Liebes Tagebuch,
heute habe ich wieder lange über mein Leben mit Sebastian nachgedacht meinem Mann, den ich direkt nach meinem zwanzigsten Geburtstag geheiratet habe. Er ist ein gutes Stück älter als ich, doch das Altersgefälle hat mich damals überhaupt nicht gestört. Ich habe immer zu ihm gestanden, beinahe wie eine Festungsmauer. In letzter Zeit frage ich mich jedoch, ob unsere Beziehung wirklich das war, was ich mir gewünscht habe. Das beschäftigt mich sehr.
Wir wohnen in einer Zweizimmerwohnung hier in München, die Sebastian gehört. Er verdient wirklich gut, muss aber sehr oft auf Geschäftsreisen gehen. Ich selbst betreibe eine kleine Boutique online und studiere nebenbei noch im Fernstudium. Und natürlich ist der Haushalt nach wie vor mein täglicher Begleiter Kochen, Putzen, Wäsche all das bleibt an mir hängen.
Sebastian kümmert sich um die Nebenkosten. Da mische ich mich nie ein, das war immer sein Bereich. Vor Kurzem fing er aber an, regelmäßig zu meckern, dass ich zu viel Wasser und Strom verbrauche. Anfangs habe ich das ignoriert, doch sein ständiges Herumnörgeln bringt mich langsam wirklich auf die Palme.
Neulich meinte er, ich solle ab jetzt für Wasser und Strom zahlen. Ich arbeite dauernd und bin sowieso oft unterwegs. Wer viel verbraucht, muss auch zahlen! Die restlichen Rechnungen übernehme ich, aber diese beiden gehören dir. Und wenn du nicht zahlst, wird halt abgestellt!, sagte er.
Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen sollte. Ich koche doch, halte die Wohnung sauber, mache Wäsche, arbeite am Laptop. Wofür brauche ich Wasser und Licht? Für all das! Warum beschwert er sich bloß? Soll ich etwa im Dunkeln leben, kein Geschirr mehr abwaschen und am Ende noch auf Dreck sitzen? Manchmal denke ich wirklich, Sebastian hat seinen Verstand verloren.
Ich habe ihm klipp und klar gesagt: Wenn du nicht zahlen willst, dann zahle ich eben auch nicht mehr. Ich kann jederzeit zurück zu meinen Eltern ziehen. Da muss ich mich nicht dafür rechtfertigen, wie oft ich mir die Hände wasche oder wie viele Kilowatt ich verbrauche. Dann bist du selbst dran mit Waschen, Kochen und Sparen. Viel Spaß dabei! Und vergiss nicht, frische Hemden zu lieben frag dich mal, wie viel Wasser und Strom deine sauberen Sachen schlucken!
Nach diesem Gespräch hatte Sebastian plötzlich überhaupt keine Einwände mehr.
Ich frage mich immer noch, ob ich in dieser Situation richtig gehandelt habe aber wenigstens verteidige ich mich und akzeptiere nicht alles stillschweigend.





