Ich las hier die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die nicht wusste, wie es weitergehen soll und keinen Ausweg sah. Da wollte ich auch meine Geschichte erzählen – nicht um jemanden zu verurteilen, sondern weil man als Mutter mit Kindern und finanzieller Not nicht einfach warten kann, bis das Geld vom Himmel fällt. Mir hat niemand geholfen – ich habe mir alles selbst erkämpft.

Ich las nachts die Geschichte einer alleinstehenden Mutter auf einem geheimnisvollen Platz in Berlin, wo die Häuser sich wie Träume ineinander verschlangen. Sie schrieb, dass sie keinen Ausweg sah, und plötzlich spürte ich das Bedürfnis, meine eigene Geschichte zu erzählen nicht um zu urteilen, sondern weil man mit Kindern und Sorgen nicht stillliegen kann und darauf wartet, dass Euros wie Wolken vom Himmel fallen. Niemand hat mir etwas geschenkt; ich habe alles selbst errungen.

Mit sechzehn verließ ich mein Zuhause in einer kleinen Stadt am Main, aus Trotz, aus kindlicher Dummheit, weil ich dachte, dass ich mit meinem Freund er hieß Paul Schneider besser leben würde. Wir landeten in einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung mitten in einer seltsam verwinkelten Altbau-Gasse. Die Küche berührte das Wohnzimmer, das Schlafzimmer war mit einer dünnen Wand abgetrennt, das Bad lag draußen wie ein Geheimnis im Hinterhof. Kein Luxus, aber unser Reich.

Zwei Jahre später, kaum achtzehn, wurde ich mit meinem ersten Kind schwanger. Am Anfang schien alles normal. Paul fuhr Taxi durch die nebeligen Straßen von Frankfurt, brachte Geld für den Markt, wir bezahlten die Miete. Nichts blieb übrig, aber wir hungerten nicht. Als mein Sohn er heißt Emil fast ein Jahr alt war, merkte ich, dass Paul immer weniger Geld heimtrug. Und stets hatte der Herbst, die Konkurrenz oder die kaputte Lichtmaschine einen Schuldigen parat. Ich glaubte ihm. Dann wurde ich von neuem schwanger dieses Mal mit meiner Tochter, die nur in Deutschland existieren kann, und daher heißt sie Lieselotte. Im vierten Monat ging Paul einfach. Ohne Abschied, ohne Geschichte. Er kam eines Morgens, nahm ein paar Pullover und verschwand irgendwo zu einer anderen Frau.

Das Schmerzhafteste war nicht nur das Verlassenwerden, sondern dass plötzlich alle redeten. Nachbarn, Onkel, Leute vom Bäcker. Sie hätten ihn schon Monate mit ihr gesehen, sie würde ihn an der Ecke erwarten, er schlafe bei ihr. Niemand hatte mir je etwas gesagt alles erfuhr ich, als ich allein war, schwanger und mit einem kleinen Kind am Bein.

Paul verschwand wie ein Gedanke. Er fragte nie nach den Kindern. Keinen einzigen Euro gab er nicht einmal für Windeln. Ich saß auf dem Boden und weinte den ganzen Tag, sah den Kühlschrank, dessen Innere leer wie ein Bahnhof war, die Milch ging zur Neige, das zweite Kind klopfte schon, die Miete raste heran, es fehlten Kinderklamotten, das Bettchen war nur ein Gedanke. Ich weinte. Doch am nächsten Morgen stand ich auf und sagte zu mir: Ich bleibe nicht liegen.

Ich begann dort in der kleinen Wohnung. Ich kaufte Zutaten auf Kredit und rührte Götterspeise, Desserts im Glas, kleine Muffins. Ich machte Fotos mit meinem Telefon und stellte sie in meinen WhatsApp-Status und auf Instagram. Ich log nicht. Ich schrieb mit Wahrheit: Ich verkaufe Süßes, um Windeln und Milch zu kaufen. Menschen begannen zu bestellen manche aus Mitleid, manche weil es ihnen schmeckte. Mit diesen Euros bezahlte ich den Markt, sparte für die Miete, kaufte das Nötigste.

Dann fing ich an, Mittagessen auf Bestellung zu kochen Reis, Linsen, Hähnchenragout, Hackfleisch. Ein Mann aus dem Viertel Erwin, mit seinem Motorrad übernahm die Lieferungen; ich bezahlte ihm den Sprit. Ich stand um fünf Uhr auf, kochte mit dickem Bauch und Emil an meiner Seite. Es gab Tage, da war ich so erschöpft, dass ich am Tisch saß und still weinte. Aber am nächsten Tag zündete ich erneut den Herd an.

Ich sparte Euro um Euro. Kurz vor der Geburt rief meine Mutter an und sagte, ich solle zu ihnen kommen nicht alleine sein. Lieselotte kam dort zur Welt. Seitdem sind meine Eltern wie ein Fundament; sie tragen mich nicht, aber stützen mich sie helfen mit den Kindern, wenn Bestellungen kommen.

Heute ist Emil sechs Jahre alt. Lieselotte wächst wie wildes Gras. Mit meiner Mutter schuf ich ein kleines süßes Abenteuer. Keine große Firma, aber wir haben einen kleinen Raum, backen Torten für Geburtstage, süße Buffets, liefern zu Veranstaltungen. Wir sind nicht reich, aber ich gehe nicht hungrig ins Bett und schlafe nicht mit dem Gedanken ein, meinen Kindern morgen nichts geben zu können.

Ich weiß, wie sehr es schmerzt, wenn ein Mann seine Frau mit Kindern verlässt es ist nicht fair. Aber ich weiß auch: Man kann nicht darauf warten, dass jemand rettet. Niemand kam mich retten. Mit Kindern hat man keinen Luxus, aufzugeben.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Ich las hier die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die nicht wusste, wie es weitergehen soll und keinen Ausweg sah. Da wollte ich auch meine Geschichte erzählen – nicht um jemanden zu verurteilen, sondern weil man als Mutter mit Kindern und finanzieller Not nicht einfach warten kann, bis das Geld vom Himmel fällt. Mir hat niemand geholfen – ich habe mir alles selbst erkämpft.
Sie ließ mich auf der Parkbank warten… Jahre voller Schmerz vergingen, bis ich sie wiedersah