Vor kurzem habe ich ein Mädchen kennengelernt, das auf den ersten Blick einfach hinreißend war. Wir spazieren oft gemeinsam durch München, fahren mit dem Auto hinaus ins Umland, besuchen kleine Cafés und gehen ins Kino. Doch mir reicht das nicht ich möchte meine Freundin jederzeit um mich haben, nicht nur bei Verabredungen. Also habe ich kurzerhand um ihre Hand angehalten. Wozu warten? Wir lieben uns, genießen jede Minute zusammen. Seitdem leben wir zusammen und lernen uns noch besser kennen. Wir haben geheiratet.
Meine Mutter allerdings konnte sich von Anfang an nicht mit Clara anfreunden. Sie hat es Clara sogar direkt gesagt. Clara wollte auf keinen Fall mit meiner Mutter zusammenwohnen. Dabei wäre es mein Wunsch gewesen, dass wir alle gemeinsam in meiner Zweizimmerwohnung leben ein Zimmer für uns, eines für meine Mutter. Doch Clara hat jeden Gedanken daran sofort abgelehnt. Sie bestand darauf, dass ich zu ihr in das Wohnheim ziehe. Nach unserer Hochzeit bin ich tatsächlich zu ihr ins Studentenwohnheim gezogen, so wie sie es wollte.
Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals in einem Wohnheim leben würde und schon gar nicht unter solchen Bedingungen. Die Gemeinschaftsbäder und -toiletten sind mir ein Graus. Anfangs war mir alles unangenehm, selbst das Duschen dort fiel mir schwer. Und dann die Kakerlaken! Sie krabbeln überall herum. Wie kann man sich daran gewöhnen? Clara stört das nicht. Sie sagt, die würden uns schon nicht auffressen und ich mache aus einer Mücke einen Elefanten. Es ist unmöglich, sie loszuwerden, überall herrscht Unordnung. Nebenan wohnt ein Paar, das sich ständig streitet.
Auf der anderen Seite ist eine Familie mit einem kleinen Mädchen, das pausenlos weint und schreit. Das hält nicht nur ihre Eltern, sondern auch uns vom Schlafen ab. Und neulich gab es Streit mit einem Nachbarn: Er hatte nachts zu viel getrunken und fing eine Prügelei an, sodass ich versuchte, ihn zu beruhigen. Seitdem sucht er Konflikte und will mir eins auswischen. Ich will hier eigentlich gar nicht sein. Ich habe Clara sogar vorgeschlagen, eine eigene Wohnung zu mieten.
Doch sie lehnt ab. Sie ist hier aufgewachsen und fühlt sich wohl. Eine eigene Wohnung wäre toll, aber die Miete in München ist immens teuer. Ich müsste wohl mein ganzes Gehalt dafür ausgeben. Meine Mutter hat angeboten, dass wir wieder bei ihr einziehen könnten. Sie verspricht, sich nicht in unsere Ehe einzumischen. Aber Clara möchte davon nichts hören.
In letzter Zeit fängt sie sogar an, über Kinder zu reden. Sie glaubt, ein Kind würde unsere Beziehung stärken. Natürlich wünsche ich mir auch ein Kind der Gedanke, Vater zu werden, macht mich glücklich. Doch sobald ich daran denke, in welchen Verhältnissen unser Kind hier leben müsste, vergeht mir der Wunsch. Die Streitigkeiten mit den Nachbarn, das ständige Geschrei manchmal denke ich ernsthaft über eine Scheidung nach. Nicht etwa, weil ich Clara nicht liebe, sondern weil das Umfeld einfach nicht stimmt.
Ich möchte, dass unser zukünftiges Kind in guten Verhältnissen aufwächst. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte. Meine Nerven liegen jetzt schon blank. Clara will einfach keinen Kompromiss eingehen.




