Das Leben zwingt dich, deine Pläne zu überdenken

Das Leben zwingt einen, Pläne zu überdenken

Gisela wuchs in einer bescheidenen Familie auf. Ihre Eltern waren einfache Ingenieure, lebten in einer alten Plattenbauwohnung, und Geld war stets knapp. Gisela beneidete manchmal die Mädchen, die schöne Kleider trugen, während sie selbst nur ihre Schuluniform und ein paar abgetragene Kleider besaß.

Nach dem Abitur und dem Studienbeginn schwor sie sich fest:
Mein Zuhause wird anders sein. Mein Leben wird anders.

Und sie schaffte es. Natürlich nicht sofort. Zuerst arbeitete sie als Deutsch- und Literaturlehrerin, später sogar in der Schulbehörde. Doch dann traf sie eine ehemalige Kommilitonin, die ihr einen Job in einer internationalen Firma anbot.

Komm zu uns, Gisela, du verlierst nichts. Im Gegenteil die Gehälter sind gut, sagte sie und nannte eine Summe, bei der Gisela fast der Mund offen blieb. Das Team ist toll, und ich weiß, dass du clever und fleißig bist.

Danke, Liebes, ich komme bestimmt. Geld braucht schließlich jeder, erwiderte Gisela lächelnd.

Zu dieser Zeit war Gisela bereits mit Bernd verheiratet, und ihr Sohn Felix war vier Jahre alt. Sie wohnten bei seinen Eltern, beengt und abhängig. Bernd arbeitete als Zahntechniker.

Der neue Job übertraf alle Erwartungen. Gisela liebte die Arbeit, verdiente bald sehr gut, und sie kauften eine große Eigentumswohnung auf Kredit. Später folgte ein teures Auto. Die Chefs bemerkten schnell ihren Einsatz, und bald erhielt sie hohe Boni. Mit der Zeit stieg sie auf bis zur stellvertretenden Direktorin.

Das prägte sie. Gisela wurde etwas hochnäsig, vor allem gegenüber Bernds Verwandten. Schließlich lebten sie viel besser als seine Schwester Hilde.

Gisela, beeil dich bitte, drängelte Bernd, als sie sich für Hildes Geburtstag fertigmachten. Und bitte sei heute nett. Ich will, dass ihr Tag schön wird.

Gisela nickte. Sie hatte wirklich vor, lieb und freundlich zu sein. Bernd war nervös seine Frau brauchte für jede Veranstaltung ewig. Gisela schminkte sich langsam und sorgfältig. Eigentlich hatte sie keine Lust, Hilde und ihren Mann Wolfgang zu besuchen.

Alles bei ihnen ist so mittelmäßig, grau und ohne Charme, dachte sie, während sie in den Spiegel blickte. Altmodische Salate, einfache Brote, kein Kaviar, kein teurer Wein, nur billiger Schnapps Und die Wohnung eine schäbige Zweizimmerwohnung. Klar, sie haben drei Kinder und einen kleinen Gemüseladen, aber der Gewinn scheint mager.

Endlich war sie fertig. Sie zog ihr elegantes Kleid an und trat heraus. Bernd und Felix warteten ungeduldig auf dem Sofa.

Endlich!

Der Weg in den fünften Stock des Plattenbaus ohne Aufzug verdarb Giselas Laune. Die Wohnung war voll, der Tisch eng, Kinder rannten schreiend umher. Hilde trug abgetragene Jeans und ein kariertes Hemd.

Hättest dich wenigstens zum Geburtstag etwas schicker angezogen, dachte Gisela und setzte sich neben Bernd.

Vor dem Essen überreichte sie Hilde ein teures Parfüm.

Danke, Gisela, du weißt immer, was man schenkt. Duft ist etwas Besonderes.

Gisela musterte den Raum: abgewetzte Tapeten, alte Bücherregale, abgenutzte Möbel alles längst überholt.

Wolfgang, Hildes Mann, hatte sie nie gemocht. Er grinste sie immer spöttisch an. Sie dachte, er sei neidisch. Hilde war ungepflegt, ohne Maniküre. Nun fragte er süffisant:

Na, Gisela, wie läufts? Bald Chefin?

Ganz gut, vielleicht bald, zwang sie sich zu einem Lächeln. Ihr habt ja viele Gäste.

Ja, Hilde ist beliebt. Deshalb sind alle gekommen, sagte er und warf seiner Frau einen liebevollen Blick zu.

Der Abend verlief ruhig. Später saßen Gisela und Bernd auf ihrem luxuriösen Sofa und nippten an spanischem Wein.

Ging ja ganz gut bei Hilde, meinte Bernd.

Es war erträglich. Du weißt, ich mag sie nicht, und sie mich nicht. Lass uns das Thema beenden, erwiderte sie, das Glas in der Hand.

Bernd gab nach.

Am nächsten Morgen hatte Gisela einen Termin im Schönheitssalon.

