– Ist das auf dem Foto deine Schwester? – Nein, meine Frau. – Das kann nicht sein! Das ist die Ehefrau meines Neffen.

Ist das deine Schwester auf dem Foto? Nein, das ist meine Frau. Unmöglich! Das ist nämlich die Frau meines Neffen.

Herr Dr. Schwarz, da draußen wartet eine Besucherin hartnäckig darauf, zu Ihnen zu kommen. Mir fehlen schon die Worte, um zu erklären, dass Sie sehr beschäftigt sind, stößt die Assistentin Katharina atemlos ins Büro.

Wer? Wieso? Weshalb? lächelt Dr. Karl Schwarz, hebt für einen Moment den Blick von den Unterlagen, nur um gleich wieder darin zu versinken.

Wenn ich das wüsste… Sie behauptet, es sei ein dringendes, persönliches Anliegen!

Nun, dann soll sie hereinkommen, wenn es so persönlich und dringend ist! Karl Schwarz war ein hilfsbereiter, warmherziger Mensch, der das Leiden anderer nie ignorieren konnte. Immer wieder suchten ihn Menschen in Notsituationen auf, baten um Rat oder Hilfe. Katharina versuchte stets, ihren Chef vor zu vielen Besuchern zu schützen, manche Angelegenheit erledigte sie selbst, manche klärte sie ab, wenn die Leute schlicht an der falschen Adresse waren. Von Anfang an war sie an seiner Seite, als er das Geschäft aus dem Nichts aufbaute. Noch immer dachte sie manchmal an die Nächte, die sie beide im Büro durchgearbeitet hatten. Und Karl wusste ihre Unterstützung sehr zu schätzen sie war seine unersetzliche rechte Hand geworden. Ohne Katharina war er verloren, das wusste er. Er sorgte sich oft, was werden würde, wenn sie einmal heiratete und in den Mutterschutz ginge er überließ niemandem gern die Geheimnisse seines Erfolgs, zu groß war die Konkurrenz, seit die Geschäfte gelaufen waren. So ist das eben: Zuerst nimmt keiner Notiz von dir, aber sobald sich Erfolg abzeichnet, schießen die Nachahmer wie Pilze aus dem Boden. Und vieles, was er erreicht hatte, verdankte er ihrer Loyalität und Vertraulichkeit.

Katharina führte die Besucherin herein und zog sich leise zurück. Karl Schwarz blickte auf, stand auf und schaute die Frau in Schwarz überrascht an.

Frau Lenz? Was führt Sie zu mir?

Karl trat hinter dem Schreibtisch hervor und bot ihr den bequemen Sessel am Konferenztisch an.

Meine Anna gibt es nicht mehr, sagte Frau Lenz tonlos und ließ den Kopf sinken.

Schockiert lockerte Karl seinen Schlips und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. Ein ganzes Leben flimmerte vor seinen Augen vorbei.

Anna war seine erste Liebe gewesen. Sie hatten sich im ersten Semester an der Universität kennengelernt. Anna, eine beeindruckende junge Frau mit langem, kastanienbraunem Zopf, hatte schon am ersten Tag seine Aufmerksamkeit geweckt. Sie erwiderte seine Blicke und irgendwann, als sie durch die erste Prüfung gefallen war, bot er ihr Nachhilfe an. Sie nahm dankend an. Er erklärte alles mit einer solchen Geduld, dass Anna lachend behauptete: Karl, wärst du der Professor, würden alle auf Anhieb bestehen! Und sie bestand.

Von da an verbrachten sie nicht nur die Lernstunden, sondern auch ihre Freizeit zusammen. Am Ende des Studiums waren alle überzeugt, dass diese beiden bald heiraten würden. Karls Eltern begannen mit den Vorbereitungen, arbeiteten Überstunden, um etwas dazuzuverdienen, während Annas Mutter offen sagte, wie sehr sie sich darauf freute, bald Enkel zu bekommen. Doch Anna und Karl sprachen selbst nie von Hochzeit. Karl hatte schon seit der Schulzeit den Traum, sein eigenes Geschäft aufzubauen, für die Menschen sinnvoll zu arbeiten und dabei gut zu verdienen. Doch als der Abschluss näher rückte, überlegte er doch, Anna einen Antrag zu machen das Versteckspiel war keine Lösung mehr. Er malte sich aus, wie er sie überraschen wollte, und besuchte sie eines Tages ohne Vorwarnung mit einem großen Blumenstrauß. Sie öffnete lange nicht, dann zögerlich. Und noch ehe er die Türschwelle überschritten hatte, kam ein junger Mann mit nacktem Oberkörper aus ihrem Schlafzimmer, schloss im Gehen seine Jeans. Anna brachte kaum ein Wort hervor:

