Zum ersten Mal seit sieben Jahren
Mama, hörst du mir überhaupt zu? Ich stand mitten in der Küche, die Arme vor der Brust verschränkt, und warf meiner Mutter einen Blick zu, als hätte sie gerade angekündigt, auf den Mond auszuwandern. In zwei Wochen schreibt Max seine Mathearbeit. Wer bereitet den denn darauf vor?
Er geht zur Schule, da ist die Lehrerin, antwortete meine Mutter, Gertrud Weber, ruhig und ohne ihren Blick vom Herd zu nehmen.
Die Lehrerin! Ich lachte fast, aber das Lachen war kurz und bitter. Erinnerst du dich nicht, wie die das da erklären? Hinterher verbringen wir gemeinsam zwei Stunden damit, alles nochmal durchzugehen hast du das vergessen?
Ich habe nichts vergessen.
Und warum hast du dann einfach diese Reise gebucht? Ohne ein Wort, ohne zu fragen. Ich erfahre das beim Mittagessen am Sonntag, zufällig. Wie stellst du dir das vor?
Gertrud Weber nahm den Topf vom Herd. Der Eintopf leuchtete rot, erfüllte die Küche mit dem Duft von Roter Bete und Lorbeerblatt. Sie nahm ein Handtuch, trocknete sich die Hände ab und drehte sich zu mir.
Anna, ich bin sechsundfünfzig Jahre alt. Ich hab dich auch nicht um Erlaubnis gefragt, als du drei warst und ich kurz einkaufen musste.
Das ist was anderes!
Warum?
Mir fehlten die Worte. Ich öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Dann wollte ich doch etwas erwidern.
Du wirst gebraucht. Max braucht dich. Weißt du überhaupt, was das heißt gebraucht werden?
Seit sieben Jahren, sagte meine Mutter ruhig.
Im Flur waren Schritte zu hören. Thorsten kam früher als sonst von der Arbeit, hängte seine Jacke an den Haken und schaute in die Küche. Die Spannung war greifbar, fast dichter als der Dampf vom Eintopf.
Was ist los?
Meine Mutter fährt in eine Kurklinik, sagte ich, und allein das Wort Kurklinik war so voller Gift, dass Thorsten das Gesicht verzog.
Wohin genau?
Nach Binz, an die Ostsee. Zehn Tage.
Er schaute erst meine Mutter, dann mich an.
Wann?
In zwei Wochen, am 23. Juni. Ich bin am 3. Juli wieder da, erwiderte sie.
Am 23. Thorsten wiederholte es langsam. Frau Weber, am 25. habe ich eine große Abgabe im Büro. Da werde ich wohl gar nicht nach Hause kommen. Anna und ich haben gedacht, dass Sie Max dann nehmen…
Max ist euer Kind, sagte meine Mutter ruhig, ohne jede Feindseligkeit. Euer Kind, Anna.
Stille breitete sich aus. Der Eintopf simmert leise.
Ich versteh dich nicht, sagte ich, mein Ton heiser vor Enttäuschung. Sind wir schlecht zu dir? Tut dir jemand irgendwas? Sag’s, wir regeln das.
Ihr seid gute Menschen, antwortete Gertrud Weber. Und ich liebe euch. Euch drei.
Warum dann das?
Weil ich müde bin.
Dieses Wort fiel ganz leise auf den Küchentisch, wie ein Knopf. Klein, unscheinbar, aber schwer wie Blei.
Meine Mutter hat ihr ganzes Leben in Hannover verbracht. Geboren, zur Schule gegangen an dieselbe wie schon ihre Mutter , dann ins Lehramt, dann zweiunddreißig Jahre als Bibliothekarin. Sie kannte die Stadt wie ihre Westentasche: die alte Brücke über die Ihme, der Park mit den vier Pappeln, die Bäckerei, in der immer Vanille und frischer Teig duftet.
Vor acht Jahren, als mein Vater Karl an einem Herzinfarkt starb, ganz ruhig im Schlaf, glaubte sie, die Welt würde zerbrechen. Tat sie aber nicht. Sie saß beim Leichenschmaus, schenkte Korn aus, schnitt Sülze, sagte danke, dass Sie gekommen sind und wunderte sich über ihre Fassung. Nur nachts, als alle weg waren, saß sie in der Küche, umklammerte eine Teetasse und wartete auf den Morgen. Da wusste sie: jetzt ist sie wirklich allein.
Lange dauerte die Einsamkeit nicht. Ich war schwanger mit Max, lebte mit Thorsten in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung, drei Busstationen entfernt, und ganz selbstverständlich kam meine Mutter jeden Tag vorbei. Erst half sie beim Kinderzimmer, dann war sie da, als Max geboren wurde, holte ihn später aus dem Kindergarten und aus der Schule. Sieben Jahre flogen nur so vorbei. Die Rente kam leise; das Leben blieb gleich: derselbe Bus morgens halb acht, derselbe Schulranzen an der Tür, dieselben Frikadellen abends.
