Waldemar, ich wollte dir schon immer alles gestehen, aber habe mich nie getraut. Ich habe dich belogen – du bist nicht mein Mann!

Heinrich, ich wollte es dir schon immer gestehen, doch nie wagte ich mich. Ich habe dich belogen, du bist gar nicht mein Mann!

Die Großmutter saß am Bett ihres Mannes und tupfte mit einem feuchten Lappen seine heiße Stirn.

Heinrich, weißt du, ich wollte dir immer schon alles erzählen, doch ich hatte nicht den Mut. Ich habe dich angelogen, du bist nicht mein Ehemann!

Der alte Mann öffnete langsam die Augen und sah seine Frau überrascht an.

Bitte unterbrich mich nicht, wer weiß, ob wir uns je wiedersehen werden, und dann hab ich dir nichts erzählt. Erinnerst du dich noch daran, als du damals nach dem Krieg zufällig in unser Dorf gekommen bist?

Damals war ich völlig fassungslos, und dann bin ich dir um den Hals gefallen. Ich habe dich verwechselt. Du warst meinem Mann wie aus dem Gesicht geschnitten, nur hatte ich längst ein Schreiben bekommen, dass er gefallen war. Und dann standest du da lebendig.

Ich dachte, es wäre ein Irrtum gewesen, und mein Mann hätte doch überlebt. Also stürzte ich mich auf dich, doch sofort merkte ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Ich lief rot an, entschuldigte mich und ließ dich im Schuppen übernachten.

Am Morgen wolltest du die Tür vom Schuppen reparieren, und prompt fiel dir ein Balken auf den Kopf. Da dachte ich schon, jetzt müsste ich dich auch noch begraben, aber du hast weitergeatmet also, du hast es überlebt.

Ich holte den Arzt, und er sagte, du seist ein zäher Kerl, nur das Gedächtnis habe etwas gelitten, sonst sei alles gut. Da beschloss ich, dir zu erzählen, du seist mein Mann.

Du warst kräftig und ansehnlich, und nach diesen schweren Zeiten, alleine mit zwei Kindern, hätte ich es allein nicht geschafft. Ich sagte es dir und du hast mir geglaubt.

Später plagte mich das Gewissen, aber wir haben uns aneinander gewöhnt, sind zusammen alt geworden, und ich wollte nichts mehr ändern.

Heute bereue ich nur, dass ich damals für dich entschieden habe. Vielleicht wäre dein Leben ganz anders verlaufen.

Heinrich sah sie einen Moment lang schweigend an, dann lachte er plötzlich laut.

Du dumme Alte, was für ein anderes Leben denn? Ich habe dich doch mein ganzes Leben lang geliebt. In dein Dorf kam ich damals wirklich durch Zufall, aber zu bleiben, das war meine freie Entscheidung.

Als ich dich sah, war es um mich geschehen. Ich wusste nur nicht, wie ich dir nahekommen sollte. Also dachte ich, ich helfe ein bisschen auf dem Hof, vielleicht bemerkst du mich dann, und schickst mich nicht fort und dann kam dieser Balken, der mir alles aus dem Kopf schlug.

Als ich im Bett aufwachte, war der Arzt da und du hast dich rührend um mich gekümmert. Also bat ich den Arzt, ein wenig zu schwindeln und die Amnesie nur vorzuspielen, damit ich länger bleiben konnte.

Dann hast du mir das mit deinem Mann erzählt, und ich war sogar froh, dass ich mir nichts ausdenken musste.

Du alter Tölpel, schmunzelte die Großmutter , hättest du das nicht früher sagen können? Wir hätten wenigstens gemeinsam darüber gelacht.

Ich wollte, zwinkerte der Alte , aber es kam immer was dazwischen. Mal haben wir die Großen großgezogen, dann die drei Jüngeren, die wir noch zusammen bekamen. So haben wir unser Leben gelebt, jeder mit seinem kleinen Geheimnis, das am Ende gar keines mehr war.

Immerhin wissen wir es jetzt, sonst hätten wir noch die Schutzengel zum Lachen gebracht, meinte sie lieb und leise. Aber Heinrich, jetzt bitte, stirb mir nicht weg. Lass mich hier nicht allein, ich könnte ohne dich nicht weiter.

Ach, nun wein doch nicht, Alte, das wird schon alles gut, tröstete er sie. Jetzt geh ins Bett, schlaf mal ein bisschen. Morgen sieht die Welt ganz anders aus.

Sie legten sich, doch sie schlief unruhig. Ihre Gedanken jagten durch den grauen Kopf und störten ihren Schlaf.

Am nächsten Morgen war sie früh wach. Das Bett war leer. Angst klopfte an ihr Herz. Doch dann sah sie ihn auf der Bank vor dem Haus, wie er eine Zigarette rauchte. Sie atmete auf. Der Tod hatte diesmal vorbeigesehen, sie hatten noch eine Weile zusammen ein bisschen gemeinsam knarzen im alten Haus.

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Homy
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