Ein guter Freund von mir kommt sehr häufig zu uns nach Hause.

Meine Frau und ich haben jahrelang gespart, um uns endlich den Traum vom eigenen Häuschen auf dem Land zu erfüllen und diesen Sommer war es soweit. Eine kleine Immobilie unweit von einer ländlichen Gemeinde in Bayern, nicht weit von einem idyllischen Flussufer. Seit einem Jahr verbringen wir dort fast jedes Wochenende oder gleich den ganzen Sommer.

Wir waren überglücklich, und auch meine Eltern haben uns großzügig mit ein paar tausend Euro ausgeholfen, damit wir unseren Wunsch schneller realisieren konnten. Voller Tatendrang begannen wir mit der Renovierung: Wir haben neben dem Gemüsegarten ein kleines Gewächshaus für den Winter gebaut, im hinteren Teil des Gartens ein Sandkasten und eine Schaukel für die Kinder aufgestellt. Von Anfang an kamen Freunde und Bekannte sowohl meine als auch die meines Mannes fast täglich vorbei. Nachmittags gingen wir gemeinsam zum Fluss, abends wurde oft auf dem Grill Fleisch zubereitet und entweder machten sich die Gäste spät in der Nacht auf den Heimweg, oder blieben bei uns, da nicht jeder mitten in der Nacht ein eigenes Auto hatte. Die Glückwünsche, die wir für unser Haus erhielten, nahmen kein Ende.

Nach etwa einem Jahr haben die meisten gelernt, sich zurückzuhalten. Mittlerweile kommen unsere Freunde meist an Feiertagen zu uns und auch nur, nachdem wir sie eingeladen haben. Doch eine Bekannte, Martina, scheint dieses Prinzip nicht verstanden zu haben. Sobald sie etwas über unser Wochenendhaus hört, packt sie kurzerhand ihre Tasche und steht kurz darauf bei uns vor der Tür. Es interessiert sie nicht im Geringsten, ob wir sie gerade überhaupt beherbergen können oder wollen für sie zählt nur, was sie möchte.

Im Prinzip wäre es kein Problem, wenn Martina nur käme, wenn ich und mein Mann allein dort sind. Aber meist sind auch meine Eltern, unsere kleinen Kinder dabei. Ich habe mehrfach versucht, sie höflich darauf hinzuweisen, dass es Zeit wäre, wieder nach Hause zu fahren. Aber alle meine Versuche, sie zu verabschieden, schlugen fehl. Zwei Monate lang wohnte sie quasi bei uns.

Martina ignoriert völlig meine Hinweise, dass es langsam reicht. Selbst als ich ihr erklärte, dass bald meine Schwiegereltern anreisen würden und es eigentlich zu eng werden würde, war ihre Antwort nur, dass sie auch auf dem kalten Boden schlafen würde vorausgesetzt, sie bekäme eine Matratze.

Ihr Besuch läuft immer gleich ab: Freitagabend kommt sie an und verbringt die nächsten beiden Tage auf unserem Sofa vor dem Fernseher, während mein Mann und ich im Garten ackern und gießen. Sämtliche Bitten um Mithilfe kontert sie mit: Ich bin hier, um auszuspannen!

Mein Mann und meine Eltern äußerten sich nie zu dieser Angelegenheit offenbar war ich die Einzige, die sich zunehmend über Martina ärgerte.

Als der Herbst kam und es draußen kalt wurde, saßen wir eines Nachmittags in der Hütte, tranken Kaffee. Martina seufzte und meinte: Ach, schade, dass jetzt Winter ist. Im Sommer wäre ich schon längst wieder bei euch! In diesem Moment fröstelte es mich. Ich dachte nur: Warum kann ich ihr nicht einfach ins Gesicht sagen, dass ich keine Lust habe, jedes Wochenende mit ihr zu verbringen und dass mich das wahnsinnig nervt? Was, wenn sie sich beleidigt fühlt und den Kontakt abbricht?

Das will ich eigentlich nicht. Ich wünsche mir nur, dass sie nicht mehr jedes Wochenende spontan auftaucht. Aber ich weiß einfach nicht, wie ich ihr das klar machen soll.

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Homy
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