Wegen dem lila Tapeten kommst du doch eh nicht klar, sagte Markus zu seiner Frau Annemarie. Das passt doch überhaupt nicht zum Boden. Besser wäre Beige
Du weißt doch, meine Mutter kann Beige nicht ausstehen, erwiderte Annemarie ruhig.
Aber deiner Mutter gefallen kostenlose Renovierungen, konterte Markus mit einem Grinsen.
Seine Mutter hatte mal beiläufig angedeutet, wie schön es doch wäre, wenn sie ihre Wohnung neu gestalten würden. Annemarie hatte dazu geschwiegen, aber Markus war natürlich Feuer und Flamme ist ja schließlich seine Mutter. Annemarie war dagegen, sagte aber erstmal nichts. Sollen sie machen, dachte sie sich, das ist eigentlich nicht meine Angelegenheit.
Die Schwiegermutter machte von Anfang an klar, dass sie nur eins wollte: Ergebnisse. Ein Danke war gar nicht erst drin nur eine Liste mit Wünschen. Annemarie, das ist doch keine kostenlose Renovierung, das macht mein Sohn aus Liebe, versicherte Markus. Na klar, aus Liebe Aber am Ende waren es trotzdem kostenlose Handwerkerstunden.
Eigentlich war es immer so gewesen: Mochte die Schwiegermutter etwas nicht, wurde es einfach gleich wieder umgebaut. Annemarie wusste schon, wies laufen würde. Als dann alles endlich fertig war und die Mutter zurückkam, schaute sie sich mit kritischem Blick um.
Ach nee Das hier hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Die Tapete ist schrecklich. Die Küche ist ein Witz. Und was sind denn das für Schränke? Alles ist so schlecht gemacht, da fällt mir nichts mehr zu ein. Am liebsten würde ich euch verklagen.
Gegen wen denn? Deinen eigenen Sohn, der alles aus eigener Tasche bezahlt hat?, fragte Annemarie ruhig.
Komm schon, Annemarie war doch nur ein Scherz, winkte die Schwiegermutter ab.
An dem Tag war sie eindeutig nicht gerade freundlich drauf. Eigentlich hatte sie sich wohl eine Luxus-Renovierung erträumt und jetzt stand sie da mit einer soliden, ordentlichen, aber eben nicht sündhaft teuren neuen Wohnung. Markus und Annemarie waren einfach nicht reich genug für so eine Protz-Sanierung aber sie hatten getan, was sie konnten. Nicht mal ein schlichtes Danke kam zurück.
Ein paar Tage später meinte Markus: Annemarie, ich glaube, Mama ist nicht ganz glücklich mit unserem Umbau.
Ach was, deiner Mutter gefällt doch nie so richtig was, oder?
Sie hatte sich halt mehr vorgestellt
Markus, du weißt genau, dass uns einfach das Geld dafür fehlt.
Könnten wir nicht einen Kredit aufnehmen?, warf plötzlich die Schwiegermutter ein.
Annemarie war sicher, dass sie das absichtlich lauter gesagt hatte, damit sie es hörte. Für ihre eigene Mutter hätte Annemarie vielleicht sogar einen Kredit aufgenommen oder bei Freunden geborgt hätte das dann auch termingerecht zurückgezahlt, ein paar Euro Zinsen draufgelegt. Aber irgendwo ist halt Schluss. Markus kam ihr aber diesmal zuvor: Mama, keine Kredite. Du weißt, wie ich dazu stehe. Und schon gar nicht für eine Renovierung. Es ist alles gut geworden, modern und sauber. Was willst du noch?
Na, vielleicht wenigstens die Küche noch neu machen. Und das wars dann.
Annemaire schnaubte. Markus, sie kennt echt keine Scham mehr.
Er seufzte. Du weißt doch, wie schwierig sie ist.
Im Baumarkt standen sie dann zwischen lauter anderen Leuten. Annemarie hatte eine neue Tischdecke in der Hand, Markus wuchtete Sanitärteile. Eigentlich wollten sie gar keine großen Sachen kaufen, aber plötzlich war der Einkaufswagen voll und die Summe an der Kasse ganz schön happig. So läuft’s eben kein Ende in Sicht.
Da blieb Annemarie plötzlich stehen. Du hast doch gesagt, für Renovierungen ist kein Geld mehr da!
Stimmt ja, wir mussten uns tatsächlich was leihen.
Annemaire war völlig genervt. Mir reichts! Ich leg die Tischdecke jetzt zurück wer sie will, kauft sie halt. Für deine Mutter haben wir genug gemacht. Da noch jemanden zu bitten, uns zu borgen nee, das wird mir zu viel. Und wehe, du streitest darüber mit mir!
Sie stapfte Richtung Ausgang, Markus folgte ihr langsam.
Irgendwann hatten selbst die liebsten Söhne genug.




