Vor Kurzem habe ich mir eine eigene Wohnung in Berlin gekauft ein Schritt, auf den ich lange hingearbeitet habe und den ich natürlich sofort mit meiner Familie meinen Eltern und meiner Schwester teilen wollte. Doch ihre Reaktion war ganz anders, als ich es mir erhofft hatte. Wohnungen in der Hauptstadt sind alles andere als günstig, und ich musste mehrere Jahre eisern sparen, um das nötige Geld für die Anzahlung zusammenzubekommen. Nach Jahren voller Umzüge und schwierigen Vermietern wollte ich endlich sesshaft werden und habe schließlich einen Kredit aufgenommen, um mir diesen Traum zu erfüllen. Obwohl ich bereits Eigenkapital hatte und mir die Raten leisten konnte, bedeutete das allerdings, dass ich meine Familie fortan nicht mehr wie bisher finanziell unterstützen könnte.
Fast fünf Jahre lang hatte ich die kompletten Studiengebühren meiner Schwester übernommen und ihr immer wieder Taschengeld geschickt, ganz ohne Hintergedanken. Ich habe das aus Liebe getan und weil ich fest daran glaube, dass Familie zusammenhält. Als ich meine Eltern und meine Schwester schließlich in die neue Wohnung eingeladen habe, dachten sie zunächst, es sei wieder nur eine weitere Mietwohnung. Erst als ich mitteilte, dass ich jetzt tatsächlich Eigentümerin bin, konnte ich kaum Freude oder gar herzliche Glückwünsche erkennen. Ihr Desinteresse hat mich tief getroffen irgendwie hatte ich erwartet, dass sie meinen Erfolg mit mir feiern würden.
Als ich ihnen anschließend erklärte, dass ich wegen der neuen finanziellen Verpflichtungen ab jetzt weniger Geld schicken könne, schlug die Stimmung komplett um. Sie warfen mir Egoismus vor und machten eine riesige Szene daraus. Meine Mutter warf mir enttäuscht vor, ihre Rücklagen für die Ausbildung meiner Schwester nun selbst aufwenden zu müssen. Und meine Schwester meldete sich sofort mit der Erwartung, dass ich ihr, wie versprochen, ein neues Handy kaufe ganz egal, wie meine Situation gerade aussieht. Während dieses Gesprächs wurde mir schmerzlich bewusst, dass sie mich meist nur anrufen oder besuchen, wenn sie etwas von mir wollen. Es ging immer ums Geld nie wirklich darum, wie es mir geht oder was ich mir wünsche.
Ich saß einfach nur da, völlig perplex. Ich fühlte keine Resignation, sondern eher eine große Verunsicherung. Wann hat meine Rolle in der Familie sich verändert war ich je mehr als nur die Geldquelle? War das schon immer so, und ich habe es nur nie gemerkt? Diese Gedanken und die Enttäuschung darüber, was Familie bedeuten kann, beschäftigen mich nun schon seit Tagen.





