Aus irgendeinem seltsamen Grund glauben viele Frauen hierzulande, dass das Leben vorbei ist, sobald sie über vierzig sind und vielleicht ein oder zwei Scheidungen hinter sich haben. Auch ich befinde mich in so einer Situation. Zweimal war ich verheiratet. Das erste Mal jung, aus dieser Ehe stammt meine Tochter. Das zweite Mal war ich Mitte dreißig. Keine der beiden Ehen hielt länger als zwei Jahre. Irgendetwas war immer faul an den Männern.
Natürlich hatte ich nach meiner zweiten Ehe auch Beziehungen aber es führte nie zu einer neuen Hochzeit. Jetzt bin ich 45 und, ganz gleich, wie absurd es klingen mag: Ich glaube weiterhin an das Glück und dass irgendwo mein Seelenverwandter existiert. Um alles abzukürzen: Vor einem Monat begegnete mir auf ziemlich merkwürdige Weise ein Mann, mitten auf der Straße. Mathis, 49 Jahre alt. Ich schlenderte verträumt durch den Englischen Garten, wie immer gut gekleidet und gepflegt, und verspürte die Lust, in einem altmodischen Café einen Espresso zu trinken.
Mathis kam einfach an meinen Tisch geschwebt und stellte sich vor. Nun ja, mein Idealmann war er sicher nicht, aber immerhin höflich, gestriegelt und mit einem ordentlichen Mantel. Wir kamen ins Gespräch, er lud mich auf noch einen Kaffee ein. Natürlich fragte ich schnell, ob er verheiratet sei oder eine Freundin habe. Seine Antwort war so verschwommen wie neblige Blicke auf die Isar. Sicher war: Er stand mit irgendeiner Frau jedenfalls nicht auf ganz festem Boden. Trotzdem nahm ich den Faden auf und bat ihn zu mir, auf einen Tee und selbstgebackenen Käsekuchen, den ich erst am Vortag gebacken hatte. Verrückt? Möglich. Aber wir wurden von mehreren Nachbarn gesehen mir konnte also, so war das Gefühl in diesem Traum, nichts zustoßen. Mathis wirkte ohnehin ungefährlich.
Kaum waren wir bei mir, blickte Mathis sich um, lachte kurz und meinte:
Mensch, deine Wohnung ist ja riesig! Sieht aus, als hätte hier seit Ewigkeiten niemand mehr renoviert.
Ich lächelte geistesabwesend und tat so, als hätte ich nichts gehört. Klar, das letzte Mal hatten die Handwerker hier vor etwa zehn Jahren gewerkelt. Aber alles war ordentlich. Warum also ständig Geld in Wände und Decken stecken, wenn ich doch in mich selbst investieren kann? Ist das wirklich falsch?
Ich servierte Mathis Tee und Kuchen, wir genossen beides, und prompt begann er wieder, über meine Wohnung zu meckern. Ich sagte ihm direkt: Na und? Wie siehts denn bei dir aus? Warum lädst du mich nicht mal zu dir ein? Da verstummte er abrupt. Kein weiteres Wort. Er verschwand und versprach, sich in einer Woche zu melden.
Eine ganze Woche lang: kein Anruf, keine Nachricht. Und am Samstag, als die Nacht wie in Watte getaucht war, schrieb er plötzlich, dass er nun gerne vorbeischauen würde. Ich antwortete knapp: In Ordnung, bring aber bitte Werkzeug mit du darfst gleich beim Tapezieren helfen! Sofort erinnerte er sich an einen sehr wichtigen, urplötzlich aufgetauchten Termin, versicherte aber, sich nächste Woche wieder zu melden.
Was für ein Theater. Ich glaube, Mathis ist wohl einer dieser verheirateten Männer, auf der Suche nach einem Abenteuer mit einer reichen Münchnerin. Nur passe ich nicht in diese Schublade. Am Ende ist es auch egal. Wir hatten doch nur ein gemeinsames Stück Kuchen mehr nicht. Ich hingegen glaube weiter an die Liebe. Das möchte ich auch anderen Frauen weitergeben: Wenn ein Mann nichts für dich tut, warum solltest du einen Kaffee auf ihn verschwenden?