Manchmal fragte sie sich: Was ist mit meinem Leben? Aber der Gedanke war schemenhaft, leicht zu ersticken mit Staubsaugerlärm oder dem Pfeifen des Wasserkessels. Beziehungen zu erwachsenen Kindern sind eben unterschiedlich das wusste sie. Manche gehen ihre eigenen Wege, sehen die Oma einmal im Monat. Andere, so wie sie, werden zum festen Bestandteil fremder Gewohnheiten, bis sie nicht mehr wissen, wo Hilfe endet und Abhängigkeit beginnt.
Im April kaufte sie das Ticket, in einem kleinen Reisebüro an der Lister Meile. Eigentlich wollte sie nur in die Apotheke, blieb aber an einem Foto im Schaufenster stehen: blaues Meer, weiße Kreidefelsen, Kiefern am Hang. Sie blieb stehen, betrachtete das, trat schließlich ein.
Die junge Frau hinter dem Tresen lächelte.
Wohin darf es gehen?
Das da , sagte meine Mutter und zeigte auf das Bild.
Binz, Ostsee, Kurhaus Bernstein. Gute Klinik, Essen inklusive, Anwendungen, alles da. Wann wollen Sie fahren?
Im Juni, sagte Gertrud Weber. Es überraschte sie selbst, wie entschieden das klang.
Der Streit in der Familie loderte langsam auf, wie feuchtes Holz. Erst war ich beleidigt, rief weniger an, zeigte mich betont höflich, was schlimmer war als jeder Schreianfall. Dann sprach Thorsten mit ihr, sachlich, ruhig, mit Zahlen und Argumenten. Er erklärte, dass es eine schwierige Zeit sei, die Abgabe im Büro, Max hat eine schwache Note, ich bin gereizt, alles wackelt, es reicht ein einziger Stein…
Frau Weber, Sie sind doch eine kluge Frau. Sie wissen das doch.
Ja, erwiderte sie. Aber ich fahre trotzdem.
Er sah sie anders an. Nicht böse eher wie ein Möbelstück, das plötzlich woanders steht.
Dann kam der Anruf am Mittwochabend. Ich weinte ins Telefon, sagte, sie hätte mich nie wirklich geliebt, immer sich selbst an die erste Stelle gesetzt, dass wenigstens Papa ein vernünftiger Mensch war. Sie saß am Fenster, betrachtete den alten Pappelbaum, der im Mai immer weißen Flaum verliert, der wie Schnee herumfliegt, und hörte zu. Sagte nichts. Als ich schrie und dann, erschöpft vom Reden, nichts mehr sagte, meinte sie still:
Anna, ich hab dich lieb. Das Ticket ist gekauft, bezahlt. Ich fahre.
Du bist egoistisch.
Kann sein.
Du denkst nur an dich!
Zum ersten Mal seit sieben Jahren, antwortete sie. Ist nicht so viel.
Ich ließ das Handy sinken, und dann kamen diese kurzen, stummen Töne.
Sie legte das Telefon auf den Tisch, ging in die Küche, schaltete den Wasserkocher ein. Die Hände zitterten etwas nicht aus Angst, nicht aus Wut, sondern so, wie es halt ist, wenn man lange etwas Schweres trägt und es plötzlich loslässt: Der Körper hat noch nicht begriffen, dass die Last weg ist.
Sie trank Tee, holte Gebäck aus einer blauen Blechdose, letztes Wochenende gekauft und noch ungeöffnet. Sie aß ein Stück, dann ein zweites. Draußen rauschte der Pappelbaum. Es war ruhig, fremd.
Zum ersten Mal spürte sie keine Schuld. Sie hatte sie erwartet, diese alte, klebrige Schuld aber sie kam nicht. Es war vielmehr so etwas wie vorsichtige, noch unfassbare Freude.
Es blieben dreizehn Tage bis zur Abreise. Routiniert holte sie Max aus der Schule, kochte, bügelte. Aber innerlich hatte sich etwas verändert. Sie nahm Dinge wahr, die ihr früher nie aufgefallen waren. Etwa dass ich nie Danke sage fürs Abendessen. Ich setze mich einfach, esse, gehe fernsehen nicht etwa grob oder absichtlich, einfach so, als würde das Essen aus der Luft kommen. Oder dass Thorsten, wenn er ihr im Flur begegnet, durchsieht, als wäre sie Glas. Nicht böse, einfach so. Sie war Teil der Einrichtung Tapete, Einbauschrank.
Max blieb der einzige, der sich nicht veränderte. Stürmte nach der Schule herein, schmiss den Ranzen und rief: Oma, bist du hier? Dieses bist du hier? machte immer etwas mit ihrem Herzen. Etwas Warmes, ein bisschen Schwermut.
