– Lars, ich möchte dich nicht verletzen, Liebling… – Ich bin nicht nett zu dir!

Lukas saß auf dem Fensterbrett und starrte hinaus in die graue Berliner Straße. Sehnsüchtig wartete er auf seinen Vater. Zwei Jahre war es nun her, dass seine Mutter sie verlassen hatte. Sie hat eine neue Familie gefunden, hatte Papa einst mit trauriger Stimme gesagt. Warum sie ihren Sohn verlassen hatte, wusste niemand. Es war ihm unbegreiflich, nur allmählich verblasste die Erinnerung an sie.

Sein Vater gab alles, um es Lukas leichter zu machen. Schließlich war der Junge schon zehn Jahre alt. Viel zu alt, um ihm irgendetwas vorzuspielen. Er hatte gelernt, das Geschirr zu spülen und seine Sachen ordentlich in den Schrank zu räumen. Mit Spielsachen spielte er nicht mehr. Er war beinahe ein Mann. Doch die Einsamkeit nagte an ihm. Besonders vermisste er seinen Hund. Als er wieder einmal darum bat, schüttelte der Vater den Kopf.

Wer soll sich darum kümmern? Ich arbeite den ganzen Tag, du gehst zur Schule, und du bist noch jung.

Statt eines Hundes brachte der Vater eines Tages eine Frau nach Hause: Sie hieß Anneliese und zog bald bei ihnen ein. Lukas vermied jedes Gespräch mit ihr; für ihn war sie nur eine Fremde. Doch sein Vater nannte sie seine Frau und wünschte sich, dass Lukas sie als Mutter akzeptierte.

Ich brauche sie nicht! antwortete Lukas offen. Dann zog er sich zurückund so lebten sie nebeneinander her. Lukas sah, wie glücklich sein Vater mit Anneliese war. Sie waren liebevoll, lachten zusammen, umarmten sich. Aber bei Lukas blieb die Wut.

Papa, ich will, dass sie geht!
Lukas, das geht nicht. Ohne eine Frau ist es schwer, ohne eine Mutter auch.

Mit dem Frühling wurden die Tage wärmer. Lukas tobte im Hof mit den anderen Kindern. Bei einem Spiel sagten sie ihm, dass sein Vater und Anneliese ihn ins Kinderheim geben würden.

Plötzlich bekam Lukas Angst: Warum sollten sie ihn behalten, wenn sie vielleicht ein neues Baby bekämen? Für sie wäre er nur eine Last. Also beschloss er, sich zu wappnen.

Eines Tages hörte er zufällig, wie jemand sagte: Ihm gehts dort sicher gut, wir sollten ihn dorthin schicken.

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Lukas schlief die ganze Nacht kein Auge und am Morgen war er entschlossen, Anneliese loszuwerden. Er begann mit kleinen Gemeinheiten: Er salzte ihren Tee, ließ den Herd unter der leeren Pfanne laufen. Er war frech. Anneliese merkte schnell, wer dahintersteckte, und bat Lukas zum Gespräch.

Lukas, wir müssen reden. Du bist wütend.
Ich bin auf nichts wütend, versuchte er sich herauszureden.
Lukas, ich will dir nicht weh tun, ich möchte dich nicht verletzen, mein Lieber
Ich bin nicht dein Liebling!

Nach einer kurzen Pause sagte sie: Wir haben für den Sommer ein Haus am Chiemsee gemietet. Eigentlich wollten wir dich überraschen, aber ich glaube, wir sollten ehrlich sein. Dein Vater hat einen Hund gefunden und wir holen ihn heute ab. Du darfst mitkommen.
Wirklich? Lukas war überrascht und wollte ihr glauben. Dann warf er sich in ihre Arme und hielt sie fest.

Anneliese kämpfte mit den Tränen: Du solltest dich freuen, es wird alles gut, keine Angst, sagte sie und streichelte ihm über den Kopf.

Als sein Vater von der Arbeit kam, fuhren sie gemeinsam los, um den Welpen abzuholen. Lukas war voller Mitgefühl und hatte aufgehört, Anneliese als Feind zu sehen. Sie versöhnten sich. Der Hund schlief in seinen Armen. Alle waren glücklich.

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Homy
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– Lars, ich möchte dich nicht verletzen, Liebling… – Ich bin nicht nett zu dir!
Finde dein Schicksal. Keine Eile nötig. Alles hat seine Zeit.