Mit dir bin ich alt
Das Gespräch über die Scheidung fand nicht an jenem Abend statt, als ich zum ersten Mal ausgesprochen habe, dass alles anders geworden ist, und auch nicht an dem Tag, als Birgit mein Handy in meiner Jackentasche fand und eine Nachricht las, die ihr den Atem raubte. Es passierte an einem ganz gewöhnlichen Februarmorgen. Wir saßen in der Küche beim Frühstück, und ich sagte, ohne meinen Blick von der Kaffeetasse zu heben:
Birgit, wir müssen reden. Ernsthaft.
Dann sprich.
Ich will mich scheiden lassen.
Birgit stellte ihre Tasse ab. Leise, ganz ohne Klirren, als habe sie Angst, in dieser Luft noch etwas Zerbrechlicheres zu zerstören.
Du hast dich also entschieden?
Ja, es steht fest.
Ihr Blick traf mich. Ich saß ihr gegenüber, erste graue Strähnen an den Schläfen, in dem blauen Pullover, den sie mir letztes Jahr zum Geburtstag gekauft hatte. Ich mied ihren Blick. Beäugte das Muster auf der Tischdecke.
Wegen Laura?
Birgit, lass uns keine Namen nennen.
Warum nicht? Möchtest du ihren Namen nicht aussprechen oder willst du so tun, als gebe es sie gar nicht?
Nun hob ich doch den Blick. In ihren Augen war jenes besondere Leuchten, das ich nach fünfundzwanzig Jahren Ehe lesen lernte: Ich hatte meine Entscheidung gefällt, brauchte aber, dass sie es mir leichter machte.
Ich bin müde, Birgit. Uns beiden war es die letzten Jahre schwierig.
Wem war es schwierig? Mir?
Uns, sag ich doch.
Sprich nicht für mich. Wenn es DIR schwerfällt, dann sag auch nur das.
Ich seufzte, lehnte mich im Stuhl zurück.
Ich will keinen Streit. Ich will, dass wir uns wie Erwachsene trennen.
Und was heißt das für dich? Einfach nicken?
Birgit…
Klaus. Fünfundzwanzig Jahre waren wir zusammen. Weißt du noch, wie wir damals das Zimmer bei Frau Baumann am Prenzlauer Berg gemietet haben, und wie im Winter die Fenster gefroren waren? Weißt du noch, wie ich mit dir zu den Gläubigern gefahren bin, als du deine erste Werkstatt eröffnet hast? Wie ich nachts die Buchführung gemacht habe, während du schon geschlafen hast? Weißt du das?
Ich weiß, und ich danke dir für alles.
Ich verlange keinen Dank! Ihre Stimme zitterte, aber sie fing sich. Ich will eine Erklärung. Du ersetzt mich durch ein Mädchen von sechsundzwanzig Jahren. Sie ist Empfangsdame. Sie weiß nicht, was es bedeutet, aufzubauen, was du jetzt genießt.
Es geht nicht um das Alter.
Worum dann?
Ich senkte wieder den Kopf. Schweigen füllte die Küche.
Mit dir fühle ich mich alt, sagte ich schließlich leise.
Birgit sah mich lange an. Dann stand sie auf, räumte ihre Tasse in die Spüle, spülte ab, trocknete sich die Hände am Küchenhandtuch. Alles ruhig, bedächtig, als habe jede Bewegung Bedeutung.
Du bist achtundvierzig, Klaus. Du BIST kein Jüngling mehr. Dafür kann ich nichts.
Sie verließ die Küche. Ich blieb sitzen.
So endeten fünfundzwanzig Jahre Ehe. Nicht mit Geschrei, nicht mit zerbrochenem Geschirr, das Birgit manchmal zu gern zerschlagen hätte. Sondern an einem leisen Februarmorgen mit einer Tasse Kaffee und dem Satz, dass sie mich alt macht.
Die Scheidung war schnell durch, ohne viel Aufhebens. Wir hatten keine Kinder erst klappte es nicht, dann fanden wir uns damit ab, füllten die Lücke mit Arbeit, gemeinsamen Aufgaben und den Sorgen anderer. Das Vermögen wurde durch Anwälte geteilt; ich schlug Birgit selbst die Drei-Zimmer-Wohnung in der Goethestraße vor, die wir vor sieben Jahren als Reserve gekauft hatten, und die Hälfte unserer Ersparnisse. Ich fand mich großzügig, vielleicht war es das auch. Birgit nahm, was ich ihr anbot, feilschte nicht. Ihr Anwalt versuchte noch, etwas mehr auszuhandeln; sie unterbrach ihn: Es reicht.
Für mich war das das Zeichen, dass alles gut verlaufen war. Dass wir zivilisierte Menschen waren. Dass ich alles richtig gemacht hatte.
