Anders unterschrieben

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Nein, Sie müssen das nicht ausdrucken, ich speichere die Nummer einfach im Handy.

Er sagte es ein wenig zu forsch, als hätte er es immer schon so gemacht und käme super damit klar. Tatsächlich übertrug er Telefonnummern nur widerwillig ins Mobiltelefon. Einen Zettel fand er verlässlicher. Auf einem Zettel ploppten keine alten Namen hoch, füllte sich nichts von selbst aus und tat auch nicht so, als wüsste es schon, wen man meinte.

Die Dame von der Anmeldung diktierte ihm die Nummer des Arztes langsam, immer zwei Ziffern nacheinander. Sie stand in der Anmeldung der Berliner Stadtklinik; Johann-Dieter Schramm stützte sich mit dem Ellbogen auf seine Mappe mit den Befunden und tippte mit dem Daumennagel auf dem Bildschirm herum. Im Gang hustete jemand in den Ärmel, ein älterer Herr schimpfte leise über das neue Online-Anmeldesystem, am Automaten für Überzieher drehte ein Junge eine blaue Kapsel wie einen Kreisel. Johann-Dieter tippte die Nummer, klickte Neuen Kontakt erstellen, und schon schlug das Handy einen Namen vor. Er sah gar nicht richtig hin, bestätigte automatisch, denn hinter ihm wurden bereits die Nächsten ungeduldig.

Ist gespeichert?

Ja, natürlich.

Er steckte das Handy ein, nahm seine Mappe und machte sich auf den Weg zum Ausgang, die Gedanken längst nicht mehr beim Arzt, sondern beim Einkauf, den er vor dem abendlichen Andrang erledigen wollte. Im Flur flackerte seit Wochen eine Glühbirne, und seine Frau Gertrud hatte gestern wieder gesagt: Entweder wechselst du sie endlich aus, Dieter, oder versprichs nicht immer. Samstags versprach er es, aber samstags kam dann doch immer etwas anderes dazwischen.

Zuhause stellte Johann-Dieter den Beutel mit Milch auf den Hocker in der Küche, zog die Schuhe aus, ohne zu schnüren, und griff als Erstes zum Fach überm Schrank hinaus nach den Glühlampen. Es war eine Eigenart von ihm, auf die er ein wenig stolz war: Wenn man an etwas denkt, erledigt man es gleich solange es Kleinkram ist. Dinge mit Bedeutung schob er gerne ein paar Jahre vor sich her und nannte das dann Sorgfalt.

Die Glühbirne hatte leider den falschen Sockel. Er drehte die Verpackung, las das Kleingedruckte, legte alles zurück. Gertrud fragte aus dem Wohnzimmer:

Hast dus gekauft?

Ja, aber die falsche.

War ja klar.

Ihre Worte kamen fast schläfrig, ohne Ärger. In letzter Zeit sprachen sie über Wichtiges in einem Tonfall, als ginge es um das Wetter: etwas, das ohnehin niemand ändern kann.

Nach dem Abendbrot fiel Johann-Dieter der Arzt wieder ein. Er wollte nur nachfragen, ob er für den Ultraschall nüchtern erscheinen musste. Er öffnete die Nachrichten-App, suchte den neuen Kontakt und hielt inne: Da stand der Name Anneliese.

Es dauerte einen Moment, bis er begriff, was daran störend war. Der Arzt, Dr. Krüger, war doch ein Mann gewesen, Gastroenterologe, das Namensschild hatte er gesehen kein Grund, warum da eine Anneliese stehen sollte.

Er klickte auf das Profil. Die Nummer stimmte, wie sie ihm die Dame am Empfang genannt hatte. Die Nummer war also richtig aber der Name falsch.

Kopfschüttelnd rückte Johann-Dieter die Brille zurecht. Er wollte den Kontakt umbenennen, als Gertrud aus dem Wohnzimmer rief:

Hast du die Stromrechnung gesehen?

Er ging die Rechnung suchen, brachte noch den Müll raus, schaute danach, halbherzig, die Tagesschau. Der falsche Name blieb bestehen. Nicht vergessen nur verschoben, wie so vieles: die Glühbirne, den Zahnarztbesuch oder das Gespräch mit der Tochter, die sie seit drei Monaten auf das Landhaus einlud, während er immer wieder auswich.

