Mama, heute Morgen war noch alles in Ordnung, begann die Tochter unter Schluchzen, doch am Nachmittag hat jemand bei Frank angerufen.

Birgit kommt heute ganz aufgewühlt nach Hause. Sie hat beschlossen, ihre Tochter zu besuchen. Als sie die Wohnung betritt, trifft sie auf ein heilloses Durcheinander. Ihre Tochter sitzt schluchzend auf dem Fußboden. Sie hat sich mit Jörg gestritten und ihn kurzerhand vor die Tür gesetzt. Birgit hatte keine Ahnung, dass es soweit kommen könnte. Ihre Tochter schien bisher immer glücklich. Sie führten ein gutes Leben, zogen zwei Kinder groß. Sie hatten gemeinsam eine Eigentumswohnung auf Kredit in München gekauft. Birgit kann einfach nicht begreifen, was passiert ist.

Mama, heute Morgen war alles noch in Ordnung, beginnt ihre Tochter, immer wieder unter Tränen. Und heute Nachmittag hat plötzlich jemand bei Jörg angerufen. Ich bin rangegangen. Da meldet sich eine Frauenstimme:

Liebling, wie lange soll ich noch warten? Ich habe gefragt, wer da spricht, aber die Fremde hat sofort aufgelegt und danach ging sie nie wieder ans Telefon. Da wollte ich Jörg zur Rede stellen. Er meinte nur, es war ein Versehen.

Du weißt doch, dass ich dir treu bin! Ich konnte das einfach nicht glauben… Da hat er seine Sachen gepackt und ist gegangen.

Birgit versucht, ihre Tochter zu beruhigen. Vielleicht war es wirklich nur ein Missverständnis.

Am nächsten Tag ruft ihre Tochter erneut an und berichtet, dass Jörg jetzt die Scheidung eingereicht hat. Er sagt zwar, er werde den Immobilienkredit weiter abbezahlen. Aber wer weiß schon, wie es wirklich ausgeht. Wenn er plötzlich nicht mehr zahlt, wird Saskia das niemals allein stemmen können dann verlieren sie womöglich die Wohnung. Zwar hat Jörg zugesichert, dass die Wohnung auf die Kinder überschrieben wird. Doch Saskia hat mitbekommen, dass Jörgs neue Geliebte darauf drängt, den Besitz aufzuteilen.

Sie braucht nämlich auch dringend eine Wohnung, weil sie schwanger ist. Ob das stimmt, weiß niemand so genau. Seit der Trennung behauptet Jörg zwar, er übernehme alle finanziellen Verpflichtungen. Den Kontakt zu seinen Kindern hält er ebenfalls aufrecht, und Saskia verbietet es ihm nicht. Doch die neue Partnerin kann das nicht akzeptieren. Jörg beginnt zu schwanken, ob er weiter die Raten zahlen will.

Manchmal erkennt Saskia, dass ihr Ex-Mann von der Situation und der neuen Frau vollkommen erschöpft ist. Auch ihre Schwangerschaft scheint ihn zu überfordern…

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Homy
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Mama, heute Morgen war noch alles in Ordnung, begann die Tochter unter Schluchzen, doch am Nachmittag hat jemand bei Frank angerufen.
Nichts, liebe Mutter! Du hast doch dein eigenes Haus – dort wohnst du! Komm bitte nicht mehr vorbei, es sei denn, wir laden dich ein. Meine Mutter lebt in einem kleinen, gemütlichen Dorf am Flussufer. Direkt hinter dem Grundstück beginnt ein Waldstreifen, und zur Saison kann man dort beeindruckende Mengen Beeren und Pilze sammeln. Schon als Kind bin ich mit einem Korb über die vertrauten Lichtungen gelaufen und habe die Nähe zur Natur genossen. Geheiratet habe ich einen Klassenkameraden, dessen Eltern gleich gegenüber von meiner Mutter wohnen, aber ihr Grundstück hat keinen Zugang zum Fluss und zum Wald. Deshalb bleiben wir, wenn wir aus der Stadt kommen, meist bei meiner Mutter. In letzter Zeit hat meine Mutter sich sehr verändert – ob wegen des Alters oder aus Eifersucht auf meinen Mann, unsere Urlaube endeten oft mit Streit. Es wurde immer schwieriger, alles friedlich zu lösen. Als wir einmal bei den Eltern meines Mannes übernachteten, schaffte es meine Mutter sogar, sich mit ihrer Schwiegermutter zu streiten – um absolute Kleinigkeiten. Die Schwiegermutter war so aufgebracht, schrie so laut, dass die ganze Straße davon hörte, wie sie sich gegenseitig alte Vorwürfe machten. Einen Monat später, nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, kamen mein Mann und ich auf die gute Idee, ein eigenes Haus zu bauen – damit niemand auf den anderen böse ist, wir einen Ort für Besuche haben und uns wirklich zu Hause fühlen können. Die Frage des Grundstücks war lange ungeklärt, aber schließlich hat es irgendwie geklappt. Mein Schwiegervater und meine Schwiegermutter halfen begeistert bei der Bauarbeit. Mein Schwiegervater war ständig auf unserer Baustelle präsent. Nur meine Mutter machte Probleme. Sie kam vorbei, gab Ratschläge, kritisierte, was schon gemacht war – kurzum: Auch hier ließ sie uns keine Ruhe. So bauten wir das Haus. Es war eine Tortur. Ein Jahr später war das Haus fertig. Wir hofften auf Ruhe – doch die blieb aus! Die Mutter hörte nicht auf mit ihren Besuchen, nannte uns egoistisch, meinte nun, sie käme gar nicht mehr auf Hilfe. Dabei berücksichtigte sie nicht, dass mein Mann stets alle Arbeiten auf ihrem Grundstück erledigte – Rasen mähen, Dach reparieren usw. Eines Tages sagte meine Mutter: „Warum kommt ihr überhaupt her? Sitzt doch in der Stadt, und wenn ihr hier seid, protzt ihr mit eurem Wohlstand.“ Das war die letzte Tropfen Geduld für meinen Mann. Ganz ruhig ging er auf die Schwiegermutter zu, aber in seiner Ruhe lag etwas, das meine Mutter bis zur Tür zurückweichen ließ: „Was ist los, Schwiegersohn?“ „Nichts, liebe Mutter! Du hast doch dein eigenes Haus, dort wohnst du! Komm bitte nicht mehr – außer wir laden dich ein. Gönn uns wenigstens ab und zu ein freies Wochenende. Wenn du Hilfe brauchst, ruf uns an, und wenn’s mal brennt, sind wir sofort da!“ „Wovon redest du? Was für ein Brand?!“ Bei diesen Worten ging meine Mutter beinahe lachend zur Tür. Mühsam hielt ich mein Lachen zurück, als ich sah, wie sie sich umschaute und zum Tor eilte. Mein Mann hob die Hände: „Na, entschuldige, vielleicht war das mit dem Feuer etwas überspitzt…“ „Nein, genau richtig!“ Und wir haben noch lange gemeinsam gelacht, in Erinnerung an Mamas Gesichtsausdruck. Seitdem ist es ruhig bei uns. Die Mutter kommt nicht mehr zu Besuch, nimmt die Hilfe meines Mannes an, spricht aber nur noch per Ja-nein-Prinzip mit uns. Wahrscheinlich denkt sie immer noch an diesen Brand…