Du, ich muss dir mal was erzählen: Unser zweiter Sohn ist endlich da! Schon im Krankenhaus kamen die ganzen Verwandten voller Freude vorbei. Die Gesichter der Großeltern so glücklich; alle haben uns Gesundheit, Glück und nur das Beste gewünscht.
Die Eltern von meinem Mann haben eine schicke Dreizimmerwohnung hier in München, meine Mama und meine Schwester besitzen ein richtig großzügiges Haus am Stadtrand und komischerweise macht sich niemand Gedanken darüber, dass wir mit unseren fünfzehn Quadratmetern echt ziemlich beengt wohnen.
Die Eltern meines Mannes haben ein richtig schönes Haus auf dem Land. Im Garten wächst total viel Gemüse, und ein kleiner Fluss ist auch gleich um die Ecke. Die sind damals aus der Stadt rausgezogen und sind auch nie auf unsere Bitten eingegangen, ob wir vielleicht mal Wohnungen tauschen könnten.
Die Schwiegermama hat nur ein einziges Mal so was gesagt wie: Weißt du, in unserem Alter braucht jeder seinen eigenen Raum. Wir schlafen nicht mehr so fest, jeder hat sein eigenes Zimmer, und im Wohnzimmer schauen wir Fernsehen oder empfangen Besuch.
Ehrlich gesagt glaube ich, sie denkt, wir würden da schon irgendwie zu viert ruhig schlafen ganz abgesehen von dem üblichen Babygeschrei…
Diese ganzen Gedanken gingen mir durch den Kopf, und scheinbar stand mir das alles ins Gesicht geschrieben, denn die Verwandten haben sich ziemlich schnell verabschiedet und sich in alle Himmelsrichtungen verstreut.
Als wir dann zum Abschied winkten, hab ich meinem Mann ein trauriges Lächeln zugeworfen und gefragt: Na, was meinst du, wann dürfen wir nach Hause?Er hat meine Hand genommen, ganz fest gedrückt und geflüstert: Lass uns einfach zusammen nach Hause gehen egal wie winzig es ist. Hauptsache, wir sind alle zusammen.
Und in diesem Moment wusste ich, unser kleines Zimmer würde sich nie mehr eng anfühlen ganz im Gegenteil: Es würde mit jedem Lachen, jedem Murmeln und jedem glücklichen Atemzug wachsen, Tag für Tag, Nacht für Nacht.