Oma, fährst du wirklich weg? fragte er eines Abends, während sie seine Leseblätter kontrollierte.
Ja, zehn Tage.
Weit?
Zum Meer. Kennst du die Ostsee?
In Erdkunde hatten wir das. Da ist das Wasser warm und salzig.
Genau.
Max verzog das Gesicht, dachte nach.
Ich war noch nie am Meer, sagte er, beleidigt wie nur Siebenjährige es sind.
Fährst im Sommer mit Mama und Papa.
Die sagen, keine Zeit.
Gertrud Weber schwieg, strich ihm übern Kopf. Er war warm, roch nach Bleistift und Apfel sie hatte ihm einen nach der Schule gegeben. Sie dachte: Dafür lohnt es sich, zurückzukommen. Nicht für Eintopf, nicht fürs Bügeln. Dafür.
Am 23. Juni war es morgens kühl, wolkig, der Asphalt roch nach Nachtregen. Sie packte einen kleinen Koffer: zwei Kleider, Badeanzug (extra gekauft, navyblau, der erste neue seit fünf Jahren), Apothekercreme, einige Bücher. Sie wählte die Bücher am Abend vorher mit Sorgfalt aus: ein Roman, den sie schon zweimal angefangen und abgebrochen hatte, Kurzgeschichten von einem Lieblingsautor, und ein dünnes, abgegriffenes Gedichtbändchen Geschenk von Karl.
Ich kam nicht, um sie zu verabschieden. Schickte eine Nachricht: Erhol dich gut. Kein Smiley, kein Mama, nur so. Sie las, steckte das Handy weg.
Thorsten rief um acht an, sie stand schon an der Tür.
Frau Weber, zum letzten Mal: Am 25. ist meine Abgabe im Büro. Anna schafft Max nicht allein, Sie wissen das.
Thorsten, sagte sie. Anna schafft das. Sie ist seine Mutter.
Wenn was schiefgeht…
Dann rufen Sie mich an. Ich hör zu. Aber ich komme nicht zurück.
Pause.
Meinen Sie das ernst?
Absolut.
Sie ging hinaus, nahm ein Taxi, schaute auf Hannovers vertraute Straßen. Sieben Jahre lang war sie nur dreimal am Bahnhof gewesen: einmal, um eine Studienfreundin zu empfangen, einmal zur Beerdigung der Schwester in Bremen, und das dritte Mal einfach so im Dezember, nur um den Zugfahrplan anzuschauen und wieder zu gehen. Damals wollte sie auch weg, es kam nur nie dazu.
Jetzt hatte sie einen Grund. Einen einfachen, wichtigen: Sie war erschöpft, und das reichte.
Am Bahnhof empfing sie das übliche Gewimmel, den Geruch von Metall. Fahrgäste mit Koffern, Kinder mit Eis, Lautsprecheransagen. Sie kaufte sich einen Kaffee und ein Mohnbrötchen, fand ihr Abteil.
Dort saß schon ein Mann etwa sechzig, kräftig, weißhaarig mit kurzem Schnitt, las Zeitung. Als sie hereinkam, sah er auf, nickte höflich.
Guten Tag.
Hallo, antwortete sie, hievte den Koffer aufs Gepäcknetz.
Er war Dr. Ulrich Brandt. Das wusste sie da noch nicht, wusste nicht, dass er in den kommenden zehn Tagen wichtiger werden würde als mancher in all den Jahren.
Der Zug fuhr sanft an. Bahnsteig, Laternen, graue Bauten, dann Schrebergärten, Wälder, flogen am Fenster vorbei. Gertrud Weber saß, schaute raus und spürte, wie etwas in ihr nachgab als hätte sie das ganze letzte Jahr mit schwerem Rucksack gelebt und ihn nun endlich abgestellt.
Ulrich klappte die Zeitung zusammen.
Fahren Sie weit?
Nach Binz, in die Kurhaus Bernstein.
Ach, dahin fahre ich auch. Die Veteranenvereinigung hat mir überraschend eine Reise spendiert.
Was haben Sie gearbeitet?
Ingenieur bei der Bahn. Vierzig Jahre. Ulrich Brandt.
Gertrud Weber. Bibliothekarin, pensioniert.
Sie schwiegen. Draußen schimmerte grüne Landschaft, frisch gewaschen vom Regen. Ihr kamen fast die Tränen nicht vor Kummer, nur, weil sie so lange nicht mehr auf schöne Wiesen geschaut hatte.
Fahren Sie das erste Mal allein? fragte Brandt.
Das erste Mal seit vielen Jahren.
Schwer?
Komisch, korrigierte sie. Ein bisschen beängstigend und ein bisschen befreiend.
So soll es sein.
Sie sprachen offen, wie man es manchmal im Zug mit Fremden tut ohne Vorgeschichte, ohne Zwang, zu beeindrucken. Brandt war ein ruhiger, aufmerksamer Mensch. Er erzählte, seine Frau sei vor drei Jahren gestorben, Kinder erwachsen, er wohnt allein und lernt langsam, dass das kein Makel ist.
