Oma für eine Stunde
Herr Schneider, entschuldigen Sie bitte, aber ich müsste heute etwas früher gehen. Wäre das in Ordnung? Mein Kind ist krank geworden.
Nadine legte die vorbereiteten Unterlagen und den Terminplan für den nächsten Tag auf den Schreibtisch. Bis zum offiziellen Feierabend war noch eine Stunde, aber aus der Kita hatten schon zum zweiten Mal heute angerufen, also wagte sie, ihren Chef um Verständnis zu bitten. Erst seit kurzem war sie in diese Baufirma in München gekommen eher durch Zufall, denn Erfahrung im Sekretariat hatte sie keine und über die “äußeren Voraussetzungen” aus der Stellenanzeige hatte sie beim Blick in den Spiegel gelächelt.
Also wirklich Dieser Punkt passt auf mich nun gar nicht.
Ihr alter, gepflegt wirkender Strickcardigan ging noch, aber der Rock, den ihre Mutter selbst genäht hatte, sah schon recht abgetragen aus. Damals hatte sie den Stoff ganz bewusst ausgesucht und drei Abende an der Nähmaschine verbracht, bevor sie schließlich den letzten Saum festlegte.
Das wird nicht schlechter als gekauft.
Mama, ist ja Handarbeit! Klar ist der gut. Nadine schummelte ein wenig, wusste aber, wie viel es ihrer Mutter bedeutete, solche Anerkennung zu hören.
Für neue Kleidung reichte es bei ihnen selten. Nadine erinnerte sich noch an die Zeit, als ihr Vater lebte und sie sich keinen Kopf um Outfits machen musste. Seit er fort war, war alles anders geworden. Die Krankenschwester-Gehälter ihrer Mutter, Marianne, reichten gerade so aus. Als dann noch Oma Liselotte schwer krank wurde, wurde es richtig schwierig, zumal das Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter ohnehin nie einfach war.
Marianne! Bei dir fehlt einfach das Verständnis für Familie. Erstaunlich ist das nicht, aber du bist jetzt in unserer Familie, also gewöhne dich besser daran, dass jeder füreinander Verantwortung trägt.
Damals verstand Nadine noch nicht richtig, was Oma Liselotte meinte. Es klang feierlich, aber bald wusste sie, dass diese Grundsätze für die Großmutter in eine Richtung funktionierten. Marianne opferte Zeit, Geld und Kraft für die Schwiegermutter, die hingegen alles dankend annahm, aber nie etwas zurückgab außer Vorwürfen.
Mama! Wieso sagst du nichts? fragte Nadine später immer, wenn sie wieder Zeugin einer Gardinenpredigt wurde. Die Mutter nahm sie selten mit zu Besuchen, aber manchmal ließ sich die Oma nicht abwimmeln.
Weil ich weiß, dass sie Unrecht hat, Nadine. Und dass sie eigentlich sehr einsam ist. Bis auf uns hat sie niemanden mehr. Mit ihrer Schwester hat sie sich zerstritten, die Neffen wollen nichts von ihr wissen. Marianne faltete ruhig die frisch gebügelte Wäsche. Und ich habe deinem Vater versprochen, sie nicht allein zu lassen. Wie könnte ich dieses Wort brechen?
Nadine wurde wütend auf die Oma. Am liebsten hätte sie mal alles rausgelassen. Doch Marianne bremste sie jedes Mal sanft.
Wozu, Nadine? Ich nehme mir das nicht zu Herzen. Wichtig ist, dass alles Nötige getan wird und deine Oma versorgt ist.
Sie hätte es auch ohne uns gut! murmelte Nadine, die inzwischen wusste, wie die Dinge lagen.
Denn ihre Großmutter war keineswegs mittellos: Eine großzügige Wohnung für sich, eine weitere Wohnung aus dem Erbe, ein ordentliches Rentenkonto Sparen war nie nötig gewesen.
Warum nimmt sie eigentlich dein Geld, Mama? Fehlt es ihr an irgendwas? Nadine schrieb empört in ihr Haushaltsbuch, das sie mit ihrer Mutter führten.
Nadine! Marianne schüttelte das Geschirrtuch auf den Tisch.
