Mein Neffe blieb bei mir, und sie erinnerten sich an ihn erst, als es bereits weit nach 12 Uhr war.

Meine Schwester hat vor vier Jahren geheiratet und ist mittlerweile stolze Mutter eines drei Jahre alten Jungen, dessen Patentante und Tante ich bin. Mit meinen 23 Jahren jongliere ich Uni und Job und finde so kaum noch freie Minuten; ein wirklich seltenes Gut! Es ist schon ein Drahtseilakt, alles unter einen Hut zu bekommen, aber ich bemühe mich, zumindest ab und zu Zeit für Freunde und Familie einzuräumen. Im Gegensatz dazu hat meine Schwester die Mutter des zuckersüßen Emil aktuell keine Arbeit und findet dafür erstaunlich viel Zeit für Friseursalons, Nagelstudios und was der Schönheitspflege sonst noch so dient. Das verwundert mich, denn ihr Mann ist auf Geschäftsreise und das nicht nur für ein Wochenende.

Neulich bat mich meine Schwester, Emil aus dem Kindergarten abzuholen, weil sie einen dieser Schönheitstermine nicht verschieben wollte. Ich half gerne aus, zumal ich an diesem Abend nach der Uni ein paar Stunden frei hatte. Eine Woche später war ihr Gatte wieder zu Hause und der Wunsch nach Quality Time zu zweit offenbar riesig. Also sprang ich erneut als Babysitter für Emil ein und sollte ihn bis 20 Uhr beaufsichtigen. Doch als ich später versuchte, mit den Eltern Kontakt aufzunehmen, um abzuklären, wann sie den kleinen Emil abholen wollten Fehlanzeige! Keine Antwort auf meine Anrufe, keine Reaktion auf Nachrichten. Emil saß mit großen, feuchten Augen da und wartete bis sie schließlich fröhlich gelaunt und erst um Mitternacht aus der Stadt zurückkamen.

Aber das war natürlich nicht der Höhepunkt. Wenige Tage danach klingelte das Telefon wieder: Sie wollten, ausgerechnet, den Geburtstag der Schwägerin feiern und fragten, ob ich Emil noch einmal hüten könnte. Argument: Emil hätte bei der Party ohnehin keine Freude, mit älteren Kindern sei das nicht sein Ding. Da zog ich die Notbremse und machte unmissverständlich klar, dass ich zwar die Patentante bin, aber trotzdem auch ein eigenes Leben habe und mich um Studium und meinen Job kümmern muss. Ich erinnerte meine Schwester daran, dass sie Mutter ist und Emil ihre Verantwortung bleibt. Den Vorschlag, Emil einfach mit auf die Geburtstagsfeier zu nehmen, wo ja genug andere Kinder rumhüpfen würden, fand sie ziemlich daneben und war prompt beleidigt.

Da holte ich Verstärkung von Mama, die meiner Schwester erklärte, dass sie zu viel von mir erwartet und sich endlich um ihren eigenen Sohn kümmern muss. Und nun? Meine Schwester sitzt weiter zu Hause, versucht, mir ihre Aufgaben aufzudrücken aber ich bleibe stur: Mein Leben, meine Zeit, ihre Verantwortung. Emil ist schließlich ihr Kind und nicht mein Friseur-Termins-Terminkalender.

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Homy
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Mein Neffe blieb bei mir, und sie erinnerten sich an ihn erst, als es bereits weit nach 12 Uhr war.
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