Das einzige, was ich mit meinem Vater verbinde, sind Streitigkeiten, lautes Geschrei und endlose Konflikte. Wir lebten in Armut. Meine Mutter, Lieselotte Müller, arbeitete bis spät in den Abend, um etwas Brot auf den Tisch zu bringen, während mein Vater, Heinrich Müller, stets einen Grund zum Streiten suchte. Einmal gingen wir gemeinsam zum Wochenmarkt in Berlin, um Gemüse zu kaufen. Der Verkäufer, Herr Becker, machte einen Scherz mit meiner Mutter, und wir lachten. Mein Vater sah meine Mutter mit einem steinernen Blick an und schwieg.
Zuhause kam es dann zu einem richtigen Krach. Er schrie so laut, dass alle Nachbarn im Altbau die Stimmen hörten. Später schlug er meine Mutter. Dann passierte noch etwas anderes. Ein Arbeitskollege meines Vaters meinte im Spaß, ich sähe meinem Vater überhaupt nicht ähnlich, sondern käme ganz nach meiner Mutter. Mit zwölf Jahren war mir dieser Satz schmerzlich bewusst. Kurz darauf verließ mein Vater unsere Familie. Er sagte, meine Mutter hätte mich zu sehr verwöhnt.
Seitdem fehlten uns oft selbst die Euros, die wir zum Essen brauchten. Mein Vater zahlte keinen Unterhalt. Meine Mutter wollte den juristischen Kampf nicht auf sich nehmen, also musste sie alleine klarkommen. Sie suchte sich eine zweite Arbeitsstelle als Reinigungskraft in einer Kanzlei. Während ich die Schule besuchte, strengte ich mich an, um an die Universität zu kommen. Später gelang es mir, einen Job zu finden.
Schließlich heiratete ich erfolgreich und konnte endlich meiner Mutter finanziell helfen. Vor kurzem bekam ich eine Nachricht. Sie war von meinem Vater. Er schrieb, dass er den Kontakt zu mir wieder aufnehmen wolle. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Einige Freunde raten mir, ihn zu treffen und mit ihm zu sprechen. Ehrlich gesagt, habe ich wenig Lust dazu. Ich erinnere mich noch zu deutlich an den Tag, an dem mein Vater uns verlassen hat. Für mich ist er ein Fremder geworden. An schöne Erinnerungen mit ihm kann ich nicht denken. Ich habe mich entschieden, meiner Mutter erst einmal nichts von der Nachricht zu erzählen. Wie ich weitermache, weiß ich nicht.