Laura zog im März in mein Haus am Starnberger See ein. Im April flogen wir gemeinsam nach Dubai. Ich fotografierte sie am Strand, sie postete Bilder mit Geotags. Ich sah die Bilder und dachte: So, das ist sie, die neue Zeitrechnung. Alles glänzte, wirkte passend.
Laura war hübsch. Das klingt banal, aber es ist das einzige einfache Wort, das zu ihr passte: auffällig, makellos und innen ziemlich leer. Groß, blond, modisch gekleidet, wie es weniger auf Geschmack denn auf Geld zurückging, mit einer Pose, als würde sie immer für ein Foto posieren. Sie konnte einen Raum betreten und machen, dass sich alle umdrehten. Anfangs hielt ich das für eine Tugend.
In meiner Firma, der Krause-Service GmbH, nahmen die Kollegen sie unterschiedlich auf. Die Mitarbeiter lächelten ihr ins Gesicht, beäugten sich hinter ihrem Rücken. Mein Freund Timo Brandt, mit dem ich früher gearbeitet hatte, gab ihr beim ersten Kennenlernen die Hand, zog mich dann zur Seite:
Hübsch ist sie ja. Aber pass auf.
Worauf?
Ach, du bist doch alt genug.
Damals dachte ich, Timo sei einfach neidisch. Leute sind immer neidisch, wenn man das Leben verändert redete ich mir ein.
Das nächste Ehemaligentreffen war auf Ende Mai gelegt. Wir trafen uns alle fünf Jahre, diesmal organisierte es Georg Riedl, der nun eine Anwaltskanzlei am Marienplatz betrieb und gern klotzte. Restaurant Frankfurt in der Innenstadt, zwölf Tische, Live-Musik, Menü alles im Voraus bezahlt.
Ich wollte Laura mitnehmen. Schon vorher spielte ich mir im Kopf aus, wie wir gemeinsam den Raum betreten, wie die ehemaligen Kommilitonen sie sehen, wie die, die mir nie etwas gegönnt hatten, plötzlich so etwas wie Respekt fühlen. Kleinlich, ja, aber der Gedanke gefiel mir.
Laura war nicht begeistert.
Was sind das für Leute?
Meine Kommilitonen. Vor fünfundzwanzig Jahren haben wir zusammen studiert.
Sind die wohlhabend?
Mal so, mal so.
Ist bestimmt langweilig mit alten Leuten.
Wir sind alle achtundvierzig, Laura.
Na ja, für dich ist das nicht alt. Ich mag eher andere Kreise.
Ich kaufte ihr ein Kleid für den Abend, bei Nordlicht Boutique: dunkelblau, bodenlang, Rückenausschnitt. Teuer. Sie probierte es an, drehte sich einmal vor dem Spiegel, sagte passt schon und hängte es weg. Ich nahm das als Zustimmung.
Um acht waren wir im Frankfurt. Der Saal war schon voller Stimmen. Ich sah Georg, dicker geworden und mit Glatze; Michael Schröder mit seiner Frau Sabine, einer warmherzigen, zurückhaltenden Frau. Ich sah auch Jürgen Weber, der noch immer an der Uni unterrichtete und immer so aussah wie früher, als täte Zeit nichts zur Sache. An uns kam Katrin Mertens, jetzt Frau Dr. Mertens mit Mann Holger auf dem Arm. Katrin war schön älter geworden, so wie es nur Frauen können, die mit dem Alter ihren Frieden schließen.
Als Laura und ich hereinkamen, entstand eine winzige, kaum sichtbare Sprechpause, die ich dennoch deutlich wahrnahm. Georg kam mir entgegen, umarmte mich:
Klaus! Das ist ja was. Wer ist das?
Laura, sagte ich, und in meiner Stimme schwang Stolz mit.
Laura lächelte auf ihre ganz bestimmte Art: perfekte Zähne, leicht vorgeschobener Mund, flüchtiger Blick, der niemandem galt. Die Jüngste und am auffälligsten Gekleidete im Saal, das wusste sie.
Wir setzten uns. Neben mir saß Sabine, Michaels Frau. Sie fing umstandslos an:
Birgit kommt gar nicht? Ich habe sie so lange nicht gesehen. Ich hatte sie letztes Jahr noch angerufen, sie meinte…
Wir sind geschieden, sagte ich kurz.
Sabine schwieg, sah erst zu Laura, die in jenem Moment schon wieder das Handy checkte, lässig und aufgestellt auf dem Tisch, wie sie es überall machte.
So ist das also, sagte Sabine ruhig, und ich wusste nicht, was genau sie meinte.
Das Essen verlief wie immer. Es wurde über Kinder gesprochen, über die Arbeit, über Ferienhäuser, über Probleme mit dem Rücken. Georg erzählte von einem neuen Mandat, gestikulierte groß. Jürgen diskutierte mit ihm über Bildung, beide waren laut und unterbrachen einander. Ich trank Wein, nickte, hörte zu.