Ich wusste erst nicht, wohin mit mir. Ging rum wie ein Fremder in der eigenen Wohnung.
Das kenne ich, sagte Gertrud Weber.
Abends tranken sie Zugtee aus dem Glas im Metallhalter. Sie packte die selbstgemachten Maultaschen aus. Brandt nahm eine, widerstandslos, und war nach dem ersten Biss einen Moment lang sprachlos.
Großartig!
Ich koche mein Leben lang. Die Familie liebt es.
Sie sagte liebt und erwischte sich dabei. Tut sie das? Sie essen. Ein feiner Unterschied.
Am nächsten Tag, als der Zug schon fast in Binz war, schaltete sie ihr Handy ab. Nicht, weil sie Angst hatte, sondern aus einem gewissen Respekt vor sich selbst: immerhin ihr Enkel und ihre Familie.
Die Kurklinik Kurhaus Bernstein stand auf dem Hang oberhalb der Ostsee, versteckt in Kiefern. Es roch nach Harz, Salz und Blüten. Das Haus war in die Jahre gekommen, aber gepflegt, kalkweiße Wände und Holzbalkone. Korbstühle auf den Veranden.
Sie schlief in einem kleinen Zimmer im zweiten Stock, mit Meerblick durch die Kiefern: ein Streifen azurblaues Wasser. Sie stellte den Koffer ab, ging ans Fenster, stand lange. Das Meer da draußen, dachte sie, ist von weit gereist. Daran hatte sie früher nie gedacht.
Zwei Tage lang tat sie nichts. Sie gewöhnte sich an die Stille, machte Anwendungen: Kiefernbad, Nackenmassage, Abends Salzraum. Sie aß langsam, am runden Tisch zu Hause hatte das Essen immer zwischen zwei Handgriffen stattgefunden. Dort nahm sie sich Zeit.
Abends ging sie an den Strand. Der Kies knirschte, rollte unter den Füßen, barfuß spürte sie jeden sonnenwarmen Stein. Sie zog die Sandalen aus, lief an der Wasserkante entlang. Kalte Wellen, die Füße umspielend, dann wieder zurück.
Brandt wohnte in einem anderen Trakt, sie sahen sich beim Frühstück, manchmal spazierten sie. Es war leicht, ohne Verpflichtung. Er verlangte nichts, bedrängte nicht aber wenn sie zusammen schwiegen, war es lebendig und angenehm.
Sie können mit jemandem schweigen, sagte er einmal. Das können nicht viele.
In der Bibliothek gewöhnt man sich an Stille, lachte sie.
Ach, darum gehts nicht. Viele können allein schweigen. Aber gemeinsam schweigen, ohne Leere, ist besonders.
Sie dachte abends im Bett daran: Hatte sie mit Karl schweigen können? Ja. Mit mir? Nein. Mit mir musste immer geredet werden. Schweigen beunruhigte mich ich fragte gleich: Mama, bist du sauer? Auch wenn sie einfach nur still war.
Generationenproblem, dachte Gertrud Weber. Aber anders, als es oft in Ratgebern steht: nicht verschiedene Werte bloß verschiedene Sprachen des Schweigens.
Am dritten Tag rief ich an. Da hatte sie das Handy schon wieder eingeschaltet. Nicht wegen Angst, sondern wegen Max.
Mama ohne Hallo. Max hat Fieber. Achtunddreißig-Komma-zwei.
Fieberzäpfchen gegeben?
Ja. Aber ich weiß nicht, was ich ihm kochen soll. Du hast das immer gewusst.
Hühnerbrühe. Ohne Fett. Mit Brötchen.
Aber heute hab ich Dienstbesprechung, dann Kundentermin…
Anna, sagte sie. Mit krankem Kind zur Arbeit? Irgendeiner von euch muss zu Hause bleiben.
Pause.
Thorsten kann heute auch nicht.
Einer nimmt Urlaub.
Aber das ist nicht so einfach…
Anna, ruhig, ruhig. Ich bin in Binz. Ich komme nicht. Ihr schafft das. Ruf den Kinderarzt an. Gib Max zu trinken. Tuch auf die Stirn. Ihr seid erwachsen.
Am anderen Ende hörte sie meinen schweren Atem.
Wann bist du so geworden? fragte ich schließlich, eher fassungslos als wütend.
Was meinst du?
So kalt.
Sie blickte auf das Meer. Heute war es grünlich-grau, bewegter als sonst.
Nicht kalt, sagte sie. Ich ruhe mich aus. Das ist was anderes.
Ich legte schweigend auf. Sie steckte das Handy weg und ging ans Wasser.
Ulrich Brandt fand sie am Strand. Er musste nie suchen, es war, als würde er einfach zur rechten Zeit auftauchen.
