Ich hätte nie gedacht, dass meine Familie so etwas mit mir machen würde, meine Gutgläubigkeit ausnutzt und mich ohne Geld dastehen lässt. In unserer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung in München gehörte meiner Mutter, meiner Schwester und mir jeweils ein gleich großer Anteil. Unsere Großmutter, die ebenfalls eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Hamburg besaß, hatte uns versprochen, ein Testament aufzusetzen, in dem sie mir und meiner Schwester jeweils die Hälfte ihrer Wohnung vermacht. Der Plan war, dass wir später selbst entscheiden, wer dort wohnen würde oder ob wir die Wohnung verkaufen und den Erlös unter uns aufteilen. Zu der Zeit war meine Schwester nach einer ungeplanten Schwangerschaft mit meiner Mutter zusammengezogen und ich studierte in Heidelberg.
Letztendlich übernahm meine Schwester mit ihrer Familie das größte Zimmer, nachdem meine Mutter ins kleinere gezogen war. Bei meinen Besuchen musste ich mir mit meiner Mutter ein Zimmer teilen, aber mir war klar, dass ich nach dem Examen dort nicht würde bleiben können wegen meines Schwagers. Meine Mutter, die Konflikte mit ihm unbedingt vermeiden wollte, bat mich, ihr keine Schwierigkeiten zu machen. Ich erzählte meinen Kummer meiner Großmutter, die mir riet: Gib deiner Schwester einfach ihren Anteil an der Wohnung und ändere das Testament dann bekommst du wenigstens eine Ein-Zimmer-Wohnung. Ich besprach den Vorschlag mit meiner Mutter und meiner Schwester, doch letztere grinste nur und sagte, ich solle ruhig klagen sie sei sicher, vorm Gericht zu gewinnen.
Am Ende unterschrieb ich auf Druck doch die Verzichtserklärung auf meinen Anteil, doch leider war es meiner Großmutter nicht mehr möglich, ihr Testament zu ändern. Ihr gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich rapide und sie starb, bevor sie das Testament anpassen konnte. So erbte meine Schwester die ganze Zwei-Zimmer-Wohnung in Hamburg sowie die Hälfte der Ein-Zimmer-Wohnung, in der sie lebte. Ich habe noch versucht, Rückendeckung bei meiner Mutter zu bekommen. Doch sie stellte sich eindeutig auf die Seite meiner Schwester, obwohl alles schriftlich vereinbart war. Mit gesenktem Blick meinte sie nur, dass wir ja schließlich alle unter einem Dach wohnten und es keinen Streit bräuchte.
Heute arbeitet meine Mutter bei meiner Schwester im Haushalt, putzt und kümmert sich um die Kinder. Sie ist meiner Schwester genau so viel wert, wie sie durch ihre Rente finanziell beitragen kann. Doch ich frage mich, was geschieht, wenn ihre Hilfe nicht mehr gebraucht wird. Da ich keine anderen Verwandten mehr habe, hält mich eigentlich nichts mehr in dieser Stadt. Meine Mutter und meine Schwester sind ein eingeschworenes Team. Ich habe nach langem Hin und Her beschlossen, den Kontakt abzubrechen, weil ihr Verhalten mir so wehgetan hat.