Ich wollte dir sagen… Das ist Lukas, mein Schulfreund wir werden heiraten. Ich habe ihn schon seit der Schulzeit geliebt

Karl warf den Strauß auf die Kommode und stürzte die Treppe hinunter. Es traf ihn hart, doch er ließ sich nicht gehen. Er schwor sich, seinen Weg trotzdem zu gehen, nahm erst einmal einen Posten in einem Unternehmen an, um sich Klarheit zu verschaffen. Einige Monate später traf er Frau Lenz, die ihm erzählte, dass Anna Lukas geheiratet hatte ein Kind war unterwegs. Doch das Herz einer Mutter, sagte sie, sei deswegen keineswegs glücklich; Lukas, der ewige Unruhestifter, ein Herumtreiber, sei nie gut zu ihr gewesen. Anna, so Frau Lenz, sei ihm wie besessen nachgelaufen. Was hätte er damals sagen sollen? Er wünschte ihr einfach Glück.

Und nun saß Frau Lenz wieder weinend vor ihm, mit ihrem unerträglichen Kummer.

Was ist geschehen? fragte Karl mit belegter Stimme.

Er hat sie oft geschlagen, erzählte sie bitter. Und sie hat alles ertragen, hörte nicht auf mich. Wie oft habe ich gebettelt, sie solle nach Hause zurückkommen, aber keine Chance. Mein Herz wusste, wie das enden würde aber was hätte ich tun können? Einmal rief ich die Polizei, sie nahmen ihn mit. Aber sie, diese Närrin, holte ihn selbst ab, sagte, sie habe sich die Verletzung selbst zugezogen, erklärte mir, dass ich mich nicht mehr einzumischen habe. Ich fürchtete, wenn ich noch einmal etwas unternehmen würde, würde sie ganz mit mir brechen. Und jetzt… werde ich mein Kind niemals wiedersehen.

Brauchen Sie Hilfe bei der Beerdigung? fragte Karl schwer schluckend.

Nein, das liegt schon hinter uns. Die vierzig Tage sind vorbei. Den Kerl haben sie zwar weggesperrt, aber es nützt nichts er wird irgendwann rauskommen. Aber meine Anna kommt nie zurück

Frau Lenz weinte, Karl reichte ihr still ein Glas Wasser.

Wollen Sie vielleicht, dass Katharina Ihnen ein Beruhigungsmittel holt?

Sie schüttelte den Kopf.

Ich bin zu Ihnen gekommen, Karl, weil ich beichten muss. Ich hätte es schon früher tun sollen, aber Anna hat es verboten. Die Tochter, die Anna bekommen hat, ist von Ihnen. Das ist auch der Grund allem Unglück. Er hat es eines Tages von jemandem erfahren, der Tratsch war schnell im Umlauf Sie wissen ja, wie das ist.

Natürlich wusste Karl, auf wen sie anspielte auf Gabi Tratschke, Annas Sandkastenfreundin und berüchtigte Lästerschwester. Doch ihm hallten andere Worte nach: Die Tochter ist von Ihnen War das möglich? Wuchs irgendwo sein Kind, von dem er nichts wusste? Das durfte nicht sein.

Wie kann das sein? fragte Karl erschüttert.

Anna hat es mir selbst erzählt. Sie wollte es Ihnen nie sagen. Sie sagte, sie könne Lukas nicht vergessen, und als er sie zum ersten Mal wiedersah, war sie sofort wieder verloren. Sie machte es mit ihm, gab vor, es sei sein Kind, damit er sie heiratete. Ich habe geweint, aber ich habe sie nicht aufgehalten. Vielleicht wäre alles anders gekommen Wären Sie der Vater, hätte er vielleicht auch Ihnen etwas getan

Karl sah aus dem Zimmer, bat Katharina, grünen Tee und Gebäck zu bringen.

Ich glaube, wir haben noch einiges zu besprechen, sagte Karl, lud Frau Lenz auf das Sofa ein. Setzen Sie sich, trinken Sie in Ruhe einen Tee, erzählen Sie mir alles.