Was denn?
Hör bitte auf damit. Marianne wurde leiser. Werd nicht so
So wie wer, Mama?
Das ist unwichtig. Sei du selbst. Lass dich davon nicht verbittern. Merk dir: Was Oma gehört, ist und bleibt ihrs. Nicht unsers, war nie unsers, wird auch nie unser sein. Marianne stellte ruhig die Tassen hin. Nadine schwieg. Ihre Mutter meisterte das, woran sie selbst scheiterte Ruhe zu bewahren, auch wenn sie innerlich kochte.
Nadine verstand erst so richtig, was gemeint war, als es zu spät war. Im Nachttisch lag der Umschlag mit dem Testament und dem Abschiedsbrief. Marianne las, sog die Luft scharf ein, zerknüllte die Blätter und stieß sie von sich.
Komm, wir gehen.
Wohin? Nadine wusste nicht, was los war.
Wir haben hier nichts mehr verloren. Meine Schuld sie ist beglichen.
Später stellte sich heraus, Oma hatte alles den entfernten Verwandten vermacht. Was genau im Brief stand, sagte Marianne nie, nur einmal kam ein Bruchstück durch:
Weil sie blutsverwandt sind. Frag nicht weiter, Nadine. Lass den Dreck liegen, wo er ist.
War ich nicht ihre Enkelin? fragte Nadine.
Doch, aber in dir war ihr zu wenig von deinem Vater. Fremdes Blut, hat sie gesagt.
Und stimmt das?
Ach, Nadine Du bist dein Vater durch und durch, besonders im Charakter. Ein besserer Mensch ist mir nie begegnet. Darum sage ich: Nimm das Gute aus dieser Familie mit, den Rest lass zurück.
Nadine schwieg. Ihre Mutter verstand sie nicht immer, aber dass es für sie wichtig war, spürte sie.
Die Jahre vergingen. Nadine machte Abitur, studierte Mathematik in Regensburg. In dem von ihrer Mutter genähten Rock bestand sie Prüfungen und startete ihre erste Assistenz an der Uni. Dort traf sie auch Jonas, den Vater ihres Sohnes Paul. Der Rock war ihr Glücksbringer und zugleich das Einzige, was sie zum Vorstellungsgespräch für den Job in München anziehen konnte.
Im Personalbüro hörte sie schon das Kichern. Sie erinnerte sich an Mariannes Worte und richtete sich auf.
Und Sie? Ganz ohne Büro-Erfahrung, mit kleinem Kind? Wo haben Sie gearbeitet?
Ich habe an der Uni gelehrt.
Warum wechseln Sie das Fach?
Ich möchte was Neues ausprobieren. Nadine spürte ihre Knie zittern. Sicher würde sie gleich wieder abgelehnt.
Doch dann bot ihr die Personalchefin eine Sekretariatsstelle auf Probe an. Im Flur tuschelte man später wohl noch:
Frau Schuster, wozu der Herr Schneider so jemanden? Ach, der mag schlaue Frauen. Mal sehen.
Mit dem Chef verstand Nadine sich gleich. Beim Blick auf die Kaffeemaschine blätterte sie als einzige erst in der Anleitung.
Ich hab noch nie eine Frau gesehen, die nicht einfach ausprobieren will und stattdessen das Handbuch liest. Das wird was!
Die Aufgaben waren überschaubar. Herr Schneider kontrollierte alles gern, merkte aber bald, dass Nadine ein Gedächtnis und eine Genauigkeit hatte, die selten war. Sie brachte jedes Treffen unter einen Hut, selbst wenn Pläne umgeworfen wurden, und alle waren zufrieden. Nur eines war schwierig: Sie fehlte manchmal wegen Paul.
Frau Wagner, ich verstehe ja alles aber das wird zur Gewohnheit. Bald bin ich doch ganz ohne Sekretärin! Schneider presste die Schläfen.
Soll ich Ihnen eine Tablette bringen?
Nein, danke. Sie können gehen. Aber Sie sollten über eine Lösung nachdenken, Frau Wagner. Kita gibts doch. Gibt es keine Oma, keine Verwandten, eine Tagesmutter?