Laura langweilte sich. Das war nicht zu übersehen, wie sich Erschöpfung im Gesicht abzeichnet. Sie saß aufrecht, schön, in ihrem dunklen Kleid, scrollte durchs Handy, likte ein paar Dinge. Einmal fotografierte sie ihr Essen.
Katrin kam zu ihr, versuchte Smalltalk:
Wo arbeiten Sie, Laura?
Im Autohaus. War Empfangsdame. Momentan allerdings nichts.
Ach so. Und wie lange sind Sie schon mit Klaus zusammen?
Seit letztem Herbst.
Schön, sagte Katrin mit der Stimme, die man benutzt, wenn einem die Worte ausgehen.
Laura nickte und wandte sich wieder dem Handy zu.
Ein Moment des Abends blieb mir besonders im Gedächtnis. Michael Schröder, ein gutmütiger Kerl, inzwischen angeduselt, fragte Laura nach irgendwas nach dem Wohnviertel, glaube ich. Laura antwortete, fragte dann plötzlich:
Wie groß ist eigentlich Ihre Wohnung?
Michael war befremdet. Fragte nach.
Einfach die Quadratmeterzahl.
Hundertzwanzig, murmelte er nach einer Pause. Warum?
Nur so, sagte Laura und zuckte mit den Schultern.
Ich tat so, als hätte ich es nicht gehört. Doch ich hatte. Ich sah auch, wie Sabine, die es ebenfalls bemerkte, kurz die Augen schloss und sich langsam wegdrehte, als wolle sie verschwinden.
Später gingen Katrin und Sabine gemeinsam zur Toilette. Ich ging zufällig zur selben Zeit hinaus zum Rauchen und hörte im Flur, hinter der Ecke, einen Fetzen ihres Gesprächs. Unabsichtlich.
…irgendwie tut er mir leid, sagte Katrin.
Er sollte sich lieber selber leid tun, antwortete Sabine. Birgit hat ihm so viel durchgestanden. Weißt du noch, wie sie sich um ihn gesorgt hat, als mit der Werkstatt alles schiefging? Nächte lang nicht geschlafen.
Weiß ich noch. Wie geht es ihr jetzt?
Hab sie letzte Woche telefonisch erreicht. Ihr gehts gut, sagt sie. Fährt oft zu ihrer Schwester nach Spanien. Hat abgenommen, sagt sie, lacht wieder.
Na, Gott sei Dank.
Ja, Gott sei Dank.
Ich ging zurück, schenkte mir Wein ein. Laura tippte gerade eine Nachricht und lächelte ihr Handy an. Ich sah sie an und dachte: Ja, hübsch ist sie. Aber was noch?
Der Abend endete gegen elf. Georg hielt eine Rede über die Unzerbrechlichkeit der Freundschaft. Wir stießen an. Fotos wurden gemacht. Viel Umarmung, viele Versprechen, in Kontakt zu bleiben.
Auf dem Weg zum Wagen sagte Laura:
War echt langweilig. Deine Freunde die wirken, als kämen sie aus einer anderen Zeit.
Es sind normale Leute.
Mag sein. Nur eben nicht meine.
Du warst den ganzen Abend am Handy.
War eben langweilig.
Du hast es nicht einmal versucht.
Klaus, ich muss niemanden unterhalten. Du wolltest, dass ich mitkomme. Ich bin mitgekommen. Ich habe gelächelt.
Ich schwieg. Sie hatte formal recht, aber doch ganz Unrecht, und das konnte ich kaum in Worte fassen. Wir stiegen in meinen Falke, den großen schwarzen SUV, auf den ich so stolz war. Laura schnallte sich an, zückte wieder das Handy.
Stille Fahrt.
Außerhalb Münchens wurde die Straße schmaler und dunkler. Ich schaltete das Fernlicht an; fast Mitternacht, nur ab und zu ein Lkw auf der Gegenbahn. Ich dachte an das Gespräch von Katrin und Sabine. An tut mir leid. An Birgit, die wohl lacht in Spanien. An Laura, die Michael nach den Quadratmetern gefragt hatte.
Laura redete irgendwas. Ich hörte nicht zu.
Klaus.
Ja?
Hörst du mir überhaupt zu?
Ja.
Ich meinte, wir sollten morgen ins Forum fahren. Ich brauche neue Sommerschuhe.
Okay.
Und noch was. Rita hat nächste Woche Geburtstag, lädt uns ein…
Da passierte es. Aus der Kurve kam plötzlich ein riesiger Lastwagen entgegen, direkt auf unserer Spur. Ich sah die Scheinwerfer, riss das Lenkrad nach rechts, auf den Randstreifen, doch der endete abrupt an einem Hang, und der Falke krachte seitlich dagegen, schleuderte und prallte dann irgendwo vorn auf etwas Hartes. Der Aufprall raubte mir die Luft, zuletzt spürte ich noch einen seltsamen Druck in der linken Schulter und Dunkelheit, dicht und lautlos wie ein Winternebel.