Sie nickte. Katharina brachte Tee und verschwand leise. Karl konnte an nichts anderes denken. Seine Gefühle für Anna hatte er längst überwunden. Aber der Gedanke daran, dass sein Kind jahrelang bei so einem Menschen aufgewachsen war Er konnte die Wut kaum zügeln, troff vor Betroffenheit.

Nach einiger Zeit begann Frau Lenz zu erzählen.

Emilia wird in einem Monat zehn Jahre. Sie sieht aus wie Anna, aber hat Ihre Augen. Lukas wunderte sich immer, warum die Tochter keine Ähnlichkeit mit ihren Eltern hat, aber er vergaß es schnell. Er war nie wirklich an Frau und Kind interessiert, trieb sich herum. Anna ertrug alles, aus Liebe, wie sie behauptete. Emilia lebte viel bei mir. Anna fürchtete, Lukas mache vor ihr einen Skandal, also versuchte sie ihm alles recht zu machen. Das Mädchen ist klug, freundlich, spielt wunderbar Klavier ich habe noch Annas altes Klavier bei mir stehen. Doch jetzt… Jetzt schwindet ihre Fröhlichkeit. Ich kann ihr nicht helfen, sie vermisst ihre Mutter so sehr.

Wieder schluchzte Frau Lenz, wieder brach Karl das Schweigen.

Ich muss ehrlich sein, das ist sehr viel für mich. Es tut mir unendlich leid, was Anna passiert ist; aber sie hat ihren Weg selbst gewählt, verzeihen Sie. Was Emilia betrifft: Es fällt mir schwer, Ihnen einfach zu glauben, ich hoffe, Sie verstehen das. Ich möchte deshalb einen Vaterschaftstest machen, bevor wir weiter sprechen. Ist das in Ordnung?

Ja, natürlich. Du hast Recht, Karl. So viel passiert im Leben…

Dann werde ich die Klinik kontaktieren und Sie informieren, wann Sie Emilia mitbringen sollen. Hier ist meine Visitenkarte, schreiben Sie auch bitte Ihre Nummer auf.

Frau Lenz tat es, zog beim Aufstehen ihren Blick hinüber zu einem Foto auf dem Schreibtisch. Es zeigte Karls Frau, Klara. Sie lugte lachend hinterm Flieder hervor. Karl liebte ihr Lachen, stellte das alte Foto gern auf, wenn Klara nicht da war. Frau Lenz fragte, leicht erstaunt:

Ist das deine Schwester auf dem Bild? Ich wusste gar nicht, dass Klara deine Schwester ist. Anna hat nie davon gesprochen, sie kannten sich kaum.

Nein, das ist meine Frau, antwortete Karl verwirrt.

Das gibt’s doch nicht! Das ist doch Klara sie ist acht Jahre mit meinem Neffen verheiratet!

Karl nahm das Foto, reichte es Frau Lenz:

Sehen Sie nochmal genau hin. Sie irren sich bestimmt.

Nein, das ist Klara, keine Frage. Da sieht man auch den Fliederbusch am Fenster das ist das Haus meiner Schwester. Das ist die Frau von Stefan.

Karl starrte, verwirrt, auf das Bild. Er wusste weder aus noch ein. Frau Lenz brach das Schweigen.

Ich war auf ihrer Hochzeit, habe sie oft besucht. Eine gute Frau sie hält zu Stefan, obwohl er nach dem Unfall für immer im Rollstuhl sitzt.

Wie ist das passiert? fragte Karl.

Wegen Klara. Sie hatten einen Stand auf dem Wochenmarkt. Während Stefan kurz wegging, bedrängte ein Rüpel sie, wollte sie um den Preis der Ware feilschen. Sie gab nicht nach, fing an zu schimpfen. Stefan kam zurück sie bat ihn um Hilfe, sagte Zeig ihm, wo der Bartel den Most holt. Der Typ stieß Stefan so heftig, dass er auf einen Metalltisch fiel so passierte es. Danach musste meine Schwester vieles verkaufen. Klara nahm einen Job in einem reichen Haushalt an ihr Bruder habe geholfen. Seitdem ist sie selten daheim, aber sie sorgt bestens für die Familie. Ihr Sohn Sebastian ist sieben.

Klara… und dein Neffe Karl griff sich an den Kopf. Zu viele Neuigkeiten auf einmal. Frau Lenz, können wir vereinbaren, dass, was Klara betrifft, vorerst niemand etwas erfährt? Ich muss das selbst klären.

Natürlich, Karl, mein Wort darauf.

Frau Lenz verabschiedete sich; Karl rief Katharina herein.

