Bitte passen Sie gut auf meinen Sohn auf, da der Kindergarten wegen der Quarantäne geschlossen wurde.

Als mein Ehemann die Scheidung einreichte, zog ich mit meinen Kindern zurück zu meinen Eltern nach München. Allein hätte ich es nicht geschafft, ich musste arbeiten und gleichzeitig für meine Kinder sorgen. Damals war meine älteste Tochter drei Jahre alt, mein Jüngster gerade zwei.

Ich nahm einen Immobilienkredit auf, um uns ein neues Zuhause zu ermöglichen, und begann unser Leben vollkommen neu. Anfangs sprach ich kaum mit den Nachbarn, kannte niemanden in dem großen Altbau.

Wenig später kreuzte ein Mann meinen Weg. Er hatte einen kleinen Sohn. Ab und zu sah ich ihn gemeinsam mit einer Frau im Innenhof für mich stand fest, er war vergeben. Dennoch zog er mich an, äußerlich gefiel er mir sehr, aber ich wollte niemals bewusst etwas mit einem vergebenen Mann anfangen.

Eines Tages, als der Wasserhahn tropfte, bot er mir seine Hilfe an. Aus Dank lud ich ihn auf einen Kaffee ein. Bei diesem Gespräch erfuhr ich, dass die Frau keine Ehefrau, sondern die Kinderfrau war. Seit seine Frau im letzten Jahr verstorben war, hatte er kein Glück mit Babysittern gefunden. Weitere Verwandte hatte er in Deutschland nicht. Zum ersten Mal fragte ich mich, ob sich da vielleicht mehr entwickeln könnte…

Unsere Wege kreuzten sich öfter. Wir telefonierten, trafen uns manchmal auf dem Spielplatz mit unseren Kindern, spazierten entlang der Isar. Eines Tages meine Eltern waren gerade zu Besuch stand mein Nachbar plötzlich mit besorgtem Blick vor der Tür.

Wie gehts dir? Ich muss dich um einen großen Gefallen bitten. Die Kita ist wegen Quarantäne geschlossen und meine Babysitterin ist krank. Bitte kümmer dich heute um meinen Sohn, ich muss dringend zur Arbeit!

Natürlich, das ist kein Problem, antwortete ich freundlich.

Er übergab mir eine riesige Tüte mit Sachen, Essen und eine detaillierte Liste an Anweisungen zur Pflege seines Sohnes. Er sagte, er würde anrufen, aber nie hätte ich erwartet, dass er alle halbe Stunde nachhaken würde: Was hat er gegessen? Was hat er an? Wie oft war ich mit ihm draußen?

Als er abends seinen Sohn abholte, regte er sich auf, weil der Junge ein rotes Hemd trug, obwohl auf seiner Liste ein blaues stand. Anstatt Dankbarkeit empfing mich eine Flut an Vorwürfen. Zum Abschied sagte er bloß:

Ich bring ihn dir morgen wieder, ja?

Ich lehnte nie ab, auch wenn ich bis zum Hals in Arbeit steckte. Doch eines Tages wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert. Er rief mich an, schrie ins Handy, weil ich die Tür nicht geöffnet hatte. Als ich ihm erklärte, dass ich im Krankenhaus lag, legte er einfach auf.

Kurz darauf bot er von sich aus an, auf meine Kinder aufzupassen. Ich musste aber arbeiten und sagte ab. Von da an: keine Anrufe, keine Spaziergänge oder Verabredungen mehr. Wenn wir uns am Hauseingang begegneten, nickten wir uns nur noch wortlos zu. Ich dachte, er wäre mein Mensch. Aber vielleicht hat er mich nur ausgenutzt. Jetzt hoffe ich, dass ich eines Tages jemanden kennenlerne, der für mich die ganze Welt ersetzt.

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Homy
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Bitte passen Sie gut auf meinen Sohn auf, da der Kindergarten wegen der Quarantäne geschlossen wurde.
Der Außenseiter, der zum stolzen Schwan wurde