Ihr habt kein Gewissen

Ein schlechtes Gewissen kennt ihr wohl nicht

Wie können Sie nur so sein, Frau Gertrud Hagedorn?! Haben Sie im Ruhestand wirklich nichts Besseres zu tun? Ich verstehe ja, dass Sie kein schlechtes Gewissen kennen. Aber irgendein Herz müssen Sie doch noch haben!

Ich, Johannes, versuchte ruhig zu bleiben, während das spöttische Grinsen der Nachbarin mir zunehmend die Fassung raubte.

Um mich selbst zu beherrschen und nicht einfach loszupoltern, ballte und öffnete ich wieder und wieder meine Fäuste.

Um mich herum liefen unschuldige Katzen umher, die von einem auf den anderen Tag ihr Zuhause verloren hatten nur, weil eine alte Dame beschlossen hatte, dass es so sein sollte.

Es gibt eben Menschen, denen man nie etwas recht machen kann so einen Menschen hatte ich mir nun als Nachbarin eingehandelt. Eigentlich war die ganze Diskussion mit Frau Hagedorn von vornherein zwecklos.

Die Seniorin hatte erreicht, was sie wollte: Die bedauernswerten Tiere, die gerade erst angefangen hatten, Menschen zu vertrauen, standen wieder auf der Straße.

*****

Eine eigene Wohnung hatte ich, Johannes, in München nie besessen. Während meines Studiums wohnte ich im Studentenwohnheim und danach fing die mühselige Wohnungssuche an.

Nicht einfach hier in der Stadt: Entweder zu teuer, zu weit draußen oder einfach baufällig.

Nach ein paar Wochen bei meinem früheren Kommilitonen hatte ich dann endlich etwas Passendes gefunden.

Die Wohnung lag im fünften Stock, ohne Aufzug, aber das störte mich nicht.

“Bewegung ist gesund”, lachte ich, während ich der Vermieterin die Treppe hinauf folgte.

Ziehst du alleine ein oder hast du auch eine Freundin? fragte die Vermieterin, als ich schon fast unterschreiben wollte.

Zurzeit alleine. Ich habe keine Freundin, antwortete ich.

In Ordnung. Aber falls noch jemand mit einzieht, sag mir bitte vorher Bescheid.

Natürlich.

Die Vermieterin, Frau Martina Hoffmann, schien eine freundliche und vernünftige Frau zu sein, und ich war erleichtert, endlich auf eine solche gestoßen zu sein. Schließlich hatte ich schon so viele Horrorgeschichten über deutsche Vermieter gehört vom unangekündigten Kontrollbesuch bis zur Kontrolle der Bettwäsche.

Martina Hoffmann war zum Glück anders.

Wir vereinbarten, dass sie nur einmal im Monat zum Kassieren der Miete (~850 Euro) vorbeikommen würde, und wenn sie mal in die Wohnung musste, sagte sie rechtzeitig vorher Bescheid. Ich versprach wiederum, mich zu melden, sollte etwas kaputtgehen.

Und wie sind die Nachbarn so? fragte ich zum Abschied.

Ganz normale Leute, lächelte sie. Die meisten sind tagsüber auf der Arbeit. Nur Frau Gertrud Hagedorn ist immer zuhause, weil sie Rentnerin ist. Die ist ziemlich eigenwillig, aber solange man sie nicht provoziert, bleibt sie für sich.

Am nächsten Tag traf ich Frau Hagedorn beim Hauseingang zum ersten Mal und fand sie tatsächlich sympathisch.

Guten Tag, grüßte sie mich mit festem Blick. Sie sind der Neue im fünften Stock, richtig?

Ja, genau. Ab heute wohnen wir wohl Tür an Tür.

Dann hoffe ich, wir kommen miteinander klar.

Sicher, bestätigte ich, ahnungslos, dass schon bald alles anders werden sollte.

Denn nur wenige Tage später ging schon alles schief.

Ich war auf dem Weg zur Arbeit, als ich sah, wie Frau Hagedorn mit ihrem Besen auf ein paar kleine Katzen losging. Sie wollte sie nicht einfangen, sondern verscheuchen.

