Mein Mann zwang mich, seine Freunde zu bedienen – und kam in eine leere Wohnung zurück

Du bist dir schon im Klaren, dass meine Kumpels gleich da sind und bei dir auf dem Herd noch nichts läuft? ertönte genervt die Stimme aus dem Flur.

Claudia tupfte sich den Schweiß von der Stirn und drehte sich um. Im Türrahmen der Küche stand ihr Ehemann, Andreas. Er hatte sich bereits in seine Jogginghose und ein frisches TShirt geworfen ganz der Feierabendheld eines feuchtfröhlichen Freitagabends.

Andreas, ich bin vor gerade einmal vierzig Minuten von der Arbeit heimgekommen, versuchte sie ruhig zu bleiben, während sie Kartoffeln schnitt. Wie hätte ich für fünf hungrige Männer kochen sollen? Du hast mir erst heute Mittag gesagt, dass deine Freunde heute Abend kommen.

Bitte fang jetzt nicht an zu dramatisieren, verdrehte Andreas theatralisch die Augen und lehnte sich an den Rahmen. Kartoffeln braten und ein Stück Schweinebraten in den Ofen es ist ja nicht, als würd ich dich zum Steineklopfen verdonnern. Wir haben seit Monaten nicht mehr zusammen gesessen! Mach es doch einfach ordentlich. Mach bitte noch nen Salat, sonst gibts zur Brotzeit nur Wurst, das geht gar nicht.

Er verschwand ins Wohnzimmer und bald war nur noch der Fernseher zu hören. Claudia seufzte und blickte auf das schmutzige Geschirr im Spülbecken Überreste von Andreas Mittagessen.

Achtundvierzig Jahre war sie und davon zweiundzwanzig Jahre mit diesem Mann verheiratet. Früher liebte sie es, überraschende Gäste zu bewirten. Sie kochte gern, war stolz auf ihre Gastfreundschaft. Doch irgendwann blieben die Freunde scheinbar nur wegen Essen und Alkohol, und Andreas schien zu meinen, ihr Einsatz sei bloß Gratis-Zugabe zu seinem Komfort.

Claudia warf einen Blick in den Kühlschrank, holte frisches Gemüse heraus, schnippelte es eilig. Die Füße schmerzten noch vom langen Tag im Steuerbüro die letzten Wochen waren Steuererklärungssaison. Sie wünschte sich nur eine heiße Dusche, eine Tasse Pfefferminztee im Idealfall mit einem guten Roman auf dem Sofa. Nun stand sie stattdessen schwitzend am Herd, achtete darauf, dass das Kasseler nicht austrocknete und die Kartoffeln eine perfekte goldene Kruste bekamen so wie es Andreas Freunde liebten.

Es klingelte. Lachen hallte laut durch den Flur, schwere Männerschritte, dumpfe Stimmen.

Na, du Gastgeber! Grüß dich, Andi!, röhrte Jörg, ein alter Freund.

Kommt rein, Jungs, gleich gibts was zu futtern! Hausschuhe liegen bereit. Claudia hat schon fast alles aufgetischt!, polterte Andreas gut gelaunt.

Claudia beeilte sich, Teller auf dem großen Tisch im Esszimmer zu verteilen, das alte Hauskleid gegen Jeans und eine Bluse getauscht, den Kochschurz übergelegt.

Die Gäste Jörg, Torsten, Michael und Andreas stapften ins Zimmer. Sie rochen nach frischer Luft, Zigaretten und billigem Rasierwasser. Kein einziger dachte auch nur daran, ihr eine kleine Aufmerksamkeit, einen Blumenstrauß oder wenigstens Schokolade mitzubringen. Dafür thronten sogleich mehrere Flaschen Korn und Bier auf dem Tisch.

Claudia, du bist die Beste!, rief Torsten, setzte sich an den Kopf des gedeckten Tisches. Na, was hast heute Feines gemacht? Gibts Fleisch? Wir sind halb am Verhungern!

Alles da, antwortete Claudia knapp und stellte den Salat auf den Tisch. Guten Appetit.

Sie wollte sich gerade auf die Sofakante setzen, da schnipste Andreas schon in ihre Richtung: Claudia, wo sind die Gewürzgurken? Und Brot hast du auch nicht geschnitten. Bring das mal schnell, wir schenken solange die Gläser ein.

Mit zusammengebissenen Zähnen schwieg sie, ging zurück in die Küche, holte die selbst eingemachten Gurken aus dem Keller sie hatte sie im brütend heißen Sommer aufwendig eingekocht schnitt Brot, legte alles in einen Korb, kehrte zurück.

Die Männer sprachen über Autos und Chefs, lärmten, aßen gierig und polterten mit dem Besteck.

Andi, sag mal, kaute Jörg genüsslich, deine kann echt gut kochen. Ein bisschen trocken diesmal, aber zur Molle passts schon.