Am nächsten Morgen schrieb er schließlich: Guten Tag, hier ist Johann-Dieter Schramm, ich sollte mich wegen der Vorbereitung melden. Soll ich nüchtern zum Ultraschall kommen?

Die Antwort kam rasch: Ja, acht Stunden nichts essen. Wasser ist erlaubt.

Alles in Ordnung. Also funktionierte die Nummer, der Name störte nicht weiter. Er schmunzelte sogar. Von der Technik durfte man nichts anderes erwarten.

Das Problem entstand am Abend, als er in der Warteschlange bei REWE stand und wie automatisch dem gleichen Kontakt noch eine Nachricht schrieb. Eigentlich wollte er Gertrud schreiben: Wenn du schon im Laden bist bring doch bitte nochmal Schnittlauch und Quark mit, hab ich vergessen. Aber sein Daumen landete beim falschen Chat. Denn ganz oben stand noch Anneliese. Gertrud war weiter unten einsortiert, unter Nachname, damit sie sich nicht mit der Nachbarin verwechsle. Seine Frau war nüchtern als Gertrud zuhause gespeichert.

Nach einer Minute kam die Antwort: Entschuldigung, hier ist Ihr Arzt. Schnittlauch kaufe ich nicht.

Johann-Dieter las die Zeilen und empfand weder Peinlichkeit noch Ärger, sondern einen diffusen Zorn: Auf seine Finger, den kleinen Text auf dem Display, auf diese schlauen Geräte, die einen zum Trottel machen zwischen Milchpackungen und Katzenfutter. Hastig schrieb er: Verzeihen Sie, das war ein Irrtum. Dann benannte er den Kontakt endlich um: Dr. Krüger Ultraschall. Damit hätte die Sache erledigt sein können wenn nicht die App die Nachrichtengeschichte gespeichert hätte und oben in den Benachrichtigungen noch eine Weile der alte Name flackerte.

Zwei Tage später benötigte Gertrud sein Handy im Flur, ihr eigenes war leer, aber sie wartete auf den Anruf des Möbel-Lieferanten. Johann-Dieter bastelte unterdessen am Siphon unter der Spüle, hörte sie dann im Wohnzimmer sagen:

Dir schreibt eine Anneliese.

Er kam zu hastig aus der Küche, stieß sich am Waschbecken und brummte einen Fluch, der sonst im Haus nicht erlaubt war.

Welche Anneliese denn?

Diese. Erinnerung, morgen 9:20, Zimmer 314. Sehr fürsorglich.

Gertrud hielt das Mobiltelefon mit zwei Fingern, als gehöre es einem Wildfremden. Eifersucht klang dabei nicht durch eher ein interessiertes Amüsement, und ihr Interesse hatte ihn stets mehr getroffen als ein Vorwurf. Vorwürfe konterte man, Interesse entlarvte Schwächen.

Ist der Arzt, sagte Johann-Dieter. Hab den Kontakt nicht sofort geändert.

Und warum Anneliese?

Keine Ahnung. Stand von alleine so drin.

Von alleine.

Sie gab das Handy zurück, ging in ihr Zimmer. Kein Türenknallen, kein lauter Kommentar. Doch den Abend über sprachen sie mit ihm, als wäre jemand Drittes zugegen unsichtbar und fehl am Platz.

Oft wollte Johann-Dieter noch begründen, dass vielleicht früher einmal ein Kontakt mit diesem Namen gespeichert war, dass das Handy automatisch ausgefüllt habe, dass das alles keine Rolle spiele. Aber je länger er nach Worten suchte, desto erbärmlicher klangen sie. Früher war da jemand schon schlecht. Automatisch ausgefüllt kindisch. Schließlich zeigte er ihr einfach den Schnittlauch-Chatverlauf. Gertrud las, nickte und erwiderte:

Sehr glaubwürdig.

Er merkte nicht, ob sie spottete.

Im Betrieb wurde es nicht besser. Johann-Dieter leitete das Lager einer kleinen Firma für Sanitärbedarf in Leipzig nichts Dramatisches, aber man brauchte einen Kopf für Artikelnummern, Lieferanten, Kuriere, die schon in fünf Minuten kommen wollten. Das Gedächtnis funktionierte, aber er lief immer häufiger los, um etwas zu holen, und blieb dann mitten im Gang, um sich zu erinnern, was eigentlich.

