Meine bevorstehende Hochzeit, die in wenigen Tagen in München stattfinden soll, wird derzeit stark von den Forderungen und Launen meiner Mutter überschattet. Sie besteht darauf, dass ich meinen Vater ohne seine neue Ehefrau einladen soll, weil sie diese Frau, Annegret, aus tiefstem Herzen ablehnt. Obwohl meine Eltern schon seit langer Zeit geschieden sind, hat mein Vater inzwischen ein neues Leben begonnen und wieder geheiratet, doch meine Mutter hat ihren Groll gegen ihn nie abgelegt. Annegret war damals der Auslöser für die Trennung. Sie hatte wohl gespürt, dass mein Vater nur ihretwegen bei meiner Mutter blieb, und ging dann direkt zu meiner Mutter und sagte: Er liebt dich nicht und bleibt nur wegen eurer Tochter. Mach dich nicht unglücklich und lass ihn gehen. In ihrer Wut hat meine Mutter meinen Vater damals sofort vor die Tür gesetzt.
Damals ging es so weit, dass meine Mutter mir den Kontakt zu meinem Vater verbieten wollte. Aber ich konnte es nicht ertragen, mich vollständig von ihm und seiner neuen Familie zu lösen. Mein Vater und Annegret bekamen sogar einen gemeinsamen Sohn, meinen kleinen Bruder, den ich oft in ihrem Haus in Schwabing besuche, um mit ihm zu spielen. Mittlerweile ist mein Bruder zehn Jahre alt. Als ich meinem Vater von meiner Verlobung erzählte, äußerte er den Wunsch, mir zur Hochzeit ein großzügiges Geschenk zu machen eine Eigentumswohnung in meinem Lieblingsviertel. Er wollte damit mir und meinem zukünftigen Mann eine solide Basis geben und uns den Start in eine glückliche Zukunft ermöglichen. Dieser Gedanke hat mich wahnsinnig glücklich gemacht, doch das Verhalten meiner Mutter trübt meine Freude gewaltig.
Sie weigert sich strikt, meinen Vater und seine Frau Annegret zur Feier einzuladen. Sie nennt Annegret eine Ehebrecherin, die sich an den Mann einer anderen vergriffen hat. Sie droht, nicht zur Hochzeit zu kommen, sollte Annegret eingeladen werden. Hinzu kommt, dass sie erfahren hat, dass mein Vater mir eine Wohnung schenken möchte, und sie hat mich deswegen als Verräterin beschimpft, weil ich dieses Angebot angenommen habe. Nun stecke ich zwischen der Loyalität gegenüber meinem Vater und dem Wunsch, es meiner Mutter recht zu machen und sie glücklich zu sehen.
Ich kann diese belastende Situation kaum ertragen und weine jeden Tag. Mein Verlobter Johann versucht, mit meiner Mutter zu reden und ihr zu erklären, wie unangemessen ihre Haltung ist. Leider hat das nur dazu geführt, dass sie jetzt auch wütend auf meinen Verlobten ist. Ich verstehe einfach nicht, warum meine Mutter mich so behandelt. Mir ist klar, dass mein Vater sie damals tief verletzt hat, aber ich bin überzeugt davon, dass ohne Vergebung und den Blick nach vorne ein erfülltes Leben nicht möglich ist. Es ist eine belastende und schmerzhafte Situation, und ich wünsche mir so sehr, dass am Ende für alle Beteiligten ein wenig Glück dabei herausspringt.





