Heute musste ich mich wieder fragen, ob ich wirklich eine schlechte Mutter bin, wie mein eigenes Familie behauptet. Kaum zu glauben, aber sie haben mich dafür verurteilt, was ich getan habe bevor ihr urteilt, hört euch meine Geschichte an.
Vor einigen Monaten fuhr ich nach München, um meinen Sohn Markus und meine Schwiegertochter Anneliese zu besuchen. Als ich an die Tür klopfte, hörte ich leises Schluchzen. Anneliese öffnete mit verheulten Augen, auf dem Arm hielt sie meinen Enkel den kleinen Emil. Das Kind war so dünn, dass es mir das Herz brach.
“Schön, dass Sie gekommen sind, Schwiegermutter, sagte sie mit zitternder Stimme.
“Was ist denn los, mein liebes Kind? Warum weinst du?”, fragte ich, während ich eintrat.
So kam alles ans Licht. Mein eigener Sohn ich schäme mich, das zu sagen gab ihr kaum Geld für Lebensmittel. Dabei behauptete er, es reicht nicht und verbrachte jedes Wochenende mit Freunden in Biergärten und Kneipen. Und dann erfuhr ich noch mehr: Er war auch mit anderen Frauen unterwegs.
“Anneliese, was esst ihr denn?”, fragte ich entsetzt.
“Ich backe Kuchen und Kekse und verkaufe sie in der Nachbarschaft, Schwiegermutter”, murmelte sie, ihre Tränen liefen weiter.
“Aber Markus will nicht, dass ich außerhalb arbeite. Er meint, ich muss auf Emil aufpassen.”
Die Enttäuschung überkam mich so sehr, dass ich kaum stehen konnte. Habe ich meinen Sohn zu so einem Menschen erzogen? Zu jemandem, der seine Familie hungern lässt?
“Pack deine Sachen. Auch die vom Baby. Ihr kommt zu mir”, sagte ich ohne zu zögern.
“Aber Schwiegermutter Ihr Sohn?”
“Markus ist nutzlos. Du bist meine Schwiegertochter. Und Emil ist mein Enkel. Basta.”
Ich nahm sie am gleichen Tag mit zu mir. Markus machte einen riesigen Aufstand. Meine Familie hielt mich für verrückt.
Du darfst dich nicht einmischen!
Das sind Ehesachen!
Ehesachen? Ich engagierte den besten Anwalt, den ich finden konnte. Gab meine Ersparnisse aus aber es hat sich gelohnt.
Jetzt muss dieser Taugenichts Unterhalt zahlen. Wenn nicht, gibt es Ärger mit dem Gesetz.
Anneliese blühte in meinem Zuhause auf. Sie lächelte wieder. Emil wurde kräftig und glücklich. Anneliese fand eine Stelle im Büro, sie war immer klug, fleißig und wunderschön. Mein Sohn hatte sie so unterdrückt, dass sie sich kaum wiedererkannt hat.
Und nun kommt der Teil, für den man mich schlecht nennt.
Letzte Woche war ich im Einkaufszentrum und kaufte ihr drei wundervolle Outfits: ein blaues Kleid sie sah darin fantastisch aus. Einen eleganten Hosenanzug mit weißer Bluse. Und ein sportlicheres, aber dennoch schickes Set.
“Schwiegermutter wofür sind die Sachen?”, fragte sie verwundert.
“Erinnerst du dich an Johannes, den Sohn meiner Freundin Ingrid? Der Ingenieur. Ich habe mit ihm über dich gesprochen, und er möchte dich auf einen Kaffee einladen.”
“Schwiegermutter! Ich bin doch noch mit Ihrem Sohn verheiratet”
“Nur auf dem Papier, mein Kind. Der Ehe ist längst vorbei. Du hast das Recht, dein Leben neu zu beginnen. Johannes ist ein guter Mensch, ich kenne ihn seit seiner Kindheit. Er hat einen guten Job, ist anständig Und nachdem ich ihm dein Foto gezeigt habe, meinte er, du seist wunderschön.”
Anneliese wurde rot. Aber in ihren Augen blitzte etwas auf Hoffnung.
“Ich weiß nicht, Schwiegermutter Was sollen die Leute sagen?”
“Die Leute? Sollen doch reden! Dieselben Leute, die geschwiegen haben, als Markus dich hat hungern lassen. Geh zu dem Kaffee, Anneliese. Trag schöne Kleider. Lächle. Lern neue Leute kennen. Du verdienst es.”
Als Markus davon erfuhr, rief er mich wütend an. Wie ich es wagen konnte, das mit seiner Ehefrau zu machen. Ich legte einfach auf.
Meine Schwester meinte, ich zerstöre eine Ehe. Mein Schwager sagte, ich mische mich, wo ich nicht hingehöre.
Aber ich sah etwas. Ich sah Anneliese strahlend vom Kaffee zurückkommen. Ich sah, wie Johannes eine Woche später ankam und sie ins Kino einlud. Ich sah, wie Emil lachte, als Johannes ihm ein Stofftier brachte.
Und ich sah, wie mein Sohn weinte und flehte, besser zu werden, als er begriff, dass er sie wirklich verloren hatte.
Weißt du was? Ich bereue nichts.
Ja, ich bin seine Mutter aber vor allem bin ich eine Frau. Und keine Frau sollte so etwas erleben, wie mein Sohn es Anneliese zugemutet hat.
Sagt mir ehrlich: Bin ich wirklich eine schlechte Mutter, weil ich meiner Schwiegertochter geholfen habe, wieder glücklich zu sein?




