Stell dir vor, ich hab vor 18 Jahren den Stefan geheiratet. Seine Geschichte war echt traurig, vor allem wegen seiner Ex-Frau, die ihn und die Kinder damals einfach sitzen ließ. Damals war er mit Katharina verheiratet, aus Liebe sogar. Sie haben zwei tolle Kinder bekommen: einen Sohn, Leon, und eine Tochter, Greta.
Als Leon vier und Greta drei waren, hat man Stefan plötzlich von der Arbeit entlassen. Das war echt eine harte Zeit. Katharina hat überall versucht, Arbeit zu finden irgendwie Geld zu verdienen, damit die Kinder wenigstens was zu essen auf dem Tisch hatten. Stefan dagegen ist total abgestürzt, hat sich mit seinen Kumpels in der Garage dem Bier hingegeben, den ganzen Tag nur auf die Regierung geschimpft und sich über sein Leben beklagt.
Katharina war irgendwann einfach mit den Nerven am Ende, und da kam dann dieser Typ mit Geld daher, der ihr schöne Augen gemacht hat. Sie ist tatsächlich schwach geworden hat ihren Mann und die Kinder verlassen und ist mit ihrem neuen Freund abgehauen.
Die kleinen Leon und Greta blieben allein zurück. Ehrlich, ohne die Nachbarn hätten sie das vielleicht nicht überstanden. Die haben sie mit Essen versorgt und ein Auge auf sie gehabt. Stefan saß derweil immer noch völlig neben der Spur in seiner Garage und hat es anfangs nicht einmal geblickt, dass Katharina ausgezogen ist. Als er dann endlich aufgewacht ist, wars längst zu spät. Die Kinder waren schon längst im Kinderheim.
Ich hab Stefan dann auf der Hochzeit gemeinsamer Bekannter kennengelernt. Irgendwie hab ich ihn sofort gern gehabt. Wir sind dann immer ins Gespräch gekommen, und ich hab wirklich alles drangesetzt, ihn wieder ein bisschen auf die Beine zu bringen. An seinem Denken zu arbeiten, ihm Mut zu machen.
Nach unserer Hochzeit hab ich ihm vorgeschlagen, die Kinder wieder zu uns zu holen. Ich kann selbst keine Kinder bekommen, aber mein Herz hing sofort an den beiden. Ich hab sie vom ersten Tag an wie meine eigenen behandelt und das haben die beiden auch sofort gespürt.
Jetzt sind 18 Jahre vergangen. Die beiden haben nie gewusst, dass ich eigentlich nicht ihre leibliche Mutter bin. Und dann aus dem Nichts stand Katharina plötzlich vor unserer Tür. Sie wollte die Kinder sehen und hat ihnen erzählt, dass sie ihre Mutter ist. Leon war ganz cool, hat klipp und klar gesagt: Für mich gibts nur eine Mama und das bist du! Greta war ein bisschen versöhnlicher, sie hat ihr sogar verziehen.
Ehrlich gesagt, am Anfang fand ichs gar nicht gut, dass sie den Kontakt wollen. Immerhin hat Katharina damals echt was sehr Fieses gemacht. Aber ich verstehe sie auch; sie hat Schuldgefühle und will den Kindern was zurückgeben. Und weißt du, ich helf ihr jetzt sogar dabei. Denn Mutter das ist die Frau, die dich geboren und die dich großgezogen hat. Und meine Kinder haben eben zwei Mütter.





