Mein Name ist Stefan. Ich schätze mich wirklich als Glückspilz, denn ich durfte Ehemann und Vater werden. Meine Frau heißt Annika, ich hatte mich schon zu Schulzeiten in sie verliebt. Sie hat tapfer gewartet, bis ich aus der Bundeswehr zurück war, und als ich wiederkam, haben wir geheiratet.
Zuerst wurde unser ältester Sohn Moritz geboren. Drei Jahre später folgte unser zweiter Sohn, Lukas. Aber ich hatte insgeheim immer von einer Tochter geträumt. Bereits als Annika das erste Mal schwanger war, verkündete ich im Freundeskreis, ich wünsche mir so sehr ein Mädchen. Die Reaktionen darauf waren köstlich als Vater will man doch schließlich einen Sohn, oder? Aber ich eben nicht, ich wollte unbedingt eine Tochter. Naja, Annika bekam einen Sohn. Und dann, drei Jahre später, noch einen.
Wir führten ein schönes Leben, unsere Jungs wuchsen und gedeihten. Dann überraschte mich Annika eines Tages: Stefan, ich bin wieder schwanger. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet! Ein weiteres Kind stand eigentlich nicht auf dem Plan, aber ich freute mich sehr über die Nachricht meiner Frau.
Na, jetzt bekomme ich aber wirklich endlich ein Mädchen! grinste Annika. Und ich war mir sicher: dieses Mal klappt’s!
Sowohl meine Mutter als auch Annikas Mutter schworen schon beim Anblick von Annikas Bauch, dass es diesmal garantiert ein Mädchen wird. Sogar der Ultraschall legte sich fest. Wir warteten also zusammen auf die Tochter. Selbst die Jungs hatten schon einen Namen parat.
Als es dann so weit war, brachte ich Annika ins Klinikum. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht, voller Aufregung. Konnte alles gut, ist es jetzt das ersehnte Mädchen? Am nächsten Morgen rief ich in der Klinik an und man teilte mir mit, ich hätte einen Sohn bekommen, 3.200 Gramm, 54 Zentimeter.
Ich dachte erst, es wäre ein Tippfehler. Es sollte doch ein Mädchen werden! Aber: Kein Fehler. Da war tatsächlich nochmal ein Sohn geboren. Das war dann doch eine ziemliche Überraschung für alle, nicht nur für mich. Wie konnte sich denn der Ultraschallarzt so vertun? Am Telefon fragte ich Annika:
Sag mal, hast du mit dem Nachbarn irgendwas gedreht? Bitte WAS?! Sag mal, spinnst du?! Na, es sollte doch ein Mädchen werden! Du hast wohl ein Rad ab! Schnappte Annika beleidigt und legte auf.
Kurze Zeit später wurde Annika aus der Klinik entlassen, ich holte sie samt Baby ab. Zu Hause angekommen, wickelte sie unser drittes Söhnchen aus der Decke. Ich blickte auf das winzige Würmchen und fühlte sofort: Das ist mein Sohn. Ich habe ihn direkt ins Herz geschlossen.
Viereinhalb Jahre zogen ins Land. Unser dritter Sohn, Jonas (so tauften wir ihn), lernte gerade, wie man den Roller bestellt. Komisch: Er sah mir überhaupt nicht ähnlich, nur ein bisschen nach Annika. Die beiden großen Brüder waren im Gesicht ganz wie ich.
Doch dann fing ich eines Tages im Hausflur zufällig ein Gespräch der Omas auf. Offenbar hatte Jonas keinerlei Ähnlichkeiten mit mir.
Habt ihr schon gesehen? Der Jonas sieht doch aus wie der Herr Schröder aus dem dritten Stock!
Das hat mich dann doch getroffen. Zuhause fragte ich Annika ganz direkt: Sag mal, wer ist denn nun Jonas Vater?
Jetzt gehts aber los! Wie kommst du überhaupt auf so einen Schwachsinn? Was bildest du dir eigentlich ein? Ich will doch bloß die Wahrheit wissen! Immerhin hat dich Herr Schröder neulich mal von der Arbeit heimgefahren! Hat er, ja! Ich war da schon schwanger, mir war speiübel und ich hatte zwei volle Einkaufstüten! Dass er mich kurz mitgenommen hat, ist doch kein Verbrechen! Naja, aber irgendwie sieht unser Jonas gar nicht aus wie ich
Es eskalierte, Annika war richtig sauer. Ich überlegte sogar, einen Vaterschaftstest zu machen, aber sie lehnte ab. Zwei Wochen später willigte sie dann zähneknirschend ein und schwor mir, nach dem Test würde sie sich von mir scheiden lassen. Offenbar war sie stinksauer.
Eines Morgens traf ich zufällig Herrn Schröder, 35 Jahre alt, ewiger Single. Ich musterte ihn kritisch auf Gemeinsamkeiten mit Jonas. Aber: Nichts. Gar nichts.
Ich ging heim, saß in der Küche und grübelte. Da kam Jonas angerannt, kletterte auf meinen Schoß, umarmte mich und schnatterte irgendwas los. Plötzlich war alles nichtig. Was mache ich denn für einen Zirkus? Ich brauche keinen Test, ich BIN sein Vater das weiß ich. Ich schnappte mir meinen Sohn und ging zu Annika ins Schlafzimmer.
Wir machen keinen Test! Wie bitte? Jetzt wo ich mich quasi schon mit deiner Haarspalterei abgefunden habe und du endlich erfahren würdest, dass Jonas wirklich dein Sohn ist, kneifst du?!
Nach einer Woche Geschenke und Charmeoffensiven verzieh mir Annika schlussendlich. Die Kinder wuchsen heran. Unser ältester Sohn heiratete und machte uns mit seiner Frau zum ersten Mal zu Großeltern einer Enkeltochter! Endlich, eine Enkelin, die ich hemmungslos verwöhnen kann.
Und ich weiß ich werde sie mit ganzem Herzen liebhaben. So wie alle meine drei Jungs.