Danach spürte ich nichts mehr. Überhaupt nichts.
Die Intensivstation roch nach Desinfektion, nach etwas, das man nie mehr vergisst. Ich kam nicht sofort, nicht vollständig zu mir. Erst war da Schwere. Der Körper schien fremd, aus Ton geformt. Der linke Arm bewegte sich nicht ein Gips. Überall dumpfe Schmerzen, durchtränkt von Morphium.
Eine Schwester beugte sich über mich, in blauer Haube.
Herr Krüger? Hören Sie mich?
Ja, sagte ich, und die Stimme klang mir fremd.
Gut. Bleiben Sie ruhig. Sie sind in Sicherheit.
Unfall?
Ja. Nicht bewegen.
Laura, sagte ich. Das Mädchen, das bei mir war…
Ihr geht es gut, antwortete sie. Leichte Prellungen, sie wurde bereits entlassen.
Entlassen.
Ja. Schon vor ein paar Tagen.
Wie viele Tage?
Sie waren drei Tage ohne Bewusstsein, Herr Krüger.
Drei Tage. Ich versuchte, das zu begreifen. Laura war also längst entlassen. Also kam sie. Saß sicher an meinem Bett, wartete auf mein Erwachen. Rief sicher Ärzte an, machte sich Sorgen. Bestimmt.
Wann war sie hier? fragte ich.
Die Schwester zögerte leicht.
Ich frage Kollegen, sagte sie und ging.
Es war nichts zu fragen. Laura war nie gewesen. Das begriff ich noch bevor die Schwester zurückkam mit Ausflüchten wie verschiedene Schichten und kann ich nicht genau sagen. Alt genug, um zwischen Zeilen zu lesen.
Einen Tag später wurde ich auf die Normalstation verlegt. Brüche: linke Schulter, zwei Rippen, Riss im rechten Schulterblatt. Gehirnerschütterung. Bänderriss. Schwer, aber nicht lebensbedrohlich. Ein junger, müder Arzt erklärte, ich müsse mindestens vier Wochen hierbleiben, danach Reha. Ich hörte zu, nickte.
Vierbettenzimmer, aber nur ein alter Mann am Fenster mit eingegipstem Bein, der meistens schlief. Es war unheimlich still.
Das Handy war im Nachttisch. Irgendwer hatte es mitgebracht. Ladegerät fehlte, die Schwester versprach, eines zu besorgen. Ich wartete auf Anrufe. Von Laura. Von Georg oder Michael die mussten vom Unfall gehört haben. Niemand rief an. Das Handy lag ruhig und dunkel.
Abends kam das Ladegerät. Als ich es anschloss, sah ich doch Nachrichten. Drei von Georg: am Unfalltag Habe gehört, hoffe es geht dir gut, einen Tag später Meld dich, sobald du kannst, und zwei Tage darauf Wie läufts?. Sonst nichts.
Von Laura: kein einziges. Nicht eines.
Ich wählte ihre Nummer. Lange Töne. Dann die Mailbox. Ich legte auf, versuchte es erneut gleiches Ergebnis.
Ich lag wach, starrte an die Decke und fragte mich immer wieder: Warum geht sie nicht ans Telefon? Vielleicht Akku leer. Vielleicht verreist. Vielleicht…
Ich wusste selbst, dass kein vielleicht die Wahrheit auslöschte. Ich wollte sie einfach nicht annehmen.
Am dritten Tag im Zimmer, abends, als der Nachbar schlief und draußen die Dämmerung fiel, öffnete sich die Tür. Ich erwartete die Schwester und sah Birgit.
Sie betrat leise den Raum, wie es ihre Art war. In der Hand einen Thermos und eine Tüte. Schlicht angezogen: dunkle Hose, heller Pullover, die Haare zusammengebunden. Aber irgendwas an ihr war anders, erst begriff ich nicht was. Dann verstand ich: Sie sah erholt aus. Nicht jünger in diesem törichten Sinn sondern erholt, wie jemand, der lange einen Koffer getragen hat und ihn endlich abstellen durfte.
Hallo, sagte sie.
Birgit, erwiderte ich. Mehr brachte ich nicht heraus.
Sie stellte die Tüte auf einen Stuhl, den Thermos auf den Nachttisch. Sie schaute auf mich wie auf etwas, um das es einem leidtat, aber schon lang nicht mehr schmerzte.
Wie gehts dir?
Es geht. Ich lebe.
Das ist die Hauptsache.
Sie setzte sich. Ich sah sie an und wusste nicht, was ich sagen sollte. Der Schmerz kam nicht von den Knochen.
Bist du alleine gekommen?
Ja.
Laura…
Ich weiß, nicht Laura, sagte Birgit ruhig, fast tonlos. Deshalb bin auch ich hier.
Ich schwieg. Birgit öffnete den Thermos, schenkte Brühe in den Deckel, er dampfte und roch so zuhause, wie ich es seit Monaten nicht erlebt hatte.
