In den letzten zwei Monaten hat mich die erweiterte Familie meiner Großmutter immer wieder angerufen. Sie baten mich, mich um die alte Dame zu kümmern.

Meine Großmutter war in vielerlei Hinsicht eine schwierige Frau manche sagen, sogar eine recht harte Person.

Meine Eltern ließen sich früh scheiden, ich war damals noch sehr klein und habe keinerlei Erinnerung an meinen Vater. Wir zogen zu meiner Großmutter, als ich fünf war, und sie kümmerte sich fortan um mich während meiner gesamten bewussten Kindheit.

Vom Wesen her war sie streng und forderte von mir vor allem Gehorsam und Fleiß. Gute Erinnerungen an sie habe ich kaum nichts, das mir warm ums Herz wird.

Wenn andere ihre Kindheit bereuen, vermeide ich es, überhaupt an meine zurückzudenken. Ich habe nichts, wonach es sich zu sehnen lohnt. Meine Mutter war mir nie eine wirkliche Hilfe. Es gab kein Entrinnen: Die schwierigen Zeiten der 90er. Man konnte lediglich von Geld und Arbeit träumen; das genügte aber nicht. Großmutter wollte, dass ich und meine Mutter uns genau nach ihren Vorstellungen richteten.

So haben wir gelebt. Nach außen spielten wir, wie gut alles sei, doch im Inneren war es anders.

In der fünften Klasse änderte sich das Leben meiner Mutter. Ein Mann nahm sie bei sich auf. Ein Jahr später holte er mich ebenfalls zu ihnen. Mit meinem Stiefvater hatte ich zwar keine tiefe Beziehung, doch er war zumindest nicht unfreundlich zu mir. Verglichen mit der Zeit bei meiner Großmutter immer voller Streit war das Leben bei meinem Stiefvater eine Erleichterung, fast wie ein Paradies.

Meine Großmutter missbilligte die Beziehung. Meine Mutter nutzte die Gelegenheit, um sich endlich von der Tyrannin zu lösen. Seither haben sich beide nicht mehr gesprochen.

Ich telefoniere ab und zu mit meiner Großmutter.

Einmal im Monat rufe ich sie an, muss mich jedoch lange darauf vorbereiten. Die Gespräche bleiben kurz; wir sprechen meist über belanglose Dinge. Um negative Stimmung zu vermeiden, konzentriere ich mich auf gute Neuigkeiten und halte die Unterhaltung oberflächlich. Alle sechs Monate besuche ich sie mit Blumen und einer Torte zu Geburtstag oder Namenstag. Eine halbe Stunde reicht für mich vollkommen. Das ist alles so pflegen wir unseren Kontakt.

Mittlerweile geht es mir gut. Ich habe einen liebevollen Mann, ein kleines Kind und eine harmonische Familie. Vor kurzem haben mein Mann und ich entschieden, eine Wohnung in einer anderen Stadt zu kaufen mit einem Kredit. Letztes Jahr wurde meine Großmutter 80.

Einst war sie noch recht fit und hat sich allein um den Haushalt gekümmert. Doch in letzter Zeit geht es ihr nicht mehr gut.

Großmutter zieht sich zurück, kann nicht einmal das Haus verlassen, geschweige denn kochen. Die meiste Zeit liegt sie, kann sich aber noch durch ihre Wohnung bewegen. Vor kurzem wurde sie krank ihre Nachbarn halfen ihr bei allem. Die Lage ist ernst: sie braucht Pflege.

Viele entfernte Verwandte rufen mich jetzt ständig an und machen mir Vorwürfe! Sie erreichen meine Mutter nicht; die lebt mit ihrem Mann im Ausland. Nun meinen sie, ich sei verpflichtet zu helfen.

Ich weiß genau, wie schwierig das wird. Ja, sie hat mich aufgezogen, sich um mich gekümmert, mir vieles beigebracht. Und irgendwie ist es nun an mir, die Schuld zurückzuzahlen. Doch ich möchte das nicht! Sie hat mir nie Liebe gegeben, nicht in meiner gesamten Kindheit. Ich habe es geschafft, meinen Groll abzustellen, kann ihr Verhalten heute akzeptieren aber verzeihen kann ich nicht! Gleichzeitig verspüre ich aber Schuld ich weiß, dass die alte Frau Hilfe braucht.

Eigentlich wäre eine Pflegekraft die beste Lösung, aber dafür fehlt mir das Geld. Ich habe ein Kind und einen Kredit, mein Sohn ist zudem oft krank.

Was soll ich tun?

Ist eine Enkelin verpflichtet, sich um die alte Großmutter zu kümmern, oder darf sie dies ablehnen zumal sie keinen Anspruch aufs Erbe erhebt? Sie will weder solche Großmutter, noch eine Erbschaft.

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Homy
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In den letzten zwei Monaten hat mich die erweiterte Familie meiner Großmutter immer wieder angerufen. Sie baten mich, mich um die alte Dame zu kümmern.
„Als meine Familie erfuhr, dass ich schwanger war, war ich für sie nicht mehr willkommen… heute bin ich es, die ihnen bei den Rechnungen unter die Arme greift.“