Am Freitag bat der Chef ihn, die Nummer der neuen Buchhalterin aus der Zentrale zu schicken. Johann-Dieter suchte im Handy; neben dem richtigen Kontakt poppte wieder die frischeste Anneliese auf. Er berührte die falsche Visitenkarte und verschickte den Kontakt des Arztes an den Chef.

Wer ist das? fragte der Chef. Eure Buchhaltung in der Radiologie?

Im Büro lachten alle. Nicht gehässig, doch laut. Eine der Lagermitarbeiterinnen, Monika, fragte gleich:

Na, Herr Schramm, was führen Sie so, eine Anneliese?

Das ist mein Arzt, sagte er Ultraschall.

Ja, sicher, der Arzt.

Und wieder dieser Tonfall wie bei Gertrud: als wüssten alle von einer Sache, die er selbst noch nicht zu fassen bekam.

Diesmal reagierte er gereizter als üblich:

Haben Sie sonst nichts zu tun, als in fremde Handys zu schauen?

Das Lachen erstarb, aber das Gefühl blieb, als hätte jemand einen fremden Namensaufkleber an seinen Hinterkopf geheftet.

Am Abend rief die Tochter an. Sie wohnte in Potsdam, arbeitete bei einer Versicherung, sprach schnell und kam immer gleich zur Sache.

Papa, was hast du da mit Mama abgezogen?

Gar nichts habe ich.

Sie hat mir erzählt, du hättest bei dir im Handy eine Anneliese.

Ach Himmel, du jetzt auch noch? Das ist ein Arzt.

Ich mach keine Szene, Papa. Aber wenn bei euch so ein Theater ist, tu nicht so, als sei alles okay. Mama läuft herum und schweigt.

Die läuft immer und schweigt.

Er hatte es ausgesprochen, da hörte er selbst, wie das klang. Die Tochter schwieg.

Also. Liegt nicht immer alles am Handy.

Du bist schlau geworden.

War ich schon. Nun gut, reg dich nicht auf.

Sie sprach weiter über ihren Sohn, über dessen Husten, den Kindergarten doch Johann-Dieter hörte nur halb zu. Ihr Satz klemmte sich nicht im Kopf fest, sondern im Ablauf des Tages, wie ein Splitter in der Manteltasche. Nicht immer ist das Handy schuld.

Dass da ausgerechnet Anneliese stand, war kein Zufall, wusste er längst. Hatte sich selbst eingeredet, es sei die Technik gewesen. Dabei hatte er selbst einmal genau so einen Kontakt gespeichert. Lang her. Fünfzehn Jahre, andere Stadt, andere Firma. Damals eine Einkaufsmanagerin, Anneliese Schröder. Keine Schönheit, kein Roman. Einfach nur jemand, mit dem alles leicht war: Sie hörte zu, ohne zu drängen, merkte sich, dass er keine Süßigkeiten im Zug aß und Sprachnachrichten hasste. Zwischen ihnen war nichts, zumindest nach jeder erhältlichen Checkliste. Einmal warteten sie zusammen im Bahnhofs-Café, bis der Bus kam, sie lachte über eine verwechselte Rechnung einmal trug er ihr eine Kiste zu Auto, einmal meinte sie: Mit Ihnen ists angenehm ruhig. Mehr war nicht.

Doch nach diesen Dienstreisen sprach er daheim zu laut, brachte das falsche Brot, vergaß versprochene Kleinigkeiten. Damals fragte Gertrud sehr direkt:

Wo bist du mit den Gedanken?

Auf der Arbeit.

Und das stimmte beinahe. Fast die Wahrheit, die angenehmste der Lügen. Die Firma ging dann ein, Anneliese Schröder wechselte irgendwohin, die Nummer war in einem alten Handy, wanderte später auf das neue, irgendwann gelöscht. Er suchte sie nie. Es gefiel ihm, sich für einen ordentlichen Mann zu halten, der nie so etwas hatte. Also gab es nichts zu erinnern.

Aber der Name blieb ihm als eine Bewegung in den Fingern. Wie eine gewohnte Route, die man im Schlaf laufen kann, auch wenn der Bäcker an der Ecke längst durch jemand Anderen ersetzt wurde.

Ein echter Eklat folgte erst am Sonntag bei der Tochter. Geburtstagsfeier vom Enkel, alle eng in der Küche, Salat schneiden, jemand suchte die Tortenkerzen. Johann-Dieter sollte Wasser nachbestellen der Supermarkt war zwar gleich um die Ecke, aber irgendwie alle Flaschen leer. Er griff zum Handy, öffnete die Nachrichten, oben stand vom Arzt: Bitte geben Sie frühzeitig Bescheid bei Verspätung. Er wollte die Lieferadresse seiner Tochter weiterleiten, drückte aus Versehen auf Anruf.

Die Freisprechanlage ging automatisch an oder er selbst hatte sie aktiviert, das wusste er nicht mehr. In der Küche tönte eine Männerstimme:

Ja, Herr Schramm, ich höre.

Auf dem Display prangte groß die alte Benachrichtigung: Anneliese.

Die Tochter schaute als Erste hoch. Der Schwiegersohn tat, als lese er nichts, Gertrud hörte auf, Gurken zu schneiden.

Das ist also deine Ärztin, die Anneliese? fragte die Tochter so leise, dass Schreien besser gewesen wäre.

Johann-Dieter beendete das Gespräch, drückte hektisch auf den Knopf, öffnete das falsche Menü. Das Handy fühlte sich plötzlich schwer an wie eine nasse Seife, nicht zu fassen. Viel zu ausführlich fing er an, zu erklären: Anmeldung, Namensschild, Quark, warum es doch der männliche Arzt gewesen sei, und dass der Name nur deshalb und dann stockte er. Denn jetzt wäre entweder wieder krumm gelogen, oder endlich gesagt, wie es ist.

Weil ich früher mal einen Kontakt so hatte, sagte er.

Niemand rührte sich. Nur aus dem Kinderzimmer rumpelte der Enkel mit dem Spielzeugauto.

Wer war das? fragte Gertrud.

Er schaute nicht zu ihr, sondern auf das alte Holzbrett. Dort lag eine Gurke mit schrägem Schnitt und ein mit Kräutern beschmierter Küchenmesser. Merkwürdig, dass er gerade das bemerkte, aber er tat es.

Eine Bekannte aus der früheren Firma. Da war nie etwas. Ich sehe sie seit Jahren nicht mehr.

Aber den Namen weißt du noch.

Ja.

Und gibst ihn dann deinem Arzt.

Ja.

Die Tochter stieß scharf die Luft durch die Nase aus und drehte sich zum Wasserhahn. Der Schwiegersohn verschwand endlich mit dem Kind. Sie blieben zu dritt zwischen Schüsseln, Tüten und dem unvollendeten Salat.

Gertrud hob nicht die Stimme. Das war schlimmer.

Was hältst du da so fest? Sie oder dich selbst an ihrer Seite?

Johann-Dieter wollte sagen: Ich halte nichts fest. Er hatte die Worte fast schon auf der Zunge. Aber sie kamen ihm so automatisch vor, wie der falsche Kontaktname.

Mich selbst, vermutlich. Den Menschen, der ich mal war.

Gertrud sah ihn müde an, ohne jegliche Überlegenheit. Er fuhr fort, denn jetzt gab es kein Ausweichen mehr.

Es war mit ihr nicht leicht, weil sie außergewöhnlich war. Sondern weil ich bei ihr kein Schuldiger war, keiner, der alles halb gut macht. Nicht der, der die falsche Birne kauft. Nicht der Vater, der das Datscha-Wochenende dauernd verschiebt. Einfach jemand, mit dem es ruhig war. Und das habe ich mir wohl gemerkt, obwohl ich nie mehr getan habe, als das zu behalten als eine Reserve meines Lebenslaufs.

Er hielt inne. Zum ersten Mal in diesem seltsamen Monat verlangten die Worte kein weiteres Erklären.

Gertrud legte das Messer ab.

Und was hindert dich daran, mit mir einfach Du zu sein?

Es war keine Frage, auf die sich ein schöner Satz finden ließ.

Ich. Und du auch, irgendwie. Meistens aber ich. Es war leichter, sich vorzustellen, es gäbe für mich noch einen besseren Ort. Anstatt hier alles wirklich auszusprechen.

Die Tochter drehte sich um; ihr Gesicht war beleidigt und verletzt zugleich wie damals, wenn sie als Kind vom Fahrrad fiel und keinen Trost wollte.

Wenigstens mal was Ehrliches, sagte sie. Besser als wieder dieses Stand halt so drin.

Gertrud nahm die Salatschüssel und verließ das Zimmer. Nicht demonstrativ. Einfach, weil der Kuchen nicht von allein auf den Tisch kam. Johann-Dieter blieb mit dem Handy in der Küche, wusste, dass dieses Fest nun beendet werden musste. Es war vermutlich gut so zwischen Kompott und Plastikdeckeln verliert die Dramatik schnell an Gewicht.

