich ist, Kinder glücklich zu machen: Zeigen, dass sie wertvoll sind, und dass ihre Bemühungen zählen.

Sie stellte das Handy auf lautlos und versenkte es tief in die Tasche. Den Chat würde sie morgen löschen, und Lisa, die Mutter einer Freundin, bitten, sie nur über Wichtiges zu informieren. Dann würden sie zurückdenken an heute an die verwirrten Gesichter bei der Preisverleihung und herzlich lachen.

Zwei Jahre später wird Max ins Internat für Jungkadetten aufgenommen und der schiefe Igel wird ihn von einem Regal in Steffis Küche aus begrüßen. Gleich daneben steht der schöne Teekessel, den Klara von ihrem ersten Berlin-Besuch mitbringt.

Steffi, nun allein mit Kuzi, wird sich erst schwertun. Doch bald tritt Herr Albrecht in ihr Leben: nicht groß, ein bisschen rundlich, aber genau der, mit dem Steffi alles nachholt, wovon sie geträumt hat. Späte Liebe, Grillfeste im Schrebergarten, Rosen, Ausflüge ans Meer und das Wichtigste: Er versteht sich bestens mit den Kindern. Eine totale Überraschung, wenn man jahrelang geglaubt hat, man könne nie die Kinder eines anderen lieben!

Jedes Mal, wenn Klara in den Semesterferien kommt, sieht sie ihre Mutter und Herrn Albrecht Hand in Hand durch den Park schlendern, Blätter treten, Eichhörnchen füttern und dann Zuhause schweigend Tee trinken. Sie hofft, später einfach auch so jemanden zu finden, zum Händchenhalten ganz egal, wie alt man ist. Denn manchmal braucht man gar keine Worte, wenn man jemanden hat, der einfach versteht.

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Homy
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