Verschwindet! Hier will ich euch nicht mehr sehen! rief sie den Kleinen nach.

Eigentlich hatte ich keine Zeit, aber ich konnte das keineswegs einfach so stehen lassen.

Frau Hagedorn! Was machen Sie denn da? Das sind doch nur kleine Katzen. Warum vertreiben Sie sie so?

Sie blieb mitten auf dem Gehweg stehen und sah mich an, als könnte sie mich mit ihrem Blick durchbohren.

Was geht Sie das denn an? schrie sie mich an. Sie wohnen noch keine Woche hier, und schon mischen Sie sich überall ein! Sie sind noch nicht mal Eigentümer!

“Tja”, dachte ich, “da sieht man mal wieder, wie trügerisch die erste Einschätzung eines Menschen sein kann.”

Frau Hagedorn, zuerst bin ich einmal Mensch. Und als solcher können mir diese hilflosen Tiere nicht egal sein. Was haben Ihnen die Katzen denn eigentlich getan, dass Sie sie hier ausrotten wollen?

Die Katzen hatten sich unter ein parkendes Auto zurückgezogen, zitternd warteten sie ab, was passieren würde, bereit, entweder wegzulaufen oder endlich durchzuatmen.

Ich stellte mich schützend neben das Auto, damit Frau Hagedorn nicht weitermachen konnte. Sofort merkten die Tiere, dass von mir keine Gefahr ausging.

Eine von ihnen wollte sogar herauskommen, aber die andere hielt sie vorsichtig zurück offenbar war sie schon vorsichtiger geworden. Trotzdem ich wünschte ihnen ein besseres Leben.

Die können hier nicht bleiben! Die bringen doch nur Ungeziefer und stinken bis zum Himmel! So eine Unsauberkeit dulde ich hier nicht! bestand Frau Hagedorn.

“Nichts da”, widersprach ich innerlich. “Straßenkatzen sind oft sauberer als die meisten Leute. Obwohl sie auf der Straße leben.”

Ich sage Ihnen was: Statt die Katzen zu jagen, sollten sie ihnen helfen. Sie könnten sie adoptieren oder wenigstens in gute Hände vermitteln!

Dann machen Sie das halt, wenns Ihnen so am Herzen liegt! Ich jedenfalls will keine Tiere in meinem Hof!

Aber das ist doch nicht nur Ihr Hof. Hier wohnen auch andere Leute, die dazu vielleicht eine andere Meinung haben genauso wie ich.

Ihre Meinung interessiert hier niemand! Mir hier Vorschriften zu machen unverschämt! Und überhaupt, ich habe jetzt keine Zeit für Diskussionen. Ich muss noch zur Post.

Mit erhobenem Besen wollte sie schon wieder losgehen, aber ich stellte mich resolut ihr in den Weg. Ich konnte nicht zulassen, dass sie die unschuldigen Tiere weiterhin quälte.

“Womit haben sie das nur verdient? Wie kann man nur so hartherzig gegen die Schwachen sein?”

Ich lasse Sie die Katzen nicht anfassen.

Ist das Ihr Ernst? entgegnete sie verbittert. Sie sind wohl grad mal flügge geworden und wollen mir das Leben erklären? Hier haben die Streuner jedenfalls nichts zu suchen! Und Sie haben auch nicht die Zeit, sie rund um die Uhr zu beschützen!

Frau Hagedorn verschwand im Haus.

Ich wusste lange würde sie sich nicht beruhigen. Sobald ich weg war, würde sie weiter machen.

Ich schaute auf die Uhr, dann auf die Katzen. Ich hockte mich hin und streckte ihnen eine Hand entgegen.

Die Kleinen hatten keine Angst, sondern sahen mich nur traurig an.

Mir tat es weh, wie ausgeliefert sie waren auf der Straße, ständig gefährdet durch Erwachsene oder unerzogene Kinder wie Frau Hagedorn.

Ich musste sie retten. Vorsichtig nahm ich die Kätzchen hoch, erst das eine, dann das andere, drückte sie an mich und nahm sie mit nach Hause.

Was fällt Ihnen ein? zischte Hagedorn, als ich an ihr vorbeiging. Weiß Frau Hoffmann denn überhaupt von Ihren Haustieren? Ich werde es ihr berichten!