Trink. Du brauchst Kraft.
Warum bist du gekommen, Birgit?
Ich hab dir Sachen gebracht. Ein Kollege aus der Firma hat mir Bescheid gesagt. Sie haben von Krause-Service angerufen. Hier sind Sachen zum Wechseln, ein Ladegerät, alles Nötige.
Du hast in der Firma angerufen?
Sie haben mich informiert.
Ich nahm den Becher, trank. Heiß, salzig, echt.
Birgit, begann ich.
Bitte nicht, Klaus.
Ich will nur…
Lass es, nicht nötig. Nicht jetzt.
Ich wollte danke sagen.
Sie sah mich an, schwieg.
Nicht nötig.
Laura… Sie ist nie gekommen. Ich rufe an, sie geht nicht ran.
Ich weiß.
Weißt du?
Birgit legte die Hände in den Schoß. Ihre Stimme war leise und sachlich, so wie Menschen über Dinge sprechen, die sie längst verarbeitet haben.
Ich habe was gehört. Dein Kollege Thomas hat mich angerufen, erzählte es mir. Klaus, hast du eine Generalvollmacht unterschrieben? Für deine Geschäfte?
Ein kalter Schauer kroch meinen Rücken hinab.
Was?
Etwa vor einem Monat. Erinnerst du dich?
Mir fiel es wieder ein. Laura brachte ein paar Dokumente, erklärte, das sei eine Formalie für Notfälle, der Notar empfehle das immer. Ich unterschrieb. War beschäftigt, genervt und vertraute ihr.
Ja, ich erinnere mich.
Thomas meint, dein Falke ist bereits verkauft. Per Vollmacht.
Ich schwieg.
Deine Uhrensammlung, die Schweizer, die du so lange gesammelt hast… sind auch weg. Thomas und die Buchhalterin haben die Unterlagen geprüft, auch mit dem Haus am See stimmt was nicht, ein Wertgutachten liegt vor.
Aber sie kann doch nicht… das sind doch meine…
Du hast ihr eine Generalvollmacht gegeben, sagte Birgit leise.
Ich schloss die Augen. Die Decke drückte bleischwer.
Wer hilft ihr? Sicher nicht allein…
Einzelheiten weiß ich nicht. Sie machts nicht allein, sicher mit jemandem. Nicht mein Klopapier, Klaus. Ich sage dir nur, was ich weiß. Den Rest regelst du selbst.
Birgit, sagte ich Es tut mir leid.
Sie schwieg lange, schaute aus dem Fenster in die Nacht.
Für was genau bittest du um Verzeihung?
Für alles. Dafür, dass ich gegangen bin. Wie ich gegangen bin. Dafür, dass ich dir gesagt habe… dass ich mich mit dir alt fühle. Das war… Das hätte ich nicht…
Nein, das hättest du wirklich nicht.
Birgit, du weißt doch, dass du… Dass alles, was ich habe…
Klaus. Sie sah mich an, nicht hart, nicht zornig, sondern mit diesem Blick, den man nach dem Trauern bekommt. Du bittest um Verzeihung, weil du dich jetzt schlecht fühlst. Nicht, weil du verstanden hast. Weil es dir schlecht geht. Das ist nicht dasselbe.
Ich wollte widersprechen. Fand keine Worte.
Ich bin dir nicht mehr böse, sagte sie. Wirklich. Ich war es lange. Dann wurde ich müde. Dann ließ ich los. Jetzt geht es mir gut, und ich will nicht zurück in das Alte.
Du siehst gut aus.
Danke.
Wirklich, du bist… irgendwie anders geworden.
Ich bin ich geworden. Das ist alles.
Stille. Der Zimmernachbar murmelte schlafend.
Thomas meinte, du brauchst sofort einen guten Anwalt, sagte sie und stand auf. Mit Glück kann man die Vollmacht anfechten. Er will morgen vorbei schauen. Lass ihn am Empfang eintragen.
Okay.
Ich lasse das Handy am Ladegerät. Ladekabel ist in der Tüte. Auch Wechselklamotten, Zahnbürste, alles.
Birgit.
Ja?
Kommst du nochmal?
Sie hielt inne. Überlegte, offen und ehrlich.
Nein, Klaus. Wohl nicht. Ich wollte tatsächlich nur auf Wiedersehen sagen. Ich fliege bald. Nach Spanien zu meiner Schwester.
Für lange?
Weiß ich noch nicht. Vielleicht für immer. Mal sehen.
Fahrst du alleine?
Birgit lächelte kurz, nicht spöttisch, sondern fast zärtlich, wie jemand, der ahnt, wie naiv die Frage ist.
Ich bin doch eine erwachsene Frau, Klaus. Ich schaffe das.
Ich hab gehört, du hast jemanden kennengelernt. Georg…
Georg sollte weniger tratschen, sagte sie gelassen. Ja, stimmt. Aber das geht dich nichts an, ehrlich.
Verstehe.