Ihr beiden müsst euch ohne mich beschäftigen. Aber ihr könnt ja woanders essen, der Kühlschrank ist fast leer. Schafft ihr das?

Hättest du nicht vorher fragen können, bevor du dich angemeldet hast?, seufzte Bernd. Na gut, machs gut.

Doch nach dem Wochenende erfuhr Gisela von bevorstehenden Entlassungen. Der Direktor sollte gehen, und alle erwarteten, dass sie seine Nachfolgerin würde.

Gisela, sicher wirst du befördert, raunte eine Kollegin beim Kaffee.

Keine Ahnung. Niemand hat mit mir darüber gesprochen.

Dann wurde sie zum Präsidenten gerufen. Selbstsicher betrat sie sein Büro, überzeugt von ihrer Beförderung.

Setzen Sie sich, Gisela, begann er höflich, dann wurde er direkt. Du bist eine hervorragende Fachkraft, klug und zuverlässig das weißt du selbst. Aber es gibt ein Problem. Unser Direktor geht, und leider müssen wir sein ganzes Team entlassen auch dich. Ich habe versucht, das zu verhindern, aber die Entscheidung steht. Es geht nicht um Leistung, sondern um Einsparungen. So ist es beschlossen.

Gisela verließ wie betäubt den Raum. Sie packte ihre Sachen und fuhr nach Hause. Felix war noch in der Schule, Bernd bei der Arbeit. Sie setzte sich aufs Sofa und weinte.

Was nützt mir eine Abfindung? Ich habe alles gegeben und jetzt bin ich ersetzbar.

Bernd tröstete sie abends: Keine Sorge, wir schaffen das. Du findest etwas Neues.

Bernd, wo soll ich denn so ein Gehalt wiederfinden?

Vielleicht erstmal weniger. Ich arbeite, wir haben Ersparnisse. Es wird schon.

Du bist der beste Mann der Welt, flüsterte sie und drückte ihn. Aber das hilft mir nicht.

Doch sie fand nichts. Sie schickte Bewerbungen ab, durchforstete Stellenangebote vergeblich. Ein Monat verging, und die Frustration wuchs.

Bernd, wir müssen sparen, sagte sie eines Tages. Die Abfindung reicht nicht ewig, und Arbeitslosengeld ist begrenzt. Keine Restaurants mehr auch wenn ich nicht gern koche.

Ich esse lieber zu Hause. Kochen lernst du schon, lächelte er.

Dann endlich ein Anruf: eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Der junge Mann im makellosen Anzug wirkte freundlich.

Sie haben viel Erfahrung im Kundenservice, sagte er.

Ja, ich habe in meiner alten Firma alle Stationen durchlaufen.

Aber nicht die höchsten. Ihr Sohn ist schon groß planen Sie weitere Kinder?

Gisela war schockiert. Das geht Sie nichts an.

Beruhigen Sie sich. Nun, was wäre Ihr Gehaltswunsch?

Sie nannte eine Summe nahe ihrem alten Verdienst. Der Mann stutzte.

Das ist sehr hoch. Wir bieten die Hälfte teilweise als Boni. Ich weiß nicht, wo Sie heute so etwas finden würden. Ich sehe, unsere Bedingungen passen nicht

Gisela verließ wütend das Büro. Zu Hause beschwerte sie sich über die Geringschätzung ihrer Erfahrung.

Der Winter war hart. Bald verkauften sie ihren Mercedes zu teuer.

Es tut mir leid, Gisela, tröstete Bernd. Wir kaufen später einen günstigeren. Das überstehen wir.

Doch dann rief Hilde an.

Kann ich vorbeikommen? Ich muss mit dir reden.

Sie saßen in der Küche. Hilde bot an: Komm in unseren Laden. Wolfgang will mit einem Freund eine Firma für Fliesenlegen gründen. Ich schaffe den Laden allein nicht. Du könntest mir helfen.

Gisela schwieg. Sie war sprachlos.

Ich soll Kartoffeln verkaufen?, brach es schließlich aus ihr heraus.

Am Anfang helfe ich dir. Du gewöhnst dich dran.

Gisela versprach nichts, doch zu Hause explodierte sie.

Wie kann sie mir das anbieten? Das ist erniedrigend!

Bernd verlor die Geduld. Hör auf! Dein Gejammer geht mir auf die Nerven. Hilde meint es gut. Wenn das Leben dir einen Strich durch die Rechnung macht, musst du dich anpassen.

Zwei Tage herrschte Schweigen. Dann entschied Gisela sich.

Bernd, ich mache es. Ich fange morgen an.

Das ist meine Kluge! Dein Wissen wird auch dort nützlich sein.

Die ersten Wochen waren hart. Gisela weinte über ihre rauen Hände. Manchmal waren Kunden unfreundlich, doch sie beherrschte sich. Doch nach drei Monaten hatte sie den Dreh raus.

Dann brach Hilde sich das Bein. Gisela musste allein klar

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: