Oma Gertrud entdeckte eines verregneten Herbsttages ein kleines, graues Kätzchen in ihrem Gemüsebeet. Sie lebte alleine am Rande eines kleinen Dorfes in der Nähe von Bremen. Gertrud war eine herzensgute Frau mit einem sanften Gemüt.
Behutsam nahm sie das Kätzchen in ihre Arme. Der Regen prasselte auf das Fensterbrett und das Tierchen zitterte am ganzen Körper. In Gertruds Bauernhaus brannte ein Feuer im Kamin. Das Holz knisterte leise, während Wärme durch den Raum strömte.
Schon wenig später trank das Kätzchen aus einer alten Steingut-Schale, die Gertrud liebevoll mit frischer Milch gefüllt hatte. Sie war sichtlich erfreut, denn nun hatte sie Gesellschaft und jemanden, mit dem sie reden konnte.
Das Kätzchen schnurrte, hörte Gertruds Lieder zu und spielte mit einer wollenen Kugel, während Oma Gertrud Socken und sogar Fäustlinge aus bunter Wolle strickte. Sie verkaufte die Strickwaren auf dem Wochenmarkt Abnehmer gab es immer genug.
Das Kätzchen wuchs schnell heran und wurde ein stattlicher Kater, der jede Maus und Ratte im Umkreis kannte. Gertruds Hof hatte er bald genauestens im Griff. Geschickt sprang er auf Bäume, und huschte flink wieder hinab, sobald er Gertrud entdeckte. Über die ungewöhnlichen Gewohnheiten ihres Katers machte sie sich nie Gedanken.
Mit der Zeit gab sie ihm einen besonders liebevollen Namen: Katerchen!. Und Katerchen kam sofort, wenn sie rief. Eines Tages meinte die Nachbarin, das sei wahrscheinlich gar kein Kater, eher ein Luchs oder gar ein Werwesen.
Gertrud lächelte nur und schenkte solchen Kommentaren keine Beachtung. An einem heißen Julitag sortierte sie Himbeeren und Johannisbeeren im Garten, als sie plötzlich ein bedrohliches Zischen vernahm. Als sie den Blick senkte, sah sie eine riesige Kreuzotter, die zum Angriff überging. Ihre Knie wurden weich aufs nächste Fensterbrett zu springen kam nicht infrage.
Da sprang Katerchen mit einem einzigen Satz auf die Kreuzotter und machte rasch kurzen Prozess mit ihr. Danach spielte er noch eine Weile mit der toten Schlange, zog sie sogar auf einen Baum hinauf. Später fiel die Kreuzotter der Nachbarin vor die Füße, die daraufhin kreischte wie verrückt. Doch Katerchen holte sie sich wieder und ließ sich von dem Lärm nicht beeindrucken.
Seitdem mied die Nachbarin Gertruds Haus und verbreitete das Gerücht, die alte Frau sei nicht mehr ganz bei Trost, da sie angeblich eine Wildkatze oder gar einen Wechselbalg halte.
Gertrud kümmerte sich nicht um den stattlichen Wuchs ihres Katers für sie war er einfach ihr Liebling, den sie streichelte, wenn er zusammengerollt auf dem Teppich neben dem Bett lag.
Katerchen liebte es, sich im hohen Gras zu verstecken und manchmal im Schatten zu dösen. Doch kam der Abend, kehrte er stets nach Hause zurück.
Eines Nachts schlief Gertrud fest, nichts ahnend. Das Fenster war wie immer einen Spalt offen, damit Katerchen in den Hof konnte. Da kletterten zwei Dorftrottel durch die Öffnung, die wussten, dass Gertrud gerade Rente bekommen hatte, 1.200 Euro, um genau zu sein. Aus einem Handtuch machten sie einen Knebel.
Sie rüttelten Gertrud wach und zwangen sie, das Geld herauszurücken. Die arme Frau, voller Angst, konnte nur weinen und zittern nicht sprechen. Einer der beiden schlug sie, dann stopften sie ihr den Knebel in den Mund und durchsuchten das Haus.
Plötzlich sah Gertrud einen riesigen, zotteligen Schatten durchs Fenster springen. Einer der Einbrecher, ohne sich umzudrehen, murmelte:
Na, Jürgen, ist das dein Kumpel? Hast du was bei der Alten gefunden? Die hat heute Rente bekommen!
Doch die dunkle Gestalt sprang ihm direkt an die Kehle, dann dem anderen ins Gesicht, der aufschrie wie ein gestochener Eber.
Um Himmels willen! Ein Kobold! Ein Monster!
Die grünen Katzenaugen funkelten im Halbdunkel. Der Kobold hüpfte abwechselnd auf einen der beiden, dann auf den anderen. Gertrud gelang es, unbeobachtet den Knebel herauszuziehen. Sie schaltete schnell das Licht an und erkannte sofort die beiden Übeltäter. Mit aller Kraft rief sie:
Hilfe! In allen Fenstern gingen Lichter an.
Als die Nachbarn ins Haus stürmten, bot sich ihnen ein erschütterndes Bild: Auf dem Boden lagen die beiden Einbrecher, einer wimmerte, sein Gesicht blutig zerkratzt, der andere hielt sich das blutige Halsloch. Gertrud saß auf dem Bett, ihren Kater schützend im Arm.
Katerchen fauchte und ließ niemanden an Gertrud heran. Plötzlich erinnerte sich die alte Frau an die Nachbarin und den dritten Kumpanen der Diebe.
Die Männer rannten zu der Nachbarin, jeder bewaffnet mit dem, was er gerade fand. Sie fanden den dritten Dieb in der Gartenlaube, wo er sich vor der Aufregung verstecken wollte. Dort verprügelten sie ihn mit allem, was sie in die Hände bekamen, nahmen ihm das gestohlene Geld ab und gaben es Gertrud zurück. Die Polizei wollten sie lieber nicht rufen zu riskant war das. Die Diebe waren genug bestraft. Und sie drohten, das nächste Mal den Kater auf sie zu hetzen.
Einer der Einbrecher stotterte, das sei doch kein Kater das sei ein Maine Coon, das habe er mal im Fernsehen gesehen!
Dass du es wagst, meinen Kater zu beleidigen! Mein Kater ist ein feiner Bursche! schimpfte Gertrud und verpasste ihm eine Ohrfeige. Nenn meinen Kater nicht so unverschämt!
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