Tun Sie, was Sie wollen, entgegnete ich ruhig. Die Katzen bleiben jetzt erst mal bei mir.

*****

Auf dem Weg zur Arbeit rief ich zunächst meine Chefin an, um mich zu entschuldigen, dass ich später kam. Dann griff ich zum Hörer, um auch Frau Hoffmann Bescheid zu sagen.

Ich schilderte ihr, wie ich gezwungen war, die beiden Katzen mit nach Hause zu nehmen. Noch während ich erklären wollte, dass es nur vorübergehend sei, unterbrach sie mich:

Wissen Sie, Johannes, ich mag Tiere eigentlich. Habe selbst zwei Kater daheim wenn auch nicht von der Straße. Es macht mir nichts aus, wenn Sie die Kleinen dabehalten. Lassen Sie sie so lange, wie es nötig ist. Nur: Mehr Tiere bitte nicht es ist schließlich eine Wohnung, kein Bauernhof, ja?

Versprochen, Frau Hoffmann. Sie können sich auf mich verlassen hier bleibt alles sauber.

Ach, wegen Frau Hagedorn: so lange ich sie kenne, mochte sie weder Hunde noch Katzen, nicht mal Tauben. Menschen auch nicht besonders. Aber eines sollten Sie wissen, Johannes: Sie rächt sich an jedem, der ihr widerspricht. Seien Sie vorsichtig

Danke, ich passe auf. Ich wollte ja keinen Streit, habe nur die Tiere in Sicherheit gebracht. Mehr nicht.

*****

Ich hatte gehofft, ich müsste mich nicht mehr mit der Dame auseinandersetzen. Aber Frau Hoffmann hatte recht jedes Mal, wenn eine Katze in Hagedorn Sichtweite kam, ging das Theater wieder los.

Ich blieb die Einzige, die sich für die Tiere einsetzte. Alle anderen Nachbarn schwiegen, entweder aus Angst vor ihren Beschwerden, oder weil sie Straßenkatzen schlicht egal waren.

Als ich es nicht mehr aushielt, beschloss ich, ein kleines Katzenhäuschen neben den alten Garagen aufzustellen.

Warum? Damit sich die Katzen nicht ständig im Hof aufhielten und ein sicheres Plätzchen hatten.

Weil ich kein Millionenerbe bin, bat ich andere Mieter um Hilfe. Ich klopfte an die Türen und erklärte mein Vorhaben.

Einige sagten, sie würden darüber nachdenken aus ihren Augen konnte ich aber wenig Hoffnung schöpfen.

Also machte ich mich eben allein daran. Von meinen Ersparnissen kaufte ich Bretter, Sperrholz, Schrauben und einen Akkuschrauber.

Mit meinen eigenen Händen baute ich grobe, aber wetterfeste Häuschen und schob sie auf Paletten neben die Garagen. Schön waren sie nicht, aber besser als nichts.

Für Futter musste ich natürlich auch sorgen für dreizehn Katzen, das ging ordentlich ins Geld.

Im Tierheim hatte ich schon nachgefragt, ob sie helfen könnten. Fehlanzeige: Kein Platz, keine Kapazitäten.

Der Winter stand bevor; sie brauchten dringend ein Dach überm Kopf.

Der Bau der Katzenhäuser zog sich über Wochen hin. Vermutlich hätte ich es bis zum Frost allein nicht geschafft, aber plötzlich kamen doch ein paar Nachbarn, die helfen wollten: Vier Männer und zwei Frauen.

Die Männer machten aus den kleinen Häuschen ein mehrstöckiges Großhaus und bauten einen Schutz gegen Regen und Schnee. Die Frauen steuerten alte Decken und Futter bei.

Binnen kurzer Zeit wurde daraus eine richtige kleine Gemeinschaft und die meisten Katzen waren versorgt.

Die übrigen Mieter hielten sich weiterhin raus aber inzwischen sah man mehr Lächeln als früher.

Wenn sie morgens zum Auto gingen, warfen sie einen Blick zum improvisierten Katzenhaus und lächelten. Es tat ihnen gut, zu wissen, dass die Tiere nun versorgt waren.

