Und ich? Bin ich überflüssig?

Und ich? Bloß überflüssig?

Ich halte das nicht mehr aus. Leb wohl, Klaus. diesen Zettel schrieb ich ohne Ausrufezeichen, völlig gefasst. Klaus wird ihn nie lesen. Nach kurzem Nachdenken verbrannte ich ihn.

Klaus und ich hatten vor Jahren eine leidenschaftliche Affäre. Glühend, quälend und unersättlich. Wir rasten direkt in den Abgrund, ohne anzuhalten.

Klaus hatte eine Ehefrau und drei kleine Kinder, ich hatte zwei Söhne und einen Mann. Alle Freunde zeigten uns den Vogel. Seid ihr verrückt? Wach auf! Eure Familien leiden. Doch wir sahen nichts außer uns. Auf der ganzen Welt gab es nur uns. Keine Hindernisse, keine Kompromisse.

Nach unseren stürmischen Nächten kam ich immer zur Besinnung und wusste: Ich würde niemals Kinder von Klaus wollen. Nie-mals.

Über seine eigenen Kinder sagte er nur:
Ich bin nicht der liebevolle Vater-Typ. Meine Frau wollte unbedingt eine große Familie. Mir doch egal.

Ehrlich gesagt, stimmte mich das misstrauisch. Aber ich wollte ihn ja nicht heiraten! Sollen sie doch machen, dachte ich. Das ist deren Sache.

Drei Jahre später heirateten Klaus und mich trotzdem. Wir waren glücklich, alles war ruhig. Meine Söhne blieben natürlich bei mir.

Doch als Klaus’ Kinder älter wurden, begann der Albtraum. Anrufe mitten in der Nacht, Besuche bei der Arbeit, ständige Bitten um Hilfe.

Immer ging es um eins: Geld. Oder besser, das Fehlen davon. Alle drei brauchten Unterstützung. Klaus half, so gut er konnte. Er fühlte sich schuldig und traute sich nie, Nein zu sagen. Ich verstand das. Seine Kinder leider auch. Sie nutzten ihn schamlos aus. Jeder Wunsch wurde erfüllt. Auch ich hatte Mitleid. Obwohl ich wusste: Für sie bin ich der Feind.

Die Jahre vergingen. Enkelkamen kamen. Fünf sind es bisher, aber das war sicher nicht das Ende. Die älteste Tochter floh vor ihrem tyrannischen Mann nur mit Pantoffeln an den Füßen. Jetzt braucht sie dringend Hilfe, mit drei kleinen Kindern. Die jüngste Tochter lebt von Hartz IV, aber ihr fehlt es trotzdem ständig an Geld. Trotzdem lebt sie großzügig sorglos, als gäbe es kein Morgen.

Der mittlere Sohn? Ein hoffnungsloser Trinker, ohne Plan im Leben. Immer betrunken. Er zahlt Unterhalt an seine Ex-Frau aber da er arbeitslos ist, überweist Klaus das Geld. Aus unserem Haushalt. Dort wächst ein Enkelkind auf, das Klaus wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Er liebt dieses Mädchen mehr als alle anderen. Sie hat sein Herz gestohlen.

So ein buntes Durcheinander

Klaus selbst steckt bis über beide Ohren in Schulden. Seine Kinder ahnen nichts. Nur ich und meine Söhne wissen es sie drängen mich längst, diesen Nebenjob als Geldgeber zu kündigen. Einmal bat ich Klaus um Parfüm. Er hob nur verwundert die Brauen:

Schatz, du weißt doch, ich rieche kaum noch was. Wozu die Ausgabe? Aber gut, irgendwann kaufe ich welches.

Ja, klar. In acht Jahren vielleicht, murmelte ich.

Ich bitte ja um nichts. Immer kommen Ausreden: Die VIP-Geburtsstation für Marie (warum nicht einfach ein normales Zimmer?), der Pelzmantel für die Enkelin (geht kein Daunenjacke?), neue Schuhe für den 30-jährigen Sohn, weil die alten löchrig sind

Streiten tun wir nur wegen seiner erwachsenen Kinder. Nach jedem Krach sage ich: Wenn wir uns scheiden, Klaus, dann dank deinen Kleinen! Trotzdem beteuert er, ohne mich nicht leben zu können. Und ich? Ich bin müde. Ich will mein Leben leben nicht das seiner Kinder. Ihre Namen hämmern täglich in meinem Kopf.

Ich erinnere mich an eine Filmheldin, die jammerte: Ich habe doch auch Familie, Gott sei Dank! Meine Kinder und Enkel brauchen Liebe und Aufmerksamkeit. Warum habe ich vor zwanzig Jahren nicht einfach aufgehört?

Der Teufel ist ein kluger Regisseur. Jeder bekommt sein eigenes Drehbuch. Keinem wünsche ich, in seine Fänge zu geraten. Selbst schuld. Wie das Sprichwort sagt: Man sät Mohn und erntet Disteln. Die heißen Nächte sind längst vorbei. Unsere Liebe war einst endlos heute spüre ich den Grund. Als trage ich ein gestohlenes Unglück mit mir.

Mein Sohn lebt jetzt in einer anderen Stadt, mit Job und Familie. Er will, dass ich zu ihm ziehe.

Ich fahre zu ihm. Für immer. Beschlossen. Ich schrieb Klaus einen Abschiedsbrief und verbrannte ihn. Er wird es auch so verstehen. Falls nicht, hilft kein Zettel der Welt.

P.S. Ich sah alle Kinder und Enkel noch einmal. Auch mein zweiter Sohn in München er hat eine penible Deutsche aus Düsseldorf geheiratet. Ihr Kind spricht kein Wort Russisch. Was findet er nur an dieser Frau? Liebe sucht sich eben ihren Weg.

Bei ihnen ist alles friedlich. Und ich? Endlich Ruhe im Herzen.

Einen Monat später kam ich doch zurück zu Klaus. Ich glaube, er hat gar nicht gemerkt, dass ich für immer gehen wollte. Aber immerhin schenkte er mir teures französisches Parfüm

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Homy
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Und ich? Bin ich überflüssig?
Am zerbrochenen Trog