Überraschung!

**Tagebucheintrag**

Heute Abend fragte mich Klaus, ob wir noch auf ein Bier ins Café gehen wollten. Ich schüttelte den Kopf. “Nein, ich muss nach Hause. Sieh mal.” Ich zog die kleine Schachtel aus der Tasche und öffnete sie.

“Wirklich? Du traust dich?” Klaus musterte den Ring. “Ich dachte, du heiratest nie.” Er klopfte mir auf die Schulter.

“Vier Jahre sind genug. Es wird Zeit, dass Sophie und ich es offiziell machen. Sie ahnt nichts eine Überraschung. Wenn ich es jetzt nicht tue…”

“…wirst du es nie tun”, beendete Klaus meinen Satz. “Zweifelst du noch? Sie ist eine tolle Frau. Ich bin fast ein bisschen neidisch.”

“Ich muss los”, sagte ich und steckte die Schachtel weg. “Hab versprochen, früher heimzukommen.”

Auf dem Weg hielt ich beim Blumenladen und kaufte ein paar rote Rosen Sophies Lieblingsblumen. Im Auto legte ich sie auf den Beifahrersitz. An den Ampeln übte ich meine Worte: “Liebe Sophie, du hast so lange gewartet… Nein, das klingt falsch.”

Ich fand einfach nicht die richtigen Worte. Als ich vor unserem Haus in München parkte, nahm ich die Blumen und ging zum Eingang. Mein Handy klingelte, noch bevor ich die Tür öffnete.

“Mama? Ist alles in Ordnung?” Ihre Stimme verriet, dass etwas nicht stimmte.

“Bei mir ist alles gut. Aber… es ist Lena. Sie ist tot, mein Junge.”

“Wie…?” Die Türklinke glitt mir aus der Hand. Lena, meine Jugendfreundin einfach weg.

“Ein Autounfall. Der Fahrer ist geflohen. Die Beerdigung ist morgen. Kommst du? Sie mochte dich so gern…” Mamas Stimme brach. “Und jetzt ist nur noch Hanna allein. Was wird aus ihr? Ich fürchte, sie kommt ins Heim…”

“Ich versuche, rechtzeitig da zu sein”, versprach ich.

Mein Kopf rauschte. Lena war tot. Und ich? Ich hatte sie nie so geliebt, wie sie mich liebte. Sie verdiente das nicht.

Ich weiß nicht mehr, wie ich in die Wohnung kam. Der Blumenduft und das Abendessen, das Sophie gekocht hatte, wirkten plötzlich fehl am Platz.

“Wofür die Blumen?” Sie lächelte, doch ich zögerte, als wüsste ich nicht, was ich damit tun sollte.

“Man braucht keinen Grund.” Ich gab ihr die Rosen und drückte einen Kuss auf ihre Wange.

Sie verbarg ihre Enttäuschung und verschwand in der Küche. Beim Essen schmeckte mir nichts.

“Was ist los?” Sie musterte mich.

“Lena ist tot. Die Beerdigung ist morgen. Ich muss nach Berlin. Es geht um Hanna… unsere Tochter.”

Sophie erstarrte. “Du hast nie erwähnt, dass du ein Kind hast.”

“Sie ist zwölf. Ich weiß nicht, was jetzt passiert.”

“Willst du sie etwa hierherholen?” Ihre Stimme klang scharf.

“Ich muss erstmal hin.” Ich packte meine Sachen.

“Das ist also die Überraschung?” Sie stand auf.

“Nein. Das erzähle ich dir später.” Meine Hand umschloss die Ringbox in meiner Tasche.

Im Nachtzug konnte ich nicht schlafen. Erinnerungen überfluteten mich.

***

Lena und ich kannten uns seit dem Kindergarten. Immer dünn, immer krank ein Schal um den Hals. Als ihre Eltern starben, nahmen meine Eltern sie auf. Später ein dummes Malheur wurde sie schwanger. Meine Eltern bestanden auf Heirat.

Ich empfand mehr Freundschaft als Liebe. Als Hanna geboren wurde, spürte ich nichts. Ich brach ab, zog nach München, verlor den Kontakt. Selbst als mein Vater starb, kam ich nicht.

Jetzt, zwölf Jahre später, fuhr ich zurück.

Mama weinte, als sie mich sah. Hanna stand abseits, misstrauisch. “Komm her, das ist dein Papa”, sagte Mama.

Hanna drehte sich abrupt um und verschwand in ihrem Zimmer meinem alten.

Die Beerdigung war still. Lena war einfach weg. Hanna weinte nicht, redete nicht mit mir.

“Ich gehe nicht mit dir”, hörte ich sie später sagen. “Er hat uns verlassen. Lieber ins Heim.”

Doch am Ende stieg sie mit mir in den Zug.

“Lebe ich jetzt bei dir und deiner Freundin?” fragte sie.

“Ja. Ich werde ihr einen Antrag machen. Vielleicht magst du sie.” Ich war mir nicht sicher.

Doch als wir heimkamen, war die Wohnung leer. Sophies Sachen weg nur die Schlüssel lagen da.

Hanna machte Tee, ohne Vorwürfe. Am nächsten Tag kauften wir Kleidung, gingen ins Kino. Langsam tauten wir auf.

Dann kam die Dienstreise nach China.

“Frag doch Sandra aus der Arbeit”, schlug mein Kollege vor. “Sie ist verknallt in dich.”

Sandra sagte sofort zu. Als ich zurückkam, standen sie beide vor dem Haus wie Schwestern. Mein Herz klopfte.

“Kommt, ich habe Geschenke!”, rief ich.

Beim Abendessen lachten sie, stellten Fragen. Es fühlte sich gut an.

“Papa”, flüsterte Hanna plötzlich das erste Mal.

Später bat ich Sandra zu bleiben. Sie schlief in Hannas Zimmer.

Diese Nacht war ich wieder wach. So viel hatte sich geändert. Vielleicht war das jetzt Liebe. Vielleicht war das Glück.

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Homy
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