Ich bin fest davon überzeugt, dass in unserem Leben nichts einfach so passiert wir tragen die Verantwortung für alles, was geschieht, und haben uns unser Glück und Leid selbst eingehandelt. Die Entscheidungen, die wir früher getroffen haben, prägen unseren Alltag heute mehr, als uns lieb ist. In meinem Fall war eine davon besonders dämlich: Ich habe mein Schicksal an einen Mann gehängt, der so verantwortungsbewusst war wie ein Pudel bei der Steuererklärung. Ich habe mich in Uwe verliebt und ihm vertraut, obwohl jeder in München wusste, dass er nichts lieber tat als anderen Röcken hinterherzurennen. Aber ich dachte naiv, er würde sich für mich ändern. Tja, man denkt oft und liegt immer falsch sogar als unser Sohn geboren wurde, blieb Uwes Interesse an Frauen ungebrochen wie ein Berliner Fernsehturm.
Vor einiger Zeit begannen die Gerüchteküchen zu brodeln, wie es sich eben gehört Freunde, Nachbarn und sogar Tante Ingrid flüsterten mir die neuesten Eskapaden meines Ehemannes ins Ohr. Ich war zutiefst verletzt und gleichzeitig peinlich berührt meine Gefühle fuhren Achterbahn. Ganze fünf Jahre hab ich in diesem Zustand ausgeharrt, bis Uwe sich eines Tages entschloss, aus der gemeinsamen Wohnung zu verschwinden und sie großzügig unserem Sohn zu überlassen. Alimente? Nicht mit ihm! Stattdessen habe ich die Wohnung von meinem Ex-Mann gemietet und bin mit meinem Sohn und meiner Mutter, die Hilfe brauchte, eingezogen.
Ich wollte meinem Sohn ein Leben bieten, das mehr Glanz hat als die Wiesn bei Sonnenuntergang. Alles Geld aus der Vermietung steckte ich in seine Schule, Kleidung und all die Kleinigkeiten, von denen man meint, sie wären unheimlich wichtig. Dazu die Kosten für Mutti Strom, Lebensmittel und ihre ganzen Mediziniertabletten. Ich war überzeugt, dass mein Sohn irgendwann erkennt, wie viel ich für ihn getan habe. Leider ist das Leben nicht immer ein Märchen mit Happy End. Heute, mit 57, kämpfe ich mit Diabetes, muss permanent meinen Blutzucker kontrollieren und Insulin spritzen wie ein Lehrer Kreide benutzt.
Dank dieser Krankheit kann ich keine Arbeit mehr finden, und ehrlich wer stellt in Deutschland noch eine Frau meines Alters mit Diabetes ein? Die Mieteinnahmen aus der Wohnung sind meine Einzige Einnahme. Vor Kurzem hat mein Sohn, er heißt jetzt Martin und ist stolze 31 Jahre alt, mir eröffnet, die aktuellen Mieter aus Uwes alter Wohnung müssten raus, weil er jetzt mit seiner Frau dort einziehen möchte. Und als ich ihm sagte, dass ich dann auf der Straße stehe, meinte er, das sei eben mein Problem.
Da sitzt man also 57 Jahre alt, mit einer ollen Diabetes, den Kühlschrank leerer als ein Schwimmbad im Januar, Rechnungen über hundert Euro, und kein Licht am Ende des Tunnels. Ich frage mich wirklich, wie ich so viel geschuftet habe und trotzdem keine Rücklagen für die Rente. Und jetzt das: Mein eigenes Kind wirft mich raus! Was glaubt der eigentlich, wer er ist?





