Das verhängnisvolle Jawort: Eine Tragödie am Altar

DAS VERFLUCHTE GELÜBDE

Im Dorf sprach man über Reinhard: Eigenbrötler. Groß gewachsen, schweigsam, mit breiten Schultern ein Schmied, dessen Hände sowohl das Hufeisen biegen als auch mit großer Zärtlichkeit berühren konnten. Er hatte eine Frau, die treue Gerda, und ein Haus, in dem es an nichts mangelte. Ein Leben, um es zu genießen.

Doch als der Frühling kam, kehrte Anneliese ins nahegelegene Gut zurück. Nicht das junge, schmächtige Mädchen, das einst in die Stadt ging, sondern eine Frau mit Augen wie tiefe Seen und einem Lachen, das Männern das Blut gefrieren ließ.

Sie begegneten sich an der alten Mühle. Reinhard reparierte das Wehr, während Anneliese vorbeischlenderte, ihr Saum streifte das hohe Gras. Ein Blick und alles war anders. Wie glühendes Eisen auf das Herz gelegt.

Es war Liebe trotz allem:
Trotz Gott. Reinhard hörte auf, die Kirche zu besuchen, denn er wagte nicht, zu den Heiligenbildern aufzusehen.
Trotz der Menschen. Aus leisem Getuschel wurde dumpfes Murren.
Trotz Verstand. Er wusste, Anneliese war eine Gutsbesitzertochter, launisch, unberechenbar, und für sie war er nur ein Spiel.

Doch jede Mitternacht schlich Reinhard in den Wald. Anneliese wartete in der alten verfallenen Försterhütte. Es war Wahnsinn heiß, nach Kräutern und Sünde duftend. Sie küsste seine schwieligen Hände, während er äste zerbrach, um das Tier in sich zu bändigen.

Wir hauen ab, flüsterte er mit blutenden Lippen an ihrer Schulter. Ich lasse alles hinter mir. Gehen wir in den Schwarzwald, in die Wildnis.

Anneliese lachte, und in ihrem Lachen lag die Bitterkeit des Wermuts:
Wohin willst du mit mir, Schmied? Meine Füße haben sich an Seide gewöhnt, deine an den Staub der Wege. Unser Schicksal ist verflucht, Reinhard. Zusammen unmöglich, getrennt kein Leben.

Die Entscheidung fiel in einer herbstlichen Nacht. Gerda, von Verdacht und Kummer geplagt, betrat die Schmiede und sah sie. Kein Geschrei, keine Tränen. Sie stand nur da und sah, wie ihr Mann, ihr Halt im Leben, auf Knien vor einer fremden Frau flehte.

Reinhard kam erst im Morgengrauen zurück. Das Haus war leer. Gerda war mit den Kindern zu ihren Eltern gegangen.

Am Nachmittag erreichte ihn die Nachricht: Anneliese war nach München abgereist, zu ihrem Bräutigam, einem Offizier; nicht einmal ein Zettel blieb zurück.

Reinhard griff nicht zur Flasche. Er arbeitete nur noch wilder. Der Hammer krachte nun so auf den Amboss, als wolle er die Erinnerung an jenen wilden Frühling zerschmettern.

Man sagt, eine verfluchte Liebe vergeht nie. Sie glimmt wie ein Funken unter Asche ein Hauch der Erinnerung, und erneut lodert der Brand. Doch da ist keine Wärme mehr, nur schwarzer Ruß.

Liebe ist, wenn zwei in dieselbe Richtung blicken. Verfluchte Liebe, das ist, wenn der eine in den Himmel schaut, der andere in ein Grab, und keiner kann den Blick abwenden.

Wo einst Leidenschaft war, bleibt modriger Moder und Grabeskälte. Verfluchte Liebe kennt weder Vergebung noch Trost sie verlangt Blut oder ewigen Fluch.

Nach Annelieses Weggang veränderte sich Reinhard nicht einfach er schien innerlich ausgebrannt, übrig blieb ein Knochengerüst. Seine Augen waren tief eingefallen wie leere Stollen.

Gerda kehrte nicht zurück. Sie sagte zu ihrer Mutter: Ich kann seinen sündigen Geruch nicht mehr ertragen, als hätte er nicht mit einer Dame, sondern mit dem Tod selbst getanzt.

Reinhard hörte auf, Pflugschare und Hufeisen zu schmieden. Die Leute mieden die Schmiede, Frauen bekreuzigten sich, als sie das schwere Pochen des Hammers hörten. Man raunte, der Schmied schmiedete eine Kette, um seine Seele an diejenige zu binden, die ihn verlassen hatte.

Eines Novemberabends, als der Nebel alle Wege verschlang, kam Reinhard zur alten Mühle, ein Bündel unter dem Arm.

Komm, krächzte er, während er einen gewaltigen schwarzen Nagel ins Rad der Mühle schlug. Du hast versprochen, wir wären zusammen. In Seide oder im Leichentuch mir ists einerlei.