Nur eine war unzufrieden: Frau Hagedorn.

Was soll das hier? schimpfte sie, als sie die alten Garagen sah. Wer hat denn das genehmigt?

Frau Hagedorn, die Garagen interessieren doch eh niemanden. Freuen Sie sich nicht, dass die Katzen nun einen Platz haben und sie Sie nicht mehr belästigen?

Nein, ganz und gar nicht! Hier wird eine Brutstätte für Keime geschaffen, und dann ist das auch noch illegal gebaut! Ich werde das melden!

Seltsame Frau, dachte ich, als sie wutschnaubend davonzog. Was stört sie jetzt noch? Die Katzen sind doch weg vom Hof.

Wenig später setzte sie tatsächlich ihren Plan in die Tat um und schrieb Beschwerde um Beschwerde.

Alle paar Tage kam jemand von irgendeinem Amt, sah sich alles an, hörte sich meine Erklärungen an und notierte gewissenhaft, dass alles in Ordnung war. Ich erzählte von regelmäßigen Fütterungen und Tierarztbesuchen, die Katzen würden kastriert und versorgt, falls sie krank würden.

Alles unter Kontrolle. Kein Grund zur Sorge, lächelte ich.

Die Beamten gingen zufrieden wieder, aber Hagedorn ließ nicht locker. Sie filmte jede Kleinigkeit, auch das, was gar nicht der Rede wert war, schickte Videos an die Verwaltung und sonnte sich in ihrem Groll.

Wirklich krank ist die Frau, murmelte ich jedes Mal, wenn ich sie dabei ertappte.

Und dann mitten im Winter kam es so, wie ich es befürchtet hatte.

Ich wollte wie jeden Tag nach den Katzen sehen, da stand plötzlich ein Bagger neben den Garagen und riss mit seiner Schaufel den Unterstand und die Häuschen ab.

Was machen Sie denn da? Hier sind doch Katzen! rief ich entsetzt.

Tut mir leid, meinte der Mitarbeiter der Stadt München. Wir haben eine Genehmigung für den Abriss illegaler Bauten. Das Grundstück gehört der Stadt, da dürfen Sie so etwas nicht eigenmächtig errichten.

Und die Tiere? Was passiert mit denen?

Die waren doch vorher auch Streuner und kommen schon klar, antwortete der Mann gleichgültig.

Ja klar, abreißen ist immer leichter als helfen. Vielleicht sollte die Stadt lieber mal ein neues Tierheim bauen!

Dafür ist kein Geld da…

Haben Sie denn kein bisschen Gewissen?

Als der Bagger alles abtransportiert hatte, zählte ich die Katzen sorgfältig Gott sei Dank war keine verletzt worden. Aber wohin sollten sie nun gehen? Die Keller waren verschlossen, ins Treppenhaus ließ sie keiner und es war Mitte Dezember!

Nachdem ich sie gefüttert und noch ein letztes Mal über den Kopf gestreichelt hatte, ging ich mit schwerem Herzen nach Hause.

Vor dem Eingang stand Frau Hagedorn. Ich wollte vorbeilaufen, doch sie hielt mich mit ihrer schnippischen Stimme auf.

Habe ich nicht gesagt, dass ich das nicht dulde? Alles muss seine Ordnung haben! Katzen haben hier nichts verloren!

Wie können Sie nur so hartherzig sein, Frau Hagedorn? Kein Gewissen haben Sie aber haben Sie denn gar kein Herz mehr?

Ich versuchte ruhig zu sprechen, aber ihr selbstzufriedenes Gesicht machte mich wütend.

Um die Contenance nicht zu verlieren, ballte ich erneut die Fäuste.

Irgendwann merkte ich: Es bringt nichts mehr. Ich ging, wollte schon die Tür hinter mir schließen, da fragte ich sie noch:

Haben Sie eigentlich keine Angst, dass Sie irgendwann selbst mal auf Hilfe angewiesen sind und niemand kommt?

Sie sagte nichts, sondern sah mich nur verbittert an.

An ihr ist doch wirklich nichts Menschliches mehr, dachte ich, als ich die Stufen zu meiner Wohnung hochstieg.