Das ist gut, Klaus.
Sie griff nach dem Türgriff.
Erhol dich, Klaus. Wirklich. Bring dich wieder auf die Beine, klär das mit der Vollmacht. Du hast ein Geschäft, du hast Thomas, Leute, die dich respektieren. Lass dich nicht hängen.
Birgit.
Sie drehte sich um.
Ich liebe dich. Ich wollte, dass du das weißt.
Lange Pause.
Ich weiß, Klaus, sagte sie leise. Ich habe dich auch sehr geliebt. Damals. Das war echt das nimmt uns niemand. Aber ein Grund, zurückzugehen, ist es nicht.
Die Tür schloss sich leise.
Ich blieb zurück. Hörte das leise Schnarchen des Nachbarn, Stimmen der Schwestern auf dem Flur, den dumpfen Schlag der Fahrstuhltür. Alles war fern, wie aus einem anderen Leben.
Ich nahm mein Telefon, wollte Laura noch einmal anrufen. Ließ es bleiben. Blätterte stattdessen durch die alten Nachrichten. Immer und immer wieder.
Da war so viel. Zunächst, als wir uns kennengelernt hatten, schrieb sie schöne, freche Nachrichten, die mich anzogen. Doch mit der Zeit wurden die Nachrichten kürzer. Ok. Später. Bin gegen zehn da. Kann heute nicht. Ich scrollte zurück, bis Dezember, November. Da war Chatverlauf, den ich damals übersah, weil ich nicht hinschauen wollte. Immer wieder Geldfragen, die sich wie ein Hintergrund durchzogen: Du hast ein neues Armband versprochen, Wann fliegen wir ans Meer?, Ich brauch eine neue Tasche, Klaus, kannst du Geld überweisen, es ist mir unangenehm zu fragen.
Ich blätterte und erkannte mich kaum wieder. Nicht den Schreiber, sondern den Mann, für den das alles samt und sonders Alltag geworden war.
Dann stieß ich auf etwas, das wohl aus Versehen stehen geblieben war ein alter Chat mit einem gewissen Rifat, den Laura auf ihrem Handy nicht gelöscht, der sich aber aus welchen Gründen auch immer synchronisiert hatte. Ich begriff erst nicht, dann wurde es deutlich: Zwei Menschen kannten sich sehr gut, zu gut, nicht einfach so. Nachrichten seit Oktober schon dabei waren Laura und ich schon Monate zusammen.
Er ahnt noch nichts.
Hat er die Vollmacht unterschrieben?
Letzte Woche. Alles läuft nach Plan.
Braves Mädchen.
Warte einfach. Nach dem Unfall oder wenn er mal länger weg ist, machen wir dann alles.
Ich las es mehrfach. Sorgfältig, als müsse ich begreifen, dass es wirklich stand.
Die Unfallplanung kam nicht von Laura. Der Unfall war Zufall. Es geschah einfach. Ich selbst riss das Steuer herum. Sonst war alles geplant. Von Anfang an oder beinahe. Und ich, ein Mann mit zwanzig Jahren Geschäftserfahrung, Vertragsprofi, Menschenkenner ich hatte es nicht gesehen. Nein, ich hatte mich gedrückt, es zu sehen. Weil es mir bequem schien, einer jungen Frau zu gefallen, nicht dem, was ich mit Birgit zusammen geschaffen hatte.
Hat sie gegen eine Jüngere eingetauscht, sagt man über Männer wie mich. Ich fand diesen Ausdruck immer plump, beleidigend. Nun dachte ich: passender kann man es nicht sagen.
Lange lag ich still. Schlaflos. Ich dachte an Birgit, die jetzt vielleicht nach Hause fährt, schon zu Hause ist oder den Koffer nach Spanien packt. Daran, wie sie auf mein Ich liebe dich nur ich weiß gesagt hatte. Nicht ich dich auch. Nicht zu spät, nicht warum das jetzt? Einfach ich weiß. In diesem ich weiß lag alles: dass sie mir glaubte, dass sies aber nicht mehr braucht.
Ich dachte ans Ehemaligentreffen. An Lauras Quadratmeterfrage. An Sabine, die sich abgewandt hatte. Daran, wie ich mich damals täuschen wollte. Bittere Erfahrung hat diesen einen Makel: Sie kommt zu spät.
Im Beutel unter dem Thermos fand ich, was Birgit dagelassen hatte: Wechselkleidung, Zahnbürste, und ein Taschenbuch, wie sie es schon mitbrachte, als ich 2008 mit Blinddarm im Krankenhaus lag. Ganz unten ein Foto, in ein Taschentuch gewickelt.
Klein, auf dickem Glanzpapier, wie aus den Neunzigern. Ich mit Birgit. Wir beide waren jung. Ich vielleicht siebenundzwanzig, sie sechsundzwanzig. Draußen am Fluss, im Sommer, ich lache, Kopf in den Nacken. Sie schaut mich an in diesem Blick ist etwas, das ich heute nicht mehr benennen könnte, aber das ich doch sofort wiedererkannte. So sieht Liebe aus, echte Liebe nicht Verliebtheit, nicht Begehren, ruhige, feste Liebe.