Und sie kam. Doch nicht mehr als die strahlende Schöne, die im Frühling lachte. Aus dem Nebel trat ein Schatten. Ihr Kleid war zerrissen, das Gesicht bleicher als Kreide, und wo einst die Augen waren nur noch Leere.

Auch in München fand Anneliese kein Glück: Der Offizier entpuppte sich als Spieler und Schuft. Und als er erfuhr, dass sie vom Dorfstier schwanger war, jagte er sie in Hemd und barfuß auf die Straße. Sie erfror in einem Straßengraben auf dem Rückweg zu ihrem Schmied.

Der Schatten streckte die Hand aus.
Reinhard, raschelte es im Schilf. Mir ist so kalt. Wärm mich.

Er wich nicht zurück. Er drückte das eisige, nach Erde riechende Wesen an seine Brust.
Ich wärme dich, Liebling. Bis in den Tod.

Jene Nacht ging die Schmiede in Flammen auf, so hell, dass sie das ganze Dorf erleuchtete. Nach dem Brand fand man keine Knochen. Nur zwei aus grobem, schwarzem Eisen geschmiedete Ringe, unauflösbar ineinander verschweißt.

Man sagt, bei der alten Mühle hört man nächtens einen schwer seufzen und eine andere leise weinen

Die düstere Legende lautet: Eisen, das im Feuer verfluchter Leidenschaft gehärtet wurde, kühlt niemals völlig ab. Die Ringe, die man in der Asche fand, steckte sich ein durchreisender Trödler zu ein Mann ohne Glauben und Furcht, der hoffte, mit altem schwarzen Eisen ein Geschäft zu machen.

Doch der Trödler schaffte es nicht bis in die Stadt. Man fand ihn im Wagen mitten auf dem Feld: Die Pferde wie festgewurzelt, er selbst erfroren, kniend wie im Gebet. Seine Finger umklammerten krampfhaft die Ringe tiefe Brandmale an den Handflächen, wie von den Ringen eingebrannt. Als hätte das tote Metall ihm die letzte Wärme ausgesogen.

Die Ringe verteilten sich in aller Welt, hinterließen stets Unheil:
Zwist: In den Familien, wo dieses Eisen landete, wurde Liebe über Nacht zu Hass. Männer sahen in ihren Frauen Hexen, Frauen erwürgten ihre Männer im Schlaf mit dem Haar.
Geflüster: Die, die die Ringe im Haus aufbewahrten, hörten nachts schwere Schritte und raschelnde Fetzen von Seide.
Verlorenheit: Am schlimmsten war schwarze Schwermut. Die Besitzer aßen und tranken nicht mehr, starrten ins Leere, als erwarte sie jemand

Jahrzehnte vergingen. Das Dorf verfiel, die Mühle stürzte in die Isar. Doch man raunt, manchmal erscheine an der Brandstelle der Schmiede eine Gestalt.

Das ist Reinhard. Immer noch riesig, doch anstelle eines Herzens glüht nur noch eine Kohle in seiner Brust. Der Schmied wandert durch die Welt, suchend nach den Ringen seines verfluchten Gelübdes

Der heiligen Liebe ist ein Kranz vergönnt, der verfluchten nur die Schlinge um den Hals der Weg ohne Zurück, denn Sünde schmeckt süßer als Leben, und Qual ist wertvoller als Erlösung.

Verfluchte Liebe ist nichts für Rosenduft und leises Seufzen. Es ist das Feuer, das das Innerste verbrennt, Eide bricht und einen mit einem Stein am Hals ins Verderben zieht und doch ist man glücklich, dass man untergehtIm Winter, wenn die Kälte wie ein unbarmherziger Frost auf den verlassenen Feldern lag und kein Vogel mehr sang, schlich ein alter Hund durch das zerstörte Dorf. Man glaubte, ihn aus vergangener Zeit zu kennen er war einst Reinhards treuer Gefährte. Er schnüffelte an den verkohlten Resten der Schmiede, ließ hinter sich Spuren im Schnee, und manchmal hob er an der Brandstelle die Schnauze, als lausche er auf Stimmen, die außer ihm niemand vernahm.

Gemeinsam mit dem Wind, der durch verrußte Fenster fuhr, erzählte er den Schatten von einer Zeit, als noch Liebe unter Menschen möglich schien, und von Eisen, das auf ewig glüht.

Wer heute am Rande des alten Dorfes verweilt, mag, wenn der Nebel sich hebt, für einen Moment zwei Schemen sehen Hand in Hand, gehüllt in flackerndes Licht, als warteten sie noch immer, gefangen in einem Schwur, den Zeit und Tod nicht zerbrechen konnten.

Und so lehrt das verfluchte Gelübde, dass selbst wenn das Feuer längst erloschen scheint, unter der Asche eine Glut bleibt bereit, bei jedem, der zu nah kommt, das Herz neu zu entflammen.

Wage es also nicht, dich über die Schwelle solch einer Schmiede zu wagen. Die Ketten sind stark, der Funke erwacht gern und vielleicht, eines Nachts, trägt auch dich das Eisen davon.

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Homy
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