Diana bekam in jungen Jahren einen Sohn und traf die schwere Entscheidung, ihn wegzugeben. Doch viele Jahre später, als sie krank wurde, erinnerte sie sich daran, dass sie einen Sohn hatte.

Auf dem Land aufgewachsen war Margarete, ein gewöhnliches Mädchen ohne auffällige Begabungen, und ihre Mutter hatte nie große Erwartungen an ihre Zukunft. Oft sagte sie: Nach der Schule wirst du als Milchmädchen oder Verkäuferin arbeiten. In diesem Dorf gibt es nichts anderes für dich. Margarete hörte diese Worte oft, als sich am Horizont nichts Aufregenderes als die Felder und das Muhen der Kühe abzeichnete.

Aber Margarete war wie aus einem sonderbaren Traum gewebt, denn sie trat aus der Reihe. Nachdem sie die neunte Klasse beendet hatte, wurde sie von einem Jungen schwanger, der ein Jahr älter war. Die Familien beider Kinder setzten sich an einen langen Eichentisch, an dem Zwetschgen auf bunten Tellern lagen, und entschieden, dass der Enkel bei der Großmutter väterlicherseits in einem anderen Dorf wohnen sollte. Margarete fühlte sich nicht bereit, Mutter zu werden; ihre eigene Mutter aber konnte ihr auch finanziell nicht unter die Arme greifen.

Nachdem ihr Kind geboren war, löste sich das Dorf in Nebelschwaden auf, und Margarete trat in eine Kunstschule in Hamburg ein, um Künstlerin zu werden. Ihre Finger konnten zeichnen und träumten von Bildern, und sie spürte in sich eine Sehnsucht, etwas Besonderes zu erschaffen. Das Stadtleben war wie eine bunte Karussellfahrt: Am Wochenende tanzte sie durch Clubs, besuchte Kinos, schlenderte am Alsterufer entlang und vergaß die schwere Arbeit auf dem Hof nicht mehr Holz schleppen, kein Wasser aus dem alten Brunnen holen, keine kalten Öfen mehr.

Mit der Zeit entschied Margarete, dass die Stadtluft ihr besser gefiel, besonders weil sie mit ihrer Kunst ordentlich Euro verdiente. Aber auf den Traum folgte die nächste seltsame Wendung: Im letzten Jahr an der Hochschule wurde sie wieder schwanger. Trotz Gedankenspielen an einen Schwangerschaftsabbruch brachte sie ihren zweiten Sohn zur Welt. Ihr Verlobter fand ein Zimmer in einem alten, knarrenden Altbau für sie, aber mit Baby zu studieren war wie Laufen durch dichten Nebel. So schickte sie ihren Sohn für eine Weile zurück zu ihrer Mutter aufs Land.

Irgendwann jedoch verstarb Margaretes Mutter und so blieb ihr nichts übrig, als ihren Sohn wieder zu sich in die Stadt zu holen. Die Zeit verstrich, die Jahre wurden schwer und die Mauern ihres Körpers bröckelten. Margarete dachte an ihren ersten Sohn, der längst erwachsen war und in Bremen lebte. Sie begann, ihn nach Geld für Medikamente und Essen zu fragen, wickelte Schuld und Sehnsucht wie einen Schal um ihre Worte. Der Sohn, weich wie frischer Hefezopf, konnte dem Druck nicht mehr standhalten und lud sie zu sich nach Bremen ein, um sich besser um sie kümmern zu können.

Margarete packte ihre Tasche zwischen Zahnbürste und Skizzenblock raschelten merkwürdige Träume doch da stand plötzlich der Vater ihres zweiten Sohnes wieder vor ihr und bat sie, das Kind bei ihm zu lassen. Er versprach, sich gut zu kümmern. Anfangs zuckte Margarete nur mit den Schultern, fest davon überzeugt, dass Väter in Träumen ohnehin keine richtigen Väter sind. Aber am Ende, als alles wie Milchglas verschwamm, stimmte sie zu, ihr Kind zurückzulassen und der eigenartigen Einladung ihres ältesten Sohnes zu folgen, stetig zwischen alten und neuen Ufern wandernd.

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Homy
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Diana bekam in jungen Jahren einen Sohn und traf die schwere Entscheidung, ihn wegzugeben. Doch viele Jahre später, als sie krank wurde, erinnerte sie sich daran, dass sie einen Sohn hatte.
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