Klar, wohin soll sie denn? grinste Andreas selbstzufrieden, lehnte sich in den Stuhl zurück. Ich hab sie schon erzogen! Sag ich: Tisch muss gedeckt sein ist gedeckt! Keine Widerworte! Eure Frauen haben vielleicht Ansprüche, bei uns herrscht noch Zucht und Ordnung. Von Anfang an.

Claudia, die gerade leere Salatschüsseln einsammelte, erstarrte. In ihr riss etwas. Sie richtete sich langsam auf, sah zu ihrem Mann der bemerkte ihren Blick gar nicht, zu sehr genoss er sein Macho-Gehabe im Kreis der Freunde.

Claudia, nun steh nicht da wie bestellt und nicht abgeholt! fuhr er sie an, als er ihren Moment des Stillstands bemerkte. Hol endlich das warme Essen, die Kartoffeln werden kalt! Und bring neue Schnapsgläser, Michael hat seins zerdeppert.

Sie sah auf die Scherben am Teppich, dann auf Torsten, der sich die fettigen Finger am weißen Stofftuch abwischte, und Jörg, wie er Brotkrümel auf den Boden schnippte. Und noch einmal auf Andreas, dessen Gesicht vor Selbstgefälligkeit glänzte.

Das warme Essen steht auf dem Herd, sagte Claudia leise, aber ungewohnt entschieden. Gläser sind im Schrank über dem Spülbecken. Besen und Kehrblech sind im Bad bei der Waschmaschine.

Stille am Tisch. Jörg hörte auf zu kauen. Andreas runzelte die Stirn, verstand nicht.

Was soll das jetzt? Macht hier jemand den Aufstand? Nun mach keinen Zirkus, schäm mich ja vor den Jungs. Hol gefälligst das Essen!

Ich sagte, das Essen steht auf dem Herd, wiederholte Claudia, schaute ihm direkt in die Augen.

Sie band langsam ihre Schürze ab, legte sie akkurat auf die Tischkante, neben den halben Wurstzipfel, drehte sich um und verließ das Zimmer.

Und was war das jetzt? hörte sie Anton fassungslos.

Sie hat ihren Stress, winkte Andreas ab. Beruhigt sich gleich wieder. Kommt schon, Jungs, alles entspannt.

Aber Claudia brachte nichts mehr. Sie ging ins Schlafzimmer, holte die Reisetasche vom Schrank, packte methodisch Wäsche, Pullover, Jeans, Kosmetiktasche. Kein Zittern, keine Tränen nur eisige, klare Entschlossenheit.

Sie griff ins Kommodenfach, zog die Mappe mit ihren Dokumenten hervor und legte sie in die Tasche. Dann zog sie den Mantel über, schlüpfte in die Schuhe, öffnete leise die Wohnungstür im Wohnzimmer feierten die Männer. Ihr Verschwinden blieb unbemerkt. Mit leise klappender Tür ließ sie alles hinter sich.

Kalte Februarabendluft strich ihr ins Gesicht, brachte ihr unerwartet Erleichterung. Claudia zückte ihr Handy, wählte Beate, ihre jüngere Schwester.

Beate, bist du noch wach?

Claudia? Natürlich, es ist neun, was soll ich da schlafen! Ist was passiert? Du klingst so komisch.

Ist was passiert. Kann ich für ein paar Tage zu dir ziehen?

Um Gottes Willen, klar! Komm sofort rüber. Ich mache den Tee heiß.

Eine Stunde später saß Claudia gemütlich in Beates Küche, die Hände um eine Tasse Kamillentee geschmiegt. Beate tigerte wütend aufgeregt in der kleinen Küche hin und her, nachdem Claudia die Geschichte geschildert hatte.

Unfassbar, was für ein Riesenarsch! Er hat dich erzogen, sagt er!? Ohne dich würde er ja nichts zustande bringen, der kann sich nicht mal Spaghetti kochen, geschweige denn den Tisch decken! Du hast alles richtig gemacht, Claudia. Es wurde Zeit. Die letzten Jahre hat der dich nur noch wie Haushaltshilfe behandelt.

Weißt du, Beate, das Schlimmste ist: Ich habs zugelassen, sagte Claudia leise. Schluck für Schluck, Jahr für Jahr, immer alles glattgebügelt, stillgehalten. Immer darauf geachtet, was andere denken. Heute ist mir plötzlich alles klar geworden: Der Mann ist mir völlig fremd. Rücksichtslos, egoistisch und ich habs bequem gemacht.

Und was hast du jetzt vor? fragte die Schwester, setzte sich zu ihr.

Ich möchte mich scheiden lassen, sagte Claudia mit fester Stimme. Unser Sohn ist längst ausgezogen ich habe keinen Grund zu bleiben.

Den Rest des Abends planten sie alles durch. Claudia atmete zum ersten Mal seit Jahren wieder frei. Nachts schlief sie auf Beates Sofa tief und traumlos. Keine Gedanken mehr daran, ob das Gas abgestellt, die Haustür verschlossen, das Essen eingeräumt war.

