Die Tür bleibt verschlossen

Die Tür bleibt verschlossen
Mama, mach die Tür auf! Mama, bitte! Die Fäuste des Sohnes hämmerten gegen das Metall, als wollten sie es aus den Angeln reißen. Ich weiß, dass du da bist! Das Auto steht nicht im Hof, also bist du nicht weg!
Edeltraud Meier stand mit dem Rücken zur Tür, eine Tasse kalten Tees in den Händen. Ihre Finger zitterten so sehr, dass das Porzellan auf dem Unterteller klirrte.
Mama, was ist los? Die Stimme von Konrad klang immer verzweifelter. Die Nachbarn sagen, du lässt seit einer Woche niemanden mehr rein! Nicht mal Hildegard!
Beim Namen der Schwiegertochter verzog Edeltraud leicht das Gesicht. Hildegard. Seine kostbare Hildegard, für die er alles tun würde. Selbst das, was letzte Woche passiert war.
Mama, ich rufe den Schlüsseldienst! drohte Konrad. Wir brechen das Schloss auf!
Wage es nicht! schrie Edeltraud endlich, ohne sich umzudrehen. Wage es nicht, mich anzurühren!
Mama, aber warum? Was ist passiert? Sprich mit mir!
Edeltraud schloss die Augen, versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Wie sollte sie ihrem Sohn erklären, was sie gehört hatte? Wie ihm sagen, was sie zufällig im Flur der Klinik mitbekommen hatte?
Mama, bitte Konrads Stimme wurde leise, flehend. Ich mache mir Sorgen um dich. Und Hildegard auch.
Hildegard macht sich Sorgen. Sicher. Wahrscheinlich fürchtet sie, dass ihre Pläne scheitern.
Geh, Konrad. Geh und komm nicht wieder.
Mama, bist du krank? Hast du Fieber? Soll ich einen Arzt rufen?
Ich brauche keinen Arzt. Ich brauche, dass du mich in Ruhe lässt.
Edeltraud stand auf und trat ans Fenster. Im Hof sprach Konrad am Telefon. Wahrscheinlich erzählte er Hildegard, dass seine Mutter wieder einmal launisch war.
Der Sohn blickte hoch und sah sie. Er deutete an, dass er hochkam. Sie wich zurück und setzte sich wieder in den Sessel.
Nach einer Minute klopfte es erneut.
Mama, ich bins mit Hildegard. Mach bitte auf.
Edeltraud presste die Zähne zusammen. Also hatte er sie mitgebracht. Seine Frau, die so sorgfältig ihre Zukunft plante.
Edeltraud die sanfte Stimme der Schwiegertochter drang durch die Tür ich bins, Hildegard. Mach bitte auf. Konrad ist ganz aufgelöst.
Was für eine großartige Schauspielerin. Sie konnte ihre Stimme ändern, wenn es nötig war.
Wir haben dir Essen mitgebracht fuhr sie fort. Milch, Brot, Nusskuchen, wie du ihn magst.
Nusskuchen. Edeltraud grinste bitter. Vor einem Monat hatte Hildegard herausgefunden, dass ihre Schwiegermutter Nusskuchen liebte, und seitdem kaufte sie ihn ständig. Was für eine gute Schwiegertochter.
Edeltraud, sag uns wenigstens etwas Hildegards Stimme klang besorgt. Wir machen uns Sorgen.
Ihr macht euch Sorgen wiederholte Edeltraud, aber so leise, dass sie es nicht hörten.
Mama, ich geh nicht, bevor du nicht aufmachst! erklärte Konrad. Ich bleibe die ganze Nacht hier, wenn ich muss!
Sie wusste, dass er es ernst meinte. Er war schon als Kind stur gewesen. Wenn er sich etwas in den Kopf setzte, gab er nicht auf.
Gut sagte sie schließlich. Aber nur du. Allein.
Was? Konrad verstand nicht.
Hildegard soll nach Hause gehen. Ich rede nur mit dir.
Sie hörte ihr Geflüster auf dem Flur.
Mama, aber warum? Hildegard sorgt sich auch.
Weil ich es so sage. Entweder du kommst allein, oder keiner.
Mehr Geflüster, dann Hildegards Stimme:
Gut, Edeltraud. Ich gehe. Konrad, ruf mich an, wenn du weißt, was los ist.
Sie wartete, bis die Schritte auf der Treppe verklungen waren, dann schlich sie zur Tür und drehte den Schlüssel.
Konrad stürmte herein wie ein Orkan, umarmte sie und sah sie besorgt an.
Mama, du bist abgemagert! Du bist so blass! Was ist passiert? Bist du krank?
Ich war nicht krank sie löste sich aus seiner Umarmung und ging in die Küche. Willst du Tee?
Ja er setzte sich an den Tisch und starrte sie an. Sag mir, was los ist. Warum hast du dich eine Woche lang eingeschlossen?
Edeltraud stellte den Wasserkocher an und drehte sich zu ihm um.
Warum sollte ich die Tür aufmachen? Was gibt es noch zu erwarten?
Mama, was hat das damit zu tun? Du kannst nicht für immer zu Hause bleiben. Man muss einkaufen, zum Arzt
Nachbarin Gertrud geht für mich. Ich gebe ihr die Liste und das Geld. Und zum Arzt gehe ich nicht.
Warum nicht?
Sie goss kochendes Wasser in die Tassen, fügte Zucker hinzu.
Weil ich dort das letzte Mal Dinge gehört habe, die ich besser nicht gewusst hätte.
Konrad runzelte die Stirn.
Was hast du gehört?
Deine Frau. Sie telefoniert

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Homy
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