Eine entscheidende Wendung

**Wichtige Entscheidung**

Heute ging ich durch den Park, stieg auf die Brücke und blieb plötzlich stehen. Ich beugte mich leicht über das Geländer und starrte hinab. Der Fluss unten war eiskalt und dunkel, vielleicht nicht einmal tief aber was, wenn ich hineinfiel? Ich erschrak vor meinen eigenen Gedanken und ging schnell weiter.

Gestern Abend war ich bei meiner Freundin Lina übernachtet, nachdem ich von zu Hause weggelaufen war. Bei uns gab es einen schrecklichen Streit. Linas Mutter, Frau Schneider, ist unglaublich lieb. Sie nahm mich warmherzig auf, ohne viele Fragen zu stellen.

Komm rein, Leonie, Lina ist in ihrem Zimmer, sagte sie nur.

Sie verstand, dass etwas nicht stimmte. Sie gab uns Abendessen, Tee mit Kuchen und schickte uns schlafen. Am nächsten Tag war frei, aber ich fühlte mich unwohl, ihre Gastfreundschaft auszunutzen. Also sagte ich: Danke, Frau Schneider, ich gehe nach Hause. Meine Eltern machen sich sicher Sorgen.

Als ich über die Brücke ging, sah ich eine kleine Kirche. Seltsam ich hatte sie vorher nie bemerkt. Plötzlich spürte ich einen Drang, hineinzugehen.

Dort fand gerade ein Gottesdienst statt. Nur wenige Leute waren da. Ich ging nach vorne und betrachtete ein großes Gemälde: eine junge Frau, die ein Kind zärtlich in den Armen hielt. Ich konnte nicht wegsehen. Nach einer Weile flüsterte eine ältere Frau mit Kopftuch neben mir:

Zweifle nicht, mein Kind. Behalte es. Alles wird gut.

Ich zuckte zusammen. Woher wissen Sie das?, fragte ich leise.

Kindchen, ich habe viel erlebt. Ich sehe, was in dir vorgeht, antwortete sie mit einem warmen Lächeln. Glaub mir, du wirst es nicht bereuen. Viele Frauen wie du waren hier. Behalte das Kind.

Ich blieb noch etwas, dann ging ich nach Hause. Es wird, wie es wird, dachte ich. Die alte Frau hatte recht.

Am Tag zuvor hatte ich mich mit Lina im Park unterhalten. Ich war verzweifelt.

Was wirst du tun, Leonie? Behältst du das Kind? Und was ist mit Niklas? Hast du es ihm gesagt?, fragte sie ungeduldig.

Lina, hör auf damit!, seufzte ich. Mein Kopf war wie vernebelt. Ich studierte im zweiten Semester und jetzt das. Wie sollte ich es meiner Mutter sagen? Sie, Karin, war streng und unberechenbar.

Sie wird mich umbringen, flüsterte ich. Niklas sagte, er wolle kein Kind. Er ist nicht bereit, Vater zu werden. Er hat mich einfach fallen lassen. Dabei waren wir seit der Schule zusammen.

Lina schimpfte wütend über Niklas Feigheit.

Tante Karin wird toben, klar, meinte sie zögernd. Aber was willst du selbst?

Was soll ich tun? Ich bin im zweiten Semester, Niklas hat mich verlassen, und meine Mutter wird das Kind nicht akzeptieren.

Am Abend gab es dann den großen Streit. Meine Mutter brüllte: Wie konntest du nur? Du studierst! Kein Kind, hörst du? Ich lasse nicht zu, dass du dein Leben ruinierst!

Karin, hör auf!, mischte sich mein Vater ein. Willst du unsere Tochter wirklich zu so etwas drängen?

Klaus, halt den Mund! Sie muss studieren, nicht Windeln waschen! Niklas ist abgehauen wer will sie später mit Kind? Also ab zum Arzt!

Und wir? Wir helfen ihr!, erwiderte mein Vater.

Du hast deine wichtige Arbeit! Ich will mit vierzig keine Oma sein!

Ich rannte aus dem Haus, während sie weiter stritten.

Zu Hause war es still, als ich zurückkam. Mein Vater las Zeitung, meine Mutter kochte.

Ah, da bist du ja, zischte sie. Mein Vater lächelte. Schön, dass du da bist. Warst du bei Lina?

Ich stand fest und sagte laut: Ich bekomme das Kind. Das ist meine Entscheidung. Selbst meine Mutter schwieg.

Später, im Park, traf ich Niklas Mutter, Frau Wagner. Sie wusste Bescheid Lina hatte sie angerufen.

Leonie, bitte behalte das Kind. Ich helfe dir, sagte sie ernst.

Ich war sprachlos.

Mein Sohn ist ein Feigling. Aber dieses Kind ist mein Enkel. Ich will für es da sein.

Ihre Worte waren ehrlich.

Tim wurde geboren, als ich im dritten Semester war. Ein fröhliches, pausbäckiges Baby. Mein Vater liebte ihn über alles. Auch Frau Wagner kam oft.

Nur meine Mutter? Sie packte ihre Sachen und ging. Ich werde keine Oma!, schrie sie und zog zu ihrem Kollegen, mit dem sie schon lange eine Affäre hatte. Mein Vater war geschockt.

Ich nahm kein Urlaubssemester. Mein Vater und Frau Wagner halfen mir. Tim wurde ein Jahr alt es wurde leichter.

Niklas ist zur Bundeswehr gegangen, erzählte Frau Wagner später. Vielleicht wird er dort erwachsen.

Die Jahre vergingen. Meine Mutter meldete sich nie.

Eines Tages erzählte ich meinem Vater von meinem neuen Freund, Tobias.

Er ist toll, Papa. Wir arbeiten zusammen.

Lass mich ihn kennenlernen.

Tobias war höflich, intelligent und mochte Tim sofort. Mein Vater war begeistert.

Bald hatte Tim einen wunderbaren Vater, und mein Vater einen guten Schwiegersohn. Selbst Frau Wagner freute sich auch wenn sie Tim seltener sah. Doch daran änderte sich nichts.

Heute spazierte ich mit Tobias und Tim durch den Park, meinen runden Bauch im Arm. Die alte Frau in der Kirche hatte recht. Keine Frau bereut es, Mutter zu sein.

Ich bin glücklich. Tobias auch. Er liebt mich und freut sich auf unsere Tochter.

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Homy
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