Ist was passiert? fragte er, setzte sich zu ihr auf einen Stein.
Meine Tochter hat angerufen. Enkel ist krank.
Schlimm?
Fieber. Alltag.
Und Sie?
Ich fahre nicht zurück, sagte sie. Und merkte, wie sehr es einen erschüttert, das auszusprechen, was man längst weiß.
Richtig so, meinte er.
Finden Sie?
Erwachsene müssen ihre Sachen selbst regeln. Das ist normal, nicht herzlos.
Sie hält mich für egoistisch, sagte sie.
Egoismus bedeutet doch, sich selbst nicht zu vergessen, sagte Brandt. Wenn man nie an sich denkt, wird man irgendwann zur Last.
Sie sah ihn an. Er saß aufrecht, den Blick aufs Wasser.
Fühlten Sie sich je ausgenutzt? fragte sie.
Ja, sagte er kurz. Im Beruf. Die letzten zehn Jahre, bis zur Rente. Ich wurde gebraucht, solange ich fit war. Dann wurde ich unsichtbar.
Was haben Sie gemacht?
Ich bin gegangen. Ein Jahr vor der Rente. Alle waren zufrieden, auch ich.
Bereut?
Halbes Jahr lang. Dann wusste ich, es war richtig.
Sie hob einen weißen Kieselstein mit grauen Adern auf, warm in der Hand.
Was mich wundert: Sieben Jahre helfe ich jeden Tag. Erst jetzt, wo ich weg bin, merken sie, was ich mache. Vorher war das wie Luft.
Das nennt man unsichtbar notwendig sein, sagte er. Das ist eine Falle. Besonders für Frauen.
Warum Frauen?
Uns wird beigebracht, dass eine gute Mutter, Ehefrau, Oma leise und unsichtbar ist, alles macht, nichts braucht. Bei Männern ists ähnlich arbeite still, jammer nicht.
Gertrud Weber lachte. Richtig, befreiend.
Klingt wie ein Nachruf, sagte sie.
Genau, meinte Brandt.
Zu Hause, bei uns, lief ohne Puffer vieles anders. Das wusste meine Mutter nur in Bruchstücken, hörte später mehr, doch sie ahnte es: Die ersten zwei Tage klappten, dann blieb Thorsten auf Arbeit, ich schimpfte, Max wollte keine Fertigmaultaschen, ich suchte eine frische Bluse für morgen, stellte fest, dass das Waschmittel aus war.
Hättest du mir das früher sagen können, sagte ich am Telefon.
Habs selbst eben erst erfahren.
Wie immer.
Wie immer? Ich arbeite, Anna.
Ich auch!
Max kam leise aus dem Kinderzimmer, zog an meinem Ärmel.
Mama, ich wasche die Bluse selbst. Oma hats mir gezeigt.
Ich sah ihn an, fing unerwartet an zu weinen nicht dramatisch, einfach stille Tränen. Max blieb ratlos stehen.
In der nächsten Woche gabs dann richtig Streit. Nicht wegen Maultaschen, nicht wegen Blusen. Wegen Erschöpfung. Früher, als meine Mutter da war, gabs den Rückzugsort Küche, Tee, Schweigen. Kein Rat ohne Fragen. Sie war einfach da und das hatte gefehlt.
Weißt du, dass wir wie Behinderte gelebt haben? sagte Thorsten nach dem nächsten Streit spätabends. Uns gings gut, weil da jemand war, der die Lücken füllte, die wir offen ließen.
Nennt man meine Mutter ein Krückstock?
Nein, aber wir benutzten sie wie einen.
Ich schwieg. Zupfte an der Tischdecke, die sie aufgelegt hatte.
So habe ich nie darüber nachgedacht, flüsterte ich schließlich.
Ich auch nicht. Erst vor drei Tagen, als ich zum ersten Mal selbst beim Kinderarzt anrufen musste und nicht mal den Namen wusste. Sieben Jahre geht Max zu demselben Arzt, und ich weiß nicht mal den Namen.
Ich hob den Blick.
Dr. Koch, sagte ich leise.
Siehst du. Du weißt das. Weil immer Oma angerufen hat.
Pause. Dann sagte Thorsten:
Wir müssen jemanden einstellen eine Hilfe, fürs Kochen und Putzen, vielleicht zweimal die Woche.
Das kostet.
Günstiger als eine Scheidung, sagte er trocken.
Ich sah ihn lang an.
Willst du dich trennen?
Nein. Aber wir sind am Limit. Und das gefällt mir nicht.
Das war ein ehrliches Gespräch. Vielleicht das erste seit langem. Nicht, um Recht zu haben oder zu verletzen, sondern, weil sonst niemand da war.
Meine Mutter, währenddessen, lebte. Wirklich langsam, genussvoll, als würde sie nach langer Krankheit wieder essen lernen.