Ich habe niemanden. Sie zog genervt den neuen Blazer zurecht.
Überhaupt niemanden?
Nein. Meine Mutter ist gestorben, es gibt sonst keine Verwandten.
Schade. Dann vielleicht eine Nanny?
Dafür reicht mein Gehalt wohl nicht Aber ich kümmere mich, Sie haben Recht.
Nadine winkte und verließ das Büro. Paul wartete mit Fieber, zu Hause gabs wie immer den Alltagstrott. Sie fühlte sich allein. Warum musste sie das alles allein stemmen?
Doch sie kannte die Antwort. Wie Marianne immer sagte:
Es gibt nicht nur gute Menschen. Und manchmal trifft man nur wenige. Die aber schätzen wir dann umso mehr.
Und wenn gar keine kommen?
Nadine, rechne doch mal selbst wie wahrscheinlich ist das? Sie lächelte. Es gibt ja mehr Egoisten, als richtige Bösewichte. Manche sind einfach nur sehr mit sich selbst beschäftigt. Ihr Weg.
Sie musste öfter an ihre Mutter denken, besonders im Hinblick auf Pauls Vater. Jonas, ein brillanter Forscher, war voller Tatendrang das, was Nadine manchmal fehlte. Sie suchte Harmonie zwischen Kind, Beruf und Liebe, er dachte selten ans nächste Jahr. Job in Zürich? Mehr bezahlen, nichts wie hin! Da hatte er Nadine gerade einen Heiratsantrag gemacht.
Warten wir halt ein paar Jahre. Kein Problem.
Jonas, ich kann nicht warten. Ich bekomme ein Kind
Er sah sie bestürzt an. Es war klar, ihr Weg ging auseinander.
Musste das jetzt sein? Können wir das nicht aufschieben? nervös tigerte er durchs Zimmer.
Nein. Aber mach dir keine Sorgen, Jonas. Ich schaffe das schon. Gute Reise.
Sie sahen sich nie wieder.
Paul wurde einen Monat nach Mariannes Tod geboren. Sie war am Arbeitsplatz an Herzversagen zusammengebrochen. Um sie herum nur Ärzte, aber niemand half. Nadine verabschiedete sie, ohne zu weinen.
Später, Mama. Erst kommt Paul, dann darf ich traurig sein.
Aber als Paul da war, blieb keine Zeit. Das Kind war schwach und viel krank. Nadine funktionierte nur noch: Wäsche, Putzen, Spaziergang, Kochen, wieder von vorn. Sie quittierte den Uni-Job, hielt das Getuschel nicht mehr aus.
Entschuldige Mama, ich bin zu empfindlich. Aber ich konnte einfach nicht mehr murmelte sie zum Foto.
So bald es möglich war, kam Paul in die Kita. Das erste Jahr war schlimm ständig krank. Nadine bewarb sich gar nicht erst groß, sondern übernahm für den Friseursalon im Haus abends das Putzen. Irgendwann, so dachte sie, würde auch für sie nochmal mehr möglich sein.
Mit diesen Gedanken holt sie Paul jetzt von der Kita ab, kauft noch in der Apotheke Fiebermittel und eilt heim. An der Haustür trifft sie auf die Nachbarin:
Hallo, Kerstin!
Hallo! Schon wieder krank? Kerstin schaut zu Paul, der an seine Mutter geklammert steht.
Ja, schon das zweite Mal diesen Monat. Hoffentlich flieg ich nicht bald raus
Mach dir nix draus. Meine war ein Jahr fit, dann jeden Monat krank Wieso suchst du keine Nanny? Verdient doch jetzt besser, oder?
Dafür reichts noch nicht ganz Nadine seufzt und hilft Paul aus den Schuhen.
Echt schade, dass du keine Oma für Paul hast.
Ja. Tja, bis morgen dann Nadine schluckt einen Kloß hinunter.
Mama, deine Nähe fehlt mir so
Paul ist schnell wieder krank. Nadine legt ihn hin, gibt Tee und überlegt, was sie machen kann. Plötzlich klopft es leise an der Tür. Paul schläft, Nadine scrollt im Internet nach Babysittern. Warum nimmt der Gast nicht die Klingel?