Am Abend räumte Gertrud das restliche Geschirr in das Trockenregal. Er stand dabei, im Weg, und wusste nicht, wo er anfangen sollte.

Ich habe nie nach ihr gesucht, sagte er schließlich.

Glaube ich dir.

Und ich werde auch nicht.

Das glaube ich ebenso.

Sie stellte einen Teller hochkant, rückte noch einmal.

Aber der Punkt ist sie gar nicht, Dieter.

Er nickte. Wenn sie ihn so ansprach, kurz, ohne Nachnamen und ohne Vorwurf, fühlte er sich immer jünger und gleichzeitig dümmer.

Ich weiß.

Du läufst ständig herum wie einer, gegen den alle was haben, bei der Arbeit oder zuhause. Und hoffst, dass irgendwer merkt, wie du wirklich bist, solange er dich in Ruhe lässt. Dabei hält dich niemand in Ruhe das Leben eben nicht. Und ich auch nicht. Aber du meldest dich dann nicht. Und am Ende hast du Namen im Handy, die da nicht hingehören.

Er wusste nichts zu erwidern. Musste er auch nicht.

Gertrud trocknete ihre Hände ab.

Ruf morgen beim Arzt an und entschuldige dich für die merkwürdigen Nachrichten und den Anruf. Und schreib den Kontakt endlich richtig. Und außerdem sie sah zur flackernden Lampe im Flur kauf endlich die passende Glühbirne. Ich hab genug vom Halbdunkel, nicht wegen des Stroms.

Das tat er am nächsten Morgen auch. Noch vor dem Frühstück änderte er den Kontakt ab mit Klinik und Zimmernummer. Dann rief er Dr. Krüger an, entschuldigte sich für das Durcheinander. Der Arzt nahms nüchtern: Kann passieren. Bei der Arbeit gestand Johann-Dieter, bevor jemand spötteln konnte, dass er neulich aus purer Schusseligkeit die falsche Nummer weitergeleitet hatte, nicht wegen geheimnisvoller Affären. Monika grinste, aber dann war das Thema erledigt.

Das Unangenehmste hob er sich für abends auf. Nach dem Essen setzte er sich an den Küchentisch, zog das alte Telefonbuch hervor, das Gertrud längst loswerden wollte, und blätterte. Bei A nichts. War klar diesen Kontakt hatte er nie handschriftlich notiert, nur digital. Dann öffnete er den Laptop, stöberte in uralten Mails von 2008 zu Wasserhahn-Lieferungen, fand irgendwann noch eine Adresse, die einer Anneliese zuzuordnen war. Die Nummer war sicher veraltet; das war egal.

Er schrieb eine knappe E-Mail. Guten Tag, Frau Schröder. Ich weiß nicht, ob Sie das noch lesen. Ich wollte einfach mal Danke sagen für die Zusammenarbeit damals. Sie müssen nicht antworten. Dann strich er das Meiste. Lies nur: Schönen Gruß, Schramm aus Leipzig. Habe letztens an die alten Lieferungen gedacht. Schickte ab, schloss das Postfach, bevor er noch weiter feilte.

Danach ging er zum Baumarkt, kaufte zwei Glühbirnen mit dem richtigen Sockel und stieg abends auf den Hocker. Gertrud hielt von unten die Schachtel, damit nichts passierte. Das Licht wurde gleichmäßig, ohne Flackern.

Schau an, sagte sie. Gleich viel besser.

Hm.

Er stieg von der Leiter, packte die alte Birne ein und blieb, bevor er ins Zimmer ging, noch stehen.

Gerti. Falls ich noch mal anfange, alles zu beschönigen, sags mir direkt.

Hau ich ja ohnehin raus, aber meist zu spät.

Sie überlegte, nickte.

Dann du auch sags, bevor du es das dritte Mal verschleierst.

Ich geb mir Mühe.

In der Diele klingelte sein Handy. Er warf einen Blick aufs Display: Dr. Krüger Ultraschall. Keine Überraschungen. Er hielts Gertrud hin, ohne zu wissen, warum. Sie schnaubte, nahm die Tüte mit der alten Glühbirne und reichte sie ihm.

Nimm das mit. Und bring Brot mit nach Hause.

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Homy
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