Sie badete täglich. Ging zuerst vorsichtig ins Wasser, merkte dann, wie warm und hell das war. Legte sich auf den Rücken, Arme weit weg oben unbewegter blauer Himmel. Sie schwebte, ließ alles los. So fühlt sich echte Erholung an: Nicht nichts tun, sondern wirklich loslassen. Spüren, wie man getragen wird.
Endlich las sie jenen Roman, den sie zweimal abgebrochen hatte. Zuhause war sie nie wirklich dazu gekommen jetzt las sie die ersten zwanzig Seiten neu und erkannte: Es war ein anderes Buch, oder sie selbst eine andere geworden.
Abends ging sie mit Brandt die Promenade entlang. Seltene Lampen, dahinter das immer lebendige, schwarze Meer, mondglitzernd, dazwischen das Gespräch: über Bücher, Kinder, DDR und heutige Welt, was man bereut, was nicht. Sie erzählte ihm von der Bibliothek, dem Geruch alter Bücher, und wie sie ihn nach der Rente vermisste.
Ich habe mich einmal pro Woche als Gast dort gesehen, gestand sie. Holte Bücher, gewöhnte mich langsam an das Neue.
Kluge Strategie, nickte er. Ich musste abrupt aufhören. Manchmal träume ich noch von der Arbeit.
Vermissen Sie das?
Die Arbeit, ja. Leute, manche. Das Gefühl, etwas zu schaffen.
Das fehlt jetzt?
Ist anders. Jetzt schaffe ich drinnen Ordnung. Sortiere, was wichtig war, was nicht.
Gertrud Weber blickte aufs dunkle Wasser.
Ich war nie nur ich selbst, verstehst du? Immer Tochter, Ehefrau, Mutter, Oma. Aber einfach Gertrud Weber, für mich, das bin ich nie gewesen.
Jetzt finden Sies raus, sagte er schlicht.
Sie lachte, fast den Tränen nahe. Er sah es, schwieg.
Familiäre Abgrenzung schicke Worte aus Ratgebern, die ich ihr manchmal per WhatsApp schickte, und die sie erstaunten. Sei doch klar, dachte sie. Wars nicht sie hatte selbst nie einen Zaun gebaut. Nicht, weil man ihn eingerissen hat, sondern weil nie einer da war.
Recht auf Pause, Stille, eigene Pläne. Das ist wie eine Fremdsprache: bekannt, aber nie gesprochen.
Am sechsten Kur-Tag rief ich wieder an. Sie saß auf dem Balkon, eine Tasse Kaffee, ein Buch. Den Kaffee hatte sie selbst in der kleinen Gemeinschaftsküche gekocht Henschel-Kaffee, merkwürdig lecker.
Mama, sagte ich. Der Ton war anders. Nicht beleidigt, nicht wütend. Nur müde. Thorsten und ich wollen eine Haushaltshilfe anstellen. Zweimal die Woche. Über die Agentur gefunden.
Sie schwieg einen Moment.
Das ist eine gute Lösung.
Wir… haben es zu sehr auf dich geschoben. Es war unfair.
Anna, ich erwarte keine Entschuldigung.
Es ist keine Entschuldigung, eher eine Erklärung.
Ich verstehe.
Wie gehts dir? fragte ich, fast fremd im Ausdruck.
Gut. Ehrlich gut.
Bist du braun geworden?
Ein wenig. Die Sonne kam erst später raus.
Max fragt, ob du Muscheln mitbringst.
Sie lachte.
Ich bringe ihm welche. Sag ihm das.
Nach dem Gespräch saß sie lange mit kaltem Kaffee da, betrachtete die Kiefern, das Meer. Sie dachte: Ablösung ist beidseitig. Nicht nur Kinder lernen selbstständig leben auch Eltern müssen lernen, loszulassen. Ihre Dienstbarkeit, die Angst, ersetzbar zu sein.
Was wäre gewesen, hätten sie nicht gefahren? Noch ein Jahr, noch zwei im Trott. Eintopf, Hausaufgaben, Bügeln und kein echtes Gespräch zwischen uns. Max würde glauben, Essen käme aus der Luft. Und sie wäre still verbrannt, hätte es Liebe genannt.
Aber das wars nicht. Es war Angst, Gewohnheit, Unfähigkeit zum Nein. Die Liebe gab es auch aber sie wurde erdrosselt von all dem anderen, wie ein gepflegter Garten vom Unkraut.
Wie hört man auf, Opfer zu sein? Sie las dieses Wort in Artikeln. Es klang ihr zu groß. Sie war kein Opfer. Niemand zwang sie. Sie hat sich selbst gemeldet, ist geblieben, hat gekocht. Nur gefragt Will ich das? das hatte sie nie. Nie. In sieben Jahren.