Katharina, bestell bitte ein paar Häppchen und eine Flasche Cognac. Wenn alles geliefert ist, schließ die Türen ab ich will nicht gestört werden.

Katharina starrte entsetzt. In all den Jahren hatte sie nie gesehen, dass Herr Dr. Schwarz Alkohol trank, besonders nicht in solcher Situation. Doch sie hütete sich, etwas zu sagen, führte diskret das Tablett mit Cognac und Häppchen herein, nahm die Unterlagen von heute Morgen und verschwand.

Später, als Katharina ihre Arbeit erledigt hatte, schaute sie nochmals herein. Karl saß tief über den Tisch gebeugt; die Cognacflasche leer, das Essen unberührt.

Herr Dr. Schwarz, alles in Ordnung? fragte sie und berührte vorsichtig seine Schulter. Er nickte nur.

Lassen Sie mich hier schlafen. Nach Hause möchte ich nicht, murmelte er, legte sich auf die Couch.

Katharina holte Kissen, Decke und schaute noch nach Mineralwasser im Kühlschrank das würde Karl am Morgen sicher brauchen.

Am nächsten Tag kam Katharina extra früh und brachte aus der Apotheke Kopfschmerztabletten. Karl stand am Fenster, sichtlich angeschlagen.

Wie geht es Ihnen? fragte sie vorsichtig.

Mein Kopf platzt gleich. Was für ein Albtraum, Katharina!

Sie ließ eine Brausetablette im Wasser zischen und reichte ihm das Glas und begann wieder, das Büro zu ordnen.

Ich hab alles vermasselt, die Unterlagen… stammelte Karl.

Keine Sorge, alles ist erledigt, sagte sie ruhig.

Was würde ich ohne dich tun, Katharina? Du hast keine Ahnung, wie dankbar ich bin, dass du in meinem Leben bist.

Katharina lächelte traurig, wollte gerade gehen, da hielt er sie zurück.

Bleib noch einen Moment, bitte. Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht.

Sie schaffen das schon, wie immer. Sie haben doch so oft scheinbar unlösbare Situationen gelöst, und diesmal schaffen Sie es auch.

Weil du immer dabei bist.

Er wurde still. So viele Jahre war sie seine engste Vertraute, kannte ihn besser als seine Frau die vielleicht gar nicht wirklich seine Frau war Er erinnerte sich, wie er Klara kennengelernt hatte: Ein eisiger Januartag. Sie war ihm fast vor das Auto gefallen, verstauchte sich den Fuß. Er brachte sie ins Krankenhaus, bezahlte das Hotel während der Genesung und half ihr dann, eine Wohnung zu finden. Eigentlich hätte damit alles erledigt sein sollen doch er dachte noch oft an sie, brachte ihr Obst, fragte nach ihrem Befinden. Mit der Zeit trafen sie sich häufiger, kochten gemeinsam, sie lachte so herzlich.

Und er erfuhr von ihrem Ehemann, der ein Tyrann gewesen sein soll, sie einsperrte, ihr verbot, zu arbeiten, und sie mehrfach vor seinen Affären erniedrigte. Bei einer Gelegenheit war sie entkommen aber hatte große Angst, er würde sie finden. Er riet ihr zum heimlichen Scheidungsverfahren, half ihr über seinen Anwalt. Sie folgte seinem Vorschlag, und schließlich wurde aus den Treffen mehr sie heirateten ohne großes Aufsehen.

Doch Kinder bekamen sie keine; Klara erklärte, sie müsse gesundheitlich etwas aufholen und fuhr oft angeblich zu Behandlungen, immer allein. Karl bemerkte nie Widersprüche warum eigentlich nicht?

Er fuhr zusammen, als er wieder im Hier und Jetzt ankam, und sah Katharina, die immer noch wartete.

Katharina, ich weiß nicht, was ich ohne dich machen soll… Dann erzählte er ihr alles, was geschehen war. Sie hörte betroffen zu, Tränen standen in ihren Augen.

Weißt du, wo wir dringlich einen DNA-Test machen können?

Ich finde es heraus, versprach sie.

Bald organisierte sie Termine für Karl und das Mädchen, getrennt, um keine Irritation zu verursachen.

Katharina, du bist unbezahlbar!

Hören Sie auf, sich immer zu bedanken, Herr Dr. Schwarz, errötete sie.

Du kannst mich ruhig duzen Wie oft habe ich das schon gesagt

Sie sind mein Chef, entgegnete sie.

Ich dachte, wir wären längst Freunde, sagte Karl schulterzuckend.

