Auf dem Charity-Ball im Fünf-Sterne-Hotel nahm er vor aller Augen meine Hand – dieselbe Hand, die vor einem Monat den Vertrag unterschrieben hatte, mit dem er mir meine Firma nahm.

Auf dem Charity-Ball im Fünf-Sterne-Hotel ergriff er vor aller Augen meine Hand dieselbe Hand, die vor einem Monat den Vertrag unterzeichnet hatte, mit dem er mir meine Firma abgenommen hatte.

Der Saal glänzte im Licht der Kronleuchter. Herren in teuren Anzügen und Damen in eleganten Kleidern unterhielten sich bei einem Glas Sekt, während die Kameras des Abends jede Geste, jedes Lächeln und jeden Händedruck einfingen.

An diesem Abend sollte der neue Eigentümer der Firma erstmals der Gesellschaft vorgestellt werden.

Der Mann, der genau neben mir stand.

Schön, dass du trotzdem gekommen bist, flüsterte er, ohne mich anzusehen.

Ich lächelte knapp.
So einen Abend lasse ich mir nicht entgehen.

Niemand in unserer Umgebung ahnte, dass er noch vor sechs Wochen mein Geschäftspartner gewesen war.

Und dass er vor vier Wochen ganz heimlich die Anteile an der Firma durch einen juristischen Trick übertragen hatte, mit dem nicht einmal mein Anwalt gerechnet hatte.

Auf dem Papier schien alles rechtmäßig.

Doch die Wahrheit war eine andere.

Meine Damen und Herren! tönte es von der Bühne. Heute Abend stellen wir Ihnen den Mann vor, der die Führung eines der erfolgreichsten Unternehmen in München übernommen hat.

Applaus brandete auf.

Er lächelte und drückte meine Hand ganz leicht.

Es wird sicher ein spannender Abend, sagte er leise.

Das denke ich auch, entgegnete ich.

Einige Aufsichtsratsmitglieder kamen zu uns herüber.

Da ist sie die Frau, die das hier alles aufgebaut hat, sagte einer der Investoren und zeigte auf mich.

Er lachte leise.

Ja, aber wer wachsen will, muss sich entwickeln.

Ich nahm einen kleinen Schluck Wasser.

Manchmal kommt Entwicklung unerwartet.

In diesem Moment richteten sich die Lichter auf die Bühne.

Und jetzt, kündigte der Moderator an, sehen wir einen kurzen Film über die Entwicklung der Firma.

Die Leinwand hinter der Bühne erfüllte sich mit Bildern.

Zu Beginn sah man das erste Büro, die ersten Kunden, die ersten kleinen Erfolge.

Dann war ich im Bild.

Meine Präsentation vom vergangenen Jahr.

Die Leute applaudierten.

Er stand ganz ruhig neben mir.

Netter Schnitt, bemerkte er.

Doch plötzlich änderte sich das Video.

Ein Mitschnitt eines privaten Treffens erschien.

Der gleiche Mann neben mir.

Die gleiche Stimme.

Wenn wir die Anteile über die Stiftung übertragen, merkt sie es nicht rechtzeitig.

Stille breitete sich im Saal aus.

Das ist gefälscht, flüsterte er.

Aber das Video lief weiter.

Sie ist zu vertrauensselig, sagte er zu seinem Anwalt. Die Firma gehört bereits mir.

Die Anwesenden begannen sich umzudrehen und zu uns zu blicken.

Die Investoren schauten sich an.

Ich stellte mein Glas ruhig auf den Tisch.

Genau genommen, sagte ich gelassen, ist das nur der erste Teil.

Auf dem Bildschirm erschien nun ein neues Dokument.

Ein rechtlicher Beschluss.

Eine gerichtliche Untersuchung.

Und die letzte Zeile:

Sämtliche Anteile werden bis zum Abschluss des Verfahrens vorerst an die ursprüngliche Eigentümerin zurückgeführt.

Der Saal wurde laut.

Er wurde blass.

Was hast du getan?

Ich lächelte.

Ich habe die Klage vor drei Wochen eingereicht.

Der Moderator auf der Bühne wurde nervös.

Die Investoren unterhielten sich angeregt.

Der Mann an meiner Seite wirkte längst nicht mehr so selbstsicher.

Du hast das alles geplant, flüsterte er.

Nein, erwiderte ich. Ich gebe nur nicht so schnell auf.

Ich blickte in die Gesichter im Saal.

Und in diesem Moment fragte ich mich:

Wenn Sie an meiner Stelle wären…

Hätten Sie ihn vor allen entlarvt?

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Auf dem Charity-Ball im Fünf-Sterne-Hotel nahm er vor aller Augen meine Hand – dieselbe Hand, die vor einem Monat den Vertrag unterschrieben hatte, mit dem er mir meine Firma nahm.
Wie ich zur Reizfigur für meinen eigenen Ehemann wurde …? Acht Jahre lief alles großartig, doch im…