Am achten Tag stieg sie mit Brandt auf eine Klippe am Meer. Der Pfad ging steil durch Kiefern, sie zweifelte, ob sie es schafft. Sie schaffte es. Oben setzten sie sich, sahen auf die Bucht, das klare Wasser, die Boote, eine Möwe dicht über den Wellen.
Schön, sagte Gertrud Weber.
Sehr, Brandt.
Sie schwiegen. Unten der helle Strand, winzige Menschen.
Herr Brandt, sind Sie einsam?
Einsam, ja. Aber nicht unglücklich. Das ist ein Unterschied.
Ist das nicht schlimm?
Nur manchmal. Langeweile ist keine Katastrophe, sie vergeht auch wieder.
Sehnen Sie sich manchmal… nach jemandem?
Er sah sie lange an.
Ab und zu, sagte er. Aber ich suche keine Lückenfüller. Jemand, mit dem ich keine Leere spüre, das ists.
Sie wusste nichts zu sagen. Es war zu genau.
Sie gehen zurück nach Hannover, ich nach Leipzig. Das ist in Ordnung.
Ja, sagte sie.
Ich bin froh, dass wir zusammen fahren durften.
Ich auch.
Sie stiegen schweigend ab. Kiefernnadeln knisterten, es duftete nach Harz, warmer Erde. Sie dachte: Das ist Leben für sich. Nicht gegen, nicht für wen anders. Einfach eigenes Leben. Nach sechsundfünfzig Jahren zum ersten Mal den eigenen Weg wählen das war diese Klippe, diese zehn Tage. Eigentlich nichts Besonderes. Und doch etwas Ungeheures.
Die Haushaltshilfe, die nun kam, hieß Brigitte Adler. Vierundfünfzig, geschieden, zwei erwachsene Kinder, wohnte am Stadtrand, fuhr Bus. Ich erzählte meiner Mutter am neunten Tag davon. Sie mochte Brigitte sofort irgendwie.
Kocht sie gut? wollte sie wissen.
Nicht wie du, antwortete ich vorsichtig. Aber ordentlich.
Super.
Mama, bist du nicht gekränkt?
Weshalb?
Na, dass wir eine andere haben.
Gertrud Weber schwieg. Der Wind wehte, die See war dunkler, Schaumkronen.
Ich bin froh, sagte sie. Ich will nicht die Person sein, die unersetzbar ist. Das ist furchtbar.
Pause.
Ich will zu euch kommen, weil ich euch sehen will, ergänzte sie. Nicht, weil kein anderer den Eintopf kocht.
Ich schwieg, sagte leise:
Ich will dich auch sehen, Mama. Nur habe ich verlernt, das zu sagen.
Sie schloss die Augen, hörte das Meer.
Dann sag es jetzt, erwiderte sie.
Den letzten Abend verbrachte sie allein am Strand. Brandt blieb noch zwei Tage, sein Ticket lief länger. Sie verabschiedeten sich am Vormittag vor dem Haus.
Darf ich Ihre Nummer aufschreiben? fragte er.
Machen Sie.
Er notierte, klare Schrift. Vielleicht würde er anrufen vielleicht sie. Es spielte nicht so sehr eine Rolle. Diese zehn Tage, dieses Gespräch, war das Entscheidende.
Machen Sies gut.
Sie auch.
Sie schüttelten sich die Hand. Er ging, Rücken gerade. Gertrud Weber dachte: ein guter Mensch.
Am Abend noch einmal zum Meer, die Sonne tauchte rot ins Wasser. Sie zog die Sandalen aus, trat auf den kühlen Kies. Sie bückte sich, nahm einige Steine: weiße, graue, ein rosafarbener, fast durchsichtig. Für Max. Sie hatte ihm Muscheln versprochen, aber keine schönen gefunden. Steine waren auch schön.
Sie stand am Wasser, die Wellen rauschten, kamen, gingen.
Sie dachte darüber nach, wie sie zurückkehren würde. Sie wusste es nicht. Sie wusste nur: Es würde eine andere Frau heimkommen. Nicht besser, nicht schlechter. Eine, die in zehn Tagen etwas Wesentliches gelernt hatte: Dass Müdigkeit nicht schändlich, um Hilfe bitten keine Schwäche ist. Dass es einen Unterschied gibt zwischen gebraucht werden und benutzt werden und dass man die Grenze selbst spüren muss; niemand anders.
Familienpsychologie, Erwachsenwerden alles Schlagworte aus schlauen Büchern. Es ist einfach Leben. Ungewöhnlich, warm, schwierig. Und manchmal erfordert es, dass man einfach wegfährt. Wenigstens zehn Tage. Zum Meer.
Sie steckte den rosa Stein ein, richtete sich auf, betrachtete die untergehende Sonne. Morgen heim. Übermorgen Hannover, vertrauter Wohnungsgeruch, Klingel, und Max an der Tür: Oma, bist du wieder da?
Sie würde zurückkehren. Aber anders.