Den ganzen Abend postete ich noch Hilfegesuche im Internet, bat darum, die Katzen aufzunehmen. Viel Zuspruch, viel Empörung aber aufnehmen konnte sie niemand.

*****

Am 31. Dezember alle Welt war fröhlich und fieberte dem Jahreswechsel entgegen saß ich neben den frierenden Katzen bei den Garagen.

Was gibts da noch zu feiern?

Wäre ich ein kleiner Junge gewesen, hätte ich vielleicht an den Weihnachtsmann geschrieben. Aber als Erwachsener glaubt man kaum noch an Wunder.

Doch dann geschah tatsächlich eines, wie es zu Silvester manchmal passiert.

Zuerst kam eine Nachbarin vorbei, die oft geholfen hatte, und meinte, sie könne doch eine der Katzen aufnehmen.

Vielen, vielen Dank! Ich fiel ihr erleichtert in die Arme und musste vor Freude lachen.

Dann kamen zwei der Männer, die beim Hausbau geholfen hatten, und nahmen gleich zwei Katzen mit.

Sogar ein älteres Ehepaar nahm sich einer dreifarbigen Katze an.

Man sagt ja, die bringen Glück, lächelte die Frau. Und wir möchten einfach mal helfen. Wir sehen ja, wie sehr Sie sich engagieren.

Vor lauter Freude wurde es mir warm ums Herz. Die Nachbarn verstanden: Wenn sie es nicht tun, hilft den Tieren niemand.

Und plötzlich hatte jede der Dreizehn ein Zuhause gefunden. Ein echtes Wunder!

Ich eilte heim, um doch noch ein wenig Silvester vorzubereiten. Plötzlich hatte ich Freude, gemeinsam mit den geretteten Katzen zu feiern und stieß auf die Nachbarn an, die alle ihr Bestes taten.

Also dann, frohes neues Jahr euch allen! lächelte ich.

Miau-miau! antworteten die Kleinen im Chor, tollten herum, und ich musste einfach laut lachen.

Auch bei den anderen im Haus wurde ausgelassen gefeiert.

Nur bei Frau Hagedorn herrschte Stille. Sie saß vergrämt allein vor dem Fernseher.

Worüber auch hätte sie sich freuen sollen? Wer hätte sie in den Arm genommen, ihr Mut zugesprochen, ein gutes Wort gefunden?

*****

Hier könnte die Geschichte enden aber es kam noch mehr

Nach Silvester brach für Frau Hagedorn eine regelrechte Pechsträhne an.

Zuerst stürzte sie auf dem Gehweg und musste mehrere Monate im Krankenhaus bleiben.

Dann stellte sie fest, dass die Tauben, die sie bisher immer verscheucht hatte, nur noch auf ihren Fensterbrettern ihre Spuren hinterließen die der Nachbarn blieben sauber. Im Frühling bekam sie einen Bußgeldbescheid, weil sie heimlich ein Gemüsebeet auf dem Gemeinschaftsrasen angelegt hatte mit Gurken, Tomaten, Zucchini und sogar Kartoffeln. Sie musste alles umgehend entfernen.

Es muss alles nach den Regeln gehen, erklärte der Herr vom Bezirksamt. Für solche Gärten gibt es Schrebergärten.

Natürlich hatte Frau Hagedorn gewusst, dass sie die Nachbarn hätte fragen müssen. Aber sie war überzeugt, dass niemand sie aufhielt.

So zahlte sie für ihre Rücksichtslosigkeit den Preis.

Später zogen sogar zwei Mäuse bei ihr ein.

Vielleicht durch den Lüftungsschacht, vielleicht irgendwie anders Mäuse finden ihre Wege und sie raschelten nachts in ihrer Küche, während sie sich nicht hinaustraute.

Keine Falle, kein Gift half. Hätte sie doch bloß eine Katze

Aber Tiere mochte Frau Hagedorn nicht. Dagegen tun konnte sie nichts.

So schließt sich der Kreis.

Und ich habe daraus eines gelernt: Ein bisschen Mitgefühl macht das Leben für alle leichter und irgendwann kehrt alles zu einem zurück, auf die eine oder andere Weise.

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Homy
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