Mein Mann verließ mich für eine „junge Flamme“. Ein halbes Jahr später konnte ich mir das Lachen kaum verkneifen

Mein Mann ist wegen einer Jüngeren aufgebrochen angeblich für das Feuer. Ein halbes Jahr später kann ich mein Lachen kaum unterdrücken.

Tja, das Leben weiß wirklich, wie man jemanden überrascht.

Nie hätte ich gedacht, dass dieser Mann so, nun ja, penibel bis zum Lächerlichen ist. Sogar das Schraubenzieher-Set, das ich ihm zum Geburtstag am 23. Februar geschenkt hatte, hat er erst schweigend gezählt, dann noch einmal diesmal mit misstrauisch verengten Augen. Während er sein Hab und Gut in Taschen stopfte, lief er wie ein kopfloses Huhn durch die Wohnung und kontrollierte alles bloß seine orthopädischen Einlagen nicht vergessen.

Zehn Jahre einfach ins Nichts. Ich bin 56, er ist 60 Jahre alt. Wir lebten, wie man so schön sagt, im Einklang miteinander. Zumindest dachte ich das. Wochenenden im Schrebergarten, Tomaten vorziehen, abends Tee mit Butterkeksen und unendlich viele Krimiserien, von denen er nicht genug bekommen konnte. Wir wollten im Herbst sogar ins Standesamt gehen ordentliche Verhältnisse schaffen, wie er stets betonte.

Und dann? Steht er in der Diele, knüllt nervös seine Kappe in den Händen, die Augen flackern, und dann sagt er:

Birgit, sei mir nicht böse. Du bist wirklich eine gute, verlässliche Frau aber zu bodenständig. Und ich, weißt du, ich fühle mich noch richtig jung! Mir fehlt das Kribbeln, Leidenschaft, Bewegung! Mit dir fühl ich mich schon halb in Rente. Ich will eine Frau, keine Großmutter.

Ich verschlucke mich beinahe. Großmutter? Mir? Der Frau, die ihm zweimal täglich den Blutdruck misst, daran erinnert, dass Salz tabu ist und Frittiertes nach sechs Uhr abends gleich ein Verbrechen?

Ich habe eine Andere, setzt er nach. Svenja. Sie ist 38. Mit ihr fühl ich mich wie ein Junge. Wir gehen Snowboard fahren, reisen herum. Sie macht mich lebendig.

Dann die knallende Tür. In der Luft bleibt der Geruch von Baldriantropfen, die er morgens schluckt, und sein billiges Aftershave mit dem er sich in den letzten Tagen nur so eingesprüht hat, als wolle er die Jahre abwaschen.

Wie ich überlebte:

Die erste Woche liege ich einfach nur starr zur Wand. Denke: Das wars, Birgit, aus und vorbei. Offiziell abgeschrieben. Eine alte, überflüssige Frau selbst ohne Ehering. Ich sehe in den Spiegel und erkenne mich nicht wieder nur Schlupflider und müde Augen starren mich an.

Doch dann passiert etwas Seltsames. Ich wache am Samstag um sieben Uhr auf aus Gewohnheit, um Bernd seine geliebten Haferflocken zu kochen. Ich stehe auf, gehe in die Küche und halte inne.

Wofür eigentlich?

Ich koche mir einen Kaffee stark, mit Zucker, genau so, wie er es immer verboten hat: Das ist ungesund! Schneide mir ein großes Stück Kuchen ab, den ich gestern aus Verzweiflung gekauft habe. Setze mich aufs Fensterbrett. Und plötzlich Stille. Niemand schimpft über Nachrichten oder Politik, niemand schlurft in Pantoffeln herum, sucht die Fernbedienung, verdreht die Augen über meine Serienauswahl.

Und siehe da: Allein zu leben ist nicht beängstigend. Im Gegenteil, es fühlt sich sogar überraschend gut an.

Es bleibt mehr Geld Bernd liebte Delikatessen, aber wir teilten alles immer. Und Zeit die habe ich nun massenhaft.

Statt, wie die schlauen Ratgeber es empfehlen, Keramikkurse zu belegen, melde ich mich zum Tanzen an. Zumba! Da springe ich herum, lache, schwitze, und kein Mensch sagt: Birgit, komm, das tut deinen Gelenken nicht gut.

Ich lasse mir nicht mehr die Haare in diesem seriösen Kastanienbraun färben, sondern schneide sie kurz und hellere sie sogar mit Strähnchen auf. Kaufe Jeans, die eigentlich nicht altersgerecht sind. Und wissen Sie was? Der Rücken tut nicht mehr weh. Wahrscheinlich hat Bernd all die Jahre darauf gewohnt.

Wiedersehen im Einkaufszentrum

Ein halbes Jahr vergeht. Mein Mann in den besten Jahren ist längst aus meinen Gedanken verschwunden. Ich will mir neue Turnschuhe fürs Tanzen kaufen, stehe vor einem Schaufenster, wähle aus da höre ich plötzlich eine Stimme, die ich kenne. Nur ist sie nun schrill und dünn:

Berndi, jetzt mach schon! Sonst verpassen wir den Kinofilm! Und das Popcorn fehlt noch!

Ich drehe mich um. Mein Gott.

Da kommt Svenja. Naja sie tänzelt förmlich die Jüngere halt … eine ziemlich normale Frau, großzügig mit Botox nachgeholfen: glänzende Stirn, Schnabel-Lippen. Komplett im Leo-Look, auf hohen Absätzen, sie pflügt fast durchs Einkaufszentrum.

Und hinter ihr Bernd. Ich erkenne ihn kaum wieder. Ausgemergelt, abgenommen, dünner Hals, der aus einem zu jungen Hoodie ragt. Auf der Brust ein peinlicher Spruch, an den Beinen enge, zerrissene Jeans, sodass seine Krampfadern unverhüllt hervorblitzen.

In den Händen trägt er Tüten, Svenjas Handtasche, einen Pizzakarton. Schweres Atmen, rote, verschwitzte Stirn. Man sieht ihm an: Er will nicht snowboarden, sondern nur aufs Sofa und eine Tablette unter die Zunge.

Svenja, können wir bitte kurz sitzen? Mir ist schwindelig jammert er leise.

Was heißt dir ist schwindelig, Bernd?! Du hast doch gesagt, du bist sportlich! Blamier mich nicht, jetzt aber los!

In dem Moment sieht er mich.

Da stehe ich, am Schaufenster: modischer Mantel offen, neue Sneakers, gelöstes Lächeln. Entspannt, rosig nach dem Training, frei.

Er hält inne. In seinen Augen ein stummer Hilferuf: Rette mich. Für einen Moment tut er mir sogar leid. Er will einen Schritt auf mich zugehen, öffnet den Mund

Bernd! schnarrt Svenja. Bist du taub geworden?!

Ich schaue ihnen hinterher und unterdrücke mein Lachen nur mühsam. Es ist kein böses, sondern ein befreiendes Lachen.

Er wollte Feuer? Jetzt verbrennt es ihn langsam.

Er wünschte sich ein junges Leben, vergaß aber, dass man dafür Gesundheit und Engelsgeduld braucht.

Jetzt hat er keine gemütliche Oma mehr, dafür einen Feldwebel im Minirock.

Ich brauche eine Frau, hat er gesagt. Na dann, viel Glück.

Jetzt hat er weder Frau, noch Oma.

Jetzt ist er nur noch ein erschöpfter Opa mit einer launischen Enkelin.

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Homy
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