Am Bahnhof in Hannover war es grau. Ein typischer Julimorgen, Pfützen nach dem Regen, der Geruch von nassem Asphalt. Gertrud Weber stieg mit Koffer aus, blickte sich um niemand erwartete sie. Sie hatte auch auf niemanden gewartet.
Sie nahm das Taxi und fuhr durch bekannte Straßen. Der Pappel am Haus meiner Familie war längst verblüht, das Laub dicht grün. Hochsommer.
Sie fuhr erst in ihre eigene kleine Wohnung. Schlüssel umgedreht, Tür auf, alles roch etwas verstaubt. Fenster auf, Wasserkocher an. Sie räumte aus, stellte drei Steine vom Meer neben Max Fotos.
Das Handy piepte. Nachricht von mir: Mama, bist du da? Zum Abendessen bist du eingeladen, wenn du willst. Brigitte kommt heute nicht, ich versuche selbst zu kochen.
Sie musste schmunzeln und schrieb: Ich komme um sechs.
Dann, nach kurzem Zögern: Aber nur als Gast. Einverstanden?
Die Antwort kam sofort: Einverstanden.
Sie stellte das Handy weg, goss Tee auf. Draußen fuhr ihr alter Bus vorbei Linie 17, die sie sieben Jahre lang jeden Morgen genommen hatte. Sie sah ihm nach, wie er um die Ecke bog.
Um sechs klingelte sie bei uns. Max öffnete, musterte sie einen Moment, dann fiel er ihr um die Taille und drückte sein Gesicht an die Jacke.
Oma! rief er nur.
Sie drückte ihn fest zurück. Er roch nach Bleistift, irgendwas Süßes. Vielleicht war er gewachsen in diesen zehn Tagen. Oder sie hatte es vergessen.
Hast du Steine mitgebracht?
Drei Stück. Einer rosa.
Rosa? Gibts das?
Gibts. Ich war selbst überrascht.
Ich stand am Kücheneingang, Geschirrtuch in der Hand, sah meine Mutter an, ein wenig verloren. Aus der Pfanne zischte es es roch leicht angebrannt.
Mama, die Frikadellen…
Ich sehs, lächelte Gertrud Weber. Runter vom Herd.
Die sind schwarz auf einer Seite.
Umdrehen. Und Topflappen nehmen, die Pfanne ist heiß.
Ich hantierte herum, Thorsten kam aus dem Wohnzimmer, nickte ihr zu.
Willkommen zurück.
Danke. Und das Büro?
Geschafft gerade so.
Gut.
Am Tisch war es etwas holprig wie immer, wenn sich das Miteinander verändert hat und niemand sicher ist, wie man es benennt. Die Frikadellen waren etwas zu salzig, ein bisschen hart. Max aß still, fragte dann:
Oma, ist das Meer wirklich salzig?
Ja.
Wie die Frikadellen?
Ich verzog das Gesicht, Thorsten schluckte ein Lachen. Gertrud Weber lachte als Erste, dann wurde alles leichter.
Nein, Max, das Meer schmeckt besser.
Fahren wir da mal hin?
Das musst du Mama und Papa fragen.
Max drehte sich wichtig zu uns Eltern.
Wir fahren ans Meer!
Ich sah Thorsten an. Ein kurzer, fast unsichtbarer Blick aber meine Mutter bemerkte ihn. Da war schon was anders. Wachsamer, lebendiger.
Klar, sagte Thorsten. Wir überlegen, wohin.
Binz! rief Max.
Schauen wir mal, sagte ich und sah meine Mutter an. Mama, willst du mitkommen?
Sie überlegte, rührte den Tee um.
Schauen wir mal. Ist ja noch hin.
Ich nickte. Nicht gekränkt oder doch, aber ich schwieg. Vielleicht war das auch wichtig.
Nach dem Essen half sie beim Abräumen nicht, weil sie musste, sondern weil sie wollte. Dann nahm sie ihre Sachen.
Bleibst du? fragte ich einfach so.
Nein, ich geh heim.
Kommst du morgen wieder?
Ruf an, wir machen was aus.
Ich sah sie lange an, prüfend. Als sähe ich sie zum ersten Mal. Oder als würde ich etwas sehen, was früher verborgen war.
Mama, sagte ich. Du hast dich verändert.
Vielleicht, antwortete sie.
Gut so, sagte ich leise. Und meinte es.
Sie ging raus. Die Tür schloss sich. Sie stieg die Treppe hinab, ging nach draußen. Der Abend roch nach Sommer, nach Gras und Asphalt im Juli. Ein ganz normaler Abend in Hannover.
Sie lief nach Hause. Drei Haltestellen, aber sie ging. Vorbei an der Bäckerei mit Vanilleduft, am Park mit den Pappeln, über die alte Brücke an der Ihme.
Im Mantel steckte noch der rosa Stein. Sie hatte vergessen, ihn Max zu geben.
Morgen würde sie es tun.