Hallo, Nadine!
Vor ihr steht Frau Klara Holzmann vom Nachbareingang. Sie kannten sich nur vom Grüßen.
Guten Abend. Gibt es ein Problem? Nadine wundert sich über den späten Besuch.
Ach, kann man so sagen. Lad mich doch kurz rein!
Oh, gern Nadine tritt zur Seite.
Frau Holzmann wurschtelt sich in die Wohnung, zieht die Schuhe aus und nickt Richtung Küche.
Dort lang?
Ja
Na dann, da ists ruhig, Paul soll ja schlafen.
Klara setzt sich, faltet die Hände und sieht Nadine ernst an:
Brauchst du ne Stunden-Oma?
Wie bitte?
Na jemand, der auf Paul aufpasst, wenns nötig ist, besonders wenn er krank ist.
Das wäre ein Traum Aber wo findet man so jemanden?
Jetzt musst du nicht mehr suchen. Ich wäre bereit, Nadine. Nimmst du mich?
Nadine zögert. Sie kennt Klara kaum, kann sie ihr Kind einfach so anvertrauen?
Woher wissen Sie, dass ich suche?
Hab heut mit Kerstin im Hof gesprochen, die hat es mir erzählt.
Ich verstehe Verstehen Sie mich recht…
Frag ruhig, was du wissen willst. Immerhin würdest du mir dein Kind überlassen! Eigene Enkel habe ich ja kaum zu Gesicht bekommen
Nadine schenkt Tee ein, stellt Kekse auf den Tisch:
Dann erzählen Sie doch mal.
Klara berichtet von einem Arbeiterhaushalt in Passau, ihrer Ausbildung, Heirat, zwei Söhnen, die nach dem Wehrdienst in ganz Deutschland ihr Glück suchten. Enkel gäbe es, aber kaum Kontakt. Sie wolle helfen, brauche nicht viel Geld.
Überstürz nichts. Sag mir morgen Bescheid. Überlegs dir einfach.
Nadine ist hin- und hergerissen. Sie fragt sich nachts, was ihre Mutter dazu sagen würde.
Schließlich sagt sie am nächsten Tag zu.
So begann die Zusammenarbeit. Klara sagte immer:
Wir sind Kolleginnen, Nadine. Du sorgst für dein Kind, ich auch, und es bringt uns beiden was dir Entlastung, mir ein bisschen mehr Rente.
Helfen Ihre Kinder Ihnen nicht?
Nur im Notfall. Haben ihre Familien. Ich bin froh, noch fit zu sein.
Erst beobachtet Nadine noch skeptisch, doch Paul schließt Klara schnell ins Herz.
Du bist ganz warm! Klara betastet Pauls Stirn. Keine Sorge, ich mach uns jetzt mal Himbeertee und erzähle eine schöne Geschichte. Dann schläfst du nochmal und alles ist nur halb so schlimm!
Aber wir haben keine Himbeeren
Ich bring schon alles mit, du hast ja genug um die Ohren.
Bald bringt Paul neue Kunststücke aus dem Kindergarten mit Schach spielen, kleine Lesetexte und Nadine staunt.
Mit fünf kann er schon lesen! Klara
Sehr neugieriger Junge, der Paul. Vielleicht meldest ihn mal zu Kursen an. Ich geh gerne mit.
Plötzlich macht Paul Schwimmen, Schach alles, wovon Nadine geträumt hatte. Sie erzählt Kerstin begeistert davon.
Bald miete ich Klara ab, wenn meine Lina größer ist, lacht Kerstin.
Mit den Jahren wird Paul schulpflichtig, Klaras Hilfe seltener. Trotzdem gehören sie längst zusammen.
Sie sind zu schade fürs Sekretariat, Frau Wagner! sagt eines Tages Herr Schneider. Mathematikerin, oder? Wollen Sie nicht was Besseres machen? Ich schicke Sie auf Fortbildung, wir brauchen gute Leute.
Eine neue Stelle, bessere Bezahlung Es geht voran. Paul wird selbstständiger, Nadine kann endlich aufatmen.
