„Hilf ihr einfach, um die Kinder kümmere ich mich“, sagte meine Schwiegermutter.

Ich war vier Jahre lang in Elternzeit. Da unsere Kinder nicht allzu weit voneinander entfernt geboren wurden, bin ich ganz in meiner Rolle als Mutter aufgegangen. Mein Mann hat zwei Jobs, wir besitzen unsere eigene Wohnung, und so kommen wir ganz gut zurecht.

Was hast du eigentlich mit 25 Jahren schon erreicht? Früher musste man spätestens dann eine Karriere haben genau wie meine Tochter!, sagte meine Schwiegermutter.

Meine Schwägerin, Annemarie, hatte es nie eilig, zu heiraten. Für sie zählten Jugend und Schönheit, Familie war vorerst kein Thema. Ihre Ambitionen galten rein ihrer Freiheit. Aber das war ihre Entscheidung genauso wie ich vor fünf Jahren meine getroffen habe. Im Übrigen läuft es in ihrem Beruf gar nicht so gut: Sie ist oft neidisch und verbreitet auch schon mal Gerüchte über andere.

Annemarie reiste viel, machte Urlaub nach Urlaub und genoss ihr wildes Leben. Doch vor einem Monat kam sie plötzlich mit einer dringenden Bitte zu mir. Ihre Chefin ging in den Mutterschutz, und im Büro suchte man nach einer Vertretung. Diejenige, die das überzeugendste Konzept präsentierte, würde die Leitungsstelle bekommen. Mit Computern kann Annemarie allerdings kaum umgehen, alleine hätte sie das nie geschafft.

Auch meine Schwiegermutter begann, auf mich einzureden. Ich sah ehrlich gesagt gar nicht, wie ich Kinder und Projekt unter einen Hut bringen sollte. Doch sie versprach, sich um alles im Haushalt zu kümmern damit ich Annemarie helfen konnte. Also sagte ich schließlich zu.

Am nächsten Tag rief sie an: Ich kann die Kinder nicht nehmen, ich muss ins Dorf fahren und einkochen. Ihr müsst jetzt alleine klarkommen.

Auch Annemarie tauchte nicht auf. Ich saß nachts am Schreibtisch, war fix und fertig denn natürlich hatte niemand auch nur eine Minute auf meine Kinder aufgepasst.

Warum ist das Projekt noch nicht fertig? Du hast es doch versprochen!, brüllte Annemarie irgendwann am Telefon.

Und ihr, du und deine Mutter, habt versprochen, auf meine Kleinen zu schauen. Ich hatte einfach keine Zeit.

Annemarie wurde wütend und kündigte an, alles allein zu machen. Natürlich ist nichts daraus geworden Faulheit war eben immer stärker als ihr Ehrgeiz, darum hat sie auch den neuen Posten nicht bekommen.

Du bist gemein, du hast ihr eine Falle gestellt. Du bist neidisch auf meine Tochter!, wetterte meine Schwiegermutter.

Ich musste niemandem mehr etwas erklären. Das Wichtigste war, dass mein Mann mich verstand und mir den Kontakt zu seiner Schwester untersagte. Soll sie doch sehen, wie sie alleine klarkommt: Jetzt ist sie wirklich frei und unabhängig.

Mir ist klar geworden, wie wichtig es ist, sich auf sein eigenes Leben und seine Familie zu konzentrieren, statt sich von anderen ausnutzen zu lassen.

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Homy
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