Dazu ein Zettel, viermal gefaltet, ihre Handschrift, die ich ebenso kannte wie ihre Stimme:
Das ist nicht mehr meins. Für dich zur Erinnerung. Gute Besserung. B.
Sonst nichts.
Ich hielt Foto und Zettel und schwieg. Mein Nachbar schlief. Draußen prasselte ein leiser, warmer Mairegen auf das Fensterbrett, gleichmäßig.
Klaus Krüger, achtundvierzig, Inhaber der Krause-Service GmbH, lag mit zwei gebrochenen Rippen, zerschlagener Schulter, Schädelprellung und hielt eine zwanzig Jahre alte Fotografie in den Händen. Neben ihm stand auf dem Tisch ein Thermosbecher mit der Brühe jener Frau, die er verlassen hatte, weil er sich mit ihr alt fühlte.
Da war diese brutale, ganz und gar humorlose Ironie, die ich erst jetzt wirklich begriff.
Ich dachte an den Verrat des Ehemannes von mir selbst. Dachte daran, wie einfach ich meine Taten erklärt hatte: War eingerostet, ausgebrannt, wollte Neues. Als Ausrede taugte das, um sich die Entscheidung leicht zu machen. Zum Rechtfertigen genügt es nie.
Birgit ist gegangen. Nicht ich habe sie verlassen sie hat mich verlassen, auf ihre Weise: leise, ohne Groll, ohne Rache, ohne mein Werk zu zerstören. Sie hat sich einfach eine eigene Zukunft gebaut. Jetzt fliegt sie nach Spanien lacht, wie Sabine erzählte.
Ich dachte über Werte im Leben nach, über die man üblicherweise bloß redet, als wären sie etwas Äußeres. Sie sind aber einfach das, was jeden Tag an deiner Seite ist, nur irgendwann übersiehst du es, weil es dir selbstverständlich geworden ist. Eine Frau, die für deine Buchhaltung nachts nicht schläft. Die alle deine Sorgen und Gläubigernamen auswendig weiß. Die niemals nach Quadratmetern anderer fragt. Die dir Brühe ins Krankenhaus bringt, obwohl du ihr allen Grund zum Gegenteil geliefert hast.
Beziehungen ab Mitte vierzig funktionieren anders. Es ist keine Jugend mehr, in der alles neu werden kann und Fehler automatisch heilen. Fehler werden ein Teil von dir, bleiben für immer. Man muss lernen, damit zu leben.
Das habe ich jetzt begriffen, wie es nur geht, nachdem man richtig abgestürzt ist.
Um eins nachts versuchte ich, Laura nochmal zu erreichen. Nicht erreichbar. Kein Anschluss. Wundert mich kaum. Ich legte das Telefon weg. Nahm das Kärtchen ihres Anwalts, das Birgit dagelassen hatte, und betrachtete die Nummer. Morgen kommt Thomas. Die Sache mit der Vollmacht, mit dem Falken, mit den Uhren, dem Haus ich muss mich stellen. Es wird dauern, schmerzhaft sein, ich werde Leuten erklären müssen, wie ich mich täuschen ließ.
Aber es muss getan werden.
Denn liegen bleiben und nicht aufstehen das ist nicht mein Weg, nicht jetzt, aus bloßer Sturheit schon nicht. Ich habe meine Werkstatt in den neunziger Jahren aus dem Nichts aufgebaut, zu einer Zeit, in der wenig sicher war. Ich konnte schon immer Menschen überzeugen, Lösungen finden, wo keine schienen. Das kann ich noch.
Die Wut kam langsam, wie die Wärme eines Heizkörpers: Erst kaum spürbar, dann stärker. Kein Geschrei, kein Faustschlag auf den Tisch eine ruhige, konstruktive Wut, die trägt. Wut auf mich selbst vor allem, weil ich mir solche Blindheit leistete.
Ich drehte mich, so weit es die Rippen zuließen. Legte das Foto auf den Tisch, neben den Thermos. Der junge Klaus lachte, den Kopf im Nacken. Die junge Birgit sieht ihn an.
Verstehen, dass Liebe vorbei ist das ist eins. Verstehen, dass die Liebe nicht vorbei war, sondern nur, dass man selbst sie verraten hat, das ist etwas ganz anderes. Das vergeht nicht mit einer jungen Frau, nicht mit einem teuren Auto, nicht mit Urlaubsbildern auf Instagram.
Am Flughafen saß Birgit Krüger, jetzt wieder Birgit Schultz, mit ihrem kleinen Koffer am Gate. Ihr Flug hatte vierzig Minuten Verspätung, sie störte das nicht. Sie kaufte sich einen Coffee to go und blickte auf das Vorfeld.
