Warum einen Immobilienkredit aufnehmen, wenn wir auch einfach eine Eigentumswohnung haben können?

Gestern saß ich auf einer Bank im Park, neben mir meine Nachbarin, Tränen liefen ihr über das Gesicht. Die Sonne schien, aber zwischen uns hatte sich eine beklemmende Atmosphäre ausgebreitet, und ihre Worte hallten noch nach: Es ist eine Schande, ins Altenheim zu gehen. Als würde man freiwillig aufgeben. Und das alles nur wegen dem, was meine Tochter gesagt hat.

Ruth so heißt meine Nachbarin hat ihre Tochter Jana allein großgezogen, nach dem frühen Tod ihres Mannes. Sie musste alles alleine stemmen. Von Anfang an hat sie Jana jeden Wunsch von den Augen abgelesen, ihr das letzte Hemd gegeben, solange die Kleine dafür glücklich war. Der Lohn, die Ersparnisse alles steckte sie in Jana. Sie trug sie wie eine Prinzessin durchs Leben, von der ersten selbst gestrickten Mütze bis zu den neuesten Turnschuhen. Dafür rackerten die Hände von Ruth Tag und Nacht: Früh-, Spät- und Nachtschichten am Fließband eines Werks in Düsseldorf.

Früher, erzählt sie, bekam man als Arbeiterin immerhin eine Werkswohnung. Das war noch eine andere Zeit. Heute muss man für jede noch so kleine Wohnung hart arbeiten und eisern sparen. Nichts fällt mehr vom Himmel.

Jana ist inzwischen erwachsen, hat in Köln studiert und einen Mann geehelicht. Die Eltern ihres Mannes besitzen ein großes Haus draußen in der Nähe von Bonn, wollten aber nicht, dass die Jungen mit ihnen unter einem Dach wohnen. Und ehrlich die Jungen wollten das auch nicht. Wer will schon seine Freiheit gegen elterliche Regeln tauschen?

Ruth besitzt selbst eine kleine Wohnung in der Hamburger Vorstadt. Aber mit dem Schwiegersohn kann sie nicht. Die Jungen, sagt sie, brauchen ihre eigenen Wände, ihr eigenes Leben. Die Alten sind ein Störfaktor, in beide Richtungen. Wem würde das noch gefallen?

Heutzutage nimmt man einfach einen Immobilienkredit auf. Hauptsache, man spart für die Anzahlung und arbeitet den Rest langsam ab. Besser, als von einer Mietwohnung zur nächsten zu ziehen, meint Ruth. Früher hat man Wohnungen zugeteilt bekommen. Jetzt muss jeder selbst kämpfen und sich abrackern, egal wie schwer das ist.

Jana und ihr Ehemann arbeiten, verdienen gut. Viele ihrer Freunde haben schon eine kleine Eigentumswohnung irgendwo im Randgebiet von München oder Frankfurt gekauft. Nur Jana und ihr Mann bekommen nichts hin, meint Ruth. Erst kam das erste Kind, dann das zweite. Alles kostet Unmengen: Babynahrung, Windeln aus dem Supermarkt. Heute will niemand mehr Stoffwindeln waschen oder Brei selber kochen.

Man nimmt das Päckchen, gießt Wasser auf, fertig ist der Brei. Frische Windel rauf, alte rein in den Mülleimer. Alles so komfortabel, aber teuer.

Warum mussten sie sich so beeilen mit den Kindern? Sie hätten erst auf eigenen Füßen stehen, sich eine Eigentumswohnung suchen können. Dann hätten sie immer noch Zeit für die Familie gehabt. Aber nein, eines nach dem anderen.

Jana will am liebsten noch mehr Kinder sie und ihr Mann sind beide Einzelkinder, da liegt das nahe. Später, sagt Ruth zögernd, werden die Kinder aufeinander aufpassen und vielleicht auch mal was für ihre Eltern tun. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Aber Ruth sieht überall, dass Kinder nicht automatisch Dankbarkeit bedeuten. Sie versteht die Junge Generation nicht mehr. Damals, so erzählt sie, trug man einen Mantel viele Winter lang, sparte das Weihnachtsgeld und jeden Cent für die eigene Wohnung oder ein neues Möbelstück. Heute haben die Jungen zu allem Zugang und müssen nichts entbehren. Sie verzichten auf nichts, sparen kaum.

