Obwohl Lucia eine wundervolle Schwiegertochter und Ehefrau war, zerstörte sie nicht nur ihre Ehe, sondern auch sich selbst

Liselotte schwebte durch das Traumland ihrer Erinnerungen, als wäre sie in einem alten, wogenden Märchen. Schon als Kind war sie Waise und verbrachte ihre Jahre in einem Kinderheim irgendwo im grauen Randgebiet von Berlin. Mit achtzehnso jung, so verloren in der Weltheiratete sie einen Mann namens Friedrich. Alles war seltsam nebelhaft, als hätte sie die Bedeutung von Familie nie verstanden, denn verheiratete Freundinnen gab es in ihren Erinnerungen nicht.

In Friedrichs geräumiger Altbauwohnung war alles anders, und Liselotte sog begierig die Geheimnisse des Ehefrau-Seins auf. Die wichtigste Quelle war Friedrichs Mutter, Frau Gertrude, eine Gestalt, die wie eine Mischung aus Matriarchin und Orakel im Traum erschien.

Natürlich hatte Liselotte immer wieder Geschichten von schwierigen Schwiegermüttern gehört, aber sie dachte, wo sie keine eigene Mutter hatte, würde Gertrude ihr wie eine liebevolle Mama sein. Und irgendwie hatte sie recht, denn Gertrude wünschte ihr nichts Böses, aber alles verlief ungewöhnlich, als würde der Traumrhythmus alles durcheinanderbringen.

Gertrude begann enthusiastisch die Lektionen des Familienlebens zu dozieren und verkündete mit schwerer Stimme: Eine Ehefrau ist schuld an der Untreue ihres Mannes. Liselotte fand das sehr verwirrend. Im Traum hatte sie geglaubt, derjenige, der betrügt, sei verantwortlich. Aber in dieser irrealen Logik war die Ehefrau schuld, weil sie sich vielleicht nicht genug um sich selbst kümmerte und Friedrich nicht mehr als Frau anzog. Gertrude empfahl ihr, die Taille einer Wespe zu bewahren, selbst im Alteralso notierte Liselotte in ihr Traumtagebuch: Nicht zunehmen! und sie trat einem Fitnessstudio bei.

Liselotte war zart und harmonisch gebaut, aber aus Angst vor Übergewicht wurde sie immer dünner. Kaum hatte sie diese Aufgabe erledigt, überraschte sie die nächste Weisheit: In einer normalen Familie arbeiten beide.

Dagegen hatte Liselotte nichts einzuwenden, denn sie wollte sowieso arbeitenegal was, Hauptsache beschäftigt. Sie fragte schwankend im Zimmer, wie das im Mutterschaftsurlaub klappen sollte, und Gertrude antwortete mit drahtiger Stimme: Elternzeit ist allein deine Sache! Wie du das löst, bleibt dir überlassen!

Diese Erkenntnis notierte sie nicht, doch als sie Jahre später in die Elternzeit trat, arbeitete Liselotte halbtags als Kindermädchen. Das brachte Freude, aber Friedrich und Gertrude beklagten, dass sie zu wenig Euro verdiente.

Im Traum entschied Liselotte, Geld für den Friseur auszugeben, aber die nächste Weisheit schwebte wie ein Nebel herein: Im Elternurlaub brauchst du keine schöne Kleidung! Wenn du wieder arbeiten gehst, kannst du dich stylen, aber jetzt solltest du sparen!

Liselotte übergab konsequent all ihren Verdienst Friedrich. Ein ewiger Spruch von Gertrude hallte durch die Jahre ihrer Ehe wie eine Glocke: Eine gute Ehefrau kann den Haushalt alleine bewältigen.

Und so tat Liselotte alles selbst. Die Müdigkeit tauchte wie schwere Wolken in ihrem Alltag auf, dennoch meisterte sie alles. Ohnmacht wurde zur täglichen Routine, und nach dem Einschlafen des letzten Kindes um neun nachts fing sie an zu putzen und fürs Frühstück zu kochen, während Friedrich längst im zehnten Traum weilteermüdet vom Geldverdienen.

Dass Liselotte ins Krankenhaus musste, war im Traum fast seltsam logisch. Sie hatte keine Zeit, den sporadischen Schmerzen Beachtung zu schenken, und übersah den Beginn einer ernsthaften Krankheit. Zwei Wochen blieb sie im Krankenhaus. Friedrich und Gertrude besuchten sie nicht ein einziges Mal.

Die Glücksträne im Traum: Sie hatte ihr Handy dabei und konnte ihre Freundin Klara erreichen, die ihr alles Nötige brachte. Nach der Entlassung rauschte Liselotte durch die nebligen Straßen, direkt zum Amt und stellte sofort den Antrag auf Scheidungals würde sie sich aus einer traumhaften Umklammerung befreien.

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Homy
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Obwohl Lucia eine wundervolle Schwiegertochter und Ehefrau war, zerstörte sie nicht nur ihre Ehe, sondern auch sich selbst
DIE ELTERN IN HAUSSCHUHEN DURFTEN NICHT ZUR ABSCHLUSSFEIER — DOCH ALS BEKANNT WURDE, WER SIE WIRKLICH WAREN, HERRSCHTE IM GANZEN FESTSAAL EHRFURCHTSVOLLES SCHWEIGEN