Vor Kurzem haben meine Frau und ich einen Immobilienkredit aufgenommen, um eine schöne Eigentumswohnung in einem modernen, noch teils im Bau befindlichen Viertel in München zu kaufen. Die Wohnung muss gesegnet werden! Hier hat noch niemand gewohnt, es ist wichtig, dass wir Gottes Segen erbitten, bestand sofort meine Großmutter, ihre Stimme voller Nachdruck. Natürlich, eine Weihe ist unerlässlich wir dürfen kein Pech riskieren. Wir wollen schließlich Glück, Freude und Wohlstand in unserem neuen Zuhause, stimmte meine Mutter begeistert zu.
Obwohl wir zunächst zögerten, konnten wir dem familiären Druck nicht standhalten und entschieden uns schließlich, eine Segnungszeremonie zu organisieren.
Das ist notwendig, erklärte sie mit fester Stimme. Am vereinbarten Tag, pünktlich zur verabredeten Stunde, klingelte es. Ein Pfarrer mit grauem Haarkranz und langer Bart trat ein, eine große Kreuzkette um den Hals und ein abgegriffener Ledersack in der Hand. Er reichte jedem von uns eine Kerze und begann, den Ablauf des Rituals zu erklären.
Meine Lieben, rief der Pfarrer mit eindringlicher Autorität, zündet eure Kerzen an und folgt mir. Gehorsam reihten wir uns ein, die Atmosphäre war gespannt und ehrfürchtig. Doch kaum versuchte mein Vater, seine Kerze zu entzünden, begann sie stark zu qualmen, knisterte unheilvoll und wollte einfach nicht brennen, egal wie oft wir es versuchten. Nach mehreren fruchtlosen Anläufen räumte der Pfarrer hastig seine Utensilien zusammen und steckte sie eilig zurück in die Tasche.
Lauft, lauft, hier stimmt etwas ganz und gar nicht, murmelte der Pfarrer sichtlich verwirrt und seine Stimme wurde plötzlich hektisch. Mit erschreckter Miene verließ er fluchtartig das Appartement und ließ uns verwundert und wie versteinert zurück.
Ein seltsamer Pfarrer und eine noch seltsamere Kerze, flüsterte meine Frau, während sie darauf zeigte, wie die Kerze des Pfarrers draußen problemlos weiterbrannte.
Vielleicht war er einfach in der falschen Stimmung, deshalb hat das Ritual nicht geklappt, witzelte meine Mutter, um die peinliche Stille zu brechen.
Großes Gerede und dann läuft er davon Wahrscheinlich gibt es da, wo er hinfährt, kein WLAN, dachte ich und versuchte, dem Ganzen eine humorvolle Note zu geben. Doch wohin sollen wir flüchten? Wir stecken jetzt für die nächsten fünfzehn Jahre mit allen Rechnungen hier fest, fügte ich grinsend hinzu.
Also, bleiben wir hier oder suchen wir uns einen anderen Pfarrer? Großmutters Stimme holte uns wieder in die Realität zurück und seufzend grübelten wir über die unerwartete Wendung unseres Segnungsrituals.





