Schneeweißes Kätzchen lag mitten auf der Straße – ringsum nur Felder und kein Mensch in Sicht

Ein schneeweißes Kätzchen liegt mitten auf der Landstraße umgeben von Feldern, weit und breit keine Menschenseele.

Martina arbeitet als Handelsvertreterin und ist die meiste Zeit auf Achse, fährt von Dorf zu Dorf durchs ländliche Bayern. Heute Morgen ist sie erneut unterwegs. Die Nacht war frostig, Gras und Asphalt überzogen mit einer dünnen Eisschicht, alles wirkt wie verzaubert im winterlichen Morgengrauen.

Wegen des Glatteises fährt Martina besonders vorsichtig. Plötzlich sieht sie ein kleines, weißes Etwas am Straßenrand liegen. Erst denkt sie, es sei eine Plastiktüte oder ein altes Tuch, doch beim Näherkommen erkennt sie: Es ist ein Katzenbaby! Es liegt schutzlos auf dem kalten Asphalt, ganz allein inmitten der Felder. Kein Dorf in Sicht das Kätzchen hätte sich nie allein retten können. Wahrscheinlich hat es jemand ausgesetzt. Immer wieder werden im ländlichen Deutschland ungewollte Tiere einfach auf der Landstraße, auf Feldern oder am Waldrand zurückgelassen, damit sie nicht mehr nach Hause zurückfinden. In die nächste Stadt ist es ein weiter Weg, und nicht jeder fährt solche Tiere bis zu einem Tierheim weggeworfen, mitten ins Nirgendwo, das passiert leider oft.

Martina zückt ihr Handy, macht schnell ein Foto und postet es in der SOS-Tiergruppe bei Facebook, gibt so gut wie möglich den Fundort an.

Am Morgen scrollt Sabine, während sie ihren Kaffee trinkt, neugierig durch die Beiträge im SOS-Album. Und was sieht sie? Genau dieses weißes Kätzchen, mitten auf der Straße, die Augen panisch aufgerissen, völlig verängstigt. “Verdammt, wieder ohne Koordinaten und Telefonnummer! Wo soll ich da anfangen zu suchen?”, denkt sie frustriert. Doch dann merkt sie: Sie hat vor gut einem Monat schon mit der Posterin, also Martina, geschrieben damals brachte Martina bereits Kätzchen von der Autobahn zu ihr. Also sucht Sabine die alte Nachricht und findet Martinas Nummer.

Es dauert, bis Martina zurückschreibt. In der Zwischenzeit malt sich Sabine aus, was dem kleinen Kerl alles passieren könnte. Es ist noch eine Stunde Fahrt bis zum Fundort und das Kätzchen würde sich sicher nicht duldsam auf der Straße verstecken, sondern flüchten. Zum Glück ruft Martina zurück: Sie hat eine Kiste im Wagen gefunden, das Kätzchen gefangen und sicher ins Auto gesetzt.

Sie verabreden sich zur Übergabe auf halber Strecke. Sabine weiß noch nicht genau, wohin mit dem Tierchen eventuell auf eine kostenpflichtige Pflegestelle, vielleicht als Notfallstation, oder vielleicht hat Katzenmama Ulrike inzwischen ein Plätzchen frei.

Als Sabine das Katzenbaby übernimmt, faucht und jammert es, legt die Ohren eng an und wirkt so wild wie ein kleiner Tiger. Doch Sabine fällt sofort etwas auf das Junge ist weiß mit eisblauen Augen. Diese Augen sind wunderschön, gerade bei Siam- oder roten Katzen, aber bei weißen Tieren bedeutet das oft, dass sie taub sind.

Während des Organisierens meldet sich Ulrike, als hätte sie Sabines Gedanken gelesen. Sie klären ab, dass das Kätzchen erst morgen zur Pflege kommen kann ein anderes Notfellchen reist spät abends ab, und danach muss das Gehege sauber gemacht werden. In die Notunterkunft, die Sabine betreut, kann das Kätzchen nicht dort haben sich gerade Viren ausgebreitet, gefährlich für ein so schwaches Junges. Also muss das Kleine bei Sabine bleiben, wo der Ehemann Katzen eigentlich nicht mag, und ihre eigenen Stubentiger auf Neuzugänge kaum freundlich reagieren und gerne das Sofa zerkratzen oder in die Hausschuhe machen.

Das Kätzchen bekommt erst einmal seinen eigenen Raum das Gäste-WC, mit Decke, Katzentoilette und Napf. Es schläft, frisst, schläft und frisst wieder, bis zum Abend. Dann aber fängt es an zu mauzen da ist klar, die Nacht wird nicht ruhig.

Sabine will es beruhigen. In ihrem Schlafanzug mit Leopardenmuster um katzenähnlicher zu wirken setzt sie sich zu dem Baby auf den Boden. Das Kätzchen schaut sie skeptisch an, fast so, als wolle es sagen: “Du bist nett, aber eben keine Katze!” Doch ihre Geduld zahlt sich aus. Allmählich kneift es die Augen zusammen, beginnt laut zu schnurren.

Es rollt sich auf den Rücken, greift Sabines Hand mit den kleinen Pfötchen und legt seinen Kopf in ihre Handfläche. Kein wildes Tier, nur zutiefst verängstigt. Wie es mitten auf die Straße kam, bleibt ein Rätsel. Normalerweise werden Tiere an Müllcontainern, am Straßenrand oder bei Gebüschen ausgesetzt, aber mitten auf einer befahrenen Landstraße? Vielleicht ist es bei der Suche nach Wärme unter ein Auto gekrabbelt und während der Fahrt herausgefallen.

Im Gäste-WC wollte das Kätzchen aber nicht schlafen. Es miaute so lange, bis Sabine ihm in der Küche eine Ecke mit Decke und Kissen einrichtet. Darin eingekuschelt schläft es schließlich tief und fest bis zum Morgen.

Am nächsten Tag bringt Sabine das Kätzchen zu Ulrike die untersucht die Erkältung und die verletzte Pfote. Ein Schnelltest bestätigt Sabines Vermutung: Das Kätzchen ist tatsächlich taub. Aber das ist nicht so schlimm in einer Wohnung ist es sicher aufgehoben. Nach der Behandlung wird ein liebevolles Zuhause gesucht. Und Taubheit hat auch Vorteile: Das Kätzchen schläft friedlich und schreckt nicht bei jedem Türknallen auf. Doch Katzenbesitzer schwören, dass gerade weiße, taube Schmusetiger jede Vibration spüren und auf ihre Art stets neugierig sind, was in der Küche vor sich geht, damit niemand sich langweilen muss.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Schneeweißes Kätzchen lag mitten auf der Straße – ringsum nur Felder und kein Mensch in Sicht
Sie verweigerten ihr ein Zimmer im luxuriösen Ferienresort –