Na, ist doch fein, Nadine! freut sich Klara mit ihr.
Sie sind längst Familie geworden. Eines Tages bleibt Klara plötzlich weg. Nadine gerät in Sorge.
Kerstin, wo könnte sie sein? Niemand sagt was!
Hast überall angerufen?
Überall. Ich bin nicht ihre Verwandte, da rückt niemand was raus
Auf die Familie kannst du nicht hoffen.
Nadine sucht, fährt Krankenhäuser ab. Niemand hat Auskunft.
Nach fast einer Woche hat sie Glück: Klara liegt nach einem Unfall mit Amnesie im Krankenhaus.
Warum haben Sie nichts gesagt? Ich wäre sofort gekommen!
Unfall Gedächtnislücken. Wer sind Sie? fragt der Arzt.
Die Tochter! Wo ist die Stationsleitung?
Wenig später kommt Klara auf eine andere Station, Nadine bleibt bei ihr.
Wie gehts?
Wer bist du?
Nadine. Keine Sorge, wir erklärens dir nach und nach. Jetzt ruh dich aus.
Klaras Söhne reagieren kalt: keine Zeit für einen Besuch.
Gut, dann machen wir es alleine, Mama, wie immer seufzt Nadine.
Klara wird nach einer Woche entlassen. Zuhause wird alles für sie vorbereitet.
Paul, bei Klara ist grad alles weg. Nenn sie einfach Oma Klara, mach ihr den Alltag leicht. Vielleicht kommt das Gedächtnis zurück.
Bleibt sie jetzt bei uns wohnen?
Ja.
Das ist gut.
Nun sorgt Paul für Klara. Nach der Schule wärmt er Essen, motiviert zum Essen, macht Hausaufgaben neben ihr.
Danach erkläre ich dir Schach, ok?
Klara lacht und ruft Paul “Enkel”, Nadine “Tochter” und niemand will das ändern.
Ein halbes Jahr später taucht Klaras Sohn Thomas auf.
Nadine hat sich beeilt, einen Geburtstagskuchen für Paul zu holen, als sie auf einen Mann trifft.
Sie sind Nadine?
Ja.
Ich bin Thomas, Klaras Sohn.
Guten Tag! Möchten Sie zu Ihrer Mutter? Das sollten Sie wirklich.
Ich wollte nur wissen
Machen Sie sich keine Sorgen, wir wollen nichts von ihr. Ihre Mutter war mir eine große Stütze, das ist alles Dankbarkeit. Ich behalte sie aber bei uns sie ist unser Herz.
Ich wollte sie eigentlich aufnehmen, als ich Zeit hatte
Na, das hätten Sie eher regeln können. Jetzt ist es zu spät, sie ist verwirrt und braucht Ruhe. Vielleicht erkennt sie Sie gar nicht wieder. Kommen Sie lieber mit.
Thomas folgt widerwillig. Paul öffnet die Tür.
Mmh, Kuchen! Hallo Mama! Wer ist das?
Das ist Thomas, der Sohn von Oma Klara.
Psst, Paul denk daran, was der Arzt gesagt hat. Nicht aufregen!
Klara erkennt ihren Sohn nicht. Thomas erkennt seine Mutter kaum wieder. Leicht, zerbrechlich, nur noch der Schatten der Frau, die er kannte.
Wird sie uns noch erkennen? fragt Thomas später.
Niemand weiß das. Aber sie ist zufrieden, und das zählt.
Dürfen wir sie besuchen?
Natürlich. Sie ist Ihre Mutter herzlich willkommen.
Nach dem Besuch blickt Nadine ihm hinterher. Wahrscheinlich wird er sich selten melden. So ist es eben. Sie schließt die Tür, wendet sich zu Paul.
Los, setz das Wasser auf wir feiern jetzt!
Mama, darf Oma Kuchen essen?
Sie soll! Das größte Stück sogar. Sie sagen doch immer
Etwas Süßes muss sein? Paul lacht.
Genau! Das tut uns allen gut! Nadine schließt ab und geht in die Küche ihr Sohn, ihre “Oma”, ihr Zuhause.