Ganz selbstverständlich gehen sie essen, kaufen jede Woche neue Markenschuhe für die Kinder. Die Süßigkeitenschublade ist immer voll. Kaum spielt ein Kind nicht mehr mit einer Puppe, wird eine neue Kollektion nach Hause geholt. Jeden Monat gibt es Neues, und die Eltern sind gleich im Laden.

Und Jana? Sie liebt teure Kosmetik, kauft sich Markenkleidung, lebt über ihre Verhältnisse. Dabei hat sie kaum Zeit, all das zu tragen, nach ein paar Wochen braucht sie schon wieder das Neueste. Die alten Sachen verschenkt sie oder wirft sie einfach weg. Und wie schnell wird das teuer?

Jeden Sommer zieht es sie nach Mallorca, mindestens. Die Kinder brauchen Strandluft, sagen sie. Und die Erwachsenen brauchen auch eine Auszeit von der Arbeit. Urlaub schön und gut. Aber warum nicht mal an die Ostsee fahren, ins Allgäu oder in die Eifel? Das wäre preiswerter, und man könnte Geld für die Zukunft zurücklegen.

Alles, was sie in Spanien lassen, könnte längst der Grundstein für ein kleines Appartement sein. Aber so rennen sie durch die Welt und kommen doch nie an.

Und jetzt sitzt Ruth hier auf der Bank, während die Schatten länger werden und ihre Stimme leise und brüchig wird. Jana war vor ein paar Tagen bei ihr. Wieder sprachen sie über die Wohnung. Jana sagte, kaufen lohnt nicht, sie kommen mit ihrer Mietwohnung klar. Sie essen gut, reisen viel, kleiden sich schön. Irgendwann, wenn die Eltern nicht mehr sind, dann erbt sie doch sowieso, meinte sie.

Das hat Ruth tief getroffen. Heißt das, sie warten darauf, dass ich endlich gehe? seufzte sie und brach in Tränen aus. Später entschuldigte sich Jana, aber der Schmerz blieb.

Vielleicht hat Jana ja nicht Unrecht, aber irgendetwas klemmt da. Ruth kann seitdem nicht mehr ans Telefon gehen, ohne zu glauben, ihre Tochter warte darauf, dass sie ins Altenheim zieht oder einfach verschwindet…

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Homy
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Warum einen Immobilienkredit aufnehmen, wenn wir auch einfach eine Eigentumswohnung haben können?
Meine Eltern verdienen nur Verachtung – Ich bereue, in so eine Familie hineingeboren worden zu sein Ich weiß, dass ich für diese Meinung wenig Verständnis ernten werde, vielleicht sogar verurteilt werde, aber ich möchte meine Sicht der Dinge ausdrücken. Sagt mir, warum Menschen, die im Leben nichts erreicht haben, Kinder bekommen? Warum? Um die Armut weiterzugeben? Warum denken sie nicht an das Schicksal ihrer Kinder? Ich stamme aus so einer Familie – meine Eltern haben in ihrem Leben nichts erreicht. Kein Abschluss, keine Ausbildung, nicht einmal ein eigenes Zuhause. Das Einzige, was sie taten, war, mich und meine vier Schwestern auf die Welt zu bringen. Warum? Ja, es sieht so aus, als wäre ich nicht froh darüber, überhaupt geboren worden zu sein. Aber so war es eben. Meine ganze Kindheit über wurde ich verspottet: weil ich arm war, weil meine Mutter als Putzfrau gearbeitet hat und mein Vater Hilfsarbeiter war. Die Lehrer sagten, aus mir werde nie etwas, mein Leben werde sich auf der Straße oder im Dreck abspielen. Womit habe ich das verdient? Nur weil meine Eltern nicht so waren, wie sie hätten sein sollen. Und deshalb bin ich wütend auf sie und habe keinen Kontakt mehr. Trotz aller Umstände habe ich mich zusammengerissen, hart gearbeitet, studiert, das Studium selbst finanziert. Ich habe mir alles aufgebaut. Aber meine arme Vergangenheit lässt mich nicht los. Vor allem, weil mein Verlobter aus einer wohlhabenden, gebildeten Familie stammt. Ich fühle mich fehl am Platz, schäme mich sogar, seine Eltern zu treffen. Was kann ich tun? Armut und die grauen Tage meiner Kindheit verfolgen mich immer noch – besonders, wenn andere mir das heute noch vorhalten.