Später rief er zu Hause an und sagte, er müsse dringend verreisen. Dann bat er Katharina, mit dem Auto zu fahren, denn Klara kannte sein Fahrzeug.

Sie beobachteten von Weitem, wie Klara mit anderen Kleidern ins Taxi stieg, einkaufen fuhr und dann zu einem alten Haus in einem Vorort brachte, mit Flieder vorm Fenster. Dort wurde sie herzlich von einem Jungen empfangen, der sie umarmte und dann die Einkaufstaschen ins Haus trug.

Geht’s? fragte Katharina vorsichtig.

Weißt du, was traurig ist? Dass ich gar nicht traurig bin. Nur wütend wegen der vergeudeten Zeit.

Schweigend fuhren sie zurück.

Zwei Tage später blieb Karl zu Hause, wartete, als Klara in der Mittagszeit zurückkehrte. Sie war überrascht, ihn zu sehen.

Komische Kleidung, mein Liebling, sprach er sie an. Aber lass sie an. Heute erzählst du mir alles, die ganze Wahrheit. Und kein Wort Lüge mehr

Klara erzählte unter Tränen alles: Wie sie sich von Stefan verantwortlich fühlte, aber zugleich nicht mehr leben konnte. Wie sie durch Frau Lenz auf Karl aufmerksam wurde und ihn gezielt aufsuchte, um aus ihrem Elend zu entkommen. Wie sie dann einen neuen Pass beantragte, eine neue Identität annahm und zwischen den Welten pendelte, Familie und Karrieremann. Karl ließ sie gehen, nahm ihren Pass und die Karten. Er empfahl ihr, ihrem richtigen Mann die Wahrheit zu sagen.

In den nächsten Tagen kam das DNA-Ergebnis: Karl war Emilias Vater. Er konnte es kaum fassen und doch schwor er sich, dem Mädchen ein guter Vater zu werden.

Katharina, hilfst du mir, Geschenke für Emilia auszusuchen? fragte er freundlich. Zum ersten Mal bemerkte er, wie wichtig sie ihm geworden war, in jeder Hinsicht.

Natürlich helfe ich dir, errötete Katharina.

Gemeinsam zogen sie durch die Geschäfte, kamen kurz vor Ladenschluss raus, die Arme voller Einkaufstaschen.

Glaubst du, Emilia freut sich darüber? fragte Karl im Auto, Katharina nickte.

Das erste Zusammentreffen fiel leichter, als er gedacht hatte. Emilia schloss ihn zaghaft in die Arme, dann war sie von den Geschenken sogleich begeistert und ihre ersten Lächeln seit langem stahl sich über ihr Gesicht.

So lange habe ich sie nicht mehr lächelnd gesehen, Karl. Danke, dass du Verantwortung übernimmst.

Wie könnte ich anders?

Mach dir keine Sorgen: Emilia bleibt erstmal bei mir, bis sie sich an dich gewöhnt hat.

Natürlich, ich verstehe das. Eine Bitte noch: Erkundigen Sie sich nach Stefans Möglichkeiten für eine OP ich übernehme die Kosten.

Ein so guter Mensch, Karl! Klara ist übrigens verschwunden, hat einen Brief hinterlassen: Sie bleibt nicht mehr, soll sich Stefan um den Jungen kümmern. Wenigstens leidet der Junge nicht unter dem Weggang er liebt den Vater sehr.

Karl ließ die Ehe mit Klara annullieren. Seine Tochter nahm er mit samt ihrer Großmutter zu sich.

Mein Haus ist groß genug, da ist Platz für alle. Mir ist wohler, wenn Sie bei Emilia bleiben, Frau Lenz.

Das stimmt, stimmte sie gerne zu.

Auch Katharina wurde zur häufigen Besucherin, erst als treue Freundin und rechte Hand, bald als Karls Verlobte. Sie verstand sich blendend mit Emilia, die bald fragte:

Papa, darf ich Katharina nach eurer Hochzeit Mama nennen?

Ich würde mich freuen und Katharina sicher auch.

Papa, bekommst du mit Katharina noch ein Geschwisterchen für mich? Das wünsche ich mir schon lange.

Dann wird das sicher wahr!

Karl war zum ersten Mal seit Jahren wirklich glücklich und frei. Katharina strahlte, die Großmutter fühlte sich akzeptiert, seine Eltern besuchten ihn oft. So wurde aus ihnen eine große, glückliche deutsche Familie.

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Homy
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