Am nächsten Morgen klingelte ununterbrochen das Handy. Andreas stand auf dem Display. Claudia atmete tief ein und nahm ab.

Wo bist du?, brüllte Andreas in Rage. Ich wach auf, du bist weg! Das Haus ein Saustall, Geschirr nicht gespült, Krümel überall! Sag mal, hast du noch alle Tassen im Schrank? Gäste im Haus sitzen und du machst dich davon?

Ich bin bei Beate, sagte Claudia ruhig. Ich habe nicht vor, zurückzukommen.

Erst war Stille, dann schlug sein Ton um: Was heißt das, du kommst nicht zurück?! Jetzt reiß dich mal zusammen! Ich hab den Jungs erklärt, dir gehts nicht gut, du kommst schon wieder. Komm nach Hause, hier muss nen Haufen gemacht werden.

Machs doch selber, entgegnete Claudia. Du bist doch der Herr im Haus. Oder lass Jörg helfen, der schwärmt doch so von deinem Erziehungsstil.

Mit mir redest du so!? Reiß dich gefälligst zusammen! Kommst du jetzt nicht, brauchst du auch gar nicht mehr zu kommen!

Das ist sogar noch besser. Ich werde die Scheidung einreichen, Andreas.

Scheidung?! Als ob! Aber eins sag ich dir: Von der Wohnung siehst du keinen einzigen Quadratmeter! Das ist MEIN Haus, von MEINEM Geld! Du stehst dann mit leeren Händen da!

Claudia war vorbereitet. Jahrzehntelang hatte Andreas eingeredet, durch sein höheres Gehalt gehöre alles ihm.

Andreas, das weißt du selbst, dass das Unsinn ist, sagte Claudia ruhig. Wir haben die Wohnung gemeinsam im Ehejahr gekauft. Die Raten haben wir beide bezahlt es ist gemeinsames Eigentum. Also: 50:50, laut Gesetz. Frag ruhig deinen Anwalt. Willst du nicht verkaufen, musst du mich auszahlen. Ich gehe keinen Schritt zurück.

Du bist so… geldgierig er schäumte vor Wut.

Ich bin gerecht, unterbrach Claudia. Rest klären wir über Anwälte oder notfalls vor Gericht. Ich hole meine Sachen am Wochenende, wenn du nicht da bist.

Sie legte auf, stellte das Handy auf den Tisch. Ihre Hände zitterten leicht, aber ihr Herz fühlte sich frei an. Beate kam lächelnd in die Küche, hob den Daumen.

Die kommenden Wochen waren von Papierkram, Terminen und Behördengängen geprägt. Andreas schwankte zwischen Drohungen und Betteleien und schickte sogar seine Mutter vor, die Claudia ständig anrief und ihr die Zerstörung der Familie vorwarf. Claudia blockierte alle Nummern.

Erst einen Monat später, im Notariatsbüro, sahen sie sich wieder. Andreas Anwalt hatte ihm geraten zuzustimmen ein Gerichtsprozess wäre teuer und erfolglos.

Claudia trug einen schlichten, eleganten Hosenanzug. Sie hatte sich einen neuen Haarschnitt zugelegt, ihre Wangen waren rosig, die Augen voller Klarheit. Andreas kam zu spät, gestresst, mit Augenringen, das Hemd schlecht gebügelt der kostenlose Heimservice fehlte spürbar.

Er unterschrieb mürrisch die Papiere. Um Claudias Anteil an der Wohnung zu bezahlen, musste er einen teuren Kredit aufnehmen künftig fraß die halbe Rente die Bank.

Glücklich jetzt?, fauchte er, als sie vor der Tür standen, sitzt dein alter Mann auf den Schulden. Und wofür? Für den ganzen EmanzenKram? Glaubst du, dich will jetzt noch einer mit fast fünfzig?

Claudia blieb stehen und sah ihn ruhig an. Kein Groll, keine Wut nur die leise Traurigkeit über die vergeudeten Jahre.

Ich genüge mir selbst, Andreas, sagte sie sanft. Und das reicht vollkommen. Ich wünsche dir von Herzen, dass du lernen wirst, Spaghetti zu kochen. Sonst bleiben dir Jörg und Torsten künftig auch fern.

Sie ging zur U-Bahn. Mit dem erhaltenen Geld plante Claudia eine kleine, helle Wohnung in einem ruhigen Stadtviertel zu kaufen, am liebsten mit einer geräumigen Küche, in der sie kochen konnte, was und wann sie wollte nur für sich.

Die wärmende Frühjahrssonne kitzelte ihr Gesicht, irgendwo im Park zwitscherten Vögel. Claudia schlenderte die Allee entlang und das erste Mal seit Jahren lächelte sie leise für sich. Vor ihr lag ihr eigenes, freies Leben ohne dreckiges Geschirr, ohne Erwartungen anderer und ohne schwere Schürzen.

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Homy
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Mein Mann zwang mich, seine Freunde zu bedienen – und kam in eine leere Wohnung zurück
Sie wollte nur sehen, für wen er sie eingetauscht hatte…