Sie war froh, dass sie im Krankenhaus vorbeigeschaut hatte. Nicht aus Pflicht, nicht aus Hoffnung. Weil fünfundzwanzig Jahre nicht im Müll landen mit der Enttäuschung, sondern weil sie eben so ist: Sie konnte nicht anders, wenn sie wusste, da liegt er allein.
Das Foto hatte sie vor drei Monaten gefunden, beim Sortieren vor dem Umzug. Lange hatte sie es in der Hand. Dann beschlossen: Es soll er behalten. Sie braucht es nicht. Sie trägt all das sowieso in sich und für ihn ist nun wenigstens etwas Echtes zum Anhalten da.
Die Anzeige für den Nachbarflug, Leute machten sich auf, schoben Taschen. Birgit trank den Kaffee, noch etwas sauer, aber in Ordnung.
Ihr Handy vibrierte. Nachricht von ihrer Schwester: Wir fahren gleich zum Flughafen, Antonio kommt auch mit, will dich endlich treffen. Antonio. Birgit schmunzelte. Es war ungewohnt, etwas beängstigend, aber gleichzeitig gut. So ist das wohl: Mit siebenundvierzig, nach fünfundzwanzig Ehejahren und all dem, was war, beginnt plötzlich ein neuer Abschnitt. Sie wusste noch nicht, was daraus wird. Es hatte Zeit.
Ihr Leben hatte sehr lange einem anderen gehört; seinem Geschäft, seinen Sorgen, seinen Plänen. Sie war gern dabei gewesen. Aber jetzt gehörte die Zeit ihr: Ihr Koffer, ihr Kaffee, ihr Flug, ihr Spanien, ihre Schwester, ihr noch fremder Antonio, von dem sie fast nichts wusste.
Neu anfangen nach vierzig das ist anders als mit zwanzig. Man hat nicht mehr diese Eile, alles gleich zu klären. Es gibt eher eine ruhige Neugier auf das, was kommt.
Dann wurde ihr Flug ausgerufen. Birgit trank den Kaffee aus, warf den Becher weg und nahm den Koffer. Am Gate standen junge Leute mit Rucksäcken, ältere mit viel Gepäck, Familien mit Kindern. Sie reihte sich ein.
Durch das große Fenster rollte das Flugzeug auf die Bahn. Die Sonne spiegelte sich auf dem Asphalt.
Birgit dachte: Wie gut, dass ich nicht mehr wütend bin. Wut auf einen Mann, der nicht konnte, der Angst vor dem Älterwerden hatte und Glanz mit Wärme verwechselt hat, wäre reine Verschwendung. Wut auf eine junge Frau, die seine Schwäche nutzte, verlangt Energie, die sie nicht mehr ausgeben wollte. Jetzt ist Platz für anderes.
Sie dachte: Was für eine bittere Erfahrung wohl Jetzt auf Klaus wartet. Es war ihr leise leid um ihn, aus der Entfernung, ohne Wunsch, zu helfen oder zu ändern.
Am Gate winkte sie die Dokumente vor, stieg in den Steg. Das Flugzeug stand bereit, ruhig. Drinnen suchte sie ihren Fensterplatz, verstaute den Koffer, schnallte sich an und blickte hinaus auf das Rollfeld.
Wie merkt man, dass die Liebe vorbei ist? Vielleicht, wenn es nicht mehr wehtut. Am Anfang tut es täglich weh, dann nur noch manchmal, irgendwann nur, wenn man zufällig berührt wird. Dann bleibt eine Narbe. Sie gehört dazu. Narben machen das Leben nicht schlechter.
Das Flugzeug rollte an, beschleunigte. Birgit schaute hinaus, wie München als graue Stadt unter ihr zurückblieb.
Kein einziges Mal blickte sie zurück.
Ich lag im Krankenhaus, draußen regnete es. Das Foto stand auf dem Nachttisch, daneben der Deckel mit der Brühe, kalt geworden.
Morgen um zehn kommt Thomas. Danach der Anwalt. Das wird ein langer, unangenehmer Tag. Dann weitere Gespräche, Dokumente, vielleicht Klagen, auf jeden Fall Demütigungen. Es wird schwer.
Doch erst werde ich gesund. Ich werde wieder aufstehen. Das ist sicher.
Ich nahm das Foto, betrachtete es lange. Legte es offen auf den Tisch sichtbar.
Draußen prasselten die Tropfen geduldig aufs Fensterbrett.
Manche Erfahrung im Leben ist teuer bezahlt, aber sie ist nötig. Heute weiß ich: Wirkliches Glück bemerkt man oft überhaupt nicht, solange man es hat. Erst der Schmerz zeigt, was fehlt. Würde ich noch einmal die Wahl haben, ich würde sie nicht wieder so treffen. Und vielleicht, ja vielleicht, ist das das Wichtigste, was ein Erwachsener von all dem lernen kann.




